Am Fahrrad den Reifen zu wechseln und die damit einhergehende Montage zählen zu den häufigsten Tätigkeiten eines jeden Fahrradfahrers. Ob durch Verschleiß, Beschädigung oder altersbedingte Materialermüdung, es ist wichtig zu wissen, wie man diese Teile sicher und effizient austauscht.
Sicher fragt ihr euch, warum man einen Reifen ohne Reifenheber (de)montieren sollte, wo es doch ein gut funktionierendes Werkzeug eigens zu diesem Zweck gibt? Aus meiner langjährigen Erfahrung in diversen Fahrradwerkstätten und unzählig gewechselten Schläuchen kann ich behaupten, dass man in gut 90+ Prozent aller Fälle keinen Reifenheber benötigt. Je nach Reifen/Felgen/Felgenband-Kombination kann es zwar unter Umständen eng zugehen, mit der richtigen Technik ist die Montage allerdings meist ohne Werkzeug machbar. Wie gesagt: „meist“.
Verschiedene Reifentypen
Bevor du das Projekt Reifenmontage beginnst, solltest du dich eingehend damit auseinandersetzen, um welche Art von Reifen es sich bei deinem Fahrrad handelt. Denn es bestehen gravierende Unterschiede bei den Reifen. So gibt es:
- Standard- oder Drahtreifen: Die Reifenluft befindet sich im Fahrradschlauch, und der Reifen ist auf eine Standardfelge aufgezogen.
- Tubeless- oder Tubeless-Ready-Reifen: Diese Reifen haben keinen Schlauch und sind auf eine spezielle schlauchlose Felge aufgezogen.
- Schlauchreifen: Der Schlauch ist innenliegend zusammengenäht oder -geklebt und die Karkasse an die Felge geklebt.
Die folgenden Anweisungen beziehen sich auf Standard-Drahtreifen-Systeme. Wenn dein Fahrrad über andere Reifentypen verfügt, solltest du dich an einen Fachhändler wenden.
Laufrad ausbauen
Folge zunächst einmal den Anweisungen zum Aushängen der Bremse in unserem Beitrag Fahrradbremsen prüfen und einstellen. Arbeite im Anschluss die einzelnen Schritte zum Ausbau des Laufrads im Beitrag Laufrad beim Fahrrad einbauen und überprüfen durch.
Reifen vom Laufrad abnehmen
- Lasse die gesamte Luft aus dem Schlauch ab.
- Drücke die Reifenwülste in das Felgenbett. Wiederhole diesen Vorgang, um das ganze Laufrad herum.
- Wenn du einen Reifenheber verwendest, hebe einen Reifenwulst an und entnimm ihn aus der Felge. Beginne auf der gegenüberliegenden Seite des Ventils.
- Arbeite dich auf diese Weise rund um das Laufrad, bis ein Wulst vollständig frei ist.
- Greife in den Reifen und nimm den Schlauch heraus.
- Ziehe den zweiten Wulst aus der Felge.
Reifen am Laufrad anbringen
- Befolge zur Überprüfung von Felge, Felgenband und Reifen die Inspektionsanweisungen im Beitrag Laufrad beim Fahrrad einbauen und überprüfen. Kontrolliere auch die Innenseite des Reifens.
- Wenn du den Schlauch oder den Reifen ersetzen willst, setze dich im Vorfeld mit der benötigten Größe auseinander. Dazu solltest du die Hinweise auf der Reifenflanke beachten oder dich bei einem versierten Fahrradtechniker erkundigen.
- Pumpe den Schlauch auf, bis er allmählich Form annimmt.
- Setze den Schlauch in den Reifen ein.
- Schiebe das Ventil durch die Felgenöffnung.
- Bringe den ersten Wulst nur mit den Händen in der Felge an. Beginne am Ventil.
- Drücke Reifen und Schlauch nach innen, bis der Schlauch sich innerhalb der Felge befindet.
- Schiebe nun den zweiten Wulst nur mit den Händen in die Felge. Beginne am Ventil. Achte darauf, dass der Schlauch nicht zwischen Felge und Reifen eingeklemmt wird.
- Schiebe den Ventilfuß so in den Reifen, dass er nicht zwischen einem Reifenwulst und der Felge eingeklemmt wird.
- Pumpe den Reifen etwa zur Hälfte auf und prüfe dann, ob der Reifenwulst korrekt in der Felge sitzt.
