Radfahren ist gesunde, kostengünstige Mobilität. Viele Menschen lernen es deshalb schon in jungen Jahren. Obwohl statistisch gesehen fast jeder Mensch in Deutschland ein Rad besitzt, gibt es viele Menschen, die nie gelernt haben, Rad zu fahren.
Die richtige Ausrüstung und Vorbereitung
Für Erwachsene, die zum ersten Mal auf ein Fahrrad steigen, empfehlen wir einen Rahmen mit tiefem Einstieg. Diese Rahmenform erleichtert das Auf- und Absteigen. Gerade beim Radfahrenlernen ist das ein wichtiger Punkt“, sagt Birgit Greif vom Fahrradhersteller Winora. Räder mit breiteren Reifen versprechen mehr Komfort und Stabilität - ein nicht zu unterschätzender Faktor auf den ersten Fahrten.
Wer sich dem Abenteuer Fahrrad ungern unter vielen Augen stellen möchte, sollte sich trotzdem unbedingt Hilfe von einer erfahrenen Radfahrenden suchen und nicht einfach eigenmächtig in den Sattel springen. „Radfahrenlernen sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Wichtig ist, einen gesunden Respekt gegenüber dem Radfahren zu haben. Wobei zu viel Angst auch ein falscher Begleiter ist. Hier gilt es, sich in Gesprächen mit anderen die Ängste nehmen zu lassen“, sagt Stephanie Römer vom Fahrradhersteller Tout Terrain.
Kleinere Stürze gehören bei den ersten Übungen dazu, deshalb sollte der Kopf gut geschützt sein. Außerdem zu empfehlen: Fahrradhandschuhe. Fällt man mal hin, kann man sich in vielen Fällen mit den Händen auf dem Asphalt abstützen.
Das E-Bike: Nicht ideal zum Start
Auch wenn E‑Bikes zurzeit sehr gefragt sind: Zum Radfahrenlernen eignen sie sich nicht. Das höhere Gewicht ist für Einsteiger:innen auf den ersten Touren und bei den Übungen hinderlich. Zusätzlich können die diversen Funktionen rund um den Motor überfordern. Wer sich ein E‑Bike gekauft hat, sollte sich zum Erlernen der Grundkenntnisse ein Rad ohne Motor und Akku ausleihen.
Die ersten Schritte: Vertrauen aufbauen
„Zuerst gilt es, Vertrauen zum Rad aufzubauen. Man braucht Zeit, sich erst mal alles richtig anzusehen, anzufassen und die einzelnen Komponenten zu bedienen“, rät Jacob von Hacht vom Fahrradhersteller Stevens. Anfänger:innen sollten das Rad zuerst einmal schieben - und zwar auf einem Übungsplatz. Beim einhändigen Schieben am Sattel oder beim Schieben im Slalom merken sie, wie sich das Rad verhält. Kombiniert mit ein paar Gleichgewichtsübungen bekommt man gleich ein besseres Gefühl fürs Radfahren.
Bremsen üben
Bevor es zum ersten Mal in den Sattel geht, ist ein Gefühl für die Bremse wichtig. Wer das Fahrrad sicher zum Stehen bringt, hat weniger Angst. Dabei ist es ratsam, ein Rad mit zwei Handbremsen zu nehmen und wenn möglich auf einen Rücktritt zu verzichten. Handbremsen lassen sich besser dosieren und sind mittlerweile an allen Rädern Standard. Bereits beim Schieben können auch Übungen zum Bremsen mit eingebaut werden. Durch Ziehen der beiden Bremshebel lernt man die unterschiedliche Bremsleistung an Vorder- und Hinterrad besser zu verstehen.
Die Laufmaschine: Radfahren ohne Pedale lernen
Ähnlich gilt es auch bei Erwachsenen vorzugehen: Man stelle den Sattel möglichst tief ein und schraube die Pedale ab - so ähnelt das Fahrrad einer Laufmaschine, wie sie vor über 200 Jahren als Vorläuferin des Fahrrads erfunden wurde. Übungsvarianten wie das Abstoßen mit einem Bein oder das Kurvenfahren erhöhen den Lernfaktor und machen Spaß. Mit der Zeit gilt es dann, die Geschwindigkeit zu steigern.
