Radfahren im Regen: Tipps und Tricks für sicheres und spaßiges Fahren

Radfahren im Regen muss nicht unangenehm sein. Mit der richtigen Vorbereitung und Ausrüstung kann es sogar Spaß machen. Ob auf dem Weg zur Arbeit, zur Schule oder einfach nur zum Vergnügen, du kannst bei Regen Fahrrad fahren, ohne komplett durchnässt oder frustriert am Ziel anzukommen.

Warum Radfahren im Regen Spaß machen kann

Radfahren im Regen kann durchaus Spaß machen. Leider vergesse ich das ab und zu. Das passiert vor allem dann, wenn ich Zuhause im Trockenen sitze, aus dem Fenster starre und eimerweise Wasser vom Himmel fällt.

Während ich dann überlege, wie ich bei diesem Regen mit dem Fahrrad durch die Stadt kommen soll, ohne eine Transformation zum nassen Pudel durchzumachen, hilft es, zu resümieren, was mich bei meiner letzten Regenfahrt motiviert hat.

Ein kleiner Rückblick in den Juni 2017: „In Berlin regnet es seit über 20 Stunden durchgängig. Es ist der heftigste Regenguss seit 60 Jahren. Als ich an einem Frühsommerabend nach Hause radeln wollte, hatte ich zwei Optionen: 1. schnell mit dem Rad über die Straße zur U-Bahn und dabei nass werden oder 2. Zähne zusammenbeißen, aufs Rad schwingen und die 20 Minuten Nachhause radeln. Zweitens schien mir die sinnvollste Lösung, denn nass wäre ich sowieso geworden und einmal nass ist auch alles egal.“

5 Gründe, warum Radfahren im Regen Spaß machen kann

  1. Weil man mal wieder Kind sein kann

    Wenn ihr schon nass seid, dann könnt ihr die Furcht vor dem Wasser auch gleich ganz stecken lassen und Spaß haben: Vergesst die Gummistiefel! Ihr sitzt auf einem Fahrrad, dass viel mehr Wasser verdrängen kann, wenn es durch eine Pfütze rollt! Uiiiiii, wie das hochspritzt. Grinsen im Gesicht garantiert (tropfnasse Füße und das Gefühl durch einen Teich zu laufen auch). Im Herbst/ Winter kann es dennoch sinnvoll sein, wasserabweisende Schuhe zu tragen, um zu vermeiden, komplett auszukühlen. Dann macht es auch mehr Spaß durch die Pfützen zu sausen.

  2. Weil „Singing in the rain“ immer funktioniert

    Man muss dabei nicht den Regenschirm schwingen und tanzen. Während das Fahrrad durch den Regen rollt, steigt die Laune ungemein, wenn man vor sich hinsummt, pfeift oder singt. Der Vorteil: Es ist sowieso keiner da, der es hören kann, weil alle versuchen, dem Regen aus dem Weg zu gehen und drin zu bleiben. Und wenn es doch jemand hört: Egal, in Berlin juckt das eh keinen. Außerdem erkennt man kein Gesicht, weil ihr so in die Kapuze der Regenjacke eingemümmelt seid.

  3. Weil die Aussicht auf eine Dusche Zuhause die Laune steigen lässt

    Klingt eventuell komisch, wenn man bis auf die Unterhose triefnass ist, ist aber so. Ein leichter Sommerregen kann unglaublich erfrischend sein, doch spätestens nach einer Viertelstunde kann es etwas kühl auf dem Fahrrad werden. Wenn ihr dann auf dem Heimweg seid, könnt ihr euch auf eine heiße Dusche freuen und die Kleidung einfach zum Trocknen aufhängen. Deshalb bin ich auch deutlich motivierter, wenn ich auf dem Rückweg nach Hause bin und im Regen radeln muss. In der kühlen Saison ist es allerdings vorteilhaft, stets eine Regenjacke dabei zu haben. Sonst wird es doch schnell unangenehm.

    P.S. Das Fahrrad wird auch gratis geduscht, es sei denn man fährt durch Sand. Danach hat man vielleicht endlich die Motivation, das Rad wieder zu putzen.

  4. Weil man am Stau vorbei radelt

    Die Radwege sind so schön frei, wenn es regnet. Wer mitbekommen hat, dass Menschen nicht aus Zucker sind, kann das mit viel Platz in vollen Zügen genießen. Anders sieht das auf der Straße daneben aus. Schließlich regnet es und dann hüpft manch einer lieber ins Auto. Da stauen sich Blechkarawanen und kommen kaum einen Meter voran. Lächeln, winken, vorbei radeln. Läuft!

