Reifenwechsel am E-Bike: Eine detaillierte Anleitung

Egal wo, egal wann - jederzeit kann es zu einem Platten am E-Bike kommen. Gerade, wenn du unterwegs bist und niemand in der Nähe ist, ist es sinnvoll, einen Reifenwechsel am E-Bike selbst durchführen zu können. Damit du wegen dieser Fahrradpanne nicht direkt in die Werkstatt rennen musst, zeigen wir dir in diesem Beitrag, wie du deinen Reifen am Pedelec selbstständig wechseln kannst. Solch ein Reifenwechsel am E-Bike ist kein Hexenwerk.

Vorbereitung für den Reifenwechsel

Der Reifenwechsel am Fahrrad gehört zu den häufigsten Tätigkeiten eines Fahrradfahrers. Am Fahrrad den Schlauch oder Reifen zu wechseln dürfte wohl zu den häufigsten Tätigkeiten eines Fahrradfahrers zählen. Ob durch Verschleiß, Beschädigung oder altersbedingte Materialermüdung, es ist wichtig zu wissen, wie man diese Teile sicher und effizient austauscht.

Um einen Reifenwechsel am E-Bike durchführen zu können, benötigst du nicht viel Werkzeug. Bevor du beginnst, solltest du sicherstellen, dass du alle notwendigen Fahrradwerkzeuge und Materialien zur Hand hast:

  • Neuer Fahrradschlauch und Reifen
  • Reifenheber-Set
  • Fahrradluftpumpe
  • Evtl. Gabel- bzw. Ringschlüssel
  • Evtl. Montagefluid

Im Idealfall hast du noch einen Montageständer* zur Hand, in welchen du das Fahrrad während des Reifenwechsels einspannen kannst. Wer seinen platten Reifen zu Hause wechseln kann, erleichtert sich die Arbeit mit einem Montageständer enorm. Unterwegs gestaltet sich das schon etwas schwieriger. Das Fahrrad einfach auf den Kopf zu stellen ist wegen des Cockpits nicht immer die beste Lösung. Auch mechanische Scheibenbremsen mögen es nicht, wenn man das Fahrrad dreht.

Ausbau des Laufrads

Zunächst bauen Sie das entsprechende Laufrad aus. Entweder lösen Sie das Laufrad mit einem eventuell vorhandenen Schnellspanner oder die Schraubmuttern mit einem Gabel-/Ringschlüssel (meist ein SW15). Stellen Sie das Fahrrad dazu am besten auf den Kopf bzw. auf den Sattel und Lenker. Um Schrammen am Fahrrad zu vermeiden, legen Sie alte Putzlappen unter.

Der Ausbau des Vorderrads gestaltet sich relativ einfach: Hier sind nur die beiden Schrauben des Vorderbaus zu lösen. Beim Vorderrad deines Pedelecs musst du lediglich den Verschluss des Rades lösen. Achtung: Bei Rädern mit Felgenbremse muss diese zuvor ausgehängt werden, damit sich das Laufrad aus dem Rahmen beziehungsweise der Gabel entnehmen lässt. Das Entfernen des Vorderrads ist ziemlich unkompliziert: Du musst lediglich die beiden Befestigungsschrauben am Vorderteil lösen.

Der Ausbau des Hinterrads ist komplexer, da der Antrieb die Demontage erschwert. Beim Hinterrad-Ausbau solltest du das Schaltwerk in den letzten Gang schalten, um die Kette somit zu entlasten. Für Nabenschaltungen gilt: vor dem Ausbau erst den Schaltzug lösen - er wird entlastet und ausgehängt. Bei Fahrrädern mit Kettenschaltung sollte man zuvor vorne wie hinten auf das kleinste Ritzel schalten: Damit wird die Spannung aus dem System genommen, und die Kette lässt sich besser von dem Kettenblatt lösen. Das Rad nun aus dem Rahmen heben und die Kette seitlich nach außen vom Ritzel nehmen. Bei Rädern mit Nabenschaltung musst du zuerst den Schaltzug aushängen und entlasten, bevor du das Rad entfernst. Das Hinterrad auszubauen ist etwas kniffliger, da der Antrieb die Demontage erschwert.

Bevor du den E-Bike Reifen ausbaust, solltest du sicherstellen, dass der Antrieb ausgeschaltet ist. Achte beim Radausbau unbedingt darauf, dass du die Bremsscheiben nicht beschädigst oder mit den Fingern berührst. Halte das Laufrad dabei mit einer Hand fest. Ziehe das Schaltwerk wieder zurück, führe das Laufrad langsam von unten in den Hinterbau, und lege dabei die Kette auf das kleinste Ritzel. Fädle nun das Laufrad so ein, dass die Bremsscheibe im Bremssattel und die Nabe zwischen den Ausfallenden platziert ist. Achte darauf, die Bremsscheibe hierbei nicht mit der Hand zu berühren.

