Rennrad Bekleidung: Tipps für den Herbst

Der Herbst, der kalendarisch vom 23. September bis zum 21. Dezember dauert, ist für viele Rennradfahrer die ideale Jahreszeit. Es ist der lang ersehnte Saisonausklang.

Denn im Herbst ist es warm ohne Hitze und meist sonnig ohne Gewitter. Dazu stimmt die Form nach vielen Stunden im Sattel, die Natur leuchtet bunt und das Licht wird golden. Die perfekten Voraussetzungen also, um das Rennradjahr mit ein paar entspannten Tourenkilometern ausklingen zu lassen und den Kopf vor den tristen Wintermonaten mit bleibenden Erinnerungen zu füllen.

Der Herbst hat aber auch eine andere, deutlich ungemütlichere Seite. Wenn sich die Rennradsaison dem Ende zuneigt, muss man sich notfalls auch bei einstelligen Temperaturen und Nieselregen aufs Rad schwingen. Doch meist bleibt es nicht lange so ungemütlich. Und dann genießen die Radler den Altweibersommer oder den goldenen Oktober.

Wir zeigen die richtige Ausrüstung und Bekleidung für tolle Rennrad-Touren im Herbst. Für alle, die in der kühlen bis kalten Jahreszeit ihr Rennrad nicht in die Ecke stellen oder noch nicht auf den Rollentrainer wechseln wollen.

Die richtige Ausrüstung für Rennradfahrer im Herbst

Nach der Anschaffung eines (oft teuren) Flitzers scheuen viele Rennrad-Noviz*innen die Investition in ein spezielles Rennrad-Outfit. Viele Sachen hat ja man schon im Schrank, wie vielleicht eine Fahrradhose vom Mountainbiken oder ein Funktions-Shirt fürs Fitness-Studio.

Meist dauert es aber nur ein paar Touren, bis die Einsicht reift: So richtig angenehm ist das Rennradfahren mit diesen Klamotten nicht. Und bei den anderen sieht es irgendwie cooler aus … Der Style-Faktor ist bei Rennrad-Kleidung in der Tat hoch. Vorbei die Zeiten von kreischend bunten Trikots oder flatternden Windjacken. Heute fährt man in gedeckten Farben und mit vorteilhaften Schnitten.

Wobei der Hauptvorteil von Rennrad-Bekleidung immer noch die Funktion ist. Die Kleidungsstücke und Accessoires sollen nicht nur gut aussehen, sondern in erster Linie vier Aufgaben erfüllen:

  • eine perfekte Passform,
  • ein angenehmes Tragegefühl,
  • Regulation des Körperklimas und
  • Wetterschutz.

In dieser Kaufberatung erklären wir, welche Kleidungsstücke und Accessoires man für ein vollständiges Rennrad-Outfit braucht - und worauf ihr bei der Auswahl von Rennrad-Kleidung achten solltet. Dabei sprechen wir zunächst über die passende textile Hülle für die warme Jahreshälfte und geben Antworten auf die Frage: Welche Rennrad-Bekleidung bei welchem Wetter? Alles über Rennrad-Bekleidung für Herbst und Winter erfährst du dann weiter unten.

Zwiebelprinzip für Radfahrer

Wenn die Temperaturen im Frühling und Herbst stark schwanken, kann das die Wahl der passenden Ausstattung fürs Radfahren schwierig gestalten. Das Zwiebelprinzip ist ein zuverlässiger Begleiter durch die Jahreszeiten. Durch das Tragen von drei eher dünnen Schichten können Radfahrer flexibel auf Temperaturveränderungen reagieren.

Außerdem bilden sich zwischen den einzelnen Schichten jeweils natürliche Luftpolster, die bei Bedarf zusätzliche Wärme speichern und das gesamte Outfit gleichzeitig besonders atmungsaktiv machen. Bei Fahrradbekleidung wird das Konzept oft auch das 3-Schichten-Prinzip genannt.

Basisschicht

Für die Basisschicht sind Radfahrer mit hochwertiger Funktionsunterwäsche gut beraten. Sie ist leicht und dünn, schmiegt sich an den Körper an und ist atmungsaktiv. So unterstützt sie die natürliche Regulierung der Körperwärme und fördert einen gesunden Flüssigkeitsaustausch.