Die ersten Tritte
Wenn man etwas Vertrauen zum Rad hat, fehlt der letzte Schritt: das Anfahren! Im Sattel sitzend wird nun in die Pedale getreten. Zum Anfahren stellt man den Fuß auf das oben stehende Pedal (Position auf ca. 11 Uhr) und mit dem Standbein stößt man sich vom Boden ab. Die Beschleunigung sorgt dann dafür, dass man besser die Balance halten kann. Diesen Vorgang wiederholt man nun öfter. Zwar ist es individuell verschieden, welches Pedal als das passende zum Anfahren erachtet wird, aber im Idealfall steht der linke Fuß auf dem Pedal und mit dem rechten Fuß stößt man sich vom Boden ab. Der Grund: Beim Anfahren auf der Fahrbahn ist die Körperseite geschützt vor dem Verkehr.
Fahrsicherheit und Übung
Lass dich als Lehrende:r nicht davon ausgehen, dass gleich alles auf Anhieb passt und man schon nach den ersten Runden das Fahrrad fehlerfrei beherrscht. Radfahrenlernen ist ein längerer Prozess, der viel Übung braucht. Kurven fahren, abbiegen, Engstellen passieren oder auf Überraschungen reagieren sind Situationen, die es zu trainieren gilt. Deshalb Zeit lassen und die ein oder andere Übungseinheit mehr absolvieren.
Sicherheit im Straßenverkehr
Fahrsicherheit kann man lernen: Vor allem für Neueinsteiger oder Menschen, die lange nicht per Fahrrad unterwegs waren, ist das E-Bike eine häufig unterschätzte Herausforderung. Allerdings gilt auch hier: langsam herantasten! Unvorhersehbare Situationen können zu Unsicherheit führen. Darum hilft es, die ersten Fahrten in Tempo-30-Zonen und auf getrennten Radwegen zu machen. Achtung: Anders als Kleinkinder dürfen erwachsene Fahrrad-Anfänger:innen nicht den Gehweg nutzen!
Alternativen: Dreiräder für Erwachsene
Sie sollten sich deshalb überlegen, ob ein sportliches Trike oder ein Sesseldreirad für sie die bessere Alternative wäre. „Die Räder sind äußerst kippstabil. Damit sind sie gerade beim langsamen Anfahren für Neueinsteiger:innen bestens geeignet. Das Erlernen geht superleicht: einfach reinsetzen und losfahren! Und auch im Alltag fallen manche Sachen leichter, beispielsweise das Handzeichengeben“, sagt Alexander Kraft vom Hersteller HP Velotechnik.
Weitere Tipps für den Start
- Fahrrad-Check: Lassen Sie Ihr Fahrrad nach der Winterpause in einer Fachwerkstatt überprüfen.
- Taube Füße: Überprüfen Sie Ihr Schuhwerk, um Nervenreizungen zu vermeiden.
- Sattel und Lenker: Richten Sie den Sattel waagerecht aus und passen Sie die Lenkerhöhe an, um Rückenschmerzen vorzubeugen.
Kurse und Unterstützung
In vielen Städten bieten Ortsverbände des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Wochenendkurse für Fahrrad-Einsteiger:innen an. Dabei wird in einem verkehrsberuhigten Bereich, zum Beispiel auf einem Parkplatz, mit verschiedenen Übungen und Aufgaben der erste Kontakt zum Fahrrad trainiert.
Gerade wenn man es als Erwachsener lernt, kann es ein langer Weg sein. Hier einem professionellen Trainer mit zahlreichen Hinweisen und Übungen zu vertrauen, das richtige Material zum richtigen Zeitpunkt in den unterschiedlichen Lernschritten zur Verfügung zu haben, gewährleisten ADFC-Radfahrschulen. Deshalb ist auch ein weiter Weg in eine andere Stadt zu einer ADFC-Radfahrschule eine gute Lösung.
