MTB-Reifen im Test: Welcher Reifen ist der Beste für dein Mountainbike?

Die Wahl des richtigen Mountainbike-Reifens ist entscheidend für Fahrspaß oder Frust auf dem Trail. Je nach Disziplin, Bike oder Vorliebe des Bikers gibt es eine Vielzahl von Mänteln, die auf die Felge montiert werden können. Die Reifen sollten je nach Einsatzbereich einen guten Rollwiderstand oder maximalen Grip liefern, pannensicher oder sehr leicht sein.

Wichtige Faktoren bei der Reifenwahl

Bei MTB-Reifen gibt es zahlreiche Faktoren, die die Performance maßgeblich beeinflussen. Aus gutem Grund bieten die Hersteller eine breite Palette an Modellen und Versionen an - abgestimmt auf verschiedene Fahrertypen und - niveaus, Bikes und Trail-Bedingungen. Wer sein Enduro-Bike hauptsächlich mit dem Shuttle nach oben bringt, stellt ganz andere Anforderungen an seine Reifen als jemand, der mit demselben Bike in den Alpen unterwegs ist und sich jede Abfahrt aus eigener Kraft verdient.

Die vier wichtigsten Faktoren, auf die ihr bei der Reifenwahl achten müsst:

  • Profil: Abstand, Form und Ausrichtung der Noppen nehmen maßgeblichen Einfluss auf Grip, Rolleigenschaften und Bremstraktion.
  • Gummimischung: Weiches Gummi erzeugt Grip, hartes rollt leichter.
  • Karkasse: Sie verleiht dem Reifen seine Rundung und beeinflusst maßgeblich die Dämpfung, die Kurvenstabilität und den Pannenschutz.
  • Luftdruck: Der richtige Luftdruck im Reifen ist essenziell: Zu viel davon und ihr könnt euch von Komfort und Grip verabschieden.

Breite oder schmal - was ist besser?

Schmale Reifen sparen natürlich Gewicht. Breites Gummi verbessert hingegen den Grip, und das schon allein wegen der breiteren Lauffläche. Auch können sie mit weniger Druck gefahren werden. Das macht sie anschmiegsamer und dadurch noch griffiger und weniger pannenanfällig.

Zielen Sie auf Schottertouren oder leichte Trails ab, spielen Grip und Pannenschutz nur die zweite Geige. In diesem Fall können Sie zugunsten eines geringeren Gewichts auch zu schmaleren Reifen greifen. Stehen technische Touren auf dem Plan, raten MTB-Magazine wie bike zu mindestens 2,2 Zoll (55 mm) breiten Reifen.

Welches Profil sollte ein MTB-Reifen besitzen?

Abstand, Form und Ausrichtung der Noppen nehmen maßgeblichen Einfluss auf Grip, Rolleigenschaften und Bremstraktion. Je gröber das Profil - Experten sprechen auch gerne von einem „offenem Profil“ -, umso besser kann sich der Reifen mit felsigen Untergründen oder Wurzeln verzahnen. Weiterer Vorteil: Der Haftgrund für Matsch verringert sich.

Reifen mit feinem und flachem Profil rollen wiederum geschmeidiger und schneller, weshalb sie gerne im temporeichen Crosscountry-Segment eingesetzt werden. Unser Tipp: Nutzen Sie Ihr MTB häufiger mal auf asphaltierten Strecken, macht sich ein eher dichtes Noppengefüge gut. Bei manchen Reifen verdichten sich die Noppen zur Mitte hin, was auf der Straße ein Vorteil ist. Kurvenfreudigen empfehlen wir, auch den Randzonen Aufmerksamkeit zu schenken.

Warum die Noppen bei manchen MTB-Reifen geschlitzt sind

Häufig werden die Noppen beim MTB-Reifen mit einem Schlitz versehen. Der Grund ist simpel: Unter Last spreizen die Noppen auseinander und verzahnen sich besser mit dem Untergrund.

Gummimischung: Weich ist griffiger

MTB-Reifen gibt es in verschiedenen Härtegraden. Einen zuverlässigen Hinweis darauf gibt der „A“-Wert. Je höher der Wert, umso härter die Gummimischung. Manche Hersteller kennzeichnen die Gummihärte aber auch nur mit Begriffen wie „soft“ oder „ultra-soft“. Faustregel: Weiches Gummi erzeugt Grip, hartes rollt leichter.

Tubeless-Reifen vs. Schlauch - was ist besser?

Schlauchlose Reifen bringen bei der Montage einen höheren Aufwand mit sich, der sich aber rechnen kann. Zum einen, weil sich der Ballast verringert, zum anderen, weil der Reifen geschmeidiger und dadurch auch etwas flotter rollt. Zudem verbessert sich der Grip.