Da die Unterschicht direkt auf dem Körper liegt, sollte sie so verarbeitet sein, dass sie keine unangenehmen Druckstellen verursacht. Funktionsunterwäsche hält den Körperkern warm, wenn die Außentemperaturen kühler werden, und beugt unangenehmem Hitzestau und Schwitzen vor, wenn die Sonne bereits einen Vorgeschmack auf den Sommer gibt.

Wer auf dem Fahrrad in den warmen Sonnenstunden stark schwitzt, läuft außerdem Gefahr, durch die auf der Haut zurückbleibende Feuchtigkeit bei absinkenden Temperaturen stärker zu frieren.

Mittelschicht

Die Mittelschicht isoliert gegen Kälte und kann aus atmungsaktivem Fleece oder einem Fahrradtrikot bestehen.

Oberschicht

Die Oberschicht sollte so gewählt werden, dass sie vor allem vor Wind und Nässe schützt. Eine hochwertige Regenjacke aus Softshell oder Hardshell ist eine gute Wahl.

Das Wärmeempfinden ist eine individuelle Angelegenheit. Jeder Körper reagiert unterschiedlich auf die Außentemperatur. Beim Radfahren wird die Muskulatur in den Beinen besonders stark beansprucht und aufgewärmt.

Wenn sich das Wetter nicht so recht entschließen kann, tut sich auch der Körper oft schwer damit, die Temperaturschwankungen aus dem Außenbereich zu kompensieren. Ständig anhalten und die oberste Schicht an- und ausziehen, macht wenig Freude.

Praktische Begleiter können Funktionsjacken oder -westen mit Zwei-Wege-Reißverschluss sein. Sie halten den Körperkern bei kühleren Temperaturen angenehm warm. Steigt die Temperatur, lässt sich die Wärme durch Öffnen des Reißverschlusses von oben und unten moderat regulieren, ohne die Oberschicht gleich ganz ablegen zu müssen.

Eine schnelle und flexible Lösung bei schwankenden Temperaturen sind Funktionsüberzieher für Beine und Arme. Die Beinlinge sind im Fachhandel als komplette Beinlinge oder als Knielinge erhältlich. Aus dünnem und atmungsaktivem Thermomaterial ergänzen sie kurze Ober- und Unterbekleidung mit wenigen Handgriffen und schützen vor Kälte und Wind, während sie überschüssige Feuchtigkeit zuverlässig abtransportieren.

Empfehlungen für die Rennradbekleidung im Herbst

Wir stellen dir einige unserer Favoriten für den goldenen Rad-Oktober vor!

Weste

Eine Weste ist der ideale Wetterschutz auf dem Rennrad im Herbst und Frühjahr. So flexiblen und leichten Wetterschutz wie Westen bietet kein anderes Bekleidungsstück für Rennradfahrer. Denn braucht man die kompakte Windweste nicht, wandert sie in die Trikottasche.

Deshalb sind sie perfekt für Herbst und Frühling, wo die Temperaturen stark schwanken. Gut: Der Rumpf wird gewärmt und die Achseln liegen frei. Für die Wintermonate gibt’s auch isolierte Modelle, für den Herbst reichen auch Winderstopper-Modelle wie die Gore Wear Spirit Weste.

Helmmütze

Genau wie für eine Badekappe gilt auch für eine Helmmütze: Sieht komisch aus, dafür ist sie maximal funktionell. Die dünnen Unterziehhauben halten den kälteempfindlichen Kopf kuschelwarm, wenn kalte Luft im Herbst und Winter durch den Helm pfeift.

Modelle mit winddichten Einsätzen sind noch wärmer. Wir empfehlen z. B. die Fahrrad-Helmmütze von Vaude.

Allwetter-Trikots

Allwetter-Trikots werden immer beliebter. Sie lassen Regentropfen abperlen, ein leichtes Futter wärmt bei kühlen Herbst-Temperaturen. Sie sind geschnitten wie Radtrikots (nicht wie die Jacken), außen wasserabweisend imprägniert, und ohne Membran verdampft der Schweiß vergleichsweise schnell.

Den Testsieg im TOUR-Vergleichstest holte das Allwetter-Trikot Castelli Tutto Nano RoS Jersey.

Langfinger-Handschuhe

Nichts ist schlimmer als kalte Finger! Durch den Fahrtwind und die exponierte Position am Rennradlenker sind bei kühlen Temperaturen die Hände besonders gefährdet. Die meist schmerzhafte Folge: taube Finger.

