Radtour zum Schiffshebewerk Henrichenburg: Ein Erlebnisbericht

Falls ihr auf dem Rad bereits alle Dortmunder Vororte erkundet habt, kann ich euch einen Ausflug nach Waltrop empfehlen. Waltrop liegt im Nordwesten von Dortmund - quasi hinter Mengede und Brambauer. Waltrop selbst ist eine eher kleine Stadt und entsprechend sehr entspannt. Als wir unter der Woche durch den Ortskern gefahren sind, war kaum etwas los. Die Stadtkern hat nette Fachwerkhäuser. Aber zugegeben: An denen hatten wir uns schnell satt gesehen.

Vielleicht baut ihr einen Abstecher zum wirklich sehenswerten Schiffshebewerk Henrichenburg ein, ein schönes Ziel für einen Familienausflug. Hier trifft der Dortmund-Ems-Kanal auf den Rhein-Herne-Kanal. Vom Dortmunder Hafen führt Euch der Radweg am linken Kanalufer des Dortmund-Ems-Kanals bis zum Schiffshebewerk Henrichenburg in Waltrop. Der gigantische Aufzug, der vor allem für Transportschiffe eingesetzt wird, wurde am 11. August 1899 von Kaiser Wilhelm II. feierlich eröffnet und ist die größte Stahlkonstruktion am Dortmund-Ems-Kanal.

Obwohl das Hebewerk seit rund 40 Jahren stillgelegt ist, begeistert es noch heute. Auf einer schmalen Treppe gelangt man hinauf zur Brücke zwischen den Haupttürmen mit einem atemberaubenden Blick auf die Kanallandschaft. Im ehemaligen Maschinenhaus wurde ein Museum eingerichtet, das die Baugeschichte und Technik des Hebewerks, unter anderem mit einem Modell, beleuchtet. Im Vorhafen und am Oberwasser liegen noch einige historische Schiffe, die die Museumsexponate ergänzen.

Rund um den Raiffeisenplatz gibt es allerdings drei Läden, die ich empfehlen möchte: das Kindergeschäft 4 Babys & Kids, den Blumenladen Annikas Blumenfreude und die Gelateria Italiana für ein italienisches Eis, das uns sehr gut geschmeckt hat. Der Moselbachpark erstreckt sich direkt vom Raiffeisenplatz in der Stadtmitte aus in nordöstlicher Richtung. Er ist nicht groß, aber bietet viel: Es gibt mehrere Spielplätze für kleinere wie größere Kids. Falls ihr euch anschließend abkühlen wollt, ist das Bürgerbad Waltrop direkt um die Ecke am östlichen Ende des Parks. Für eine Pause mit Einkehr eignet sich auch die Moselbach Park Alm.

Nach Waltrop bin ich meist wegen Manufactum gefahren. Bevor ich nach Dortmund gezogen bin, wusste ich gar nicht, dass der Hauptsitz einer meiner Liesblingsläden ganz in der Nähe ist: Manufactum in den Gebäuden der alten Zeche Waltrop. Ich möchte jetzt gar keine Werbung machen, aber ich finde, der Laden und das ganze Gelände sind einer der coolsten Orte in Deutschland. Der Laden ist einfach eine Schatzkiste voller toller Dinge. Hier findet ihr Geschenke, was für euer Zuhause und für die Seele.

Mit den Kids war ich diesmal aber nicht zum Shoppen da. So haben wir uns nur etwas zu essen geholt: Bei Manufactum Brot und Butter gibt es ein Café sowie eine Frische-Theke mit Feinschmecker-Sachen, Brot und himmlischen Zimtschnecken. Ihr könnt vor Ort essen oder die Leckereien mitnehmen - es lohnt sich auf jeden Fall! Und nach einer Zimtschnecke bietet es sich an, einen schönen Spaziergang zu machen und die Halde Brockenscheidt hochzulaufen =) Falls die Beine noch nicht zu schwer sind und ihr einen noch besseren Ausblick haben wollt, dann steigt auf jeden Fall den Spurwerkturm auf der Halde hoch.

Falls ihr etwas Zeit mitbringt, lohnt sich ein Abstecher zum Milchhof Billmann im Norden von Waltrop! Hier wohnen glückliche Kühe, deren frische Milch viele Dortmunder Betriebe verwenden. Und bei Mühle Schlingemann im Westen von Waltrop könnt ihr gutes Mehl und wunderbare Produkte rund um das Brotbacken kaufen.

