In Deutschland erfreuen sich Radtouren auf ehemaligen Bahntrassen großer Beliebtheit. Mittlerweile gibt es etwa 813 Bahntrassenradwege, was ungefähr 5600 km entspricht (Quelle: A. Bartoschek 2024), und weitere 80 sind bereits in der Planung.
Obschon mancher „Nostalgiker“ der verblichenen Eisenbahnepoche wehmütig nachtrauert, so ebneten demontierte Schienenstränge andererseits dem aufkommenden Radtourismus sprichwörtlich den Weg. Durch die Bahnreform, die 1994 durch das in Kraft getretene Eisenbahnneuordnungsgesetz eingeleitet wurde, legte die Deutsche Bahn bis 2004 in Deutschland pro Jahr mehr als 400 km Schienenstrecken still. Innerhalb 25 Jahren waren es mehr als 5400 Kilometer, was das gesamte Streckennetz um rund 16 Prozent dezimierte. Die meisten Strecken lagen in diesem Zeitraum in Sachsen-Anhalt (599 km), gefolgt von Nordrhein-Westfalen (574 km) und Bayern (522 km).
Die ehemaligen Bahnstrecken ermöglichen es dem Radler, unsere Mittelgebirgslandschaft auch ohne extreme Steigungen zu durchqueren und die Landschaft zu genießen. Sie sind mit ihren Bauwerken auch ein industriell-kulturelles Erbe, das durch die Pflege der Radwege erhalten werden sollte. Informationen zu den stillgelegten Bahnstrecken findet man zum Beispiel bei "Vergessene Bahnen" von R. Schruft. Die Übersicht über alle Bahntrassenradwege in Deutschland hat A.
Die Vorteile von Bahntrassenradwegen
- Sanfte Streckenprofile: Dank des Bahnbaues im 19. und frühen 20. Jahrhundert, der darauf ausgelegt war, Steigungen zu minimieren, profitieren Radfahrer heute von Strecken mit geringen Steigungen.
- Verkehrsfreie Strecken: Oft führen die Radwege fernab von den Brennpunkten der Verkehrswege durch Regionen, die für Autos unzugänglich sind.
- Einfache Orientierung: Die Wegführung ist meist selbsterklärend, da Geländeeinschnitte, Bahndämme und Brücken die Richtung vorgeben.
- Historisches Ambiente: Restaurierte Bahnhöfe, Tunnel, Viadukte und andere Relikte erinnern an die Eisenbahnvergangenheit.
Die charakteristische Trassenführung mit Dämmen und Einschnitten, Brücken, Viadukten und Tunneln macht Bahntrassenwege sehr speziell - auch weil es sie von anderen Radwegen signifikant unterscheidet. Deshalb säumen ab und an liebevoll restaurierte Waggons, Loks, Bahnschranken, Signalanlagen und Prellböcke den Rand früherer Gleiskörper.
Entspannung und Naturerlebnisse
Radeln auf historischen Eisenbahntrassen - umgeben von unberührter Naturlandschaft - fördert die Entspannung und letztlich die Balance vom stressgeplagten Alltag. Wer dazu noch seinen inneren "Tempomat" auf entschleunigten Wohlfühlmodus dimmt, kann seine Sinne in Ruhe schweifen lassen und dabei reichlich Energie schöpfen. Die achtsame Wahrnehmung der Landschaft, die bewusste Auseinandersetzung mit der Kultur und „Heimatgeschichte“ der Bevölkerung sowie Wissbegierde an der Bahnhistorie auf dessen Spuren man wandelt, bereichert eine Radtour ungemein.
Gerade weil Bahntrassen-Radwege so easy zu befahren sind, haben Radfahrer ihre wahre Freude daran. Keine Frage: Das smoothe Streckenprofil fördert den ungestörten Bewegungsfluss und damit den Fahrspaß für Groß und Klein. Energie muss fließen. Fließt die Lebensenergie, fühlt man sich motiviert, inspiriert, gut gelaunt und unbeschwert. Alles scheint wie von selbst von der Hand zu gehen, man ist belastbar, könnte Bäume ausreißen und verschmilzt mit dem Leben.
Ausgewählte Bahntrassenradwege in Deutschland
Der reisereporter stellt dir sieben der schönsten Bahntrassenradwege Deutschlands vor:
Hamburg: Marschbahndamm-Radweg
Der Marschbahndamm-Radweg führt auf rund 33 Kilometern durch die malerische Landschaft der Vier- und Marschlande nahe Hamburg. Die Route verläuft entlang alter Bahnhöfe, von denen einige heute als gemütliche Raststätten dienen.
NRW: Vennbahnweg Aachen-Raeren
Dieser Abschnitt des Vennbahnwegs führt Radfahrerinnen und Radfahrer 17,7 Kilometer auf den Spuren der ehemaligen Bahnstrecke von Aachen-Rothe Erde über Walheim bis ins belgische Raeren. Besonders beeindruckend sind die beiden historischen Viadukte auf der Strecke, die spektakuläre Ausblicke auf das Umland bieten.
