Radfahren auf dem Stettiner Haff Rundweg

Das Kreischen einer Möwe durchbricht das friedliche Stadtgesumme der Hansestadt Anklam. Der Vogel sitzt auf dem flachen Turmdach der Nikolaikirche und guckt neugierig auf die beiden Neuankömmlinge hinunter. Vielleicht hat er Milena und Lukas als Touristen identifiziert.

Die beiden sind gerade erst erwartungsvoll mit ihren Fahrrädern aus dem ICE gestiegen, um hier ihre Tour auf dem Stettiner Haff-Rundweg zu beginnen. Der Radrundweg ist in sieben Tagesetappen aufgeteilt, die zwischen 36 und 54 Kilometer lang und für jeden gut machbar sind. Auf 310 Kilometern führt der Fahrradweg über weite Strecken am Haff entlang und berührt dabei Orte wie das Seebad Ueckermünde, Stettin oder das Seebad Ahlbeck.

Weil das Stettiner Haff zur Hälfte zu Polen gehört (die Grenze zieht sich durchs Wasser), verläuft etwa die halbe Strecke durch das Nachbarland. Praktisch: Die Tour kann überall begonnen und zwischendrin auch immer wieder mit einer Fährfahrt über Teile des Haffs abgekürzt werden. Doch Milena und Lukas wollen heute erst einmal ordentlich strampeln.

Die Natur am Stettiner Haff

Weite Wasserflächen wechseln sich mit trockenem Schilf und saftigem Gras ab. Nur das Knirschen der Reifen, der sanfte Wind, der über das Röhricht streift, und der vielstimmige Gesang der Vögel begleiten unser Radler-Paar auf den nächsten Kilometern. Direkt hinter Anklam hat eine Welt begonnen, die nur aus drei Farben zu bestehen scheint: dem Blau des Wassers, dem Beige des Schilfs und dem Grün der Wiesen.

Graureiher und Kormorane staksen durchs seichte Wasser, Schwalben vollziehen akrobatische Flugmanöver am Himmel, und mit etwas Glück und Geduld entdeckt man einen bunten, schwirrenden Eisvogel oder seinen Namensvetter, den Großen Eisvogel, der jedoch kein Vogel ist, sondern ein seltener Schmetterling.

Mönkebude und Ueckermünde: Maritime Tradition und Entspannung

Als Milena und Lukas nach eineinhalb Stunden entspannt im staatlich anerkannten Erholungsort Mönkebude einrollen, ist über die Hälfte der Tagesetappe geschafft. Mit einem Pausen-Fischbrötchen vom Restaurant Strandhalle machen sie es sich auf ihrer Picknickdecke gemütlich. Der Strand ist jetzt, Ende Mai, schon gut besucht; es scheint sogar schon warm genug zum Schwimmen zu sein.

Beziehungsweise zum Im-Meer-Stehen, denn auch rund 30 Meter vom Ufer entfernt reicht das Wasser den Erwachsenen gerade mal bis zum Bauchnabel. Direkt hinter dem Strand liegt der beschauliche, kleine Hafen von Mönkebude. Dort schaukelt heute das fast 100 Jahre alte, auf Hochglanz polierte Zeesboot Ghost auf dem Wasser, das Reisende auf die gegenüberliegende Insel Usedom übersetzt.

„Zehn … acht … sechs“, hallt es wenig später über die Hafenpromenade, als die beiden im Seebad Ueckermünde ankommen, dem Nachbarort von Mönkebude. Gerade kehrt die mächtige Pommernkogge Ucra von ihrem dreistündigen Törn zurück und wird von einem Matrosen lauthals eingewiesen. Das 26 Meter lange Schiff ist ein Nachbau einer mittelalterlichen Hansekogge aus dunklem Eichenholz, Lärche und Douglasie - und ein echter Blickfang.

