Der Radweg Deutsche Einheit: Eine Reise durch Deutschland

Der Radweg Deutsche Einheit ist ein Symbol für die Wiedervereinigung und das Zusammenwachsen unserer Infrastruktur.

Eine Route durch sieben Bundesländer

Er führt durch sieben Länder - von der ehemaligen Bundeshauptstadt Bonn über Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg bis nach Berlin. Zum 25. Jahrestag der Deutschen Einheit vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur initiiert, symbolisiert er das Zusammenwachsen der deutsch-deutschen Verkehrsinfrastruktur.

Gehen Sie auf eine Reise durch sieben Bundesländer und folgen Sie dabei den vielfältigen und spannenden Spuren der Deutschen Einheit. Auf 1.100 Kilometern lernen Sie einige der schönsten Landschaften Deutschlands kennen, durchfahren dabei große und kleinere Flusstäler, berühren tiefe Wälder und etliche Mittelgebirge. Unterwegs treffen Sie zudem auf regionale Besonderheiten aller Art, auf verschiedenste Mentalitäten und Dialekte.

Radfahren im Zeitalter der Digitalisierung

Schon heute ist das Rad Vorreiter für Elektroantriebe und gewinnt durch die Digitalisierung weiter an Attraktivität. Mit Multimedia-Cockpit, digitaler Routenplanung, Navigations-Apps und der Vernetzung von Mobilitäts- und Geodaten wird das Rad als Smart Bike zum Innovationsführer für die Mobilität 4.0.

Der Radweg Deutsche Einheit setzt genau hier an: Entlang der gesamten Route werden modernste Radstätten mit freiem WLAN, digitalen Touchpads, Elektroladesäulen und Solarzellentechnik entstehen. Hier können Radler ihr Elektrofahrrad aufladen, sich über die Region informieren, kleine und große Meilensteine der Wiedervereinigung entdecken und ihre weitere Route planen.

Highlights entlang der Strecke

Der Radweg Deutsche Einheit führt auf rund 367 km durch das Bundesland Hessen. Zu den rund 30 Highlights entlang des Weges gehören u.a. der Hohe Dom zu Limburg, der Optikparcours Wetzlar, das Mathematikum in Gießen, die Elisabethkirche in Marburg, das Märchenhaus in Neukirchen, das Eisenbahnmuseum in Bebra, die Gedenkstätte Breitenau, der Herkules im Bergpark Wilhelmshöhe und viele mehr.

Radstätten als multimediale Informationspunkte

Entlang der Strecke sollen sogenannte "Radstätten" entstehen. Diese dienen als multimedialer Informationspunkt entlang des Radwegs Deutsche Einheit. Im Juli 2018 wurde in Rasdorf die erste Radstätte in Hessen eröffnet. Dort erhalten Fahrradfahrer über ein Touchpad u.a. Informationen zum Streckenverlauf und Hinweise zur touristischen Infrastruktur in der Umgebung. Außerdem steht ein kostenloser WLAN Zugang sowie abschließbare Akkuladestationen zur Verfügung. Weitere Radstätten in Hessen sollen in Bad Hersfeld, Bebra und Rotenburg entstehen.

Etappen und ihre Besonderheiten

Es gibt viele Gründe, den Radweg Deutsche Einheit zu befahren.

  • Für Geschichtsinteressierte bietet sich Etappe von Bonn nach Koblenz an. Bonn hat eine Vielzahl interessanter Museen wie bspw. das Deutsche Museum, das Haus der Geschichte und das ägyptische Museum. Zudem bietet sich Bonn als ehemalige Hauptstadt der BRD für eine historische Sightseeing-Tour an.
  • Die Etappe zwischen Weilburg und Gießen ist für einen Familienausflug ideal. Zum einen ist die Strecke überwiegend flach und kann in drei Stunden absolviert werden. Nicht versäumen sollten Sie den "Blob". Dabei springen eine oder mehrere Personen auf ein Luftkissen, wodurch eine weitere Person durch die Luft ins Wasser katapultiert wird. Ein Spaß für die ganze Familie.
  • Sportlich und schnell: Der Etappe von Wittenberg nach Beelitz ist mit 75 Kilometern der längste des Radweges Deutsche Einheit.
  • Etappe Schwalmstadt - Bad Hersfeld: Bei der Etappe Schwalmstadt - Badhersfeld handelt es sich um eine der schwereren Abschnitte des RDE. Höhenunterschiede von bis zu 540m erfordern eine sehr gute Kondition.
  • Etappe Rotenburg (Fulda) - Kassel: Etappe Nr. 9 ist mit 61km nicht nur die Längste Etappe des 2. Streckenabschnitts, sondern bietet zudem einen starken Anstieg bei Guxhagen.
  • Etappe Einbeck - Goslar: Etappe 13 ist gespickt mit einigen teilweise sehr steilen Steigungen und gehört mit einer Entfernung von 61 zu den längeren Strecken.
  • Etappe Limburg - Weilburg: Die Etappe zwischen Limburg und Weilburg ist nur 38km lang und verläuft durch das Lahntal. Durch verschiedene Aussichts- und Rastmöglichkeiten, ist Etappe Nr.