  5. Weil die richtige Kleidung trocken halten kann

    Kann, aber nicht muss. Doch wenn ihr vorher einen Blick in den Wetterbericht werft und dann vorbereitet aufs Fahrrad steigt, könnt ihr bei einsetzendem Regen einfach reagieren. Werft die Regenjacke/das Cape/die Regenhose/die Gamaschen über und kein Regen kann euch mehr was! Vorausgesetzt, man besitzt halbwegs hochwertige Kleidung, die auch wirklich dicht ist(Siehe Tipp im nächsten Absatz!). Da hilft es, sich vorab Gedanken zu machen, ein paar Jacken anzuschauen und sich gegebenenfalls beraten zu lassen, was für den eigenen Einsatzzweck sinnvoll ist. Nicht jeder braucht eine Markenjacke mit der Tatze, nur weil man mal zwanzig Minuten durch den Regen radeln muss - zwei Mal im Jahr. Und sonst: Im Sommer die Jacke weglassen, Wet-T-Shirt-Contest draus machen und den Sommerregen genießen!

Die richtige Ausrüstung für Regentouren

Mit der passenden Regenkleidung ist Radfahren im Regen vor allem im Herbst definitiv vorzuziehen.

  • Regenjacke: Eine hochwertige Regenjacke ist ein Muss. Sie sollte wasserabweisend, atmungsaktiv und temperaturregulierend sein. Eine Kapuze und Lüftungen unter den Armen sind von Vorteil.
  • Regenhose: Ergänzend zur Regenjacke sind Regenhosen ideal. Sie sollten weit geschnitten sein und über Reißverschlüsse und Druckknöpfe verfügen, um sie leicht über Alltags- oder Sporthosen ziehen zu können.
  • Handschuhe: Handschuhe aus wasserabweisendem Material halten die Hände warm und ermöglichen volle Bewegungsfreiheit beim Bremsen.
  • Fahrradhelm mit Blendschutz: Ein Fahrradhelm mit Blendschutz schützt die Augen vor Regen. Spezielle Regenüberzüge verhindern das Eindringen von Nässe und Kälte durch die Lüftungsschlitze.
  • Schutzbleche: Schutzbleche an Vorder- und Hinterrad schützen vor Spritzwasser und Schmutz.

Bei mir oft mit dabei: Als oberste Schicht eine gut sitzende Regenjacke (z.B. von Vaude oder Triple 2*, die auf Nachhaltigkeit achten) und eine Regenhose. Drunter liebe ich atmungsaktive, wärmende Kleidung wie ein langärmliges Merinoshirt. Mein absoluter Favorit ist hier der Merino-Tencel-Baselayer von Triple 2 (Herren & Damenvariante vorhanden). Super weich, bleibt lange frisch und hält schön warm. Dadrüber kommt z.B. eine Fleece Jacke oder ein Merino-Fleece Langarmjersey oder/und eine isolierte Weste.

Sicherheitsvorkehrungen und Verhaltenstipps

Auch wenn Radfahren im Regen Spaß machen kann, sollten ein paar Sachen berücksichtigt werden. Regen ist tricky und verschlechtert die Sicht ungemein, nicht nur die eigene.

  • Licht am Rad ist oberste Pflicht. Wenn man dann noch etwas helle Kleidung trägt, wird man auch noch besser gesehen.
  • Vorausschauend und defensiv fahren. Man hat einen deutlich längeren Bremsweg, wenn die Straßen nass sind und herabgefallenes Laub steigert besonders im Herbst das Unfallrisiko. Das gilt nicht nur fürs Fahrrad, sondern auch den motorisierten Verkehr. Lieber einmal mehr bremsen oder langsamer fahren. Passt auf euch auf und denkt immer für andere mit!
  • Lasst die tiefen lieber weg und fahrt nur da durch, wo ihr einschätzen könnt, dass ihr auch gut hindurch kommt. Es lohnt außerdem die Kette nach einem starken Regenguss neu zu fetten.

