Bewegung an der frischen Luft, Ausflüge in die Natur, Land und Leute kennenlernen - wer im Urlaub etwas erleben will, steigt aufs Rad. Das geht auch mit Kindern. Immer mehr kinderfreundliche Radangebote bieten Abwechslung, Abenteuer und Spaß für die ganze Familie.
Große Reiselust, kleines Budget und ein für Touren geeignetes Rad? Dann steht einem Fahrradurlaub nichts im Weg. In Deutschland gibt es über 200 Radwanderwege, die auch für Kinder geeignet sind. Wer sich mit der Familie aufs Rad schwingt, lässt den hektischen Alltag schnell hinter sich. Das Beste daran: Eine Radwanderung kann direkt vor der Haustür beginnen, egal ob für eine Woche oder für einen kurzen Ausflug ins Grüne.
Inhaltsverzeichnis
Tipp 1: Route auswählen
Wer sich erstmals mit dem Thema Radreisen beschäftigt, wird überrascht sein, wie viele Möglichkeiten es gibt. Genau genommen steht einem die ganze Welt offen, denn überall finden sich tolle Radwanderwege.
Vorab sollten entscheidende Fragen geklärt werden: Wohin soll es gehen? Bergig oder flach? Städte oder Wildnis? Individualreise oder Pauschalangebot eines Radreiseanbieters? Allein oder in der Gruppe? Generell gilt: Beim ersten Fahrradurlaub sollte das Ziel nicht zu hoch gesetzt werden, um sich oder etwaige Mitradelnde nicht zu überfordern.
Für Radurlaube bzw. -touren mit dem Nachwuchs gelten gesonderte Regeln. Empfehlenswert ist eine Route auf gut erschlossenen und nicht zu steilen Wegen. Die Auswahl ist groß, lohnenswert sind etwa der Altmühltal-, der Donau- oder der Elbe-Ostsee-Radweg bzw. Abschnitte davon. Am besten checken Sie vorab die Streckenprofile der favorisierten Route.
Familienfreundliche Strecken Wer eine Fahrradtour plant, sollte bei der Streckenauswahl auf verkehrsarme Strecken und Wege achten, damit sich Kinder auch während der Fahrt sicher und frei bewegen können. Anstrengende Steigungen, Strecken mit Gefälle und Abschnitte mit schlecht fahrbarem Untergrund können den Spaß an der Tour schnell verderben. Geübte Kinder können am Tag ungefähr 20 bis 30 Kilometer radeln. Häufige Pausen und jede Stunde ein kurzer Stopp sind trotzdem empfehlenswert. Auch auf spontane Änderungen, wie plötzliche Müdigkeit der Kinder oder schlechtes Wetter, muss man eingestellt sein.
Bei mehrtägigen Radwanderungen über weite Entfernungen ist es ratsam, zwischendrin einen Tag Fahrpause zu machen oder nur eine kurze Strecke zu fahren.
Tipp: Es ist immer günstig, wenn die Radwanderung entlang einer Bahnstrecke verläuft, damit die Radler spontan auch auf den Zug umsteigen können.
ADFC-Qualitätsradrouten: Gute Wege durch schöne Natur Auch einige der insgesamt 48 ADFC-Qualitätsradrouten sind kinderfreundlich. Im ADFC-Radreiseportal können Eltern gezielt Eigenschaften auswählen und etwa nach Strecken suchen, die „mit Kindern gut zu befahren“ sind, die auf „überwiegend ebenem Gelände“ verlaufen oder die „überwiegend anhängertauglich“ sind.
Wer Touren mit Kindern macht, sollte verkehrsarme Routen und reine Fahrradwege mit wenig Steigung wählen und regelmäßige Zwischenstopps an Badesee, Spielplatz oder Eisdiele einplanen. Anschluss an öffentliche Verkehrsmittel kann einen stressfreien Rückweg ermöglichen, wenn die Stimmung kippt oder die Kraftreserven aufgebraucht sind. Gemeinsames Planen fördert die Motivation und den Spaß an der Tour.
Tipp 2: Fahrrad-App
Sie sollten sich aktueller Karten bedienen, die ohne Internetverbindung nutzbar sind und eine tolle Routenplanung liefern. Am besten ist, wenn man sich das gewünschte Kartenmaterial der Region, in der die Tour stattfinden soll, auf den Speicher des Smartphones herunterladen und es bei Bedarf abrufen kann.
Neben der Angabe der Steigungen und der zu überwindenden Höhenmeter verfügen viele Navis über eine 3D-Ansicht, was bei der Einschätzung einer Strecke sehr hilfreich ist. Geeignet sind etwa die Apps von Komoot oder Outdooractive.
