Radfahren auf der Greifswalder Bodden Route

Viele zieht es an die Ostsee. Immer wieder. Ab und zu mag ich das auch. Allerdings nicht, um am Strand zu liegen und zu baden - das ist mehr oder weniger Beiwerk. Mich interessiert diese außergewöhnliche Landschaft, der Übergang vom Land zur See, die Inseln und Bodden. Und natürlich die Naturschönheiten, die kleinen Dörfer, Dorfkirchen und Höfe. Und die Städte, die beständig Zeugnis ablegen vom Wechselspiel der Menschen an den Küsten mit der See als Fischer, Händler und Seefahrer.

Heute erzähle ich von einer Ostsee- Radtour im Süden und Südosten der größten Insel - Rügen - sowie am Greifswalder Bodden und dem Strelasund, der den Bodden mit Stralsund und der Ostsee an der Insel Hiddensee verbindet.

Die Route der Norddeutschen Romantik

Die Route der Norddeutschen Romantik verbindet Kunst, Geschichte und Natur auf einzigartige Weise. Auf 286 Kilometern führt die Radroute von Wolgast über Greifswald und Stralsund bis nach Rügen und folgt den Spuren berühmter Maler wie Caspar David Friedrich, Philipp Otto Runge und Friedrich August von Klinkowström. Entlang des Ostseeküsten-Radwegs erwarten dich historische Schauplätze wie die Klosterruine Eldena, das Schloss Ludwigsburg, der Wreecher See und das Kap Arkona.

Die Route verläuft durch die malerische Küstenlandschaft Vorpommerns und ermöglicht intensive Naturerlebnisse mit beeindruckenden Ausblicken auf das Meer. Informationstafeln an den Standorten Greifswald, Stralsund, Wreecher See, Sellin und Kap Arkona liefern spannende Hintergründe zur Kunstgeschichte der Romantik. Zahlreiche Unterkünfte, Restaurants und Kulturangebote entlang der Strecke laden zu erholsamen Pausen ein.

Für eine flexible Radtour gibt es regelmäßige Zugverbindungen in Wolgast, Greifswald und Stralsund. Wer die Strecke abkürzen möchte, kann die Rügen-Fähre zwischen Stahlbrode und Glewitz nutzen.

Tourenübersicht

Hier ist eine Übersicht möglicher Touren entlang des Greifswalder Boddens und dem Hinterland:

  • Tour 7 - Die Bodden - Tour: Rundtour entlang des Greifswalder Boddens und dem Hinterland.
    • Charakter: Rundtour entlang des schönen Greifswalder Boddens und dem ruhigen Hinterland mit viel Natur und tollem Blick auf den Greifswalder Bodden.
    • Start- und Zielpunkt: Greifswald Marktplatz
    • Länge: 60 km
    • Dauer: ca.

Start in Stralsund

Beginnen können wir in Stralsund. Das Gebäude des Hauptbahnhofs macht schon einen einladenden Eindruck - nicht zu groß und unpersönlich, aber auch nicht ganz klein. Ein Backsteinbau mit szenischer Malerei im Inneren sowie dem, was man im Bahnhof an Geschäften so braucht. In einem Nebengebäude am Bahnhofsplatz gibt es sogar einen Bio-Laden mit Imbiß - Angebot, für alle, die auch bei der Reiseverpflegung auf besondere Bio-Qualität achten.

Ein kleiner Stadtrundgang in Stralsund

Der Bahnhof liegt etwa 500m vom Stadtzentrum entfernt, der direkte Weg dorthin führt zwischen zwei Seen entlang. Die Hansestadt Stralsund ist zusammen mit der Hansestadt Wismar Weltkulturerbe der UNESCO.

Stadtzentrum in Backstein- Gothik und mit Meereskundemuseum

Das Zentrum ist vor allem geprägt durch mehrere große Backstein - Kirchen und zum Großteil gut restaurierter Häuser verschiedener Stilepochen. Interessant für Besucher ist vor allem das Meereskunde- Museum. Der Markt wird geprägt durch das Rathausportal aus der Backstein- Gothik und der dahinterliegenden riesigen Backstein-Kirche St. Nikolai.

Hafen Stralsund

Die Stadt gewinnt natürlich besonderen Charme durch das Hafenviertel, in dem sich Yachten tummeln, Fahrgastschiffe zu Rundfahrten aufbrechen, die fest vertäute Gorch Fock als Dreimast-Rahsegler an der Pier liegt und ein weiter Rundblick über den Strelasund möglich ist. Die Front der alten Speichergebäude, meist rote Backsteinbauten, wird durchbrochen von der modernen weißen geschwungenen Fassade des Ozeaneums, in dem in teils riesigen Aquarien die Unterwasserwelt der Ostsee erkundet werden kann.