Der Spielplatz ist MEGA! Dort gibt es neue Spielgeräte für große und kleine Kids, er liegt ganz ruhig, es ist kaum etwas los und es gibt Picknick-Tische - sogar im Schatten. Der Spielplatz ist also supercool, um eine Pause zu machen und damit sich die Kinder austoben können. HOHOFFS ist ein Paradies für Backwaren und edle Patisserie - von Zimtschnecken über Pralinen bis zu Brezeln und Quiche. Ich wollte am liebsten alles probieren!

Entlang unserer Route haben wir eine ganz tolle Überraschung erlebt - und ich war mir nicht sicher, ob ich dieses Fundstück lieber für mich behalten oder doch mit euch teilen soll. Auf dem Rückweg sind wir durch eine Straße in Brechten gefahren, auf deren einer Seite Wohnblöcke standen und auf der anderen kleine Häuse - also nichts Aufregendes. Allerdings haben wir dort nicht nur einen Bienenkasten gefunden, sondern sogar einen Imker! Sascha Greulich an der Brechtener Heide 110 verkauft dort seinen Honig. Die Preise sind voll okay: 7,50 Euro für 500 Gramm und 4 Euro für 250 Gramm. Ein Treuepunkte-System und Paypal gibt es übrigens auch. Und alles kontaktlos. Mehr Aufeinandertreffen von Stadt und Land geht kaum.

Unser Lastenrad hat zwar E-Antrieb, aber die Strecke war auch ohne nicht sehr anspruchsvoll. Und unterwegs gibt es hier einen Spielplatz für eine Pause und da ein Rapsfeld zum Bestaunen. Lustig ist zudem, dass es beim Ortseingang von Brambauer noch eine Straße gibt, deren Seiten jeweils zu verschiedenen Städten gehören - ähnlich wie in der Nähe des Schiffshebewerks (s.o.). Doch hier haben die Straßenseiten sogar andere Namen: Die nördliche gehört zu Waltrop und heißt Grenzstraße, die südliche gehört zu Lünen-Brambauer und heißt Friedhofstraße. Und einen zweiten interessanten Foto-Spot gibt ganz in der Nähe: Da die nördliche Straßenseite der Provinzialstraße zu Datteln gehört und die südliche zu Waltrop stehen dort zwei Ortseingangsschilder - eins auf jeder Seite der Straße.

Radfahren war für mich lange Zeit reiner Sport. Erst in den vergangenen zwei Jahren kam für mich dann schließlich noch der ungeheure Entspannungsfaktor dazu, der mir vorher nie so richtig bewusst geworden war. Wer mit dem Radfahren gerade erst anfängt, kann das vielleicht noch nicht so ganz nachempfinden, aber das Radeln kann die gebeutelte Seele unfassbar befreien. Die Idee dazu hatte meine Kollegin Katalina.

Im März wurde mein erstes Buch „Radeln für die Seele - Ruhrgebiet“ veröffentlicht, in dem ich 15 Tourenvorschläge vorstelle. Eigentlich entfalten beinahe alle Ausdauersportarten neben der körperlichen Beanspruchung auch eine gewisse meditative Wirkung. Je länger die sportliche Betätigung und je monotoner dabei der Bewegungsablauf ist, desto mehr kann der Geist ein wenig zur Ruhe kommen. Wir können uns mit vorhandenen Problemen auseinandersetzen und Lösungen finden oder uns zumindes mit diesen abfinden.

Technisch anspruchsvollere Routen eignen sich meist nicht ganz so gut, um der Seele eine kleine Auszeit zu gönnen. Daher ist dies auch für Einsteiger vielleicht etwas schwieriger, da Rad-Neulinge sich meistens doch noch sehr auf den Weg konzentrieren müssen. Die Route sollte über weite Teile leicht sein und wenig Konzentration von uns benötigen. Im Buch stelle ich jeweils 5 Tourentipps in den Bereichen „Auszeittouren“, „Panoramatouren“ und „Verwöhntouren“ vor.

