Aluminium-Rennräder mit Shimano 105 im Test

Aluminium-Rennräder erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit, insbesondere bei preisbewussten Käufern. In Kombination mit der Shimano 105 Schaltgruppe bieten sie eine attraktive Mischung aus Performance und Wertigkeit. Dieser Artikel beleuchtet verschiedene Modelle und deren Vor- und Nachteile.

Radon R1 105 Disc: Ein Preis-Leistungs-Kracher

Das R1 105 von Radon ist ein echter Preiskracher. Gerade mal 1399 Euro stehen auf dem Preisschild - und dafür gibt’s mit dem R1 definitiv keine Mogelpackung. Vielmehr montiert Radon eine komplette Shimano 105 - inklusive Kurbel und Kassette. Auch die Alexrims-Laufräder samt Grand Sport Race von Continental sorgten auf den Testfahrten nicht für Stirnrunzeln - ganz im Gegenteil. Sie überzeugten mit mehr als solider Performance. Auf Antritte reagiert das R1 direkt und bergauf gibt es den souveränen Kletterer. Dabei hilft auch die am Hinterrad montierte Kassette mit großem 36er-Ritzel. Damit lassen sich auch steile Rampen mit verträglicher Trittfrequenz bewältigen. Dazu passt der ordentliche Komfort am Heck, auch wenn dort aus Kostengründen keine Carbon-Sattelstütze verbaut ist. Dennoch neigt das R1 keinesfalls zu ungebührlicher Härte, weder an der Front noch am Heck.

Die Sitzposition auf dem Rad gestaltet sich erfreulich ausgewogen und macht das R1 zu einem echten Allrounder für alle, die gerne etwas sportlicher, aber nicht zu profimäßig auf dem Rad sitzen wollen. Der Alu-Bügel gefällt dabei mit einer angenehmen Auflagefläche am Oberlenker, ist aber mit 44 cm (Mitte-Mitte) für die Rahmengröße sehr breit, was das Handling des R1 etwas behäbig macht. Ein Wechsel auf einen 42er-Lenker käme dem durchaus sportlichen Anspruch des R1 entgegen und würde den Charakter des Renners mehr ins Agile drehen. Abgesehen davon überzeugt das R1 von Radon als schlüssig konzipierter, ausgewogener Allrounder für Preisbewusste.

Das gefällt: Ein Rad mit kompletter Shimano 105-Gruppe zum Hammerpreis: Das Radon R1 ist ein echter Preis-Leistungs-Kracher.

Das weniger: Ein etwas schmalerer Lenker als der verbaute 44er käme dem Handling und der Agilität des Renners zugute.

Specialized Allez Sprint: Wendiger Kurvenflitzer

Specialized bietet das neue Allez Sprint in zwei Ausführungen als Komplettrad sowie als Rahmenset in vier Farben an. Das Allez Sprint übernimmt vom großen Bruder aus Carbon nicht nur die Geometrie, sondern auch die Silhouette und dazu gleich noch dessen Carbon-Gabel und -Sattelstütze. Zudem dürften nur wenige Aluminium-Bikes aerodynamischer geformt sein: leicht tailliertes Steuerrohr, kantige Kammtail-Rohrformen, tief angesetzte Sitzstreben - alles waschechte Aero-Zutaten - und auch hier: große Nähe zu den Rohrquerschnitten und somit der sehr guten Aerodynamik des Tarmac.

In der Praxis begeisterte der wendige, sehr agile Renner nach kurzer Eingewöhnungszeit. Die Geometrie zwingt in eine sportliche, aber nicht zu extreme Sitzposition, steile Sitz- und Lenkwinkel sorgen in Verbindung mit kurzen Kettenstreben und kurzem Radstand für starken Vortrieb und sehr direktes Handling bei erfreulich präziser Lenkung. Egal ob bei verwinkelten Abfahrten oder bei einem Kriterium: Mit dem Allez Sprint giert man nach der nächsten Möglichkeit, sich in die Kurve zu werfen und die Konkurrenz zu distanzieren.