Tipp 3: Vorab trainieren und Kilometer pro Tag planen
Zur Vorbereitung empfiehlt es sich, über ein paar Wochen hinweg etwa dreimal wöchentlich für 20 bis 60 Minuten am Stück Rad zu fahren. So steigern Sie Ihre Fitness. Wie viele Kilometer im Radurlaub pro Tag zu schaffen sind, hängt von der Strecke (Höhenprofil), dem Wetter (Hitze, Regen, Wind), der eigenen Fitness, dem Körpergewicht und auch vom Fahrrad und dem Gepäck ab.
Völlig Untrainierte sind möglicherweise schon mit 20 bis 30 Kilometern am Tag bedient, mit 50 Kilometern sind Normalsportliche gut dabei. Ist das Gelände durchgehend flach, können es auch mal 70 oder sogar 100 Kilometer sein - nicht zu reden von der Strecke, die sich mit einem E-Bike zurücklegen lässt. Doch auch mit einem konventionellen Fahrrad sind 15 Kilometer pro Stunde auf ebenem Terrain gut zu schaffen.
Für die Premierentour kann man sich vornehmen, vormittags und nachmittags jeweils zwei Stunden zu radeln und mehrere Pausen einzulegen. Diese lassen sich wunderbar für Besichtigungen oder eine Einkehr nutzen, aber auch dazu, den Körper zu strecken und zu dehnen. Grundsätzlich sollten bei der Planung einer Tagesetappe immer auch die Gesamtstrecke und die Etappen der folgenden Tage im Auge behalten werden. Nicht nur für Einsteiger empfiehlt es sich, von vornherein mindestens einen Ruhetag einzuplanen.
Die Routenlänge hängt von Alter und Fähigkeiten der Kinder ab. Erwachsene sollten weder die Kinder noch sich selbst überschätzen und im Zweifel lieber kürzere Touren planen. Wenn Kleinkinder im Kindersitz, Lastenrad oder Anhänger mitfahren, bestimmt vor allem die Kondition der Eltern die Streckenlänge. Vier- bis Neunjährige können Touren von 10 bis 15 Kilometern fahren, Zehn- bis Dreizehnjährige schaffen bis zu 30 Kilometer pro Tag, mit Teenagern sind auch längere Strecken möglich.
Tipp 4: Check-up fürs Fahrrad
Vor dem Start sollte Ihr Fahrrad auf jeden Fall technisch überprüft werden. Zudem ist es hilfreich, sich vorab mit seinem Bike vertraut zu machen, um in der Lage zu sein, einen Reifen zu flicken oder einen Fahrradschlauch zu wechseln.
Eine wesentliche Voraussetzung für die Sicherheit ist ein verkehrstaugliches Fahrrad. Radgröße und Gewicht des Kindes müssen zusammenpassen.
Tipp 5: Wichtiges Zubehör fürs Bike
Das A und O bei einem Radurlaub ist demnach: Gewicht sparen. Dies bedeutet, genau zu überlegen, was verzichtbar bzw. unverzichtbar ist. Nicht zu empfehlen ist bei einer mehrtägigen Tour ein Rucksack, da dieser auf Dauer die Rückenmuskulatur belasten und schmerzhafte Verspannungen verursachen kann.
Am besten besorgt man sich im Fachhandel wasserdichte Fahrradtaschen mit wenig Eigengewicht. Beim Packen ist es sinnvoll, Regenkleidung nach oben zu legen, falls das Wetter umschlägt.
Für kleinere Touren sind Fahrradkörbe oder ein großer Gepäckträger sinnvoll. Bei längeren Routen, zum Beispiel mit einer Übernachtung, sind Fahrradtaschen praktisch. Sie lassen sich einfach ans Rad klemmen, bieten viel Platz und sind wasserdicht.
Verteilt das Gepäck gut auf Körper und Rad. Wasserdichte Taschen am Gepäckträger und Lenkertaschen sind ideal. Ein Fahrradanhänger kann auch nützlich sein.
Neben einem passenden Helm müssen Sie auch die richtige Bekleidung anziehen und mitnehmen. Die Kleidung sollte dem Kind die bestmögliche Bewegungsfreiheit garantieren. Nehmen Sie ebenfalls Extra-Kleidung für unterschiedliche Witterungen mit, wie eine leichte Regenjacke oder ein Multifunktionstuch, das bei Wind schützt.
Pack-Tipps mit praktischen Checklisten
Für den Radurlaub mit Kindern hat der ADFC eine extra Packliste mit nützlichen Tipps für verschiedene Altersgruppen erstellt.
In unserem Artikel „Packliste für Ihre Radtour“ geben wir Ihnen noch mehr Tipps für Ihre Radtour-Vorbereitung. Plus: Laden Sie sich die Packliste als PDF herunter.