Die Auszeittouren führen in die Natur, wie z.B. Eine Auszeit vom Trubel entlang der Wasserwege im Ruhrgebiet, eine fantastische Aussicht vom Deusenberg in Dortmund und himmlischer Erdbeersmoothie im Garten eines wunderbaren Hofcafés - das klingt doch schon nach den besten Zutaten für einen entspannten Radausflug, der unserer Seele etwas Gutes tun soll. Alle drei Bereiche können unser Inneres positiv bereichern - sei es bei einer Auszeit in einem herrlichen Waldgebiet, beim wohltuenden Gipfelglück nach einer beschwerlichen Auffahrt auf eine Halde oder dem Genuss einer ortstypischen Leckerei.

Mein heutiger Tourentipp ist knappe 50 Kilometer lang, startet am Herner Meer und führt zunächst ganz entspannt am Rhein-Herne-Kanal entlang Richtung Henrichenburg. An der Emscher angekommen biege ich nach Dortmund ab und folge dem ausgeschilderten Emscher Weg. Zunächst muss ich mich noch ein wenig auf die Wegeführung konzentrieren, aber grundsätzlich kann man auch entlang der Emscher sehr unbeschwert radeln. Lediglich einige Baustellen können etwas nervig sein, aber das bringt natürlich der große Renaturierungsprozess des einst so dreckigen Flusses mit sich.

Schließlich gelange ich zum Haldenfuß des Deusenbergs. Jede Aussicht will erarbeitet werden und so muss ich ein wenig in die Pedale treten. Für mich zählt das Gipfelglück, wenn man oben auf einem Berg ankommt, zu den schönsten und intensivsten Glücksmomenten im Leben. Nicht jeder wird den Aufstieg mit dem Fahrrad schaffen, aber natürlich könnt Ihr auch schieben oder das Rad einfach unten abstellen und zu Fuß hoch gehen. Denn der Ausblick gehört schon zu den besonders schicken im Ruhrgebiet.

Der Deusenberg markiert auch den südlichen Wendepunkt der Radtour. Über kleinere Felder führt die Route zum Dortmund-Ems-Kanal, dem ich nach links Richtung Schiffshebewerk Henrichenburg folge. Mit ein wenig Glück könnt Ihr den Deutschland-Achter auf dem Wasser rudern sehen und könnt beim Radeln wieder komplett abschalten und abseits des Straßenverkehrs die frühlingshaft warme Luft neben dem Kanal aufsaugen. Kurz vor dem Schiffshebewerk lohnt sich ein ganz kurzer Abstecher auf die nördliche Kanalseite.

Hier liegt der Hof Niermann, der besonders für seinen leckeren Spargel und seine Erdbeeren bekannt ist. Wenn das wunderbare Gartencafé geöffnet ist, lohnt sich die entspannte Pause im Liegestuhl. Aber selbst jetzt in Zeiten von Lockdown und Co. bietet der Hof für Radler tolle Picknicks an. Ob deftiges Bauernpicknick, gesundes Fitnesspicknick oder das verführerische Süße Picknick - es gibt wohl keine bessere Möglichkeit in diesen Zeiten, die zu Neige gehenden Kraftreserven wieder aufzutanken. Eine Picknick-Decke ist sogar gleich mit dabei, aber natürlich ist eine Reservierung vorab notwendig.

Das Schiffshebewerk Henrichenburg folgt dann wenig später als Höhepunkt der Radtour. Sofern das Museum geöffnet ist, lohnt sich der Besuch. Aber auch so bietet das weitläufige Gelände der verschiedenen Hebewerke und Schleusen tolle Fotomotive und viele lehrreiche Informationstafeln. Über die König-Ludwig-Trasse gelange ich schließlich zügig wieder zurück zum Ausgangspunkt am Herner Meer.

Die ehemalige Bahntrasse ist wunderbar ausgebaut und ich passiere einige, durchaus sehr fotogene Überbleibsel der Bergbaugeschichte, die direkt am Wegesrand arrangiert wurden. Ich schalte ein letztes Mal den Kopf aus, spüre den warmen Frühlingsfahrtwind im Gesicht und lasse diese entspannte Radtour nochmal Revue passieren. Ja, Radfahren ist gesund, aber eben nicht nur für unseren Körper, sondern mindestens genauso sehr für unsere Seele.

Der Dortmund-Ems-Kanal ist eine Bundeswasserstraße, die von Dortmund aus bis zur Ems und dann als Kanalstrecke parallel zur Ems bis kurz vor Papenburg führt. Mit der Radroute Dortmund-Ems-Kanal führt sogar ein ausgeschilderter Radfernweg entlang des Kanals. Sehenswert ist auch die Alte Fahrt, ein stillgelegter alter Verlauf des Kanals. In nördlicher Richtung führt Euch der Radweg teilweise durch das Stadtgebiet von Datteln.

