Radweg am Mittellandkanal: Eine Erkundungstour

Quer durch Deutschland radeln und dabei kaum eine Steigung hinauf strampeln? Kein Problem, wenn man sich am Mittellandkanal orientiert.

Der Mittellandkanal ist die wichtigste Querverbindung zwischen den zur Nordsee fließenden Gewässern Ems, Weser und Elbe. Er verbindet mit dem Elbe-Havel-Kanal das Ruhrgebiet mit dem Kanalsystem der Länder Brandenburg und Berlin.

Mit gut 320 Kilometern ist er die längste künstliche Wasserstraße Deutschlands. Quer durch Niedersachsen verbindet der Kanal Ems und Rhein im Westen mit der Elbe im Osten.

Der Mittellandkanal hat von seiner Abzweigung vom Dortmund-Ems-Kanal in Hörstel bis zur Elbe nördlich von Magdeburg eine Länge von 321,3 km, davon liegen 60,8 km innerhalb von Sachsen-Anhalt.

Der Elbe-Havel-Kanal verbindet auf einer Strecke von 56 km die Elbe bei Niegripp mit der unteren Havel bei Plaue. Der Elbe-Havel-Kanal ist durch Ausbau des Plauer Kanals und des Ihlekanals entstanden. Der Plauer Kanal wurde bereits 1743-45 angelegt. Von der unteren Havel bei Plaue wurde ein 15 km langer Durchstich bis zur Stremme und Ihle vorgenommen und beide Flussläufe für die Schiffahrt ausgebaut.

Bereits vor mehr als 100 Jahren begannen die Bauarbeiten. Die Wege sind meist mit feinem Kies befestigt, stellenweise geteert. Autos begegnen einem nur in Ausnahmefällen. Obwohl es keine durchgängige Beschilderung gibt, können sich Radler kaum verfahren. Langweilig wird es auf einer Kanaltour trotzdem nie.

Die Route führt durch Wiesen und Felder, Naturschutzgebiete, an Häfen und Anlegestellen vorbei und in Hannover auch durch eine Großstadt. An vielen Stellen liegt der Kanal höher als die Landschaft ringsum und bietet so einen weiten Blick über das flache Land.

Wer den Mittellandkanal in voller Länge mit dem Rad begleiten möchte, sollte im Westen starten, um den üblichen Westwind im Rücken zu haben. Bei Hörstel in Nordrhein-Westfalen beginnt der Kanal als Abzweig des Dortmund-Ems-Kanals. Nach einigen Kilometern kommt er bei Bramsche nach Niedersachsen und führt nördlich des Wiehengebirges über Bad Essen nach Minden.

Streckenabschnitte und Besonderheiten

Von Hohenwarte bis nach Haldensleben kann man über die Trogbrücke und am Mittellandkanal entlang radeln. Wegen noch vorhandener Baustellen gibt es ein paar nicht ganz perfekte Abschnitte. Bei Vahldorf muss man die Baustelle umfahren und kommt mal auf dem Damm, mal daneben voran.

In Haldensleben kommt man nicht am Kanal durch, hier kann aber auch mal einen Abstecher durch die Stadt machen und vielleicht eine Stärkung zu sich nehmen.

Von Haldensleben bis zum Drömling kann man fast durchgängig direkt auf der nördlichen Seite am Kanal entlang radeln. Lediglich in Calvörde muss man von einer Kanalbrücke zur nächsten einen kurzen Abstecher durch den Ort machen. Dahinter sind wir in Richtung Velsdorf kurz der Straße gefolgt, von der dann ein schöner Waldweg abzweigt, der uns südlich nahe des Kanals bis zur nächsten Brücke begleitet hat.

An der Kanalbrücke Piplockenburg haben wir am ersten Tag die Kanal-Radweg-Erkundung beendet und uns von dort einen Rückweg durch den Drömling gesucht.

Von Magdeburg erreicht man über den Elberadweg nach ca 17 km bei Hohenwarthe das Wasserstraßenkreuz Magdeburg. Von Hohenwarthe in Richtung Berlin kann man bis Burg gut am Süd-Ufer des Elbe-Havel-Kanals radeln. Die Tour führt vorbei an der Doppelsparschleuse Hohenwarthe und endet am Burger Knäcke-Werk. In Burg muss man die Straße in Richtung Blumenthal nutzen und kurz hinter der Kanalbrücke rechts abbiegen.