Erschwert wird dies leider - insbesondere bergauf - durch das Gewicht von 8,6 Kilogramm ohne Pedale in Größe 58. Und: Übertrieben viel Dämpfungskomfort bietet das Rahmen-Set trotz der Carbon-Sattelstütze des Tarmacs nicht - während die Front mit 240 N/mm noch halbwegs passabel federt, ist das Heck mit 372 N/mm vergleichsweise hart. Ärgerlich: Am Test-Rahmen waren einige Kanten im Inneren nicht entgratet, der Lack platzte an manchen Stellen leicht ab.

Ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis als die 105 Di2 bietet derzeit keine Elektro-Gruppe von Shimano - das beweist das Ensemble eindrucksvoll auch während der Nutzung am Specialized Allez Sprint über 1500 Kilometer. Natürlich schalten Dura-Ace Di2 und Ultegra Di2 ein wenig schneller, und deren Umwerfer ist optisch deutlich dezenter, doch auch die 105 Di2 wechselt blitzschnell und präzise die Gänge - gerade der Umwerfer befördert die Kette ungerührt auch bei Volllast oder abenteuerlichem Kettenschräglauf aufs andere Blatt.

Die Bremse dagegen überzeugte auf ganzer Linie: Auch ohne Servowave-Funktion der Hebel, die bei Dura-Ace und Ultegra noch stärkere Bremskraftentwicklung erlaubt, bremst die 105 kräftig und hervorragend dosierbar. Auf Nässe reagierte die Bremsanlage jedoch wie gehabt mit empörtem Quietschen. Top: An Bremsbelägen, Kette, Ritzel und Kettenblätter waren nach 1500 Kilometern keine nennenswerten Verschleißerscheinungen zu erkennen.

Das Specialized Allez Sprint - egal ob als Komplettrad oder Individualaufbau - ist ein wendiger Kurvenflitzer, dessen aerodynamische Rohrformen schnelle Runden versprechen. Diese Kombination spricht vor allem Rennfahrerinnen und -fahrer an, zumal der Werkstoff Aluminium den Preis (zumindest ein bisschen) senkt und häufige Transporte zu den Wettkämpfen und auch mal einen Rennsturz besser wegsteckt als filigranes Carbon. Specializeds Versprechen, seinem Carbon-Renner Tarmac mit dem Allez Sprint ein "Ultraleicht-Denkmal in Aluminium gesetzt" zu haben, ist aber angesichts des vergleichsweise hohen Rahmen- und Gesamtgewichts ein bisschen dick aufgetragen.

Rose Reveal 04 105 Di2: Preis-Leistungs-Sieger

Das Reveal 04 mit elektronischer 105-Schaltung nimmt dabei den Platz als Basismodell ein, das sich - so viel vorab - das Prädikat “Preis-Leistungs-Sieger” verdient. Schließlich ist das Rose zwischen 500 und 1200 Euro günstiger als die vergleichbare Konkurrenz, in den Fähigkeiten aber mindestens ebenbürtig. Beim Komfort profitiert das Rose von einer abgeflachten Carbonsattelstütze mit tiefer Klemmung. Die Front verhält sich weniger schonend zu Fahrer oder Fahrerin, materialbedingt gibt die Alu-Kombi Erschütterungen direkter weiter. Das liegt auch an den im Vergleich zum Gros der Konkurrenz schmaleren Reifen. Die maximale Reifenfreiheit von 32 Millimetern ist bei aktuellen Marathonrädern der Standard.

Spritztouren auf Schotter macht das Reveal zwar anstandslos mit, am wohlsten fühlt es sich aber auf der Straße. Hier zeigt sich der Preiskracher von der unaufgeregten Seite. Dessen klebrige Oberfläche dürfte allerdings nicht jedermanns Geschmack treffen. Die hauseigenen Alu-Laufräder helfen dem günstigen Flitzer, beim Gewicht im Windschatten der leichtesten Räder aus der Kategorie zu bleiben. Auf Sprint-Duelle sollte man es aber nicht zwingend ankommen lassen.

Leichte Abzüge gibt es für die modellspezifische Sattelstütze, die im Schadensfall nicht gegen eine beliebige andere Rundstütze ausgetauscht werden kann. Zudem entfalten die günstigen Discs von Shimano, Modell SM-RT64, nicht das volle Potenzial der Bremsanlage. Am guten Testergebnis ändert dies allerdings nichts. Im Testzeitraum gewährte Rose sogar noch 400 Euro Rabatt auf das Reveal 04 105 Di2.

