Radtour mit Rennrad: Planung und Tipps

In den letzten Jahren habe ich tausende von Kilometern auf dem Rad verbracht, sei es auf Schotterstrassen oder auf Asphalt, im Rennen oder auf Freizeit- und Genuss Tour. Bikepacking in all seinen Formen gehört einfach zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Häufig werde ich darauf angesprochen, was Bikepacking eigentlich sei und wer das alles machen kann. Meine Antwort ist stets: Jeder, der Radfahren kann!

Du verzichtest auf die sonst üblichen, schweren Satteltaschen und setzt stattdessen auf kompaktere Taschen, die direkt am Fahrrad befestigt werden. Ein beliebtes Beispiel ist die „Arschrakete“, eine schlanke, längliche Tasche, die unter dem Sattel befestigt wird und nach hinten herausragt.

Vorbereitung ist der Schlüssel

Egal, ob du ein Anfänger oder ein erfahrener Bikepacker bist, die richtige Vorbereitung ist der Schlüssel. Bikepacking ist eine bereichernde Erfahrung, die jedem Radfahrbegeisterten die Möglichkeit bietet, Abenteuer auf eine ganz neue Art zu erleben.

Fahrrad und Ausrüstung

Die Auswahl des perfekten Bikepacking-Rads hängt von deinen persönlichen Vorlieben und Anforderungen ab. Grundsätzlich gilt: Du kannst an jedes Fahrrad eine Bikepacking Tasche montieren und starten! Gravelbikes sind aufgrund ihrer Vielseitigkeit und Robustheit besonders fürs Bikepacking geeignet. Sie eignen sich sowohl für Straßen als auch für Geländefahrten und bieten eine gute Balance zwischen Geschwindigkeit und Komfort. Ich montiere meine Taschen aber auch an meinem Rennrad und meinem Mountainbike.

Die Entscheidung, welches Rad ich benutze, hängt vom Untergrund ab. Weniger ist beim Bikepacking mehr. Ziel ist es, nur die wesentlichen Gegenstände zu packen, um das Fahrrad leicht und handlich zu halten. Du brauchst definitiv eine gut gepolsterte Radhose, die wie eine zweite Haut sitzt, um Scheuerstellen zu vermeiden. Und vergiss nicht, Sitzcreme einzupacken, besonders bei längeren Touren.

Neben einem Helm und ein oder zwei Sets Radkleidung - je nachdem, ob Du unterwegs wechseln oder waschen möchtest - ist Regenkleidung unerlässlich. Dabei sollte es nicht nur bei einer Regenjacke und -hose bleiben, denke auch an Überschuhe, denn die Füße werden schnell nass. Zudem sind Handschuhe, eine Sonnenbrille zum Schutz vor Fliegen oder herumfliegenden kleinen Ästen auf Schotterwegen und gutes Werkzeug wichtig.

Wenn du zelten möchtest, solltest du natürlich ein Zelt und einen Kocher dabei haben. Mein Tipp ist ein Ultraleicht-Zelt, das nur so groß wie dein Körper ist und kaum Gewicht hat. Für den Abend packe ein T-Shirt, Dauenjacke und eine leichte Jogginghose ein. Feuchttücher sind auch immer praktisch. Und ganz wichtig: eine Powerbank. Ich organisiere alles über mein Handy - Unterkünfte buchen, Routen planen, den Weg finden und Trinkbrunnen suchen.

Hier meine Liste an Werkzeugen, die unbedingt mit auf Bikepacking Tour müssen. Gutes Licht ist unverzichtbar - hinten, vorne und am Helm. Ich bin oft nachts unterwegs, daher brauche ich doppelte Beleuchtung hinten plus Katzenauge, zwei Lampen vorne sowie eine Sicherheitsweste und Reflektoren am Fahrrad. Licht an!

Routenplanung

Wie planst Du eine Bikepacking Route und was musst Du alles dabei beachten? Wähle eine Route basierend auf Deiner Erfahrung, Fitness und den gewünschten Landschaften. Berücksichtige die Distanz, das Gelände und die Verfügbarkeit von Campingplätzen oder anderen Übernachtungsmöglichkeiten. Das Wichtigste ist, dass die Route zu Dir passt. Überschätze Dich nicht gleich zu Beginn. Wähle keine Strecke, die zu anspruchsvoll ist, damit du auf jeden Fall Freude daran hast.

Zu Anfang sind 60 bis 80 Kilometer je nach Höhenmeter Profil am Tag völlig ausreichend. Und denke vorher darüber nach, ob Du lieber auf der Straße oder im Gelände fahren möchtest. Auf der Straße kommst du zwar leichter voran, musst aber mit mehr Verkehr rechnen. Schotterstraßen bieten ein etwas holprigeres Fahrerlebnis, dafür bist Du näher an der Natur. Mache ggf. ein Fahrtechnik Training, wenn Du auf anspruchsvollen Tracks unterwegs sein möchtest. Das zweitwichtigste: Trage einen Termin in Deinen Kalender ein.

Heutzutage stellst du dir eine Strecke bequem und binnen Minuten online zusammen. Komoot ist einer der verbreitetsten und komfortabelsten Routenplaner. Mithilfe des Routenplaners kannst du aus vorhandenen Strecken wählen oder deine 100 Kilometer-Tour maßschneidern. Besonders wertvoll: Zusätzlich zur geplanten Strecke erhältst du Informationen zu Höhenmetern und der Untergrundbeschaffenheit.

