Radtour Münsingen – Lautertal: Entdeckungstour auf der Schwäbischen Alb

Münsingen liegt mitten im Biosphärengebiet Schwäbische Alb, rund 50 Kilometer südöstlich von Stuttgart. Münsingen ist der perfekte Ausgangspunkt für Radtouren: Hier kommen nicht nur sportlich Ambitionierte auf ihre Kosten, sondern vor allem auch Familien. Denn es gibt viel zu sehen am Wegesrand.

Fünf verschiedene Rad-Strecken, jede zwischen 35 und 60 Kilometer lang, hat die Stadt Münsingen konzipiert und ausgeschildert. Ob die Idee wirklich so gut war, auf die Schwäbische Alb zu radeln, frage ich mich gerade beim Anblick des Höhenprofils auf der Übersichtskarte im Mobilitätszentrum in Münsingen. Halb so wild, versichert man mir. Man müsse kein Radprofi sein, denn dank des 500 Watt starken PowerPacks lässt sich selbst die heftigste Steigung mit einem Lächeln im Gesicht meistern.

In Zusammenarbeit mit dem GEA hat Hans-Peter Engelhart, Leiter der Touristik-Information und selbst begeisterter Radfahrer, eine familienfreundliche Radtouren ausgearbeitet. Unter dem Motto »Pferde und Wasser« geht’s von Münsingen aus ins Lautertal zum Haupt- und Landgestüt Marbach und wieder zurück.

Die Strecke

Start- und Zielpunkt der Tour ist am Münsinger Bahnhof, wo man sich bei Bedarf auch E-Bikes im Mobilitätszentrum ausleihen kann. Der knapp 26 Kilometer lange Rundkurs mit 222 Höhenmetern ist in gut zwei Stunden zu schaffen. Ist der Anstieg auf dem Radweg entlang der Straße in Richtung Lautertal geschafft, verläuft die Strecke weiter entlang der Kreistraße ins Lautertal bis Buttenhausen (HINWEIS: Alternativ führt die Tour weiter über Feldwege und durchs idyllische Lüssental hinunter nach Buttenhausen - bitte beachten Sie, dass in den Sommermonaten Erntetätigkeiten sind und große Traktoren durch das Lüssental fahren und es womöglich eng werden kann. Bitten seien Sie vorsichtig und nehmen Sie Rücksicht).

Nach einem ersten kleinen Anstieg über die Fauserhöhe kommt bald die Lauter in Sicht. Der Nebenfluss der Donau schlängelt sich durch das Tal, gesäumt von Wald und steilem Karstgestein, mitten durch die Kernzonen des Biosphärenreservats. An diesen Stellen wird die Natur sich selbst überlassen und damit besonders geschützt. Vor einigen Jahren kam auch der Biber zurück, der fast ausgerottet war, nicht zuletzt wegen seines begehrten Fells. Heute baut er an der Lauter wieder Burgen und Dämme, fällt sogar Bäume. Er verändert die Landschaft und sorgt damit für Artenvielfalt.

In Buttenhausen kann man erste Bekanntschaft mit dem Wasser machen: Am Ortsausgang Richtung Wasserstetten gibt es einen schönen Grill- und Spielplatz direkt an der Lauter. In Buttenhausen gibt es eine Kanuanlegestelle. Von hier aus paddelt man bis Bichishausen auf der Lauter.

Mit ein bisschen Glück kann man schon wenige Kilometer später ganz besondere Tiere auf der Weide beobachten: Vielleicht sind ja die Alpakas der Familie Ruch in Wasserstetten draußen auf der Weide? Flussaufwärts radelt man entspannt weiter nach Dapfen, wo ebenfalls ein Zwischenstopp lockt: Im Lagerhaus an der Lauter können sich Radler nicht nur mit hausgemachtem Kuchen stärken. In der Manufaktur wird auch Kaffee geröstet, Schokolade gemacht und Seife hergestellt.