Hier kommt man am Nordufer bis kurz vor Ihleburg, wo der ausgebaute Kanalabschnitt und somit der begleitende Uferweg zur Zeit endet. Eine Fortsetzung der Wege am Elbe-Havel-Kanal bis Wusterwitz ist im Zuge der Ausbaumaßnahmen geplant.

Vom Wasserstraßenkreuz Magdeburg in Richtung Wolfsburg kann man fast durchgängig am Rande des Mittellandkanals entlang radeln. Auf der Trogbrücke über die Elbe sind beide Seiten mit Wegen ausgerüstet. Achtung! Um in Richtung Haldensleben weiter zukommen, hält man sich am Besten gleich auf der Nordseite. Hier kann man zunächst bis Elbeu gut auf geschottertem Wirtschaftsweg fahren.

Zwischen Elbeu und Jersleben befindet sich eine kurze Kanalbaustelle und der Weg ist sandig. Am Wochenende kommt man durch aber in der Woche sind hier sicherlich Bauarbeiten. Als Alternative bietet sich die asphaltierte Straße unterhalb des Kanals zum Jersleber See. Eine Abfahrtmöglichkeit gibt es direkt am Bootshaus. Wir halten uns weiterhin auf der nördlichen Kanalseite und fahren an Vahldorf vorbei.

Über den Aller-Elbe-Radweg könnte man die Radtour zu einem Rundkurs über Samswegen, Groß Ammensleben, Wolmirstedt zurück nach Hohenwarthe werden lassen. Wir wollen jedoch die Radtour am Mittelland-Kanal fortsetzen, die um einiges kürzer ist.

Nach einem Abstecher durch Haldensleben erreichen wir über die Süplinger Straße, von der wir hinterm Bahnübergang rechts in die Warmsdorfer Straße abbiegen, schließlich wieder das Kanalufer. Wir radeln weiter und sehen die Brücke nach Bülstringen, das am südlichen Ufer liegt, bleiben jedoch auf dem nördlichen Weg.

Erst bei Calförde ist ein durchgängiges Kanalradeln wieder unterbrochen und wir müssen durch den Ort fahren und auf der Landstraße in Richtung Velsdorf den Kanal überqueren. Wo die Landstraße einen Linksbogen macht, geht geradeaus ein Waldweg weiter. Hier hat man zwar keinen Blickkontakt zum Kanal aber er verläuft unmittelbar hinterm bewaldeten Wall.

An der nächsten Brücke bei Wieglitz fahren wir zurück und folgen erneut dem nördlichen Uferweg. Hinter der Brücke nach Mannhausen wurden bei dem Kanalausbau einige Biotope angelegt und rechts hinterm Damm gibt es Flachwasserzonen und Vogelbeobachtungspunkte, wo man durchaus ein wenig verweilen und die Ruhe genießen kann.

Eine Informationsstelle im Naturpark Drömling erreicht man hier rechts ab nach wenigen Metern vor der Ohrebrücke. Durch den Drömling führen einige Radwanderwege.

Wir nutzen weiterhin den nördlichen Wirtschaftsweg am Kanal und fahren bis Frankenfelde wo wir die Seite wechseln müssen. Auf dem Abschnitt nach Rühen sind einige Gewässer-Entlaster zu sehen (Drömling, Ohre, Aller). Dahinter in Richtung Wolfsburg verhindern derzeit einige Baustellen die durchgängige Weiterfahrt am Mittellandkanal.

Man kann von hier nach Rühen und von dort bis Vorsfelde Straße fahren. Wir empfehlen, die Gegenrichtung nach Grafhorst einzuschlagen und von dort den Aller-Radweg zu nutzen, der auch über Vorsfelde nach Wolfsburg führt, wo man den Mittellandkanal wiederfindet.

Der Mittellandkanal im Überblick

MerkmalDetails
Länge324 Kilometer
Verbundene FlüsseWeser, Elbe (direkt) Ems, Rhein (indirekt)
Wassertiefe4 Meter
Wasserbreite42 bis 55 Meter
Wasserhöhe über Normalnull50,3 bis 65 Meter
Schleusen3 (Hannover, Sülfeld/Wolfsburg, Hohenwarthe/Magdeburg)
Brücken über den Kanal385 (inkl.