- Lasse die Luft wieder ab. Dadurch wird verhindert, dass der Schlauch eingeklemmt wird.
- Pumpe die Reifen entsprechend der Druckangaben an der Reifenflanke auf. Achte jedoch darauf, den Reifen nicht zu stark aufzupumpen.
Reifenwechsel ohne Werkzeug
In sechs Schritten zeigen wir Ihnen, wie Sie den MTB-Reifen samt Schlauch auch ohne Werkzeug von der Felge kriegen:
- Reifen vom Felgenbett lösen: Bevor Sie anfangen, den Reifen von der Felge zu ziehen, lösen Sie ihn erst einmal vom Felgenbett. Oft sitzt der Reifen ringsherum wie verklebt auf der Innenseite der Felge. Drücken Sie den Reifen deshalb vom Ventil beginnend ringsherum kräftig zusammen, bis die komplette Reifenwulst locker in der Mitte des Felgenbettes liegt.
- Reifen von der Felge ziehen: Nun ziehen Sie mit beiden Händen den Reifen aus dem Felgenbett. Starten Sie auf der Seite des Laufrades, die dem Ventil gegenüber liegt.
- Reifen runterziehen: Anschließend ziehen Sie den Reifen nach vorne von der Felge runter. Diese Technik klappt bei schmalen CC-Reifen bis hin zu fetten Downhill-Schlappen. Je nach Reifen- und Felgen-Kombo brauchen Sie etwas mehr Kraft. Für Tubeless-Reifen benötigen Sie erfahrungsgemäß viel Fingerkraft.
- Reifen abgreifen: Wenn Sie nicht sicher sind, woher das Loch im Schlauch kommt, müssen Sie den Reifen abgreifen. Lassen Sie dazu den Reifen mit einer Flanke in der ursprünglichen Position auf der Felge, und suchen Sie das Loch im Schlauch. Wenn Sie es gefunden haben, können Sie an der übereinstimmenden Position am Reifen gezielt nach Scherben, Dornen oder anderen Ursachen suchen und diese entfernen. Das spart Zeit beim Suchen, und der neue Schlauch bleibt heil!
- Reifen aufziehen: Falls Sie den Reifen komplett abgezogen hatten, ziehen Sie ihn zuerst ringsherum mit einer Flanke in die Felge. Legen Sie nun den leicht angepumpten Schlauch ein. Beginnend beim Ventil drücken Sie nun mit den Daumen die zweite Flanke ins Felgenbett.
- Reifen aufziehen (letztes Stück): Fürs letzte Stücke drehen Sie das Laufrad um. Alle Speichenbohrungen müssen vollständig und sicher durch ein geeignetes Felgenband abgedeckt sein.
Tipps und Tricks für schwierige Fälle
- Hilfreich ist es immer die Montage gegenüber dem Ventil zu beginnen und am Ventil zu beenden, da sich der zu montierende Reifenwulst auf möglichst langer Strecke im Felgentiefbett befinden sollte.
- Statt den Reifen mit dem Daumen zu drücken, ist es oft leichter den Reifenwulst von gegenüber über das Felgenhorn zu „rollen“.
- Achte dabei darauf, dass der Reifenwulst keinen Schaden nimmt. Immer nur ein kleines Stück hebeln und den Reifenheber lieber öfter ansetzen. Auf keinen Fall Reifenheber aus Metall verwenden.
- Als besonders schwierig in der Montage erweist sich manchmal der Marathon Plus in den schmalen Versionen. Durch die Eigenspannung rutscht der Reifen immer wieder aus dem Tiefbett und dann ist es extrem schwer, das letzte Stück Reifen über das Felgenhorn zu ziehen. Sehr hilfreich ist hier eine dritte Hand, die den Reifen auf der gegenüberliegenden Seite im Tiefbett festhält. Auch ein Kabelbinder oder ein alter Pedalriemen können gute Dienste als "dritte Hand" leisten.
- Der Schwalbe Reifenheber ist besonders hilfreich bei schwierigen Montagefällen. Du kannst ihn auf der Felge einclipsen und damit den bereits montierten Bereich des Reifenwulstes fixieren. Dieser rutscht dann nicht mehr heraus während Du den letzten Abschnitt über die Felge hebelst.
- Beidseitig auf den Reifenwulst aufgetragen, kann der Reifenwulst besser in das Felgenhorn rutschen.