Weitere Tipps für sicheres Fahren im Regen:

  • Reifendruck anpassen: Bei nassem Wetter kann es hilfreich sein, den Reifendruck um 1 bis 1,5 bar zu reduzieren, um mehr Grip zu erhalten.
  • Auffällige Kleidung tragen: Tragen Sie helle oder reflektierende Kleidung, um bei schlechten Sichtverhältnissen besser gesehen zu werden.
  • Vorsichtig bremsen: Nasse Straßen und Felgen verlängern den Bremsweg. Betätigen Sie die Bremsen wiederholt und vorsichtig, um die Felgen zu trocknen.
  • Pfützen umfahren: Pfützen können Schlaglöcher oder andere Gefahren verbergen.
  • Vorsichtig fahren: Passen Sie Ihre Geschwindigkeit an und fahren Sie Kurven vorsichtig. Vermeiden Sie plötzliche Bewegungen.
  • Rutschige Oberflächen meiden: Vermeiden Sie weiße Fahrbahnmarkierungen und Gullydeckel, da diese bei Regen rutschig sein können.

Radfahren im Winter

Der Winter verlangt von uns Radfahrern allerhand ab: Kälte, Schnee und häufig Regen. Bei einem derartigen Schmuddelwetter wird's schnell ungemütlich auf dem Rad.

Eiseskälte, Schneematsch und gegebenenfalls frierende Nässe erfordern erhöhte Aufmerksamkeit. Wir geben Tipps, wie du den Winter mit seinen Wetterkapriolen möglichst sicher überstehst, verraten dir, auf welche Ausrüstung wir bei Regen nicht verzichten möchten und worauf es bei der Fahrtechnik bei Nässe ankommt!

Radfahren im winterlichen Schmuddelwetter: Beobachte, wie kalt es wird!

  1. Checke den Wetterbericht: Gerade im Winter ist die Wetterbeobachtung das A & O. Bleiben die Temperaturen über 0° C oder gehen sie darunter. Ist das Wetter wechselhaft oder stabil ungemütlich?
  2. Radfahren bei trockenen 0 - 5° C: Das klingt zwar nach einer entspannter Tour, du musst aber höllisch auf der Hut sein: ist es überwiegend trocken auf der Straße, kann es hinter jeder Kurve oder auf Brücken plötzlich glatt werden und Pfützen an derart neuralgischen Stellen gefroren oder der Untergrund mit Reif belegt sein. Deshalb: Sei wachsam! Kommst du ohne Spikes auf eine Eisplatte, keine Panikbremsung machen, keine Kurve einleiten und aufrecht auf dem Rad sitzenbleiben, ruckartige Körperverlagerung meiden und das Rad langsam ausrollen lassen. Auf Schotter kannst du halbwegs sicher Radfahren.
  3. Radfahren bei feuchten 0 - 5° C: Ist es bei diesen Temperaturen feucht, eignet sich Schotter als Untergrund noch besser als Asphalt: Der ist griffiger und der Regen wird nicht so gleichmäßig durch die Reifenrotation hochgeschleudert wie auf Asphalt. Du musst geeignete Regenkleidung und wärmendes darunter tragen.
  4. Radfahren bei trockenen Minusgraden: Fährst du von vorneherein bei Temperaturen unter null, kannst du dich gleich darauf einrichten: Luftdruck etwas ablassen und Geschwindigkeit anpassen. Gas geben kannst du nur, wenn alles trocken ist und du einen großen Bereich vor dir einsehen kannst. Bei der Ausrüstung empfehlen wir Vielfahrern ggf. auf Spikes umzurüsten.
  5. Radfahren im Schnee: Macht lediglich auf festgefahrener Schneedecke mit montierten Spikes oder grobstolligen Mountainbike-Pneus Spaß, ist aber anstrengend und erfordert eine geübte Radbeherrschung. Alle anderen Reifen sind raus.

Must-have: Wetterfeste und wasserdichte Ausrüstung

  • Warm und so regendicht wie nötig: Im Winter wie im Sommer schwitzt du auf dem Rad. D.h. auf längeren Ausfahrten muss auch im Winter der Schweiß die Möglichkeit haben, abzuziehen. Du ziehst dich nach dem Zwiebelprinzip mit sportgeeigneter Kleidung am besten mit Membranen an. Im Zweifel lieber erst einmal zu viel warme Sachen - ausziehen kann man immer was. Nimm dir für Regentouren ein zweites Paar Handschuhe und eine Wechselmütze unter den Helm mit.
  • Für kurze Fahrten kannst du ruhig komplett wasserdichte Überbekleidung tragen, deine Transpiration wird auf Kurzstrecken eher moderat und die Kleidung drunter nicht durchgeschwitzt sein.