Eine 341 Meter lange Brücke leitet den Kanal dort in zwei riesigen Trögen über die Weser. Der Weg am Kanal entlang verläuft mal im Norden, mal im Süden, stellenweise auch auf beiden Seiten. Ein Pumpwerk sorgt dafür, dass der Wasserstand im Mittellandkanal stets konstant bleibt. Da erhebliche Mengen Wasser verdunsten, wird regelmäßig Nachschub aus der Weser in den Kanal gepumpt. Damit der Wasserstand der Weser in trockenen Sommern nicht zu weit absinkt, wurde um 1910 in Nordhessen die Edertalsperre gebaut.

Am Schaumburger Wald entlang führt der Kanal weiter in nördliche Richtung fast bis zum Steinhuder Meer und nach Hannover. Nach rund 150 Kilometern überquert die Wasserstraße die Leine in einem weiteren Trog. Hier kann man mit dem Rad unter dem Kanal hindurchfahren. Dann geht es in einem Bogen durch die nördlichen Viertel Hannovers zur größten Schleuse am Kanal im Stadtteil Anderten.

Kurz vor Braunschweig zweigt bei Kilometer 213,5 einer der zahlreichen Stichkanäle ab und verbindet die Stahlstadt Salzgitter mit dem Wasserstraßennetz. Rund 20 Kilometer später mündet von Norden der Elbe-Seitenkanal in den Mittellandkanal. Im Wolfsburger Stadtteil Sülfeld steht die zweite Schleusenanlage. Das Niveau des Wassers sinkt dort wieder von 65 auf 56 Meter. Nördlich der Stadt trifft der Kanal auf die Elbe, mit der er über eine Schleuse verbunden ist. Die Anlage senkt Schiffe, je nach Wasserstand der Elbe, um 10,5 bis 18,5 Meter auf das Niveau des Flusses ab.

Der Kanal selbst führt in einem Trog über die Elbe und endet wenig später offiziell an der Schleuse Hohenwarthe.

Ein besonderes Gepräge verliehen dem Drömling die im 19. Jh. Im Bereich der ehemaligen Grenze konnten sich Tier- und Pflanzenarten erhalten, die an anderer Stelle kaum mehr zu finden sind. Große Flächen dieses Feuchtgebietes sind als Natur- und Landschaftsschutzgebiete ausgewiesen.

Der Mittellandkanal liegt westlich von Haldensleben auf einem Damm, der im Elbetal eine Höhe von 17 m über Gelände erreicht. Zwischen Landesgrenze und Calvörde verläuft der Kanal durch "das Land der 1000 Gräben", die planebene Niederung des Drömlings.

Ausgebaute Betriebswege begleiten jedoch fast überall den Kanal. Sie sind für Fußgänger und Radfahrer freigegeben, ihre Benutzung erfolgt auf eigene Gefahr. Die Wege führen schön eben am Ufer entlang und sind meistens mit feinem Splitt befestigt, zum Teil auch gepflastert oder asphaltiert. So bietet der Kanal nicht nur gute Möglichkeiten für den Wassersport sondern auch jede Menge Potential für Wanderungen oder Radtouren.

Einige Baustellen verhindern zur Zeit noch eine durchgängige Befahrbarkeit der Uferwege mit dem Fahrrad. Zwischen Dortmund-Ems-Kanal und der Schleuse Sülfeld ist der Kanalausbau bereits fertiggestellt. Zwischen Sülfeld und der Elbe sind die Ausbauarbeiten noch in Gange.

Erste Pläne für den Bau eines Schiffskanals, der das Ruhrgebiet mit der Elbe verbinden soll, kommen 1856 auf. 1905 fällt ein offizieller Beschluss, ein Jahr später beginnt der Bau im Westen mit dem Abschnitt von Bergeshövede nach Hannover. 1915 wird das erste Teilstück bis Minden an der Weser als Ems-Weser-Kanal eröffnet, 1916 die gesamte Strecke bis Hannover.

Nach fünf Jahren Bauzeit wird am 20.6.1928 die damals größte Binnenschleuse Europas eingeweiht: die Hindenburgschleuse in Hannover-Anderten. Damit ist der Kanal bis Peine befahrbar.

