Viele Radfahrer träumen davon, einmal im Leben zum Nordkap zu fahren. Dieser Artikel beleuchtet die Erfahrungen, Herausforderungen und unvergesslichen Momente einer solchen Reise und gibt wertvolle Tipps für die Planung.
Die Planung beginnt
Ohwohl die Radreise noch nicht einmal begonnen hat, plane ich bereits. Es soll - zur Feier des Beginns meines Ruhestands - ans Nordkapp gehen. Ich fahre von Haustür zur Haustür. Also Start und Ende in Friesland.
Ich wills in der Arktis nicht zu kalt haben, gleichzeitig aber auch soweit möglich die größten Mücken- oder Bremsen-Plagen unterwegs vermeiden. Bis zum Nordkapp sind es 3385 km. Ich gehe von einem Schnitt von 100 km pro Tag aus, wobei ich in größeren Städten oder einmal die Woche auch mal einen Ruhetag einlege. Bis ans Nordkapp wäre ich also etwa 35 Tage unterwegs.
Der Juli ist der wärmste Monat am Nordkapp (8-16°C), im Juni kann man zwischen 5 und 13 °C erwarten. Hinsichtlich der Regentage scheint es sich von Mai bis Juli nicht wesentlich zu unterscheiden. Also wann losfahren?
Die Frage des idealen Start- und Reisezeitpunkts trieb mich auch bei meinen Planungen um. Die einzige Erkenntnis: Wetter ist kein belastbares Auswahlkriterium. Und die Mücken und andere Viecher kommen und gehen ja mit dem Wetter. Feucht und warm, viele Attacken. Kalt und trocken, steifer Nacken. Oder so ähnlich. Hat den Vorteil, dass ich andere Kriterien zur Entscheidung vorziehen kann. Wetter kannste eh nicht ändern.
Ich werde, Stand heute, vermutlich in der zweiten Juli-Woche losfahren, so dass ich ca. Mitte August ankomme, wenn nichts dazwischen kommt.
Die beste Reisezeit
Neben der Jahreszeit kann am Nordkap auch die Tageszeit eine Rolle spielen. So hatte meine Reisegruppe gleich doppeltes Glück: Einerseits herrschte am Nordkap vergleichsweise wenig Andrang, andererseits erlebten wir diesen Ort bei Sonnenschein. Jedenfalls erzählten die anderen Gruppen, die in der Nacht dort gewesen waren, dass sie vor lauter Nebel nichts gesehen hatten.
Ich denke, es gibt keine "beste Zeit", Glück und Pech kann man immer haben. Ich mag die hellen Nächte in Nordskandinavien, das heißt so etwa Mitte Mai bis Ende Juli ist eine gute Reisezeit. Der Sommer ist so auf Senja, Lofoten, Nordfinnland kurz. Auf Magerøya und Nordkinnhalvøya gibt es nur drei Jahreszeiten, Frühling, Herbst und Winter.
Meine Präferenz ist also so zu planen, dass Du so etwa Juni/Juli im Norden bist. In Südskandinavien ist es unwichtiger.
Routenplanung
Die Routenwahl ist ein entscheidender Faktor für den Erfolg einer Radreise zum Nordkap. Es gibt verschiedene Optionen, jede mit ihren eigenen Vor- und Nachteilen.
Ich bin über Schweden bis Storuman, dann rüber nach Norwegen (Mo i Rana) und dann über Lofoten auf der klassischen Route zum Kap. Die E45 ist lange. Ich bin mal zum Nordkap über den cykelsporet. Geht die schwedische Ostküste lang bis Lulea. Von dort zur E45 und dann zum Nordkap. Der Abschnitt 45 ist eigentlich ein Erlebnis, weil es so totlangweilig ist.
In meiner Erinnerung ist gerade das Gebiet in Finnland nahe der russischen Grenze ausgesprochen schön. Dann hättest du ein bisschen mehr Abwechslung. Die Landschaft ist aber im Norden Polens und LT/LV/EE nicht groß anders als in Mecklenburg und Südschweden.