Und auch das hübsche Seebad Ueckermünde kann sich sehen lassen. Der Hafen ist von einer gut erhaltenen Altstadt voller Baudenkmäler umgeben. Eine Straße weiter liegt das Pommersche Residenzschloss, das das Haffmuseum beherbergt. Und wer etwas Zeit mitbringt, kann noch eine Pause am Haffbad, dem Strand von Ueckermünde, einlegen.

Im Haffhus im Ueckermünder Ortsteil Bellin warten schon ihr Gepäck und ein leckeres Abendessen auf sie. Das charmante, reetgedeckte Hotel liegt direkt am Wasser, ist nachhaltig zertifiziert und sogar energieautark. Nach dem Essen holen sich die beiden einen Ginger Hugo an der Hotelbar und setzen sich damit an den kleinen Steg, um den Sonnenuntergang zu genießen.

Morgen Abend werden sie bereits in Polen sein. Und nach weiteren fünf Tagen genau auf der gegenüberliegenden Seite des Haffs auf der Insel Usedom. Falls sie sich an die offiziellen Etappen halten. Aber das wäre fast ein bisschen schade.

Im Ueckermünder Haffmuseum gibt es hierüber eine Fülle zu entdecken. Ob Oster- und Weihnachtsausstellung, Mit-Mach-Aktionen oder durch die interaktive Führung durch das heimatliche Haffmuseum, kleine und große Besucher sind begeistert.

Weitere Sehenswürdigkeiten entlang der Route

  • Kirche St. Marien Anklam: Die Marienkirche ist eine spätromanisch-gotische Hallenkirche, deren älteste Teile aus dem 13. Jahrhundert stammen.
  • Heimatmuseum Fischerstube Mönkebude: Seit 2000 sind in der Fischerstube alle Dinge zu finden, die das Leben im Dorf und in der Region bestimmten. Auch die Touristinfo hat hier ihren Sitz.

Von Stettin nach Swinemünde: Eine dreitägige Tour

Die dreitägige Tour auf dem Stettiner Haff-Rundweg führt über 134 Kilometer von Stettin nach Swinemünde, durch eine beeindruckende Landschaft und vorbei an zahlreichen Sehenswürdigkeiten. Die fünf Frauen, die sich auf dieses Abenteuer begeben, erleben idyllische Wege entlang des Dąbie-Sees, entdecken historische Schiffswracks und genießen die Ruhe der Naturparks.

Höhepunkte sind der Besuch des Wikingerzentrums in Wolin und die letzte Etappe entlang der Ostseeküste.

  1. Nach der Anreise per Bahn nach Stettin beginnen die Radlerinnen ihre Reise mit einer Stadttour. Auf der Roten Linie, einem acht Kilometer langen Rundweg, entdecken sie Sehenswürdigkeiten wie das Schloss der Herzöge von Pommern, die Hakenterrasse und die Philharmonie. Ein besonderes Highlight ist das Denkmal der Hafenkatze Umbriaga.
  2. Die Strecke führt entlang des Dąbie-Sees auf ruhigen Schotterwegen. Nach einem Abstecher zum behindertengerechten Aussichtsturm in Wolin, der grandiose Panoramen bietet, führt die Route durch den Woliner Nationalpark.
  3. Die letzte Etappe nach Swinemünde ist per Zug oder Fähre erreichbar.

Der Stettiner Haff Rundweg: Eine grenzüberschreitende Tour

310 Kilometer um das Stettiner Haff führt die grenzüberschreitende Tour. Über die Inseln Usedom und Wolin, durch Badeorte, Hafenstädte und Naturlandschaften. Ausgangspunkt ist Uckermünde. Durch schattigen Wald und vorbei am Wasservögel-Eldorado Anklamer Heide erreicht die Strecke Anklam.

Die 50 Kilometer bis zum Kaiserbad Ahlbeck führen über die Zecheriner Klappbrücke und den 69 Meter hohen Golm (Golm=slawisch für Hügel). Gleich hinter der Grenze liegt an der Mündung der Swina/Świnoujście. Auf die Halbinsel Wolin geht es per Fähre.