Einen Vorteil sehen Tubeless-Befürworter auch beim Pannenschutz: Denn wo kein Schlauch, dort auch keine sog. „Snakebites“, bei denen der Schlauch - etwa beim Überfahren von Felskanten oder Wurzeln - zwischen Felge und Reifen gequetscht und regelrecht perforiert wird. Kleine Einstiche heilt die Dichtmilch, die beim Tubeless-Reifen den Übergang zwischen Gummi und Felge abdichten soll.

Die Qual der Wahl: Reifenhersteller und Modelle

Die Auswahl an Mountainbike-Reifen ist riesig und unübersichtlich. Marken wie Schwalbe, MAXXIS, Conti, Pirelli, Michelin, WTB und Kenda bieten eine breite Palette an Modellen für unterschiedliche Einsatzzwecke.

Reifentest: Unsere Empfehlungen

In unserem Vergleichstest küren wir weder einen klaren Testsieger noch einen Kauftipp. Denn bei MTB-Reifen gibt es zahlreiche Faktoren, die die Performance maßgeblich beeinflussen. Also einen perfekten Reifen, der für alle Biker gleichermaßen passt, gibt es schlichtweg nicht!

Stattdessen wollen wir euch erklären, auf was ihr in Zukunft achten müsst, welche Unterschiede es gibt und was ihr von gewissen Anpassungen - wie dem Luftdruck oder der Karkasse - erwarten könnt. Zudem erklären wir euch die unterschiedlichen Philosophien der Hersteller und deren - teils sehr verwirrenden - Produktpaletten, damit ihr in Zukunft die perfekte Wahl für eure Reifen treffen könnt.

Tubeless-Montage: Ein Muss für moderne MTBs

Die Vorteile von tubeless montierten Reifen liegen auf der Hand: weniger Gewicht, mehr Grip, geringerer Rollwiderstand und höherer Pannenschutz. Auch wenn die Montage etwas mühsam sein kann (nicht muss!), sind fast alle modernen MTB-Reifen sowie -Felgen für den Tubeless-Einsatz vorgesehen.

Seit kurzem gibt es aber auch den Trend, mit sogenannten TPU-Schläuchen zu fahren, die wesentlich leichter, etwas robuster, allerdings auch deutlich teurer sind als herkömmliche Schläuche. Wir haben TPU-Schläuche meist nur als Pannenset dabei, weil sie eben kleiner und leichter als herkömmliche Schläuche sind, und würden euch weiterhin das Tubeless-Setup ans Herz legen.

Der richtige Luftdruck: Feintuning für mehr Performance

Der richtige Luftdruck im Reifen ist essenziell: Zu viel davon und ihr könnt euch von Komfort und Grip verabschieden. Bei einem zu geringen Luftdruck sind ein unpräzises, schwammiges Fahrverhalten und Defekte vorprogrammiert.

Der passende Druck ist dabei sehr individuell und hängt von unzähligen Faktoren ab, wie der Karkasse, Gummimischung und den Bedingungen auf der Strecke. Wir empfehlen euch, vor jedem Ride den Luftdruck mit einem Luftdruckprüfer zu checken und etwas zu experimentieren - die Minute und Investition lohnt sich!

Reifenbreite: Wie breit ist zu breit und wie schmal ist zu schmal?

Prinzipiell gilt: Die Reifenbreite muss zur Felgenweite passen. Ein breiterer Reifen hat eine größere Aufstandsfläche und kann so mehr Grip generieren. Zudem kann das erhöhte Volumen den Pannenschutz und den Komfort erhöhen.

Mit Reifen, die breiter als 2,6” sind, haben sportlich-aggressive Fahrer in Kurven aber oft mit negativen Effekten zu kämpfen: Das Fahrverhalten wird schwammig und unpräzise, wodurch sich enge Linien oft nicht mehr halten lassen. In Anliegern knicken die breiten Reifen schneller und heftiger weg.

Sowohl die Felge als auch das Profil beeinflussen die tatsächliche Breite des Reifens enorm. Gemessen wird nämlich immer an der breitesten Stelle: also ganz außen an den Seitenstollen. Somit sind die Reifenbreiten der unterschiedlichen Hersteller nicht direkt vergleichbar und ein 2,5”-Reifen von MAXXIS kann breiter oder schmaler sein als ein 2,5”-Reifen von SCHWALBE, Continental oder anderen Herstellern.