Tipp 6: Das gehört in die Packtaschen
- Funktionskleidung, sie trocknet schnell und hält den (Fahrt-)Wind ab
- Wechselwäsche (nicht zu viel, lieber öfter waschen), Schlaf- und Badebekleidung
- Bequeme Sportschuhe, evtl. Badeschuhe
- Regenkleidung mit Fahrradüberschuhen (Gamaschen) und Regenhose
- Medikamente, Notfallset, Sonnencreme
- Taschenlampe oder Stirnlampe
- Ladekabel bzw. Powerbank fürs Handy
- Witterungsschutz fürs Handy
- Geld, Ausweis, Versicherungskarte
Tipp 7: Anreise zum Start des Fahrradurlaubs
Am nachhaltigsten geschieht dies per Bahn. Dabei gilt es zu beachten, dass ICEs nur eingeschränkt Mitnahmemöglichkeiten für Räder anbieten. In Intercity- und Eurocity-Zügen ist dies problemlos möglich, sofern Sie eine Fahrradkarte sowie eine Stellplatzreservierung für Ihr Rad haben. Fahrradkarte und normales Ticket können Sie in einem Vorgang buchen.
Hier gibt es weitere Infos zum Fahrradtransport bei der Deutschen Bahn, darunter auch zum Transport von E-Bikes.
Möchten Sie nicht mit dem Zug, sondern mit dem eigenen Auto aufbrechen, erfahren Sie hier, wie Sie das Fahrrad sicher transportieren.
Tipp 8: Planen Sie Ihre Übernachtung
Entlang der vielbefahrenen Fernradwanderwege gibt es zahllose Pensionen und Gasthäuser, die sich auf die radelnde Klientel eingestellt haben.
Das Serviceangebot umfasst meist Unterstellmöglichkeiten, Radwerkzeug und Reparaturservice, Trockenraum für nasse Kleidung, Lademöglichkeiten für Pedelecs etc. Unterkünfte finden Sie beispielsweise bei Bett + Bike.
Natürlich können Sie Ihren Urlaub auch abenteuerlicher gestalten, indem Sie auf Campingplätzen übernachten oder sogar in der freien Natur, sofern in Ihrem Urlaubsland das sogenannte Jedermannsrecht gilt. Bedenken Sie jedoch, dass Sie in diesem Fall mehr Gepäck zu transportieren haben.
Mehr Infos zu Campingplätzen gibt's bei Pincamp, dem Campingportal des ADAC.
Wer eine Fahrradreise mit Übernachtung plant, kann sich auf der „Bett-und-Bike“-Seite über geeignete Unterkünfte und Hotels mit Fahrrad-Unterständen informieren.
Hotel oder Campingplatz? Das hängt vom Alter und der Erfahrung deiner Kinder ab.
Beides ist möglich - aber für die erste Tour mit Kindern empfehlen sich feste Unterkünfte wie Pensionen oder Jugendherbergen. Sie bieten mehr Komfort, Sicherheit bei schlechtem Wetter und reduzieren Stress beim Tagesausklang. Wer Erfahrung mit Camping hat, kann auch draußen übernachten - Abenteuer inklusive.
Übernachtung auf bauernhöfen kann spannend für Kinder sein.
Tipp 9: Genug trinken
Zu wenig Wasser kann zu Konzentrationsproblemen und Muskelkrämpfen führen. Am besten trinkt man spätestens alle 30 Minuten ein paar Schlucke, auch wenn man noch kein Durstgefühl hat. Hin und wieder ein isotonisches Sportgetränk oder eine Fruchtschorle versorgen den Körper schnell mit Energie.
Wasser ist Pflicht - aber richtigTrinken ist das A und O - vor allem bei Hitze. Plane mit 2 bis 6 Litern Wasser pro Tag und Person - je nach Wetter und Anstrengung. Trinkflaschen am Rad, kleine Trinkpausen alle 30 bis 60 Minuten.
Tipp 10: Spontan bleiben
Bei aller Planung und Vorbereitung: Seien Sie bereit für spontane Entscheidungen. Nicht nur das Wetter kann sich plötzlich ändern. Es gibt Tage, an denen sind die Beine schwer oder es fehlt die Lust, die angesetzte Etappe bis zum Ende durchzuradeln. Machen Sie daher öfter eine ungeplante Einkehr.
Geben Sie dem Zufall dennoch eine Chance: Ärgern Sie sich auf keinen Fall, wenn nicht alles nach Plan läuft. Spontanität bringt Kreativität. Und oft wird aus der Not eine Tugend.
Viel Zeit nehmen, spontan sein, durchatmen. Auch wenn Sie noch so gut vorbereitet sind - manche Dinge kann man nicht planen. Zeitdruck und Drängeln sind fehl am Platz. Machen Sie sich locker, auch buchstäblich: Hinstellen, Ausschütteln und Ausklopfen, tief ein- und ausatmen und weiter geht‘s!
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