Reifenprofil sei reines Marketing. Diese provokante Aussage mag den ein oder anderen überraschen. Doch es ist klar: Während Mountainbike-Reifen mit zarten Noppen vor allem Racer ansprechen, ziehen massive Profilblöcke in erster Linie Enduro-Mountainbiker an.
Minimalprofil: Was spricht dafür?
Doch was spricht eigentlich für einen Mountainbike-Reifen mit Minimalprofil? Kleine, nur wenige Millimeter hohe Stollen anstelle von groben Gummiblöcken im Legostein-Format. Spontan denkt man an den Rollwiderstand. Das wäre zumindest eine schlüssige Theorie.
Der Test von 14 MTB-Reifen
Unser Test von 14 verschiedenen MTB-Reifen (zehn Reifen-Kombinationen) in 29 Zoll für Cross-Country- und Down-Country-Bikes wirft diese These jedoch komplett über den Haufen. Hätten Sie erwartet, dass ausgerechnet die ausgezacktesten Profile im Vergleich auch noch am schnellsten rollen? Und schon sind wir mitten drin, im MTB-Reifentest.
Neben der Tatsache, dass alle getesteten Modelle zumindest auf der Lauffläche schwarz sind, gibt es selbstverständlich noch weitere Gemeinsamkeiten zu entdecken. So wurden alle Reifen für den gleichen Einsatzzweck konzipiert. Von der schnellen Runde auf der Cross-Country-Strecke bis hin zum vortriebsorientierten Trail-Einsatz an einem 120-Millimeter-Fully eignen sich die leichten MTB-Reifen von Schwalbe, Maxxis, Continental & Co. am besten.
Um die Reifen optimal miteinander vergleichen zu können, nutzen wir drei identische Test-Bikes und tauschen bei jedem Testkriterium mehrfach durch. Nur so lassen sich kleine wie große Unterschiede aufdecken.
Breite der getesteten MTB-Reifen
Auch bei der Breite halten sich die Unterschiede in Grenzen: 55 bis 59,6 Millimeter haben wir auf einer Felge mit 30 Millimeter Innenweite bei 1,7 Bar Reifendruck ermittelt. Damit fallen zwar alle Testkandidaten ordentlich breit aus, liegen aber immer noch unterhalb der aufgedruckten Bezeichnung von 2,25 bis 2,4 Zoll.
Warum ist das so? Die Norm besagt, dass die Reifenbreite immer beim aufgedruckten Maximaldruck gemessen werden muss. Damit soll sichergestellt werden, dass die Bike-Reifen auch im Extremfall immer noch den angegebenen Wert einhalten und es keine Probleme mit der Freigängigkeit im Rahmen gibt. Durch den höheren Druck oder auch eine längere Fahrzeit dehnt sich der Reifen in der Regel aus und kann dann bis zu drei Millimeter Breite zulegen.
Profil und Rollwiderstand: Mehr als nur Marketing?
Doch zurück zur Anfangs aufgestellten Behauptung: Das Profil eines MTB-Reifens sei nur Marketing. Um den verschiedenen Anforderungen an Vorder- oder Hinterrad besser gerecht zu werden, schicken vier von zehn Herstellern für unseren Test unterschiedliche Reifenkombinationen ins Rennen. Für mehr Grip und ein gutes Spurverhalten kommt vorne ein offenes Profil mit höheren Stollen und hinten meist ein feineres Profil mit geringer Stollenhöhe und kleineren Freiräumen auf der Lauffläche zum Einsatz.
Dadurch rollt der Hinterreifen auf harten Untergründen leiser ab und soll im Idealfall den Rollwiderstand minimieren. So weit so gut. Mit Ausnahme der Reifenkombination von Maxxis liegt der größte Unterschied aus vorne grob und hinten fein aber gerade mal bei sehr überschaubaren 1,3 Watt, zugunsten des vermeintlich schnelleren Reifenprofils.