Zu den dicken Winterhandschuhen muss man deshalb aber im Herbst noch nicht greifen. Es genügen lange Rennrad-Handschuhe oder leicht isolierte Modelle wie z.B. die Assos Winter Gloves Handschuhe.

Lange Radhosen

Lange Radhosen für Herbst und Winter müssen Nässe und Fahrtwind trotzen, Knie und Hüften wärmen und Schweiß zuverlässig nach draußen befördern. Bei Testfahrten hat uns das Modell von MAAP eine Saison lang überzeugt. Das Sitzpolster und der Tragekomfort sind erstklassig.

Gefüttert ist die lange Radhose zwar nicht sehr dick, trotzdem reicht sie bei sportlicher Fahrt auch an kalten Wintertagen. Die Passform ist sehr sportlich, was das Anziehen etwas mühsam macht. Aber hat man die MAAP Team Thermal Long Bibshort erst einmal an, will man sie nicht mehr ausziehen.

Überschuhe

Steif gefrorene Zehen sind in der nasskalten Zeit für so manchen der Grund, die Rennrad-Tour zu beenden oder gar nicht erst aufs Rad zu steigen. Gefütterte Überschuhe, die Wind und Wasser zuverlässig draußen halten, schaffen Abhilfe.

Mit Überschuhen kann man im Herbst meist noch auf spezielle Winterschuhe verzichten. Manche nutzen die Schuhüberzieher auch im Winter. Z.B. die soliden Gripgrab Ride Waterproof.

Windstopper-Unterhemd

Wenn es draußen kälter wird, dienen Funktionsunterhemden als zusätzliche Isolationsschicht und wärmen unterm Rennrad-Trikot oder der Jacke den Träger. Da vor allem der Fahrtwind den Piloten auskühlt, sollte man auf winddichte Klamotten in einer Bekleidungsschicht setzen.

An wärmeren Herbsttagen kann man Trikots beispielsweise mit einem Windstopper-Langarm-Unterhemd kombinieren, wie beispielsweise dem Craft Active Extreme X Wind. So kann man auf eine dicke Jacke oder Windweste verzichten.

Softshell-Jacken

Softshell-Jacken schützen Rennradler im Herbst und Winter gegen Kälte und Nässe. Fast kein Hersteller macht das seit Jahren so überzeugend mit seinen Produkten wie Gore. Die sportlich geschnittene Phantom-Jacke schützt dank der Infinium-Membran zuverlässig gegen Wind und Wasser und trägt sich angenehm.

Doch der Clou sind die Reißverschlüsse an den Ärmeln. Dadurch wird die Jacke mit zwei Handgriffen zur Weste. Perfekt für den Herbst, wo man teils bei einstelligen Temperaturen losfährt und sich in der Mittagssonne ausziehen muss.

Rennradsocken aus Merino-Mischgewebe

Merino-Mischgewebe hält warm, stinkt nicht und liegt angenehm auf der Haut. Mit den Castelli-Radsocken kann man im Herbst noch auf die dicken Wintersocken verzichten.

Weitere Tipps für das Rennradfahren im Herbst

  • Pflegeeinheit: Bei feuchten Bedingungen verschleißt der Antrieb schneller.
  • Spezielle Fahrradreiniger helfen bei der Wäsche des Rennrads und lösen den Schmutz.
  • Nachdem der Schmutz vom Rad runtergespült ist, sollte man unbedingt die Kette reinigen und pflegen, z. B. mit einem speziellen Kettenschmiermittel für feuchte Bedingungen.
  • Dafür gibt’s von Muc-Off ein Pflegeset, das auch ein Kriechöl enthält, mit dem man bewegliche Teile am Rennrad vor Korrosion schützen kann.
  • Spritzschutz: Rennrad-Schutzbleche zur Schnellmontage sind im Nu montiert, passen fast an jedes Rennrad-Modell und schützen Hintern, Beine und Gesicht zuverlässig vor aufgewirbeltem Wasser.
  • Dazu wiegt das SKS Raceblade Pro-Set weniger als 400 Gramm.
  • Es eignet sich bei Reifen bis 25 Millimeter Breite.

Wechselhaftes Wetter muss kein Grund sein, auf das Radfahren zu verzichten. Die Fahrrad- und E-Bike-Saison ist noch lange nicht zu Ende!

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0