Du kannst Dir vornehmen, wirklich vom Ruhrgebiet fährenfrei bis zum Nordkap zu fahren. Dann führt die Route über Baltikum und St. Petersburg und wahrscheinlich Finnland. Das ist ein gute Wahl und ich bin so schon gefahren, wenn auch auf mehrere Radtouren verteilt. Ostfinnland hat mir sehr gefallen.
Aber wenn Du Fähren in Betracht ziehst oder Hin- und Rückweg fährst, wie es bei Dir ja der Fall ist, würde ich einen Weg durch Norwegen fahren, ev. einschließlich grenznaher Gebiete in Schweden.
Deine Route ist spannend und gefällt mir gut. Ich würde zwischen Trondheim und Oslo lieber via Fagernes oder via Røros - Drevsjø - Trysil - Kongsvinger fahren. Die E6 von Dombås nach Trondheim ist größtenteils eine schöne Strecke, aber ich glaube, dass es noch besser geht.
Wenn dir schon Südschweden monoton erschien, würde ich die Route erst Recht überdenken. Nordschweden hat einen besonderen Charme, aber m.E. noch weniger Abwechslung zu bieten.
Ich würde glaube ich gegen den Uhrzeigersinn fahren und über Norwegen hochfahren, und dann am Nordkapp relativ spontan entscheiden, wie es weitergeht - dann hast du, auch wenn dir für den Rückweg per Rad die Lust fehlt, trotzdem den landschaftlich spektakulären Teil Norwegens mitgenommen.
Und die 400km E6 würde ich auf jeden Fall umfahren, auch wenn es ein paar 100km mehr erfordert. Musst aber aufpassen, bei der Route gibt es meiner Meinung nach auch Schotterpisten.
Da ich bis Trondheim nicht der Küstenlinie folgen mag und mich Städte nicht interessieren, mir dafür aber ein paar epische Anstiege wichtig sind, habe ich eine westliche Route weiter im Inland geplant.
Unterkünfte entlang der Strecke
Entlang der Route gibt es zahlreiche Campingplätze mit unterschiedlichstem Komfort und Preisen. Entlang der Route gibt es Hotels, Pensionen und gut ausgestatte Campingplätze, auf denen man teilweise auch kleine Hütten mieten kann, falls es mal wieder richtig dicke vom Himmel kommt. Allerdings sind selbst die Campingplätze oft ziemlich teuer.
Alternativ bietet Dänemark ein hervorragendes Netz an „legalen“ Übernachtungsplätzen. Zum einen gibt es Zelt- und Naturlagerplätze in Waldgebieten. Die sind teilweise kostenpflichtig (etwa 2-5€ pro Nacht) und du darfst hier für maximal 2 Nächte dein Zelt aufschlagen.
Aber wir waren besonders fasziniert von den vielen Shelterplätzen. Tausende Schutzhütten liegen über das ganze Land verteilt. Das Übernachten ist meistens kostenlos, nur einige Shelter sind kostenpflichtig. Wir haben allerdings nie mehr als 6€ pro Person und Nacht bezahlt.
In der entsprechenden Shelter App kannst du sehen, wo sich die Plätze befinden und ob es auch erlaubt ist, ein Zelt aufzuschlagen. Die App zeigt auch, ob die jeweiligen Plätze online buchbar sind, wie sie ausgestattet sind und ob es Trinkwasser, Toilette etc.
Die Schutzhütten waren fast immer sehr sauber und in einem wirklich guten Zustand, so dass wir die Nächte hier wirklich genossen haben. Es versteht sich von selbst, dass wir die Plätze mindestens genauso ordentlich hinterlassen haben, wie wir sie vorgefunden haben.
Dank dem Jedermannsrecht ist Wildcampen in Schweden kein Problem. In Finnland gilt ebenfalls das Jedermannsrecht, wodurch das Wildcampen fast überall erlaubt ist.
Norwegen verfügt über eines der größten Wildnishüttensysteme der Welt. Mehr als 1.000 offizielle Einrichtungen werden vom norwegischen Wanderverband (DNT) und anderen Initiativen betrieben.