Bis Międzyzdroje verläuft die Route küstennah, um dann ins Landesinnere zur Wikingerstadt Wolin abzubiegen. Nach Querung der Dziwna bietet sich bis zu den Czarnociner Wildpferden eine großartige Aussicht über das Haff. Etwa 12 Kilometer weiter lockt der Hafen von Stepnica mit frischgeräuchertem Fisch.

Richtung Szczecin wird die Strecke verkehrsreicher. Um die Metropole Szczecin zu erkunden, einfach der etwa acht Kilometer langen rot gestrichelten Linie folgen, die entlang der wichtigsten Sehenswürdigkeiten verläuft.

Weitere Radwege in der Region

  • Der Oder-Neiße-Radweg: Deutschlands östlichster Radweg führt Sie entlang der deutsch-polnischen Grenze von Zittau im Dreiländereck nach Frankfurt/Oder.
  • Usedom: Die östlichste Insel Deutschlands bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten auf über 150 km ausgebauten Radwegen die Insel und ihre Umgebung zu erkunden.

Das Projekt "Fahrradtouren um das Stettiner Haff"

Das geförderte Projekt "Fahrradtouren um das Stettiner Haff" - gemeinsame Identität der Grenzregion" (INT 174) umfasst die Stärkung und Erweiterung der Fahrradroute rund um das Stettiner Haff.

Von Stettin nach Swinemünde: Eine persönliche Erfahrung

In zwei Tagen von Stettin nach Swinemünde mit dem Fahrrad - oft nahe am Stettiner Haff, manchmal durch atemberaubende Wälder, immer inmitten wunderschöner Landschaft. 130 abwechslungsreiche Kilometer streckt sich der Stettiner Haff Rundweg zwischen Szczecin und Świnoujście.

Tatsächlich ist das Haff, das manchmal auch Oderhaff oder Pommersches Haff genannt wird, eine Lagune der Ostsee. Die Verbindungen des Stettiner Haffs zur offenen Ostsee bilden um die Inseln Usedom und Wolin herum drei Meeresarme: die Dzwina, die Swine und der Peenestrom.

Das Stettiner Haff hat eine durchschnittliche Tiefe von nur 3,8 Metern. Die Fahrrinne zwischen Świnoujście (Swinemünde) und Szczecin (Stettin) wird künstlich bei einer Tiefe von 10,5 Metern gehalten. Das Wasser des Stettiner Haffs ist nur leicht salzhaltig. Die Ufer sind meist flach und mit Schilf bewachsen.

Seit 1945 verläuft die Grenze zwischen Polen und Deutschland durch das Stettiner Haff. Das Gewässer und seine Uferregionen sind vielfach Naturschutzgebiete, teilweise Nationalparks und ein beliebtes Ziel für Reisende, die Ruhe und Entspannung suchen.

Entlang des Weges

Entlang des Stettiner Haff Rundwegs gibt es viele Marinas. Eine davon ist die Marina Lubczyna. Radfahrer finden hier einen schönen, überdachten Picknickplatz mit Grillstelle und einen Übernachtungsplatz mit Toiletten, Duschen und einer Waschmaschine. Täglich zwischen 12 und 20 Uhr öffnet an der Marina ein kleines Café, das Eis, Waffeln und Kaffee anbietet.

Um die Ecke gibt es einen Sandstrand, eine Fahrradreparaturstation mit Selbstbedienung und eine Boots- und Kajakvermietung. Weiter geht es in Richtung Stepnica. Nach dem Dorf Kąty biegen wir ab in einen atemberaubend schönen Kiefernwald, in dem mächtige Farne gedeihen.