Das Gewicht der Reifen: Unterschätzter Faktor

Das Gewicht eurer Reifen solltet ihr nicht unterschätzen: Der Reifensatz alleine, ohne Tubeless-Milch und Co., trägt mit etwa 2,5 kg zum Gesamtgewicht eures Bikes bei. Das kommt zwar einer gefüllten großen Trinkblase gleich, dennoch wirkt sich das Gewicht des Reifens deutlich spürbarer auf die Fahrperformance aus.

Zum einen sind die Reifen Teil der rotierenden Masse, die ihr bei jedem Antritt und bei jeder Bremsung beschleunigen und abbremsen müsst. Zum anderen fungieren die Reifen - noch vor eurer Gabel - als Federelement und reagieren auf Schläge, wodurch sie massiven Einfluss auf euer Fahrwerk haben.

Schwere Reifen können das Fahrverhalten aber auch positiv beeinflussen: Geht es heftiger zur Sache, helfen euch schwere Reifen, die Linie im Steinfeld oder über den Wurzelteppich zu halten, was eure Fahrt stabilisiert. Leichte seitliche Schläge versetzen sie deutlich weniger.

Vorder- und Hinterrad: Unterschiedliche Anforderungen

Die Anforderungen am Vorderrad unterscheiden sich von denen am Hinterrad. Beim MTB gilt es, so viel Grip wie möglich am Vorderrad zu generieren, während man am Hinterrad Kompromisse zwischen Traktion und Rollwiderstand eingehen muss. Auch beim Thema Pannenschutz gibt es massive Unterschiede, die Kräfte am Hinterrad sind oftmals um ein Vielfaches höher.

Wenn wir unsere Platten zusammenzählen, hatten wir den Bärenanteil davon am Hinterrad. Ihr habt also viel Spielraum bei Profil, Karkasse und Gummimischung.

Reifen als Tuning-Teil: Investition in Fahrspaß

Auch wenn ihr nicht wie so manche Profis täglich auf neuen Reifen unterwegs seid, schlagen Reifen als Verschleißteil immer wieder große Löcher in die Urlaubskasse. Fakt ist: Ein hochwertiger Reifen ist relativ teuer, hat aber auch einen massiven Einfluss auf eure Trail-Performance und kann über Frust oder Spaß im Urlaub entscheiden.

Ihr solltet euren Reifen deshalb als Tuning und nicht als Verschleißteil betrachten. Denn wer flickt schon gerne unter nervigem Zeitaufwand seine Reifen, während die Kumpels amüsiert daneben stehen und Scherze über eure kleine Pumpe machen.

Tire Inserts: Zusätzlicher Schutz oder überflüssig?

Tire Inserts gibt es mittlerweile wie Sand am Meer und die Preisspanne dieser Systeme ist riesig. Das Funktionsprinzip ist bei den meisten Systemen dasselbe: Ein Schaumstoff agiert bei heftigen Einschlägen als Puffer zwischen dem Felgenhorn und dem Reifen. Dadurch schlägt der Reifen nicht mehr oder deutlich weicher auf der Felge auf und wird nicht so schnell von ihr beschädigt.

Am Ende hat uns aber immer derselbe Reifen mit einer stabileren Karkasse überzeugt. Warum? Der Gewichtsunterschied zwischen einem Reifen mit Tire-Insert und einem Reifen mit der nächst stärkeren Karkasse fällt oft nur marginal aus. Obendrein sind die Reifen mit stärkerer Karkasse deutlich robuster, erhalten nicht so leicht Löcher oder Risse und knicken in Kurven weniger schnell ein - mit einer stabileren Karkasse habt ihr also gleich drei Vorteile zum Preis von einem.

Deshalb gilt: Erst wenn ihr mit der stabilsten Karkasse im Line-up weiterhin Probleme habt, solltet ihr über einen Tire-Insert nachdenken.

Profilwahl: Individualität ist Trumpf

Auch wenn ein Reifen speziell für das Vorder- oder Hinterrad designt wurde, kann er auch am jeweils anderen Laufrad zum Einsatz kommen. Ein Minion DHR II (Downhill Rear II) funktioniert auch am Vorderrad sehr gut und bietet eine etwas schmalere Alternative zum voluminösen Minion DHF. Darüber hinaus habt ihr auch die freie Wahl beim Einsatzzweck: Ein „Matschreifen“ funktioniert im Hochsommer bei super staubigen, weichen Trails in der Regel ebenfalls hervorragend.

Testergebnisse: XC-Reifen im Vergleich

Für den Cross-Country- und Marathon-Einsatz wurden 16 Reifen getestet. Die Ergebnisse zeigen eine große Bandbreite an Eigenschaften in Bezug auf Grip, Rollwiderstand und Pannenschutz.