Willst du perfekt vorbereitet sein, plane deine Radtour mindestens eine Woche vor Startdatum. Du kannst deine Strecke auch ganz einfach direkt in Garmin Connect planen. Der Fahrradcomputer findet seinen Platz direkt am Lenkrad und zeigt dir den Weg.

Ernährung und Hydration

Es ist essenziell, während der Fahrt regelmäßig zu essen, um den gefürchteten Hungerast, also einen plötzlichen Leistungsabfall aufgrund eines Kohlenhydratmangels, zu vermeiden. Ich nehme immer Riegel mit, sorge aber auch dafür, dass ich in den Pausen ausreichend und kohlenhydratreich esse. Bei einem Rennen verbrauche ich bis zu 7.000 Kalorien am Tag, die ich natürlich wieder zu mir nehmen muss. Haferflocken und Milchreis in allen möglichen Formen sind bei mir gern gesehene Begleiter.

Achte auch darauf, genug zu trinken, denn Dehydrierung verursacht Kopfschmerzen und Leistungsabfall. In eine Radflasche passen 0,75 Liter und die sollte in einer Stunde leer getrunken sein. Ich habe mindestens zwei Flaschen dabei und erkundige mich vorab, wo ich sie am besten auffüllen kann. Regelmäßiges Essen und Trinken ist entscheidend, um Energie aufrechtzuerhalten und Dehydrierung zu vermeiden. Plane Deine Mahlzeiten und Snacks im Voraus und stelle sicher, dass Du ausreichend zu Trinken dabei hast.

Weitere wichtige Tipps

  • Sei nicht ungeduldig oder frustriert, wenn am Anfang nicht alles glatt läuft.
  • Deine Fitness verbessert sich mit der Zeit durch stetiges Training und Gewöhnung an die neue Sportart.
  • Es dauert einige Zeit, bis Du Deine Sachen organisiert bekommst, weisst was in welche Tasche kommt und bis Du Deinen Rhythmus findest.
  • Grundlegende Fähigkeiten wie das Wechseln eines Reifens, die Reparatur einer Kette oder eines Mantels sind essenziell. Am besten machst Du vor Deiner Tour einen Reparaturkurs, um diese Fähigkeiten zu erlernen oder aufzufrischen.
  • Trotz der Idylle, die Outdoor-Fotos oft vermitteln: In Deutschland ist Wildcampen verboten. Statt Dein Zelt irgendwo in der Natur aufzuschlagen, solltest Du Deine Tour so planen, dass Du abends einen Campingplatz erreichst. Eine tolle Alternative ist, Leute direkt anzusprechen, ob Du in ihrem Garten zelten darfst - das habe ich auch schon ausprobiert.
  • Geh nicht zu verbissen ans Bikepacking heran, sondern fokussiere Dich darauf, die Erfahrung zu genießen. Es ist kein Muss, an einem Rennen teilzunehmen - auch entspannte Touren bieten großartige Abenteuer. Das Gesamterlebnis ist einfach fantastisch: die Herausforderung, die Vorbereitung, die Fitness, die man durch das Radfahren gewinnt.

Checkliste vor der Tour

  1. Du hast keinen konkreten Plan und morgen geht’s schon los? Kein Problem.
  2. In deinem Keller steht sicher ein Fahrrad, das sich für deine 100 Kilometer-Tour eignet.
  3. Der richtige Reifendruck sorgt für mehr Komfort und Sicherheit auf deiner Ausfahrt.
  4. Bevor du startest, kontrolliere die Tüchtigkeit deiner Bremsen. Vor allem, wenn dein Rad länger stand.
  5. Vor deiner Radtour solltest du die Funktionsfähigkeit deiner Beleuchtung unbedingt prüfen.
  6. Das Wetter bestimmt deine Kleidung.
  7. Eine kleine Panne kann dir die ganze Tour vermiesen.
  8. Du wirst während deiner Tour sehr viel Energie verbrennen.

Beispielhafte Packliste für eine Rennradtour

Die folgende Tabelle zeigt eine beispielhafte Packliste für eine mehrtägige Rennradtour, die sowohl Komfort als auch Funktionalität berücksichtigt:

Kategorie Gegenstände Anmerkungen
Bekleidung Radhose, Trikot, Regenjacke, Überschuhe, Handschuhe Funktionskleidung, atmungsaktiv und wetterfest
Werkzeug Minitool, Inbusschlüssel-Satz, Ersatzschlauch, Reifenheber, Flickset Für kleinere Reparaturen unterwegs
Navigation GPS-Gerät, Smartphone mit Routenplaner Zur Orientierung und Streckenführung
Verpflegung Energieriegel, Gels, Wasserflaschen Regelmäßige Energiezufuhr
Sonstiges Powerbank, Feuchttücher, Sonnenbrille Für Komfort und Notfälle

Mit diesen Tipps kannst Du die Freiheit auf zwei Rädern voll auskosten, atemberaubende Landschaften erkunden und unvergessliche Momente erleben. Egal ob Rennrad, Gravel oder Mountainbike. Den nächsten Triathlon, ein Abenteuer oder die Fahrt zur Arbeit.

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