Stepnica eignet sich perfekt für eine kurze Pause. Ein großer, weißer Sandstrand lädt zum Baden ein. Vorbei am Naturschutzgebiet Białodrzew Kopicki erreichen wir Czarnocin. Von hier bis Wolin führt der Stettiner Haff Rundweg auf dem Deich immer am Haff entlang. Immer wieder tauchen kleine, einsame Sandstrände im Schilfgürtel auf.

Wir radeln jetzt durch den Naturpark Stettiner Haff, ein Modellgebiet des ökologischen Netzwerks Natura 2000. Stepnica ist bekannt für den weißen Strand.

Wolin und Umgebung

Wolin liegt am Westufer der Dziwna auf der gleichnamigen Insel. Wolin ist zugleich die größte polnische Insel. Wir nähern uns dem Ostufer der Dzwina von Süden und genießen die Silhouette von Wolin mit der Stiftskirche St. Nikolaus bis zum nächsten Morgen.

Am nächsten Morgen sitzen wir wieder im Sattel - autsch! - und passieren nun die Dziwna. In Wolin nehmen wir einen kleinen Umweg, um einen neuen Baumwipfelpfad im Park Miejskiego südlich von Wolin zu besteigen. Ein absolut empfehlenswerter, dazu kostenloser Abstecher.

Schließlich radeln wir an einer Windmühle vorbei über bunt blühende Wiesen ans Stettiner Haff. Nach einer Weile biegt der Schotterweg ab in Richtung Wald. Wir gelangen in den südlichen Teil des Nationalparks Wolin (Woliński Park Narodowy) und fahren durch beeindruckende Buchenwälder.

In Lubin verlassen wir abermals den Stettiner Haff Rundweg, um einen lohnenswerten Abstecher zu machen. Der Aussichtspunkt Grodzisko Lubin will erst einmal erklommen werden. Der Weg führt steil bergauf. Am Kassenhäuschen ist für die Räder Endstation. Zu Fuß geht es auf die Klippe, auf der sich die Reste einer Festung aus dem 12. Jahrhundert befinden.

Międzyzdroje und Swinemünde

Von hier aus ist es nicht mehr weit nach Międzyzdroje. Nach einem Mittagessen und einem Bummel durch den quirligen Kurort geht es weiter nach Swinemünde. Der Weg führt nun am Rande einer Düne entlang - mit Blick auf den Strand und die Ostsee. Nach einer Passage durch den Wald ist mit Swinemünde das Ziel der 3. Etappe erreicht.

Der Kurort Międzyzdroje (Misdroy) bietet alle Annehmlichkeiten, die man in einem Ostseebad erwartet: feinsandiger, weißer und endlos langer Strand, eine Seebrücke mit Gelegenheit, Eis zu essen, einen Drink zu nehmen oder zu einer Rundfahrt mit den weißen Adler-Schiffen zu starten und eine Strandpromenade.

Świnoujście (Swinemünde) markiert den östlichsten Punkt der Insel Usedom und ist das westlichste der polnischen Ostseebäder. Zuvor hatten wir die wichtigsten Sehenswürdigkeiten Swinemündes mit dem Fahrrad erkundet. Mein Lieblingsort war zweifellos die Mühlenbake (Stawa Mlyny), die als Wegzeichen für Schiffe auf einer Mole steht.

Am Stettiner Haff habe ich wunderschöne Landschaften entdeckt, staunenswerte Orte und kulinarische Köstlichkeiten. Der polnische Teil des Stettiner Haff Rundwegs ist eine echte Genießer- und Entdeckerroute und schon jetzt steht für mich fest, dass ich hierher zurückkehren werde.

Nützliche Informationen

Denn schon vor der Abfahrt nach Polen habe ich mir die Fahrrad-App „Pomorze Zachodnie“ heruntergeladen. Sie ist kostenlos in den App Stores oder über die dazugehörige Webseite erhältlich. Die App informiert detailliert über Streckenverlauf, Sehenswürdigkeiten und Praktisches am Wegesrand. „Pomorze Zachodnie“ gibt es in vier Sprachen, darunter auch in Deutsch.

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