Reifen und Schlauch demontieren

Nachdem du das Rad erfolgreich ausgebaut hast, kannst du die Luft aus den Reifen lassen und die Ventilmutter, sowie den Ventildeckel abschrauben. Hast du das Laufrad aus der Gabel bzw. dem Fahrradrahmen genommen, lassen Sie die Luft über das Ventil aus dem Reifen bzw. Schlauch. Zunächst sollte die Luft vollständig aus dem Reifen gelassen werden. Schraube die Ventilkappe ab, öffne das Ventil und lass die Luft aus dem Reifen ab.

Bevor du mit dem eigentlichen Wechselprozess beginnst, ist es wichtig, den Reifen und den Schlauch ordnungsgemäß von der Felge zu entfernen. Dieser Schritt erfordert Sorgfalt, um sicherzustellen, dass weder Felge noch Reifen beschädigt werden. Drücke die Reifenflanken beidseitig zusammen, bis der Reifen ringsum locker im Felgenbett sitzt. Beginnen Sie auf der gegenüberliegenden Seite des Ventils damit, den Reifen mittels des Reifenhebers von der Felge zu hebeln.

Heble mit einem Reifenheber den Reifen über die Felge. Mit einer Zugbewegung lässt sich der Reifen nun entlang der Felge lösen. Den einen Reifenheber durch Verschieben entlang der Felge zum vollständigen Abziehen des Reifens verwenden. Entferne den Schlauch vorsichtig aus dem Reifen. Vorsicht: keine scharfkantigen oder eckigen Werkzeuge wie Schraubendreher verwenden!

Überprüfen und Vorbereiten

Wenn du den Reifen aufgrund eines Platten demontierst und nur den Schlauch austauschen möchtest, solltest du auf jeden Fall auch noch die Innenseite des Reifens abtasten. Nach einer Reifenpanne untersuche den Reifen vorsichtig per Hand auf Beschädigungen oder Fremdkörper wie Dornen oder Glassplitter. Oft hängt hier noch der Übeltäter des Plattfußes fest. Das könnte eventuell ein Dorn oder eine Scherbe sein. Untersuche den Reifen auf Fremdkörper und den Schlauch auf Löcher.

Die Reifeninnenfläche und die Felge sollten vor dem Schlauchwechsel untersucht und abgetastet werden. Beim Reifen sollten innen keine Risse oder Fremdkörper spürbar sein und die Felge keine scharfkantigen Stellen oder Verformungen aufweisen. Untersuche nun auch die Innenseite der Felge wie oben beschrieben. Kontrollieren Sie jetzt das Felgenband auf Schäden und tauschen Sie es gegebenenfalls aus. Sollte der Mantel samt Schlauch gewechselt werden, empfiehlt es sich bei dieser Gelegenheit auch gleich das Felgenband zu wechseln.

Bevor du den neuen Schlauch und Reifen montierst, solltest du den alten Reifen und das Felgenband auf mögliche Schäden oder Fremdkörper überprüfen. So stellst du sicher, dass der neue Schlauch nicht sofort wieder beschädigt wird. Ein günstiges Felgenband kostet ca. 2-3 Euro. Diese kleine Investition lohnt sich auf jeden Fall, da nur ein komplett heiles Felgenband den Schlauch schützen kann. Besonders wenn das Felgenband schon Risse oder Scheuerstellen hat oder verzogen ist, sollte unbedingt ein neues eingelegt werden. Überprüfe das Felgenband auf Schäden. Pumpe den neuen Schlauch leicht auf, sodass er Form annimmt. Vor dem Einlegen des Ersatzschlauchs diesen leicht anpumpen. Dabei nur so viel Luft einfüllen, dass der Schlauch eine runde Form bildet. Dadurch lässt er sich leichter einlegen, und die Gefahr einer Quetschung durch den Reifen wird verringert.

Montage von Schlauch und Reifen

Die Montage des Fahrradschlauchs und des Reifens ist ein kritischer Schritt. Es ist wichtig, darauf zu achten, dass der Schlauch gleichmäßig positioniert ist und nicht eingeklemmt wird, um spätere Pannen zu vermeiden. Setze den Reifen mit einer Seite in das Felgenbett. Beachte dabei Angaben zur Laufrichtung. Stülpen Sie den Reifen (ohne den neuen Schlauch) mit einer (!) Seite komplett über die Felge.

Wenn der Reifen noch ein gutes Profil hat, kannst du ihn ohne Bedenken weiter verwenden. Beim Montieren des Reifens solltest du unbedingt die Laufrichtung beachten. Diese ist auf dem Fahrradreifen selbst markiert. Das Reifenprofil ist entsprechend der Laufrichtung ausgerichtet. Das heißt, nur in diese Richtung wird das Profil optimal "greifen" und während der Fahrt den nötigen Grip und Stabilität gewährleisten. Auf der Reifenflanke ist ein Pfeil mit einer Bezeichnung (z.B. Rotation) aufgedruckt. Die Scheibenbremse des Rades befindet sich immer auf der linken Seite, was dir hilft, die Laufrichtung zu bestimmen.