Am 4.12.1920 plante man, die Nord-Süd fließenden deutschen Flüsse zu verbinden. Schwerpunkt war der Ausbau des Mittellandkanals, der den Elbe-Havel-Kanal als Fortsetzung des Elbe-Weser-Kanals vorsah. Zur Verbindung der Kanäle wurde 1934 mit dem Bau der Kanalbrücke über die Elbe und des Doppelhebewerkes in Hohenwarthe für den Abstieg in den Elbe-Havel-Kanal begonnen, was jedoch 1942 kriegsbedingt eingestellt werden musste.

Im Rahmen des Projektes 17 (Ausbau der Wasserstraßenverbindung Hannover - Magdeburg - Berlin) wurde nun das "Magdeburger Wasserstraßenkreuz" verwirklicht und am 10. Oktober 2003 eröffnet. Es entstand die größte Trogbrücke der Welt. Sie hat eine Länge von 918 m und eine lichte Weite von 32 m. Auf 228 m überspannt sie bei Mittelwasser die Elbe, mit der restlichen Länge das Elbtal.

Die Anbindung des Mittellandkanals an die Magdeburger Häfen und an die Elbe erfolgte bisher über das Schiffshebewerk Rothensee in den in südlicher Richtung führenden Abstiegskanal Rothensee. Um diese Anbindung zukünftig auch für den Verkehr mit Großmotorgüterschiffen und Schubverbänden zu ermöglichen, wurde westlich des bestehenden Schiffshebewerkes eine neue Schleusenanlage errichtet. Die Schleuse Rothensee hat eine maximale Hubhöhe von rund 18 m. Eine Besucherplattform ist über eine außenliegende Stahltreppenkonstruktion zu erreichen.

Zum Ausbau des Elbe-Havel-Kanals gehört auch der Neubau von je einer zweiten Schleusenkammer mit 190 m Nutzlänge und 12,5 m lichter Breite an den Staustufen Zerben und Wusterwitz sowie die Erneuerung bzw. Anhebung von 22 Brücken. Der Stichhafen in Genthin erhält einen Anschluss über den modernisierten Roßdorfer Altkanal. Bei Parchau/Ihleburg wird mit einem 2 km langen Durchstich der Kurvenradius des Kanals vergrößert, das abgetrennte Gewässer wird in ein Feuchtbiotop umgewandelt. Die Ausbaumaßnahmen sehen vor, die Wasserspiegelbreite von derzeitig 35,5 m auf 55 m im Trapezprofil zu verbreitern, die Sohle wird von 3,5 m auf 4 m vertieft. Die Stadtstrecken werden im raumsparenden Rechteckprofil ausgebaut.

Weitere Radwege in der Umgebung

  • Der Aller-Elbe-Radweg ist die Verbindung zum Elberadweg. Bestellen Sie Ihr kostenfreies Handbuch bei den Kollegen der Koordinierungsstelle: Elberadweg Mitte c/o Magdeburger Tourismusverband Elbe-Börde-Heide e.V.
  • Der Radweg Alte Salzstraße führt von Lüneburg nach Lübeck auf den Spuren des historischen Salzhandelsweges. Er verbindet die beiden Hansestädte miteinander und ist 115 Kilometer lang.
  • Der Elbe-Lübeck-Kanal verbindet auf einer Länge von rund 60 Kilometern die Elbe bei Lauenburg mit der Trave in Lübeck und stellt damit die Verbindung zwischen Elbe und Ostsee her. Der Kanal wurde 1900 eröffnet und wird heute vor allem für kleinere Binnenschiffe zum Transport von Schüttgut und von Sportbooten genutzt.
  • Der 115 Kilometer lange Elbe-Seitenkanal verbindet den Mittellandkanal westlich von Wolfsburg mit der Elbe bei Lauenburg.
  • Sobald die Weser die norddeutsche Tiefebene erreicht, bestimmen Wiesen und Weiden das Landschaftsbild. Der 520 Kilometer lange Weserradweg zählt zu den beliebtesten deutschen Fernradwegen. Er führt vom Weserstein in Hann. Münden bis nach Cuxhaven an die Nordsee durch eine vielfältige Flusslandschaft mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten. Der Streckenabschnitt an der Mittelweser zwischen Minden und Verden ist etwa 120 Kilometer lang und eignet sich gut für eine zweitägige Tour.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0