Die richtige Einstellung
Aber man braucht vor allem den nötigen Mut und auch Geduld, damit es richtig funktioniert. „Fahre so viel oder so wenig, so weit oder nicht so weit wie du willst. Jetzt geht es endlich los. Du hast das richtige Fahrrad. Doch halt - bevor wir zum Fahrrad Training kommen, werden wir mit der Einstellung deines Rads beginnen. Die meisten Schmerzen beim Radfahren entstehen nicht durch Überlastung, sondern durch falsche Einstellung deines Fahrrads. Aber du brauchst sicher zum Einstieg kein teures Bikefitting. Ich habe mir erst nach 10 Jahren und mit neuer Zeitfahrmaschine eines gegönnt.
Für Kinder ganz normal - aber auch Erwachsene sollten sich über Fahrsicherheit Gedanken machen, bevor sie das erste Mal seit vielen Jahren aufs Bike steigen. Möchtest du es genauer wissen, so solltest doch mal in Deutschland beim ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club) vorbei surfen.
Übungen für mehr Sicherheit
Wenn du auf deinem Rad sicherer werden möchtest, bieten sich ein paar kleine Übungen an. Alles was du dafür brauchst, ist idealerweise ein leerer Parkplatz. Stelle dort zum Beispiel deine Radflasche auf dem Boden und fahre langsam vorbei. Du solltest nach einigem Üben fahrend die Flasche greifen und aufnehmen können. Schaffst du das, versuchst du es zusätzlich, sie abzustellen. Weitere Übungen sind punktgenaues Bremsen auf verschiedenen Lenkerpositionen, Kurven fahren (so eng wie möglich) und Übungen mit eventuellen Klickpedalen.
Trainingsplan für Anfänger
Hier ist ein Beispiel für einen einfachen Trainingsplan für Radfahranfänger:
| Woche | Einheit 1 | Einheit 2 | Einheit 3 |
|---|---|---|---|
| 1 | 20 Minuten lockeres Radfahren | 20 Minuten lockeres Radfahren | 20 Minuten lockeres Radfahren |
| 2 | 30 Minuten lockeres Radfahren | 30 Minuten lockeres Radfahren | 30 Minuten lockeres Radfahren |
| 3 | 40 Minuten lockeres Radfahren | 40 Minuten lockeres Radfahren | 40 Minuten lockeres Radfahren |
| 4 | 20 Minuten lockeres Radfahren | 20 Minuten lockeres Radfahren | 20 Minuten lockeres Radfahren |
Passe den Trainingsplan auf dein Einstiegslevel und dein Können an und du wirst eine hervorragende Grundlage bilden.
Zusätzlicher Tipp
Immer wieder bekommen ich selbst von erfahreneren Radfahrern den Hinweis, dass sie keinen Schlauch wechseln können und einfach auf ihr Glück (und ihr Handy) vertrauen, wenn sie einmal einen Platten haben. Das sollte nicht so sein, denn früher oder später wird es auch dich erwischen. Wenn du vorher öfters den Schlauchwechsel geübt hast, hält sich der Ärger in Grenzen und du kannst nach wenigen Minuten deine Fahrt fortsetzen. Glaube mir - einen Schlauch an deinem Rad zu wechseln ist kein Hexenwerk und fordert nur ganz wenig handwerkliches Geschick.
Verwandte Beiträge:
- Radtour im Lautertal: Entdecke die schönsten Routen & Sehenswürdigkeiten
- Balaton Radtour: Die schönste Route & Tipps für Ihre Reise
- Radtour Tharandter Wald: Strecken & Tipps für Ihre Tour
- Föhr Radtour: Inselrundfahrt & die schönsten Sehenswürdigkeiten
- Fahrradkette Reinigen mit Hausmitteln: So Bringst Du Deine Kette Blitzsauber!
- Harley Davidson Tuch Herren Test – Der Ultimative Ratgeber für Stil und Komfort
Kommentar schreiben