Wenn du die Laufrichtung erkannt hast, kannst du den Reifen mit einer Seite auf die Felge aufziehen. Dann nimmst du den (neuen) Schlauch und steckst das Ventil in das dafür vorgesehene Loch in der Felge. Führe das Ventil durch das Felgenloch und platziere den Schlauch ringsum zwischen Reifen und Felgenbett. Den leicht aufgepumpten Schlauch mit dem Ventil in das Felgenloch stecken. Anschließend wird der Schlauch mit einer Fahrradpumpe ein wenig (!) mit Luft gefüllt. Schieben Sie den Fahrradreifen soweit es geht per Hand über das Felgenhorn. Bei neuen Reifen wird man dann an den Punkt kommen, wo sich der Reifen per Hand nicht weiter auf die Felge aufschieben lässt.

Wir pumpen den Schlauch immer gerne ein wenig auf, damit der Reifen später besser auf die Felge rutscht. Achte darauf, dass der Schlauch den Boden nicht berührt, um ihn vor Fremdkörpern zu schützen. Pumpe den neuen Schlauch leicht auf und lege ihn in den Reifen ein. Setze das Ventil in das Felgenloch. Anschließend wird der Schlauch zwischen Mantel und Felge eingelegt. Vorsicht: Hierbei sollen keine Falten und Quetschungen auftreten!

Wenn du den Schlauch komplett in die Felge gelegt hast, kannst du anfangen den Reifen vollends in die Felge zu drücken. Wuchte die äußere Reifenseite nun - beginnend auf Ventilhöhe - über die Felge. Arbeite dich beidseitig nach oben vor und achte darauf, den Schlauch nicht einzuklemmen. Das funktioniert bis zu einem gewissen Punkt, ab dem die Spannung sehr groß wird. Verwende dann erneut die Reifenheber beim Reifenwechsel, um den Reifen vollständig in die Felge zu hebeln. Mit einem geeigneten Hebelwerkzeug (z.B. das erwähnte Reifenheber-Set von XLC) kann man relativ einfach den "Rest" vom Reifen über das Felgenhorn auf die Felge hebeln. Oft klappt dieses ganz gut mit nur einem Reifenheber, falls nicht, nutzen Sie zwei Reifenheber dazu, die Sie je rechts und links ansetzen. Somit wird verhindert, dass der Reifen wieder von der Felge rutscht. Sei dabei bitte etwas vorsichtig mit den Reifenhebern, um nicht direkt wieder den Schlauch zu verletzen. Für das letzte Stück kann ein Reifenheber hilfreich sein.

Wir empfehlen dir hierfür übrigens Qualitätsschläuche. Egal ob von Schwalbe, Continental oder Co. Anschließend sollte der neu aufgezogene Fahrradreifen auf dem Laufrad per Hand noch ein wenig bewegt/gewalkt werden, damit er sich gut auf die Felge setzt. Sind Schlauch und Mantel wieder auf der Felge, kann der Reifen aufgepumpt werden. Wir empfehlen dir den Reifen erst einmal halb aufzupumpen und dann zu kontrollieren, ob auch alles wirklich gut sitzt. Schraube die Ventilmutter wieder auf und pumpe den Reifen vollständig auf. Beachte hierbei die Luftdruckvorgaben auf der Reifenflanke. Danach sollten Sie den Schlauch entsprechend der Angabe auf dem Mantel mit Luft befüllen.

Es kann sein, dass der Reifen beim Aufpumpen laut knackt, weil er durch das Aufpumpen erst richtig in die Felge springt. Abschließend solltest du noch prüfen, ob sich weiterhin alle Gänge durchschalten lassen und die Bremse nicht schleift. Ganz zum Schluss sollten Sie noch einmal genau betrachten ob der Mantel auch richtig auf der Felge sitzt. Dieses erkennen Sie an der geriffelten Fläche am Übergang zur Felge.

Laufrad wieder einbauen

Nachdem du Reifen und Schlauch ordnungsgemäß montiert hast, musst du nur noch das Laufrad wieder am Fahrrad befestigen. Dies gewährleistet eine sichere und effiziente Fahrt. Das runderneuerte Laufrad mit Reifen und Schlauch kann nun wieder am Fahrradrahmen bzw. in der Gabel montiert werden. Setze das Laufrad in die Ausfallenden des Rahmens. Befestige das Laufrad mit dem Schnellspanner oder der Nabenverschraubung. Klinke die Bremse wieder ein und stelle sicher, dass das Rad sich frei dreht.

Führe die Steckachse ausgehend von der Seite der Bremsscheibe wieder durch Radnabe und Ausfallenden. Ziehe sie dann locker an. Mit einem Drehmomentschlüssel ziehst du sie nun auf das erforderliche Drehmoment fest. Nachdem du den Reifen und Schlauch gewechselt hast, solltest du eine kurze Probefahrt machen, um sicherzustellen, dass alles ordnungsgemäß funktioniert. Dein Fahrrad ist nun wieder einsatzbereit.

Allerdings empfehlen wir dir, beim ersten Reifenwechsel Zeit und Geduld mitzubringen. Je mehr Übung du letztendlich beim Reifenwechsel hast, desto routinierter wirst du auch. Es ist auch ratsam, immer einen Ersatzschlauch, Reifenheber und eine Pumpe dabei zu haben, besonders wenn du längere Touren planst.

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