Herausforderungen und unvergessliche Momente
Eine Radreise zum Nordkap ist nicht nur ein körperliches Abenteuer, sondern auch eine mentale Herausforderung. Wind, Regen, Kälte und unwegsames Gelände können die Reise erschweren. Doch gerade diese Herausforderungen machen die Reise zu einem unvergesslichen Erlebnis.
Am 31. Juli, um 3 Uhr morgens, stand ich schließlich am Nordkap. Ich hatte es geschafft - 4.200 Kilometer, 70 Tage, unzählige Höhen und Tiefen. Das Gefühl war unbeschreiblich: Ich habe das für mich Unmögliche möglich gemacht.
Für den letzten Abschnitt habe ich tatsächlich am längsten benötigt und dabei auch am meisten Höhenmeter überwunden.
Erfahrungsbericht einer Radreise zum Nordkap
Ein persönlicher Bericht von Jason Rotfuß bietet detaillierte Einblicke in seine Radreise zum Nordkap im Jahr 2024.
Die Vorbereitung: Bevor ich überhaupt starten konnte, musste ich mich komplett neu aufstellen. Ich brauchte erst einmal das richtige Equipment: Fahrrad, Zelt, Kocher, Schlafsack usw. Am 24. Mai 2024 verabschiedete ich mich von meiner Familie und Freunden. Mein Fahrrad war mit der oben gezeigten Ausrüstung schwer beladen. Mein Kopf hingegen war voller Zweifel.
Deutschland und Dänemark: Die ersten Tage waren eine Achterbahnfahrt. Körperlich war ich überrascht, wie gut ich mithalten konnte, doch mental war es eine ganz andere Geschichte. Der Gedanke, 4.200 Kilometer noch vor mir zu haben und fast drei Monate ganz alleine unterwegs zu sein, war erschreckend, faszinierend und überwältigend zugleich.
Norwegen: Ab Oslo begann der anspruchsvollste Teil der Reise. Norwegen ist atemberaubend, aber es verlangt einem Radfahrer alles ab. Die Berge schienen endlos, die Anstiege brutal. Doch irgendwie fühlte ich mich stärker, als ich erwartet hatte. Mein Körper hatte sich angepasst, und ich begann, die Herausforderung zu genießen.
In Trondheim erreichte ich die Küste und folgte ihr weiter Richtung Norden. Das war die schönste, aber auch härteste Zeit. Norwegen ist ein Land, das einen permanent sprachlos macht - Fjorde, Berge, unendliche Weiten.
Das Nordkap: Am 31. Juli erreichte Jason Rotfuß das Nordkap. Er hatte es geschafft - 4.200 Kilometer, 70 Tage, unzählige Höhen und Tiefen. Das Gefühl war unbeschreiblich: Ich habe das für mich Unmögliche möglich gemacht.
Zahlen und Fakten zur Reise
Hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Daten zur Radreise von Jason Rotfuß:
| Abschnitt | Gefahrene Tage | Gefahrene Kilometer | Überwundene Höhenmeter |
|---|---|---|---|
| Deutschland | 18 Tage | 1.021 km | 4.970 m |
| Dänemark | 7 Tage | 471 km | 1.760 m |
| Oslo-Trondheim | 10 Tage | 553 km | 5.440 m |
| Trondheim-Lofoten | 14 Tage | 1.076 km | 8.350 m |
| Lofoten-Nordkap | 21 Tage | 1.064 km | 9.930 m |
| Gesamt | 70 Tage | 4.165 km | 30.450 m |
Tipps und Tricks für die Radreise zum Nordkap
- Reisezeitpunkt: Plane deine Reise so, dass du im Juni/Juli in Nordskandinavien bist.
- Route: Wähle eine Route, die deinen Vorlieben entspricht. Norwegen bietet spektakuläre Landschaften, während Schweden und Finnland ruhigere Strecken bieten.
- Ausrüstung: Packe leicht und nimm nur das Nötigste mit.
- Unterkünfte: Nutze Campingplätze, Shelter und Wildnishütten entlang der Strecke.
- Wetter: Sei auf wechselhaftes Wetter vorbereitet und packe entsprechende Kleidung ein.
- Mücken: Schütze dich vor Mücken und anderen Insekten.
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