Rügen - Hochbrücke und Rügendamm

In Richtung Südost am Hafen fällt der Blick auf die neue Rügen- Brücke, eine Hochbrücke, die seit einigen Jahren den hauptsächlichen Autoverkehr über den Strelasund auf die Insel aufnimmt. Dahinter liegt die alte Rügendamm-Brücke, die von Radfahrern, Fußgängern, der Eisenbahn und wenigen Autofahrern weiter genutzt wird. Der Rügendamm verbindet seit Oktober 1936 die Insel Rügen mit dem Festland, vorher verkehrten Fähren zwischen Stralsund und Altefähr. Regelmäßig wird der Mittelteil der Brücke geöffnet, um Schiffen die Durchfahrt zu ermöglichen. Vor allem sind es Segler auf dem Rund Rügen - Törn.

Ich benutze aber diesmal die Brücke erst für die Rücktour, denn beginnen will ich meine Rügen-Radtour auf dem Ostseeküstenradweg entlang des Strelasund. Also verlasse ich Stralsund vorerst in Richtung Greifswald.

Ostseeradweg am Strelasund

Um näher am Strelasund fahren zu können, benutze ich ab dem Stadtteil Andershof nicht mehr den Radweg entlang der alten F96 (Fernverkehrsstraße, heute meistens Bundesstraße), sondern fahre erstmal in Richtung Devin. Doch leider liegt hinter dem letzten Stralsunder Ortsteil der Deviner See, so daß ich doch zumindest bis Brandshagen zurück auf den eigentlichen Ostseeradweg muß. Dieser verläuft hier auf der gepflasterten F96. Das ist sozusagen eine der Sehnsuchtsstraßen für viele ältere DDR - Bürger, die die gesamte DDR vom ostsächsischen Zittau bis nach Saßnitz (und damit dem Fährhafen nach Schweden und Bornholm) durchquert und dazumal mit unendlichen Trabbi - Kolonnen alle Ostsee-Süchtigen in den Norden gebracht hat. Denn die Ostsee-Autobahn gab es noch nicht.

Zwischenzeitlich hat man einfach eine neue breitere Asphalt-Straße als B96 zum großen Teil parallel neben die alte F96 gebaut und auf der alten Piste sind jetzt nur noch ein paar Anwohner und die Radtouristen unterwegs. Da mir das Pflaster auf die Dauer nicht gefällt, biege ich hinter Brandshagen schon ab nach Niederhof. Der Weg ist eher nach meinem Geschmack - wenig benutzt, kaum ausgebaut, einfach ein schmaler Pfad, zum Bodden hin auch noch recht abschüssig. Nichts für die schwerbeladenen Radfernfahrer, die glatte gerade „Radobahnen“ brauchen. Denen wird aber auch das Pflaster auf der F96 nicht gefallen.

An die wenigen Häuser von Niederhof grenzt ein Wald, der als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist. Gleich am Ortsrand die Reste eines verwüsteten Gutshofs. Besondere Attraktion - eine große Kormoran - Kolonie, die auf mehreren Bäumen lebt und vor allem im Sommer zur Jungenaufzucht einen ganztägigen ununterbrochenen Geschwader - Flugbetrieb in Richtung Boddengewässer aufrecht erhält.

Stahlbrode - Fischereihafen und Rügenfähre

Der Radweg bleibt ein schmaler Pfad und führt, meist zwischen Feld und Sundufer, nach Stahlbrode hin. Das ist ein kleines Dorf mit Fischerei- und Kommunalhafen, Wasserwander-Rastplatz, ein paar Ferienhäusern und einem Zeltplatz am Sund. Baden kann man einfach am Sund. Essen geht etwas gehobener in der Fährdiele oder an ein, zwei Imbißständen wie der Molenstube im Kommunalhafen (gleichzeitig Hafenmeister-Büro und Caravan-Stellplatz-Verwaltung). Auch die örtliche Fischereigenossenschaft betreibt einen Fischverkaufsstand mit frisch geräuchertem Fang. Wer einen Abstecher auf die Fährzubringer - Umgehungsstraße macht, findet im „LandWertHof“ auch noch kräftige Fleischmahlzeiten aus eigener Produktion.