Schön nass: Bei trockenen Bedingungen bieten die meisten Reifen ausreichend Grip. Erst bei anspruchsvollen Verhältnissen offenbaren sich die Unterschiede.
Gummimischung macht den Unterschied
Die Form des Profils sagt also nur wenig über den tatsächlichen Rollwiderstand eines MTB-Reifens aus. Mit 5,2 Watt Unterschied geht bei Maxxis die Schere zwischen Rekon und Rekon Race deutlich weiter auf. Hier rollt der hintere Reifen immerhin um 22 Prozent schneller. Der Blick auf die Seitenwand der beiden Maxxis Rekon-Reifen lüftet das Geheimnis: Die beiden Exemplare rollen auf unterschiedlichen Gummimischungen. Während hinten ein schnellerer Dual-Compound eingesetzt wird, besteht der Rekon am Vorderrad aus der griffigeren 3C-MaxxTerra-Mischung.
Die verschiedenen Gummimischungen entscheiden also in erster Linie über den Löwenanteil beim Rollwiderstand, und die lassen sich optisch nicht voneinander unterscheiden. Ohne also die Mischung zu kennen, kann man kaum eine Aussage über das Rollverhalten eines Reifens treffen. Auch die Pirelli MTB-Reifen sind so ein Musterbeispiel für unsere Theorie: Mit knapp über 30 Watt rollt der Scorpion XC M, trotz seiner feinen Profilierung, mit Abstand am schlechtesten. Im Vergleich dazu braucht man gerade mal die Hälfte der Energie, um den Schwalbe Wicked Will zu bewegen - den Eingangs erwähnten Reifen mit dem mit Abstand gröbsten Profil im Test. Und damit wäre unsere These letztlich eindeutig belegt.
MTB-Reifen im Test: 29 Zoll und 2,25-2,4 Zoll Breite
Unser Testfeld umfasst zehn Mountainbike-Reifensätze zwischen 650 und 900 Gramm pro Reifen. Doch an welchem Bike und für welchen Einsatzzweck eignen sich diese Modelle am besten? Unsere Testreifen decken die Kategorien Cross Country bis Down Country ab. Sprich vom Race-Hardtail bis zum Fully mit 120-Millimeter-Fahrwerk ist alles dabei. Da selbst im Cross-Country-Worldcup überwiegend breite Reifen auf dem Vormarsch sind, haben wir ausschließlich die breiteren Profile zwischen 2,25 und 2,4 Zoll getestet.
Aufgrund ihres großen Volumens können die breiteren Reifen mit wenig Luftdruck gefahren werden. Im Praxistest fahren wir mit 1,2 Bar vorne und 1,4 Bar hinten. Das erhöht nicht nur den Grip und den Komfort, sondern senkt gleichzeitig den Rollwiderstand im Gelände. Ideal also für die schnelle Trail-Runde.
An MTBs mit mehr Federweg und je nach Terrain und Fahrstil kommen die leichten Reifen jedoch beim Pannenschutz und der Traktion an ihre Grenzen.
Breit oder schmal - was ist besser?
Schmale Reifen sparen natürlich Gewicht. Breites Gummi verbessert hingegen den Grip, und das schon allein wegen der breiteren Lauffläche. Auch können sie mit weniger Druck gefahren werden. Das macht sie anschmiegsamer und dadurch noch griffiger und weniger pannenanfällig. Zielen Sie auf Schottertouren oder leichte Trails ab, spielen Grip und Pannenschutz nur die zweite Geige. In diesem Fall können Sie zugunsten eines geringeren Gewichts auch zu schmaleren Reifen greifen. Stehen technische Touren auf dem Plan, raten MTB-Magazine wie bike zu mindestens 2,2 Zoll (55 mm) breiten Reifen.
Welches Profil sollte ein MTB-Reifen besitzen?