- Wenn sich Fahrradreifen schwer montieren bzw. demontieren lassen, hilft in den meisten Fällen die Verwendung eines Tubeless-Felgenbands anstatt der üblich verbauten Standardfelgenbänder. Tubeless-Felgenbänder sind wesentlich dünner als Standardfelgenbänder und verschaffen somit dem Reifenwulst im Felgenbett etwas mehr Platz. Zudem kann der Reifenwulst über ein Tubeless-Felgenband besser ins Felgenhorn und auch wieder aus dem Felgenhorn herausrutschen. Das Tubeless-Felgenband muss ca.
Montageprobleme und Lösungen
Wenn der Felgendurchmesser zu groß und/oder der Reifendurchmesser zu klein ist, gleitet der Reifenwulst nur schwer in die richtige Stellung auf der Felgenschulter.
Abhilfe: Den Druck kurzfristig überhöhen und/oder den Reifenwulst mit Seifenlauge oder Montageflüssigkeit einreiben, um ihm das Gleiten zu erleichtern.
Wenn der Felgendurchmesser zu klein und der Reifendurchmesser zu groß ist, kommt der Reifen unabhängig vom Reifendruck nicht richtig zum Sitzen. Abhilfe schafft meistens ein Zentrieren des Reifens von Hand bei sehr geringem Druck. Bearbeite den Reifen mit dem Daumen, bis die Felgenkennlinie des Reifens an allen Stellen parallel zur Felge verläuft.
Spezielle Felgentypen
Eine "Hakenfelge" ist heutzutage der Normalfall - also eine Felge, bei der die Felgenhörner oben mit einem Haken nach innen abschließen. Es gibt aber auch noch viele, sogenannte "Westwood" Felgen im Markt. Hollandräder sind z. B. häufig darauf unterwegs. Diese klassischen Felgen haben keinen Haken, der den Reifen festhält und zentriert. Zudem bestehen Westwood-Felgen aus Stahl mit einer sehr glatten Oberfläche. Diese Felgen erfordern bei der Montage besondere Aufmerksamkeit.
Westwood-Felgen
- Manuelle Zentrierung: Bevor der Reifen stramm aufgepumpt wird, muss sichergestellt werden, dass er zentrisch auf der Felge sitzt. Anders als bei einer Hakenfelge rutscht der Reifen beim Aufpumpen nicht automatisch in die richtige Position. Wenn der Reifen ungleichmäßig sitzt, kann er leicht von der Felge abspringen.
- Luftdruck max. 5 Bar: Generell sind solche Felgen nicht hochdrucktauglich. Den maximal möglichen Luftdruck des Reifens kann man auf solchen Felgen meist nicht ausschöpfen. Durch die ETRTO-Norm ist der Luftdruck auf 5 Bar begrenzt. Wir empfehlen, noch etwas mehr Sicherheitsreserve einzukalkulieren und es bei vier Bar zu belassen. Daraus ergibt sich auch, dass diese Felgen für schmale Reifen oder schwere Fahrer nicht gut geeignet sind.
Reifendrucktabelle für das Fahrrad
Um Rissen im Reifen aufgrund zu niedrigen Luftdrucks vorzubeugen oder platzende Reifen wegen zu hohen Drucks zu verhindern und allgemein für möglichst hohen Fahrkomfort, solltest Du Dich eingehend mit dem richtigen Reifendruck für Dein Fahrrad auseinandersetzen und wissen, wie Du diesen überprüfen kannst.
Auf jedem Reifen ist angegeben welcher Druckbereich für den Reifen zulässig ist. Diese Angabe findet man auf der Mantelseite.
| PSI | ATM | kPa |
|---|---|---|
| 35 | 2.38 | 238 |
| 40 | 2.72 | 272 |
| 45 | 3.06 | 306 |
| 50 | 3.40 | 340 |
| 55 | 3.74 | 374 |
| 60 | 4.08 | 408 |
| 65 | 4.42 | 442 |
| 70 | 4.76 | 476 |
| 75 | 5.10 | 510 |
| 80 | 5.44 | 544 |
| 85 | 5.78 | 578 |
| 90 | 6.12 | 612 |
| 95 | 6.46 | 646 |
| 100 | 6.80 | 680 |
| 105 | 7.15 | 715 |
| 110 | 7.48 | 748 |
| 115 | 7.83 | 783 |
| 120 | 8.17 | 817 |
Diese Angaben sind ohne Gewähr
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