Motorradreifen selbst wechseln: Eine umfassende Anleitung

Jeder Motorradfahrer liebt es, im Sommer über den Asphalt zu heizen und alles hinter sich zu lassen. Doch auch die besten Reifen nutzen sich ab und müssen irgendwann gewechselt werden. Die Frage ist: Motorradreifen selbst wechseln oder in die Werkstatt?

Gründe für den Wechsel von Motorradreifen

Gründe für den Wechsel von Motorradreifen gibt es zu Genüge:

  • Der alte Reifen ist abgefahren oder hat ein gewisses Alter überschritten.
  • Nach etwa 10 Jahren sollte ein Motorradreifen (unabhängig vom generellen Zustand) ausgetauscht werden.
  • Einfahrverletzungen durch Nägel und Schrauben oder sonstiger Druckverlust.
  • Rein optische oder geschmackliche Vorkehrungen am Motorrad sowie Tuningmaßnahmen oder eine Modifikation der Maschine.

Als einzige Verbindung zwischen dem Untergrund und dem Bike inklusive Biker sollte die enorme Wichtigkeit der Motorradreifen nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Auch nicht beim Wechseln der Reifen!

Motorradreifen selbst wechseln: Warum? Warum nicht?

Ein wenig Know-how, handwerkliches Geschick und grundlegende technische Kenntnisse sollten für den Do-it-yourself-Reifenwechsel am Motorrad schon vorhanden sein. Ob es sich unter dem Strich lohnt, den Reifenwechsel selbst durchzuführen oder besser eine Werkstatt anzusteuern ist, das hängt vornehmlich vom Fahrstil, der Laufleistung und damit vom Reifenverschleiß ab.

Vielfahrer oder Biker mit einem sehr sportlichen Fahrstil bei weichen Gummimischungen sehen sich generell häufiger mit dem Reifenwechsel konfrontiert. Spätestens dann, wenn sogar innerhalb einer Saison mehrere Reifen fällig werden, gewinnt der selbst durchgeführte Reifenwechsel unter verschiedenen Gesichtspunkten an Relevanz. Für Hobby-Biker, die nur wenige tausend Kilometer pro Jahr bei kultivierter Fahrweise zurücklegen, liegt der Reifenwechsel in der Werkstatt tendenziell näher, zumal dieser nur alle paar Jahre notwendig wird.

Vorab: Eine zweite Person zur Unterstützung ist beim Reifenwechsel von Motorradreifen nie fehl am Platz. Ein weiterer zentraler Aspekt besteht darin, ob ein Reifenmontiergerät und ein Wuchtbock vorhanden sind bzw. angeschafft werden sollen. Häufig sind beide Geräte auch im Komplettpaket mit entsprechendem Zubehör erhältlich, sodass die gesamte Ausstattung der privaten Motorradreifen-Service-Werkstatt mit ca. 300 bis 500 Euro zu Buche schlägt.

Die günstigste Art, einen Motorradreifen zu wechseln

Die günstigste Art einen Motorradreifen zu wechseln, ist mit mehreren Montiereisen, einem Felgenschutz und ein paar Kabelbindern. Nach dem Ausbau von Vorder- oder Hinterrad wird zunächst die Luft mithilfe eines Ventilschraubendrehers entlassen.

Nachdem der Reifen beidseitig von der Felgenwand gelöst ist, kommen die Kantenschoner ins Spiel. Diese werden an jener beliebigen ersten Position angelegt, wo der Reifen zuerst abgezogen werden soll. Der erste Montierhebel wird unter die Reifenwulst gestülpt und nach unten gedrückt, bis der Hebel auf der Bremsscheibe aufliegt. Das Montiereisen wird nun mit einem Kabelbinder an der Bremsscheibe festgebunden, damit dieser nicht herausspringt, sobald losgelassen wird.

Mit dem zweiten Montierhebel wird das gleiche Spiel gespielt, nur etwas versetzt von dem ersten Hebel. Nachdem eine Seite des Reifens über die Felge gezogen wurde, wird das gleiche Spiel mit der anderen Seite gemacht. Mit den Montierhebel wird die untere Reifenwulst über die Felgenkante gezogen und fixiert. Dann hilft der Montierlöffel und der Reifen kann per Hand vollends von der Felge abgezogen werden.

Die Montage des neuen Reifens läuft analog wie die Demontage ab. Zuerst wird mit Montagepaste oder Montagespray der neue Reifen ausreichend eingeschmiert, damit dieser einfacher über die Felge rutscht. Jetzt wird der neue Reifen schräg an der Felge angesetzt, sodass ein Teil der Reifenwulst unter der Felgenkante greift. Mit etwas Kraft kann eine Reifenseite so komplett über die Felgenkante gedrückt werden.