Abstand, Form und Ausrichtung der Noppen nehmen maßgeblichen Einfluss auf Grip, Rolleigenschaften und Bremstraktion. Je gröber das Profil - Experten sprechen auch gerne von einem „offenem Profil“ -, umso besser kann sich der Reifen mit felsigen Untergründen oder Wurzeln verzahnen. Weiterer Vorteil: Der Haftgrund für Matsch verringert sich.
Reifen mit feinem und flachem Profil rollen wiederum geschmeidiger und schneller, weshalb sie gerne im temporeichen Crosscountry-Segment eingesetzt werden. Unser Tipp: Nutzen Sie Ihr MTB häufiger mal auf asphaltierten Strecken, macht sich ein eher dichtes Noppengefüge gut. Bei manchen Reifen verdichten sich die Noppen zur Mitte hin, was auf der Straße ein Vorteil ist. Kurvenfreudigen empfehlen wir, auch den Randzonen Aufmerksamkeit zu schenken.
Warum die Noppen bei manchen MTB-Reifen geschlitzt sind
Häufig werden die Noppen beim MTB-Reifen mit einem Schlitz versehen. Der Grund ist simpel: Unter Last spreizen die Noppen auseinander und verzahnen sich besser mit dem Untergrund.
Gummimischung: Weich ist griffiger
MTB-Reifen gibt es in verschiedenen Härtegraden. Einen zuverlässigen Hinweis darauf gibt der „A“-Wert. Je höher der Wert, umso härter die Gummimischung. Manche Hersteller kennzeichnen die Gummihärte aber auch nur mit Begriffen wie „soft“ oder „ultra-soft“. Faustregel: Weiches Gummi erzeugt Grip, hartes rollt leichter.
Tubeless-Reifen vs. Schlauch - was ist besser?
Schlauchlose Reifen bringen bei der Montage einen höheren Aufwand mit sich, der sich aber rechnen kann. Zum einen, weil sich der Ballast verringert, zum anderen, weil der Reifen geschmeidiger und dadurch auch etwas flotter rollt. Zudem verbessert sich der Grip. Einen Vorteil sehen Tubeless-Befürworter auch beim Pannenschutz: Denn wo kein Schlauch, dort auch keine sog. „Snakebites“, bei denen der Schlauch - etwa beim Überfahren von Felskanten oder Wurzeln - zwischen Felge und Reifen gequetscht und regelrecht perforiert wird. Kleine Einstiche heilt die Dichtmilch, die beim Tubeless-Reifen den Übergang zwischen Gummi und Felge abdichten soll.
MTB-Reifen (29 Zoll) Vergleich
| Modell | ETRTO Größe (Durchmesser x Breite) | Geeignet für | Typ | Pannenschutz | Preis pro Stück |
|---|---|---|---|---|---|
| Maxxis Minion DHRII | 58-622 29 x 2,3 Zoll | Gelände | Drahtreifen | besonders pannensicher | 34,99 € |
| Continental Cross King Protection | 55-622 29 x 2,20 Zoll | Gelände/Straße | Faltreifen | besonders pannensicher | 29,99 € |
| Schwalbe Racing Ralph | 57-622 29 x 2,25 Zoll | Gelände | Schlauchloser Reifen | besonders pannensicher | 29,21 € |
| Schwalbe Hurricane Performance | 57-622 29 x 2,25 Zoll | Gelände | Drahtreifen | besonders pannensicher | 28,48 € |
| maxxi4you Nobby Nic Addix | 57-622 29 x 2,25 Zoll | Gelände/Straße | Drahtreifen | besonders pannensicher | 31,49 € (2 Stück) |
| Absoluts Marathon Plus | 57-622 29 x 2,25 Zoll | Gelände | Drahtreifen | besonders pannensicher | 47,48 € (2 Stück) |
| Continental Cross King II | 58-622 29 x 2,30 Zoll | Gelände | Faltreifen | pannensicher | 24,99 € |
| Maxxis Cubierta | 54-622 29 x 2,10 Zoll | Gelände/Straße | Drahtreifen | pannensicher | 47,33 € |
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