Abstecher und Sehenswürdigkeiten

Bisher bin ich eher gemütlich geradehin geradelt, ohne Mühe. Jetzt kommt der erste Härtetest: ein Abstecher zur Burg Hohengundelfingen. Bis zu 19 Prozent Steigung hat die 1,4 Kilometer lange Strecke. Also, Gang runter, Turbo rein und lostreten. Wahnsinn, wie leicht sich das anfühlt. Ich komme nicht mal im oberen Stück ins Schwitzen. Es fühlt sich an, als ob von hinten einer schiebt. So macht Radfahren echt Spaß.

Eine kleine Brücke weist auf eine wahre Delikatesse hin und die ist im kleinen Dorf Rietheim zu Hause: die Albschnecke. Bewirtschaftet wird dieser von der Familie Tress. Ausschließlich Bio-Produkte kommen in der Küche des Gasthofes zum Einsatz, vieles stammt aus der eigenen Biomanufaktur Rose. Die Temperatur beträgt konstant acht Grad Celsius. Das sehr klare Wasser wirkt weniger tief als es tatsächlich ist, am Eingang sind es fast drei Meter. Das rauschende Wasser der Zwiefalter Ach mit dem kleinen Wehr dämpft die Geräuschkulisse und ich genieße den Blick auf das glasklare Wasser an der Forellenterrasse.

Nach der Pause ein zweiter, kurzer Abstecher: durch das malerische Glastal. Nur noch einen Katzensprung entfernt ist jetzt das Gestüt in Marbach, für das man sich auf jeden Fall etwas Zeit einplanen sollte. Entweder einfach die Räder abstellen und auf eigene Faust über den mehr als 500 Jahre alten Gestütshof und seine Weiden schlendern. Oder sich einer der Führungen anschließen, die an allen Sonn- und Feiertagen und in den Ferien sogar täglich immer um 13.30 und 15 Uhr angeboten werden. Haupt- und Landgestüt Marbach: Führungen an Sonn- und Feiertagen und in den Ferien sogar täglich immer um 13.30 und 15 Uhr.

Wer jetzt müde ist, kann sich vom Marbacher Bahnhof aus gemütlich mit der Alb-Bahn zurück nach Münsingen chauffieren lassen. Für die, die noch Kraft in den Beinen oder Saft im Akku haben, führt der Rundkurs auf dem Rad bergauf durch den Marbacher Gestütshof über eine wunderschöne Allee vorbei an dem Gelände, auf dem hochklassige Turniere im Vielseitigkeitsreiten ausgetragen werden. Ist die Straße zwischen Münsingen und Marbach sicher überquert, geht es über Rad- und Feldwege weiter zum Eisberg, dem Start- und Landeplatz des Münsinger Luftsportvereins.

Ist die Fliegerklause (in der Regel sonn- und feiertags) geöffnet, bietet sich hier eine Abschluss-Einkehr an - oder man radelt das letzte Stück bis zum Münsinger Bahnhof: Im Stations-Buffet, einem charmanten Bistro direkt am Bahnsteig, werden Gäste während der Sommersaison bis Mitte Oktober immer sonn- und feiertags von 9.30 bis 17.30 Uhr bewirtet.

Bis hierher war die Radtour null anstrengend (vom harten Sattel mal abgesehen), doch die zweite Hälfte der 60-Kilometer-Tour beginnt mit einem heftigen Anstieg auf die Albhochfläche. Nach 30 Kilometern ist der 500-Wh-Akku noch rund drei Viertel voll. Unterwegs bin ich mit einem Premium Revox Mountainbike mit Scheibenbremsen, Aluminium-Rahmen und Bosch-Nyon-System, das so einfach wie beim Auto navigiert.

In Ödenwaldstetten lockt ein weiterer Stopp bei der Speidel’s Brauerei’le. Für alle, die ausreichend Zeit mitbringen, gibt es (nach Anmeldung) verschiedene Bierseminare, auch als Paket mit Übernachtung.

Tourenübersicht

Tour 4: Münsingen - Großes Lautertal - Wimsen - Marbach- Münsingen

  • Länge: 62 km

Weitere Informationen:

  • Hinkommen: von Stuttgart aus auf der B27 über Bad Urach oder mit der Regionalbahn über Ulm
  • Räderverleih: Mobilitätszentrum Münsingen (direkt am Bahnhof), Bahnhofstr.

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