Goldene Regeln für die perfekte Fahrtechnik bei Regen!

  • Passe den Luftdruck der Reifen an! Im Nassen senkst du den Luftdruck etwas, um den Grip zu erhöhen.
  • Trage Schuhe mit rutschfester Sohle! Prüfe vor der Tour, dass deine Schuhe auch bei Nässe ausreichenden Grip auf dem Pedal bieten. Ansonsten rutschst du bei Bodenunebenheiten schnell vom Pedal.
  • Kleide dich möglichst grell! Um im grauen Dunst eines Regentages rechtzeitig als Radfahrer erkannt zu werden, kleide dich möglichst grell. Gedeckte Farben sind hier fehl am Platz. Bedenke, dass auch das Sichtfeld des Autofahrers durch Regen erheblich beeinträchtigt ist.
  • Eine Brille schützt die Augen vor Schmutz und Graupel! Aufspritzendes Regenwasser, herumfliegender Dreck oder Steinchen, Graupel- oder Hagelschauer können deine Sicht trüben und vor allem direkt ins Auge fliegen. Geeignete Brillen mit klaren Gläsern gibts viele am Markt.
  • Fahre umsichtig! Im Regen mutieren Kopfsteinpflaster, Fahrbahnmarkierungen, Straßenbahnschienen, Laub oder auch Hundekot plötzlich zur Schmierseifenrutschbahn. Solche Abschnitte solltest du idealerweise meiden oder, wenn deine Route keine andere Möglichkeit bietet, mit verminderter Geschwindigkeit möglichst kerzengerade darüber fahren.
  • Die richtige Kurventechnik im Regen! Fährst du in eine Kurve, achte darauf, dass du auch hier die Geschwindigkeit reduzierst und dich so wenig wie möglich und so viel wie gerade nötig in die Kurve legst. Schlage die Lenkung etwas weiter ein als im Trockenen, dann fährst du aufrechter. Wenn du dein Bike zu sehr in Schräglage bringst, rutscht dir gegebenenfalls das Vorderrad weg.
  • So kannst du einen Sturz verhindern! Du solltest unbedingt sehr aufmerksam fahren. Wenn du das berücksichtigst, kannst du im Ernstfall, wenn das Vorderrad (oder Hinterrad) wegrutscht, den drohenden Exodus abfangen, in dem du blitzartig das Bein vom Pedal auf die Straße setzt. Zugegeben, das erfordert Übung, funktioniert aber häufig.
  • Benutze Schotter- und gesplitterte Wege! Auf gut geschotterten oder gesplitteten Wegen läuft einerseits das Wasser von der Oberfläche besser ab und bietet andererseits durch die griffige Oberflächenstruktur besseren Halt. Dennoch heißt es achtsam Fahren, da Schotter und Splitt gegebenenfalls auch nachgeben.
  • Bremse frühzeitig und vorsichtig! Bedenke, dass sich beim Bremsen im Regen der Bremsweg verlängert.
  • Nicht absichtlich durch Pfützen fahren! Manche machen sich einen Spaß daraus, im Regen durch Pfützen zu pflügen, damit es schön spritzt. Läuft es blöd, liegt in der Pfütze ein Stein, den man natürlich nicht sehen kann: der Abflug ist vorprogrammiert. Außerdem verschmutzt dein Rad unnötig und durch das auftretende Spritzwasser bekommt deine Bremse zusätzlich Feuchtigkeit ab.
  • Halte mehr Abstand als sonst! Gegenüber den anderen Verkehrsteilnehmer solltest du etwas mehr Abstand halten als im Trockenen. Nicht nur du, auch alle übrigen Verkehrsbeteiligten, können im Zweifel bei nasser Witterung einfach nicht so schnell anhalten, Reserven bewahren dich vor einem Unfall. Und vorbeifahrende Autos verursachen jede Menge Spritzwasser.
  • Lass dein Bike nicht im Regen stehen! Gib nach einer Regenfahrt deinem Rad die Chance abzutrocknen. Permanente Feuchtigkeit greift nicht nur Metalloberflächen an, sondern schlüpft in alle Öffnungen. Wenn sich die Schaltung plötzlich nicht mehr bewegen lässt, kann dies der Grund sein.
  • Du darfst auch mal das Auto benutzen. Wer ein Auto zur Verfügung hat, darf auch bei heftigem Regen mal darauf zurückgreifen.

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