Baden-Württemberg: Wanderbahn Mudau-Mosbach
Die Wanderbahn Mudau-Mosbach führt durch die waldreichen Höhen des Odenwalds und bietet auf rund 27 Kilometern ein ruhiges, naturnahes Fahrraderlebnis. Entlang des Weges erinnern einige historische Bahnhofsgebäude und Informationstafeln an die frühere Bedeutung der Strecke.
Rheinland-Pfalz: Maare-Mosel-Radweg
Auf der 58,5 Kilometer langen Strecke von Daun nach Bernkastel-Kues radelt man entspannt durch die sanfte Hügellandschaft der Eifel, vorbei an idyllischen Maaren, mit Grundwasser gefüllten Mulden vulkanischen Ursprungs. Mit eingeschaltetem Licht geht es durch das „Große Schlitzohr“, einen der längsten Fahrradtunnel Deutschlands.
Saarland: Bliestal-Freizeitweg
Der Bliestal-Freizeitweg führt Radfahrerinnen und Radfahrer durch das malerische Biosphärenreservat Bliesgau. Die 16,95 Kilometer lange Strecke zwischen Blieskastel-Lautzkirchen und Gersheim-Reinheim verläuft auf einer ehemaligen Bahntrasse und ist komplett asphaltiert, sodass sie sich für alle Fahrradtypen eignet.
Thüringen: Mommelstein-Radweg
Die 30,7 Kilometer lange Strecke bietet mit ihren Höhenmetern (176 Meter bergauf und 629 Meter bergab) und landschaftlichen Highlights ein tolles Erlebnis für Naturfans. Besonders reizvoll ist der kurze Abstecher zum Wallenburger Turm, der mit einer beeindruckenden Aussicht über den Thüringer Wald belohnt.
Bayern: Gaubahn-Radwanderweg
Mit nur 120 Höhenmetern auf 37 Kilometern ist die Strecke entspannt zu bewältigen. Der asphaltierte Weg führt größtenteils auf der alten Bahntrasse der ehemaligen Gaubahn, die bis 1992 in Betrieb war. Besonders sehenswert sind die historische Altstadt von Ochsenfurt, das Kartäuserkloster Tückelhausen und das Barockschloss Weikersheim mit seinem Schlossgarten.
Weitere Radwege auf alten Bahntrassen
BahnRadweg Hessen
Ab dem Mainufer unterhalb von Schloss Philippsruhe in Hanau-Kesselstadt startet der BahnRadweg Hessen. Bis nach Bad Hersfeld sind es insgesamt 245 km landschaftlich tolle Kilometer.
Die gute Bahnanbindung - nicht nur der beiden Endpunkte - sondern auch entlang der Strecke sowie Radbusse im Sommerhalbjahr machen viele Tourvarianten möglich: vom Tagesausflug bis zur Radelwoche als 400 km lange Rundtour. Im Süden ist die Anfahrt nach Hanau über den Mainradweg eine gute Alternative zur Bahn. Im Norden bieten die Radwege an Weser, Fulda und Werra eine ideale Anfahrt für Tourenradler.
Bahntrassenradeln im Ruhrgebiet
Bahntrassenradeln im Ruhrgebiet, d.h. dort radzufahren, wo einst Güterzüge zu den großen Fabriken fuhren und tonnenschwere Produkte raus in die weite Welt rollten. Ob HOAG-Trasse, Erzbahntrasse, Rheinischer Esel oder eine der anderen ehemaligen Bahnlinien: Jeder Bahntrassenradweg im Ruhrgebiet gibt Einblicke in die Geschichte der Region. Die ausgebauten Radwege führen direkt vorbei an beeindruckenden Industriedenkmälern und bieten dabei Radgenuss vom Feinsten.
| Radweg | Länge | Beschreibung |
|---|---|---|
| Bananenradweg | 3,6 km | Verbindet das Dortmunder Zentrum mit dem Emschertal und dem Phoenix See. |
| Elbschetalbahn-Radweg | Variabel | Führt vom Ruhrtal bei Wetter-Wengern nach Süden in den Ennepe-Ruhr-Kreis. |
| Gneisenautrasse | 5,8 km | Verläuft vom Datteln-Hamm-Kanal bei Lünen zum Gelände der Zeche Gneisenau in Dortmund. |
| Klöcknerbahn | 13 km | Verläuft im Kreis Unna. |
| Lothringentrasse | 5,5 km | Verbindet das Gelände der ehemaligen Zeche Lothringen mit dem Bochumer Stadtzentrum. |
| Springorumtrasse | 9,7 km | Verbindet die Bochumer Innenstadt mit dem Ruhrtal. |
| Wolfsbahntrasse | 4 km | Führt in Duisburg durch den Stadtteil Marxloh. |
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