Bei der letzten Seite des Reifens wird wieder mit den Kantenschützern und den Montierhebel gearbeitet. Als Erstes wird ein Felgenschutz neben dem anderen an der Felge angebracht. Mit einem Montierhebel nach dem anderen wird die Reifenwulst unter die Felgenkante gehebelt. Dieses Prinzip wird rundum angewandt, bis der Reifen korrekt auf der Felge sitzt. Luft rein und die Fahrt kann wieder weiter gehen!

Reifenwechsel mit einem Reifenmontiergerät

Dieser Reifenwechselprozess orientiert sich an dem Ablauf mit einem Reifenmontiergerät der Marke BTR und max2h. Im ersten Schritt wird das Vorder- oder Hinterrad ausgebaut. Hier unterstützt der tireX Radwechselprofi. Der tireX wird unter dem Rad platziert und hochgeschraubt, bis die Auflageflächen das Rad halten. Nach dem Lösen der Achse wird das Rad weiterhin von dem tireX gehalten und knallt nicht auf den Boden.

Nachdem das Rad ausgebaut wurde, wird es über die 20 mm Achse auf dem Reifenmontiergerät positioniert. Mit dem Ventilschraubendreher wird nun die Luft aus dem Reifen entlassen. Sobald die Luft aus dem Reifen ist, wird der mitgelieferte Stufenkonus zur Positionierung der Felge über die Achse geschoben. Zum Reifen wechseln von Einarmschwingen und Achsen mit einem Achsdurchmesser kleiner als 20 mm, gibt es separate Achsadapter. Die Einarmschwingen Achsadapter werden auch zum Wuchten verwendet.

Jetzt wird mit dem Abdrückarm der Reifen von der Felge abgedrückt. Hier empfiehlt sich ebenfalls einen Kantenschutz an der Felge zu montieren, damit diese nicht beschädigt wird. Der Reifen wird einmal rundum von der Felge abgedrückt, bevor er um 180 Grad gedreht wird und von der anderen Seite abgedrückt wird.

Im Anschluss wird mit Montagepaste und einem Pinsel oder Montagespray die Felgenkante samt Reifenwulst auf beiden Radseiten vollumfänglich eingeschmiert. Hier gilt wieder das Motto: Mehr ist mehr. Auch der Montagekopf muss ausreichend mit geschmiert werden, damit der Reifen leichter gewechselt werden kann.

Der Montagearm samt Montagekopf wird nun auf die Achse des Reifenmontiergerätes gesteckt. Der untere Bügel des Montagekopfes greift unter der Felgenkante. Damit die Felge samt Reifen, während dem Abziehen des Reifens nicht verrutscht, wird der gummierte Stopper in das Gerät gesteckt, mit dem die Felge vom Verdrehen bewahrt wird.

Mit dem Montierhebel wird die Reifenwulst über den Montagekopf gezogen. Gegen den Uhrzeigersinn wird der Reifen mit dem Montagekopf über die Felge gezogen. Genau gleich wird die untere Reifenwulst über den Montagekopf gezogen und von der Felge getrennt.

Bei der Montage des neuen Reifen muss die Wulst wieder ausgiebig mit Montagepaste geschmiert werden. Im Anschluss wird der Reifen wie beim manuellen Reifen wechseln mit Montierhebel per Hand über die Felge gedrückt.

Hinweis: Die Montage von Motorradreifen braucht definitiv etwas Übung und Routine.

Das richtige Reifenmontiergerät finden

Welches Reifenmontiergerät ist das Richtige für mich?