Hier eine Übersicht der getesteten Reifen:

Reifen Testergebnis Gewicht Breite Fazit
Continental Cross King Protection TR 29 x 2,3" Sehr gut (Kauftipp Gewicht) 675 g 58,6 mm Auf losen, tieferen Böden ist der Cross King eine Macht, auch sein Kurvengrip ist klasse.
Continental Race King Protection TR 29 x 2,2" Sehr gut (Kauftipp Gewicht) 602 g 56,1 mm Selbst auf tiefem Untergrund rollt der leichte und schmale Race King schnell und mit viel Traktion.
Maxxis Ikon Exo Maxx Speed 29 x 2,4" WT Sehr gut 856 g 61,6 mm Als Allrounder begeistert der Ikon seit Jahren, bei Nässe und Trockenheit haftet er solide und stets berechenbar.
Maxxis Aspen Exo Maxx Speed 29 x 2,4" WT Sehr gut 762 g 61,5 mm Der breite, bauchige Aspen beißt trotz seines dünnen Profils gut zu, trockene Trails surft er zügig ab.
Pirelli Scorpion XC M ProWall Smartgrip Classic 29 x 2,4" Sehr gut (Kauftipp Allround) 837 g 60,2 mm Der schwere XC M hat grobe Schulterstollen, die in Kurven kräftig zupacken.
Pirelli Scorpion XC RC ProWall Smartgrip Classic 29 x 2,4" Sehr gut (Kauftipp Allround) 696 g 59,1 mm Obwohl vergleichsweise „zahnlos“, generiert der RC viel Grip am Heck, das klebrige Gummi greift an Wurzeln beherzt zu.
Schwalbe Racing Ray Super Race Speed 29 x 2,35" Überragend (Testsieger) 724 g 57 mm Als grip- und traktionsstarker Vorderradreifen hat sich der Ray einen Namen gemacht.
Schwalbe Rick XC Pro Speed 29 x 2,4" Sehr gut (Testsieger) 741 g 59 mm Der neue Topsportler von Schwalbe ist kein Leichtgewicht, überzeugt aber mit Seitenhalt in Kurven - und das nicht nur bei Trockenheit.
Specialized Fast Trak Control T5 2Bliss 29 x 2,35" Sehr gut (Tipp Preis-/Leistung) 728 g 58,5 mm Auch wenn der Fast Trak im Matsch gut greift und Traktion erzeugt, im Trockenen ist er besser.
Specialized Renegade Control T5 2Bliss 29 x 2,35" Sehr gut (Tipp Preis-/Leistung) 652 g 58,2 mm Der eher leichte und flexible Renegade überrascht mit einem subjektiv klebrigen Gummi, der hervorragend auf Wurzeln und Steinen greift.

Die Specialized-Reifen im Detail

Specialized bietet ein breites Reifensortiment für verschiedene Einsatzbereiche. Die Karkassen reichen von der leichten S-Works-Karkasse für XC-Rennen bis zur robusten GRID Gravity-Karkasse für den Downhill-Bereich.

Specialized Karkassen im Überblick:

  • S-Works: Leichteste und geschmeidigste Karkasse für XC-Rennen.
  • Control: Allround-XC-Karkasse mit besserem Durchstichschutz.
  • GRID: Widerstandsfähige Karkasse mit zusätzlichem Seitenwandschutz.
  • GRID Trail: Karkasse für den härteren Trail-Einsatz mit Pannenschutzeinlage.
  • GRID Gravity: Robusteste Karkasse für den Gravity-Bereich mit doppelter Lage.

Specialized Gummimischungen im Überblick:

  • T5: XC-Mischung für hohe Geschwindigkeit und geringen Verschleiß.
  • T7: Trail-Mischung für gute Roll- und Gripeigenschaften.
  • T9: Weichste Gummimischung für maximalen Grip und Dämpfung.

Reifentests für verschiedene Mountainbike-Disziplinen

Neben den XC-Reifen wurden auch Reifen für andere Mountainbike-Disziplinen getestet. Hier sind einige Ergebnisse:

  • All-Mountain-Reifen: Der Schwalbe Nobby Nic TLE Super Ground Addix Soft 29 x 2,4" wurde als Testsieger ausgezeichnet.
  • E-MTB-Reifen: Der Maxxis Assegai Double Down 3C Maxx Grip TR 29 x 2,5" WT überzeugte in der Kategorie der E-MTB-Reifen.
  • Tour- & Trail-Reifen: Die Kombination aus Schwalbe Nobby Nic Super Ground Soft 29 x 2,4" und Schwalbe Wicked Will Superground Speed Grip 29 x 2,4" ging als Testsieger hervor.

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