Eine persönliche Erfahrung

Da ich die ersten fünf Tage jeweils zwischen 118 und 85 km gefahren bin und deshalb zunehmende Müdigkeit verspürte, entschied ich mich, den Harz in kürzeren Etappen zu durchqueren. Zunächst ging es von Holzminden über das sehr hübsche Einbeck nach Bad Gandersheim (67 km), dann nach dem sehr sehenswerten Goslar (45 km) und schließlich nach Wernigerode (40 km). Von Wernigerode führt der RDE über Blankenburg, wo man den Harz hinter sich lässt, und über Thale und Gernrode nach Ballenstedt (52 km) und von dort nach Bernburg (77 km). Von Bernburg ging es am folgenden Tag nach Dessau (64 km).

In Köthen habe ich mir Zeit für die Besichtigung der Museen im Schloss genommen, wo u. a. eine äußerst sehenswerte Dauerausstellung zur deutschen Sprache zu sehen ist. In Dessau kann man viel Zeit mit der Besichtigung des Bauhauses, der Gropius-Siedlung (Wohnsiedlung im Bauhausstil) und der so genannten Meisterhäuser verbringen, aber auch Technikfans kommen im Technikmuseum „Hugo Junkers“ auf ihre Kosten, wo sich eine originale JU 52 auch von innen besichtigen lässt.

Verlässt man Dessau in Richtung Lutherstadt Wittenberg (72 km), so stößt man noch im Stadtgebiet auf den Schlosspark Georgium und damit auf einen Ausläufer des riesigen Gartenreichs Dessau-Wörlitz. Der Radweg führt von dort bis Wörlitz und Oranienbaum durch eine Gartenlandschaft, die in ihren Ursprüngen auf den Fürsten Franz von Anhalt-Dessau (1740-1817) zurückgeht. Die meisten Touristen dürften das Gartenreich per Eisenbahn oder per Gondel auf den Wörlitzer Seen erkunden. Die beste Möglichkeit zur Erkundung scheint mir jedoch das Fahrrad zu sein.

Zwölf Kilometer hinter Oranienbaum kommt man nach Gräfenhainichen, der Heimat von Paul Gerhardt, der mitten im Dreißigjährigen Krieg und trotz eines schweren persönlichen Schicksals so viele hoffnungsfrohe Kirchenlieder komponiert hat, die noch immer in den Gottesdiensten beider großen Konfessionen gesungen werden. In Gräfenhainichen gibt es eine Kapelle, die an Paul Gerhardt erinnern soll. Nach weiteren 27 km erreicht man Wittenberg, das sich offiziell „Lutherstadt“ nennt und in der tatsächlich wie wohl nirgendwo sonst die Reformation und ihre Geschichte präsent sind.

Von Wittenberg führte die zweitletzte Etappe über 102 km schließlich nach Potsdam. Schon kurz hinter Wittenberg beginnt der Aufstieg in den Hohen Fläming, einem bis 200 m hohen Höhenzug. Die wenigen Dörfer, die zu passieren waren, schienen menschenleer zu sein. Schon bald überquert man die Grenze nach Brandenburg. Schlagartig sind die Wege wieder asphaltiert und bleiben es bis zum Ende der Reise. Hinter Bad Belzig wird es wieder flach und schließlich erreicht man den Schwielowsee, eine der vielen Ausbuchtungen der Havel, die jeweils als See bezeichnet werden und einen eigenen Namen tragen.

Von Potsdam sind es dann nur noch 37 km bis zum Brandenburger Tor in Berlin. Eigentlich sollte die Tour hier nach 968 km zu Ende sein. Aber sowohl das Bikeline-Tourenbuch als auch der GPS-Track zeigen noch kein Ende an. Etwas verblüfft, aber auch neugierig, folge ich den Hinweisen. Es geht vom Pariser Platz in die Wilhelmstraße in nördlicher Richtung und dann geradeaus bis zur Kreuzung Invalidenstraße. Dort steht auf der anderen Straßenseite das beeindruckende Gebäude des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr. Ich fahre links am Gebäude vorbei, wo sich der Parkplatz befindet. Dort erspähe ich die letzte Radstätte des RDE. Der Bildschirm ist total verdreckt und funktionslos - kein lohnendes Ziel für Radler, wohl aber ein schönes Thema für den Bund der Steuerzahler.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0