Modell Marke Geeignet für Arbeitshöhe Kompatible Felgengrößen Kompatible Reifenbreite Achsdurchmesser Grundrahmen Reifen abdrücken | aufziehen Geeignet für Einarmschwingen Solide Kunststoffauflagen Rad wuchten Klappmechanismus Zerlegbar für platzsparenden Transport
Reifenmontiergerät EVO3® BTR Street-Kit: Straße, Rennstrecke, Adventure
Roller-Kit: Roller
MX-Kit: Motocross, Enduro
50 bis 70 cm (Wird mit unserem Optionalen-Standfuß-Set erreicht) Street-Kit: 12 - 21 Zoll
Roller-Kit: 10 - 12 Zoll
MX-Kit: 16 - 21 Zoll
80 - 240 mm (280 mm mit zusätzlicher Achse möglich) 20 mm inkl. Schlüsselweite (Achsadapter mit 12 und 15 mm zusätzlich erhältlich) Stabiles 3-Bein Grundgerüst ✓ | ✓ ✓ (Mit zusätzlichen Achsadaptern) X
Street Bike Reifenmontiergerät Rabaconda Straße 50 bis 70 cm 12 - 21 Zoll 250 mm 15 & 20 mm inkl. Schlüsselweite 2-Punkt Auflagen ✓ | ✓ ✓ (Mit zusätzlichen Achsadaptern) X X X
Reifenmontiergerät EVO2 PRO® BTR Straße, Rennstrecke, Adventure 10 bis 20 cm 12 - 21 Zoll (10 Zoll mit zusätzlichem Kit möglich) 240 mm (280 mm mit zusätzlicher Achse möglich) 20 mm (Achsadapter mit 12 und 15 mm zusätzlich erhältlich) 4-Bein Grundgerüst ✓ | ✓ ✓ (Mit zusätzlichen Achsadaptern) X
Reifenmontiergerät EVO2® BTR Straße, Rennstrecke, Adventure 10 bis 20 cm 12 - 21 Zoll (10 Zoll mit zusätzlichem Kit möglich) 240 mm (280 mm mit zusätzlicher Achse möglich) 20 mm (Achsadapter mit 12 und 15 mm zusätzlich erhältlich) 4-Bein Grundgerüst ✓ | ✓ ✓ (Mit zusätzlichen Achsadaptern) X
Two-in-One Reifenmontiergerät BTR Straße, Rennstrecke, Adventure 10 cm 15 - 19 Zoll 200 mm 20 mm (Achsadapter mit 12 und 15 mm zusätzlich erhältlich) 4-Punkt Auflagen ✓ | ✓ ✓ (Mit zusätzlichen Achsadaptern) X X
Reifenmontiergerät EVOX max2h.com Straße, Rennstrecke, Adventure 10 cm 15 - 19 Zoll 200 mm 20 mm (Achsadapter mit 12 und 15 mm zusätzlich erhältlich) 4-Punkt Auflagen ✓ | ✓ ✓ (Mit zusätzlichen Achsadaptern) X X X
Motocross Reifenmontiergerät Rabaconda Motocross, Enduro, Adventure, Mousse 50 bis 70 cm 16 - 21 Zoll -- 20 - 24 mm(Achsadapter für dünnere und dickere Achsen sind separat erhältlich) 3-Bein Grundgerüst ✓ | X X X X X L
Basic Reifenmontiergerät BTR Universell von Reifengrößen ab 17 Zoll, Enduroreifen 20 bis 30 cm 17 - 21 Zoll -- 15 mm 1-Punkt Auflage X | X X X X X L

Wer einen großen Fuhrpark an Motorrädern hat, mit Straßen-, Renn-, Adventure, Roller, MX, Enduro und Mousse-Reifen, der ist mit dem Reifenmontiergerät EVO3® bestens bedient. Dank des modularen Grundgerüsts des EVO3®, ist es erstmals möglich Reifenarten von Straße, Roller und Motocross mit nur einem Gerät zu wechseln. Erreicht wird es durch drei Kits, die für jeden Bereich spezifisch entwickelt wurden.

Durch die optionalen-Höhenverstellbare-Standfüße berücksichtigt das EVO3® nicht nur die unterschiedlichen und individuell variierenden Fuhrparks, sondern auch das ergonomische Arbeiten. Wer nur auf der Straße unterwegs ist und auch Rollerreifen wechseln möchte, ist mit dem Reifenmontiergerät EVO2 PRO® bestens ausgestattet.

Mit dem PRO-Schutzpaket werden deine Felgen 360° gegen Kratzer und Beschädigungen geschützt. Das Street Bike Reifenmontiergerät baut auf dem EVO2® auf, ist aber für jeden geeignet, der Wert auf ergonomisches Arbeiten legt und es etwas leichter beim Reifen wechseln haben möchte. Das Street Bike Reifenmontiergerät ist nur auf Straßen, Renn- und Adventure-Maschinen ausgelegt.

Wer viel Straße- und Rennstrecke fährt, macht mit dem Reifenmontiergerät EVOX nichts falsch.

Kosten sparen und Zeit gewinnen

Die Kosten für einen Reifenwechsel variieren je nach Ort und Werkstatt. Im Durchschnitt fallen pro Reifenwechsel zwischen 30 und 50 € an. Wobei die Kosten aktuell eher steigen. Wer nun für sich selbst rechnet, wie viele Reifenwechsel pro Jahr anfallen, kann schnell abschätzen, ab wann sich ein Reifenmontiergerät amortisiert.

Mit einem eigenen Reifenmontiergerät wird nicht nur langfristig Geld gespart, sondern auch Zeit und Nerven. Reifen selbst wechseln ist keine Raketenwissenschaft - ganz im Gegenteil. Es kommt hier auf Dich an. Wenn Du lieber selbst Hand anlegst, kannst Du den Reifen mit wenig Werkzeug selbst wechseln.

Sofern Du es leichter haben möchtest und keine verkratzte Felge vom Refeifendienst zurückbekommen möchtest, macht ein Reifenmontiergerät zur Unterstützung Sinn.

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