Vom Hafen Stahlbrode verkehrt von April bis Oktober eine Fähre über den Strelasund nach Rügen - die zweite mögliche Zufahrt auf die Insel. Die nehmen wir.

Im Sommer fahren tagsüber immer zwei Fähr-Schiffe im Wechsel, um den starken Reiseverkehr zu bewältigen. Mit dem Auto muß man u.U. sogar mal ein paar Minuten warten, wenn nicht alle draufpassen. Mit dem Fahrrad ist das normalerweise kein Problem. Die Überfahrt dauert in etwa 10 Minuten.

Mit der Fähre auf die Insel Rügen

Auf Rügen landest Du erstmal auf der Halbinsel Zudar, deren Südost- Zipfel „Palmer Ort“ die Ausfahrt aus dem Strelasund in den Greifswalder Bodden bildet. Nach dem Zudar gibt es gleich drei Möglichkeiten, die Fahrradtour auf Rügen fortzusetzen, bei denen der Verbleib auf der doch recht befahrenen Straße die schlechteste ist. Rechts (Ost) kommt Groß Schoritz mit dem Geburtshaus von Ernst Moritz Arndt.

Nach links geht es über Puddemin nach Swantow mit einer der hübschen Dorfkirchen, die ich gern für eine kleine Pause nutze. So ein altes Gemäuer in der einsamen, ruhigen Gegend ohne Autolärm löst bei mir immer so eine Art geistige Zeitreise aus - die Jahrhunderte beginnen zu verschwimmen, es würde mich nicht wundern, wenn ein paar Kinder mit abgetretenen Schuhen und in alten Trachten angerannt kämen oder Fischer und Bauern mit ihren Familien durch das Tor ziehen. Schön ist, daß im Sommer viele der Kirchen an der Küste offen sind und häufig Konzerte anbieten (manche Musiker aus dem Süden finanzieren sich ihre Ostseereise durch kleine Konzertangebote in der Urlaubssaison). So auch die Kirche in Swantow, der ein sehr gute Akustik nachgesagt wird.

Der Schriftsteller Hanns Cibulka hat Swantow in seinem Roman „Swantow - Die Aufzeichnungen des Andreas Flemming“ von 1982 zum real - fiktiven Handlungsort gemacht.

Wo lang? Bergen oder Putbus?

Weiter geht es nach Garz (mit Ernst Moritz Arndt - Museum) und immer Richtung Norden. Teilweise führen die Rügenradwege über alte Bahndämme - man erkennt deutlich, daß es sich um aufgegebene Bahnanlagen handelt. Diese gehören zum früheren Rügenschen Kleinbahnnetz - eine Schmalspurbahn, von der heute leider nur noch einige Kilometer zwischen Putbus/ Lauterbach und Göhren existieren und betrieben werden. Aber auch als Radweg sind die Dämme schön zu befahren - Bahnen passen sich ja immer gut an die Bewegungen der Landschaft an und haben nur moderate Steigungen zu bewältigen. Die Fahrradwege sind trotz des starken Rügen-Tourismus nicht sehr befahren - es ist eine angenehme Tour quer über die Insel und geht flott voran.

St. Marienkirche und Klosterhof Bergen auf Rügen

So kommen wir nach Bergen auf Rügen, der früheren Kreisstadt des alten Kreis Rügen. Diese ist nicht gerade eine Schönheit. Bis auf ein paar Ecken, die inzwischen einigermaßen passabel aussehen. Aber Bergen ist eben nur eine Stadt mitten auf der Insel, es ist keine Küstenlinie von hier aus zu sehen, rundherum sind vor allem Äcker… Nun ja, wem die Vorräte ausgegangen sind, der kann hier in mehreren großen Märkten viel einkaufen.

Sehenswert ist aber die Kirche St. Marien, deren Bau 1180 vom Rügenfürst Jaromar I begonnen wurde. Sie war über Jahrhunderte die Kirche des zugehörigen Nonnenklosters, welches erst 1945 aufgelöst wurde. Die 1193 geweihte Kirche in Bergen zählt als das älteste noch erhaltene Gebäude Rügens und eines der frühesten Backsteinbauwerke im norddeutschen Raum. Aus der Zeit der Romanik ist ein Wandmalerei - Zyklus erhalten. Das Taufbecken stammt aus dem 14.Jh, der Altar von 1730 und die Barock - Kanzel von 1776. Ein Besuch der Kirche lohnt auf jeden Fall. Auch in dieser Kirche finden v.a. im Sommer Konzerte statt.