Weitere Rennräder mit Shimano 105

Neben den bereits genannten Modellen gibt es weitere interessante Optionen auf dem Markt:

  • Canyon Endurace CF 7: Bietet hohen Federkomfort und ein Aero-Cockpit.
  • Giant Defy Advanced 2: Ein langstreckentaugliches Marathonrad.
  • Stevens Xenith: Konfiguriert für einen Test, soll im Januar in den Shop rollen.
  • Trek Domane AL5: Einziges Rad im Test mit Alu-Rahmen, bietet Aufnahmen für Schutzbleche und Gepäckträger.
  • Wilier Garda: Optisch ansprechend mit teilintegrierten Zügen und Leitungen.

Shimano 105: Die Allzweckwaffe für das kleine Budget

Die Shimano 105 Schaltgruppe erfreut sich großer Beliebtheit aufgrund ihrer einwandfreien Funktionalität und der durchweg hohen Qualität der einzelnen Teile. Die Technik geht auf die Vorjahresmodelle der großen Geschwister Dura Ace und Ultegra zurück. Mit ihrem robusten Finish und den leichtgängigen Schaltvorgängen spricht sie eine breite Schicht von Rennradfahrern an und ist für unzählige Einsatzzwecke geeignet. Preislich liegt sie rund ein Drittel unter dem Niveau der Ultegra, was sie auch aus dieser Sicht sehr attraktiv macht. Allerdings geht damit aufgrund konstruktiver Unterschiede und teilweise anderen Materialeinsatzes auch ein Mehrgewicht von rund 200 Gramm einher.

Die Schaltvorgänge der 105 sind sehr präzise und stehen denen der Ultegra in nichts nach. Der Umwerfer lässt sich in beiden Fällen zweistufig einstellen, die 105er-Haptik der Griffe liegt auf Ultegra-Niveau.

Aluminiumrahmen: Noch nicht am Ende?

Auch wenn der Trend zum Carbonrahmen anhalten dürfte: Zum Abgesang auf Alu-Rahmen besteht derzeit kein Anlass. Noch können Alu-Modelle ihren Preis-Leistungs-Vorteil halten. Grundsätzlich gelten für Aluminiumrahmen neben dem günstigeren Preis weiterhin die altbekannten Argumente. Bei Gewichten zwischen 1.300 und 1.500 Gramm sind die Rahmen in der Regel sehr robust, was nicht nur Vielfahrer freut, sondern all jene, die ihr Rad öfter mal mit dem Auto oder Flugzeug transportieren. Zudem müssen sich Fahrer von Alu-Rahmen kaum über zu geringe Fahrstabilität sorgen.

Eine Option bleiben Alu-Rahmen auch für große Fahrer. Carbonrahmen werden nur selten in Größen über 60 Zentimeter angeboten. Einige Alu-Rahmen werden dagegen bis Rahmengröße 65 beziehungsweise 66 gebaut.

Fazit

Aluminium-Rennräder mit Shimano 105 bieten eine attraktive Kombination aus Preis, Leistung und Zuverlässigkeit. Sie sind eine gute Wahl für preisbewusste Fahrer, die ein robustes und vielseitiges Rennrad suchen. Die vorgestellten Modelle zeigen, dass es für jeden Anspruch und Geschmack das passende Rad gibt.

Vergleich von Rennrädern mit Shimano 105
Modell Rahmenmaterial Schaltgruppe Besonderheiten Preis (ca.)
Radon R1 105 Disc Aluminium Shimano 105 Komplette 105er Gruppe, Preis-Leistungs-Kracher 1399 €
Specialized Allez Sprint Aluminium Shimano 105 Di2 Aerodynamische Rohrformen, wendig 4500 € (Individualaufbau)
Rose Reveal 04 105 Di2 Aluminium Shimano 105 Di2 Preis-Leistungs-Sieger, Carbonsattelstütze 2500 €
Canyon Endurace CF 7 Carbon Shimano 105 Hoher Federkomfort, Aero-Cockpit N/A
Trek Domane AL5 Aluminium Shimano 105 Aufnahmen für Schutzbleche und Gepäckträger N/A

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