Nach dem Eingang zum Schiffshebewerk führt die Route rechts weiter zum Rhein-Herne-Kanal, einer 45 Kilometer langen Wasserstraße mit fünf Kanalstufen. Der Kanal wurde in achtjähriger Bauzeit im Sommer 1914 fertiggestellt und verbindet seitdem den Duisburger Hafen mit dem Dortmund-Ems-Kanal. Sie radeln nun gemütlich am Wasser entlang bis zur Brücke Wartburgstraße. Hier wechseln Sie ans andere Ufer Richtung Umspannwerk Recklinghausen.

Auf der anderen Seite gelangen Sie links beim Restaurant Riad mit Biergarten wieder auf den Kiesweg des Kanals. Sie folgen dem Kanal bis zum Radknotenpunkt 36. Hier können Sie den Kanalweg kurz unterbrechen und einen Abstecher zum rund 500 Meter entfernten Schloss Bladenhorst machen. Sie erreichen das Wasserschloss über die Kanalbrücke und danach über einen schönen Radweg durch den Wald. Das Schloss ist zwar nur von außen zu besichtigen, macht aber mit seinen wehrhaften Türmen und Mauern einen imposanten, märchenhaften Eindruck. Bemerkenswert ist vor allem das Torhaus.

Nach der kurzen Unterbrechung geht es zurück zur Hauptroute am Kanal und weiter Richtung Umspannwerk Recklinghausen, heute ein Museum. Sie kommen an einem Hafen vorbei und dann zur Schleuse Herne-Ost. Die Zwillingsschleuse wurde 1914 in Betrieb genommen und Ende der 1980er-Jahre in sechsjähriger Bauzeit komplett erneuert. Ihre Ausmaße sind gigantisch: 190 Meter lang, 12 Meter breit und rund 4 Meter tief. Der Niveauunterschied beträgt fast 13 Meter und ein Schiff benötigt etwa 14 Minuten, um den Höhenunterschied zu überwinden; die Zeit für Ein- und Ausfahrt nicht mitgerechnet.

Sie radeln zuerst rechts am alten Schleusenbecken entlang, bevor Sie links über die Schleuse weiterfahren. Am anderen Ufer geht es nun nach Herne, wo Sie die Kanalbrücke erst unterqueren und dann mit einer Linkskurve auf ihr den Kanal überqueren. Bevor Sie den Kanal verlassen, lädt direkt am Radweg der Biergarten An der Stadtgrenze zum Einkehren ein.

Unweit der Kanalbrücke biegen Sie links auf den Emscher-Radweg Richtung Halde Hoppenbruch ein. Der Radweg verläuft zuerst auf dem Deich hoch über dem Flussbett, verlässt dann die Emscher und führt abseits vom Wasserweg zum Knotenpunkt 41. Hier radeln Sie geradeaus weiter bis zur Kreuzung. Schöner und weit interessanter ist die Radroute der Industriekultur geradeaus zum Landschaftspark Hoheward und Knotenpunkt 42. Und deshalb führt diese Etappe über die Ringpromenade rund um den Landschaftspark Hoheward.

Hier gelangen Sie leicht rechts haltend hinunter an die Emscher, die hier leider noch nicht vollständig renaturiert wurde. Sie folgen der Emscher nach rechts, wechseln unterwegs das Ufer und verlassen sie bei der nächsten Brücke links Richtung Gelsenkirchen und Knotenpunkt 44. Unterwegs können Sie noch einen Blick auf die Fleuthe-Brücke werfen, eine nette, denkmalgeschützte Bogenbrücke aus Sandstein. Sie queren die Bundesstraße an der Ampel und gelangen so zur Radbrücke Grimberger Sichel, die zur ZOOM Erlebniswelt führt.

Sie folgen nun immer dem Kanalradweg, radeln schon bald an der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 entlang Richtung Schleuse Wanne-Eickel und weiter bis zum Knotenpunkt 39, wo Sie rechts nochmals am Biergarten An der Stadtgrenze entlang zum Emscher-Radweg wechseln. Der Emscher folgen Sie diesmal stromaufwärts Richtung Pöppinghausen und dann weiter Richtung Henrichenburg. Schere: Da ihr an Feldern vorbeifahrt, könnt ihr Wildblumen schneiden.

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