Noch vorhanden und in großen Teilen restauriert ist der Klosterhof Bergen. Während ein großer Teil inzwischen als Wohnraum dient, gibt es in Teilen der ehemaligen Ställe heute Schauwerkstätten von Kunsthandwerkern. Im östlichen Flügel der Stiftsgebäude ist ein lokalhistorisches Museum untergebracht.

Bergab ins Ostseebad Binz

Um nicht gleich wieder auf einer der Bundesstraßen zu landen, versuche ich zur Fortsetzung meiner Radtour mein Glück hinter Bergen mit der Abfahrt den Ost- Hang hinunter nach Buschwitz. Von dort ein Stück südlich des Kleinen Jasmunder Boddens entlang. Aber bald finde ich mich doch wieder auf der B196.

Bei Zirkow zweigt die Mustitzer Allee nach Norden in Richtung Kiekut ab - kein guter Fahrradweg. So richtig ruppiges Pflaster, am ehesten noch für alte Pferdewagen zu gebrauchen. Doch diese Allee ist eine der rund 200 Jahre alten Alleen, die gezielt angelegt wurden. Die Mustitzer Allee geht auf Wilhelm Maltes zu Putbus zurück, der die Pflanzung 1820 veranlaßt haben soll. Da sollten sich die Straßenmeistereien von heute in Zeiten des Klimawandels ein Beispiel dran nehmen! Der erste Teil ist mit Hainbuchen bepflanzt, darauf folgen rund 100 große alte Rotbuchen. Bereits seit 1937 ist diese Allee ein geschütztes Naturdenkmal. Vor zwanzig Jahren, also um die Jahrhundertwende herum, wurde der Allee vom Landkreis Rügen, der Gemeinde Zirkow, dem NABU und weiteren Akteuren eine umfassende Pflegekur angedeihen gelassen. Dabei wurde unter anderem das Pflaster repariert und einzelne Ersatzpflanzungen vorgenommen sowie der Straßenbereich behutsam freigeschnitten.

Wer sich hinter Garz für Putbus statt Bergen auf Rügen entschieden hat, wird vermutlich eine kürzere aber schönere Radweg-Route gefunden haben. Mehr Wald, weniger Straße. Der Rügenradweg nutzt jedenfalls diese Routenführung. In Zirkow treffen sich die Wege wieder, den von hier geht es am Schmachter See vorbei ins Ostseebad Binz. Das ist einer der hotspots des Ostsee - Tourismus. Hier steht Hotel neben Ferienapartment und Gästehaus neben Restaurant. Feiner weißer Sandstrand, fast wie persilgewaschen. Binz geht nach Norden hin nahezu unmerklich in den Ort Prora über und damit auf die Schmale Heide, eine Landbrücke zwischen dem Kleinen Jasmunder Bodden im Westen und der Ostsee im Osten.

Urlauberkaserne und Baumkronenpfad in Prora auf der Schmalen Heide

Darauf steht das Ferienmonster von Prora, der fast 4km lange Kraft - durch - Freude- Bau aus der Nazi-Zeit. In der DDR - Zeit war die gesamte Schmale Heide Militärgebiet, der KdF-Bau war Kaserne und Übungsobjekt für verschiedenste NVA-Truppenteile. In den 80er Jahren unter anderem für „Bausoldaten“ - Kriegsdienstverweigerer, die ohne Waffen aber in Uniform am strategisch wichtigen Fährhafen Mukran südlich von Saßnitz mitarbeiten mußten.

Heute ist die Nutzung dieses Urlauber - Klotzes eine schwierige Sache. Mehrere Museen sind dort beheimatet - ein NVA- Museum logischerweise, ein Oltimer-Museum und die Kulturkunststatt Prora. Andere Abschnitte versuchen private Investoren, als luxussanierte Eigentumswohnungen oder Ferienobjekte zu vermarkten. Eigentlich sollte jeder Ostsee- Urlauber einmal wenigstens sich diesen Auswuchs eines totalitären Regimes anschauen, der dieser so sensiblen Landschaft zwischen Land und Meer eine eigentümliche Atmosphäre aufdrückt.

Am ehemaligen Forsthaus Prora befindet sich seit einigen Jahren einer der ersten Baumkronen - Pfade. Dieser hat eine Länge von 1250m und ist der Form eines Adler-Horstes nachempfunden. Der Besuch ist vor allem der hervorragenden Aussicht aus 40m Höhe wegen lohnend - von dort aus kannst Du sowohl in Richtung der Bodden als auch weit hinaus auf die Ostsee östlich von Rügen scha...

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