Wettkampf-Rennräder bis 5000 Euro: Empfehlungen und Testberichte

Immer mehr Rennradfahrer interessieren sich für aerodynamisch optimierte Wettkampf-Rennräder. Für die schnellsten Modelle sind fünfstellige Preise leider Realität geworden.

Doch es geht auch ein paar Nummern günstiger, wie ein Vergleichstest von Race-Modellen unter 5000 Euro zeigt. Die Rennräder unterscheiden sich extrem bei Gewicht und Aerodynamik, was zu großen Abständen bei den Gesamtnoten führt.

Die Testkandidaten im Überblick

Zehn Hersteller konnten Testräder liefern, wobei Rose mit dem XLite 04 105 das günstigste Modell ins Rennen schickte. Etwa die Hälfte der Kandidaten wie Benotti, Canyon oder Storck erreicht die Obergrenze des Preis-Limits.

Bei der Ausstattung sind Shimano und SRAM vertreten, wobei die Testrennräder je zur Hälfte mechanisch (105 und Ultegra) oder elektronisch (Ultegra Di2 und Rival eTap) schalten.

Bei den Laufrädern ist von flachen Alu- bis zu hohen Carbonfelgen alles vertreten, woraus sich mitunter krasse Unterschiede bei Gewicht und Aerodynamik ergeben.

Extreme Unterschiede bei Gewicht und Aerodynamik

Überhaupt zeigen sich bei den beiden wichtigsten Kriterien eines Wettkampfrads - Gewicht und Aerodynamik - riesige Unterschiede.

Die leichtesten Wettkampf-Rennräder (Cube und Storck) wiegen fast 1,5 Kilogramm weniger als das schwerste Modell (Merida), das mit etwas mehr als neun Kilo an der TOUR-Waage hängen hatte.

Neben den Laufrädern lassen sich diese Sprünge durch die Gewichte der Rahmen-Sets erklären, die sich um bis zu 400 Gramm unterscheiden. Zudem sind günstige Alu-Anbauteile wie Lenker oder Vorbau meist schwer. Insgesamt bleiben nur drei Kandidaten - bezeichnenderweise die teuersten Räder mit bester Ausstattung - unter acht Kilo.

Im Vergleich zu den Top-Wettkampfrädern muss man in dieser Preisklasse also mit einem Mehrgewicht von bis zu einem Kilogramm kalkulieren.

Die großen Gewichtsunterschiede im Testfeld spiegeln sich nicht nur in den Zahlen wider, sie sind im Sattel spürbar. Während die leichtesten Räder sich relativ flott beschleunigen und über hügeliges Terrain treiben lassen, fühlen sich die schweren Modelle ziemlich träge an.

Aerodynamik im Windkanal

Neben dem Gewicht wurde die Aerodynamik ermittelt, ausgedrückt als Leistung in Watt, die nötig ist, um mit dem Rad 45 km/h zu fahren. Hierbei sind die Unterschiede sogar noch extremer als beim Gesamtgewicht. Zwischen dem schnellsten und dem langsamsten Renner liegen satte 30 Watt - das sind Welten.

Den beeindruckenden Bestwert erzielt das Aerfast.4 Comp mit 202 Watt. In Kombination mit dem extrem flachen Aero-Cockpit schneidet das Aerfast.4 damit regelrecht durch den Wind und katapultiert sich auf Rang drei der schnellsten Serienräder im TOUR-Test.

Knapp dahinter folgt mit Canyons Aeroad ein alter Bekannter, wenn es um die Bestenliste der schnellsten Serienräder der Welt geht. Das CF SLX 7 eTap benötigt eine Tretleistung von 206 Watt für 45 km/h. Das Cube Litening Aero C:68X Race komplettiert mit 207 Watt das Spitzen-Trio in der Preisklasse bis 5000 Euro.

Bereits eine Klasse schlechter als Storck, Canyon und Cube schneiden das Benotti Fuoco Aero (213 Watt) und Giant Propel Advanced 1 (216 Watt) ab.

Die übrigen Wettkampf-Rennräder, also das halbe Testfeld, erreichen Ergebnisse zwischen 220 und 232 Watt. Die Messungen mit den Referenzlaufrädern zeigen, dass die Rahmen durchaus aerodynamische Qualität haben, das Gesamtsystem mit den flachen Laufrädern aber nicht besonders gut funktioniert.

Das beste Beispiel, wie viel sich mit einem Wechsel der Laufräder herausholen lässt, liefert das Soloist 105 von Cervélo. Mit den Zipp 404 verbessert es sich um zehn Watt und dringt damit ins Mittelfeld vor.

Auch Lapierre Aircode DRS 5.0, Merida Reacto Rival-Edition (je acht Watt) und Rose XLite 04 105 (sieben Watt) machen mit dem schnelleren Set-up einen Sprung nach vorne - wenngleich die Top Ten der schnellsten Serienräder noch weit entfernt sind.

Komfort und Fahrverhalten

Beim Fahrkomfort - Wettkampf-Rennräder holen bei diesem Kriterium dank speziell konstruierter Sattelstützen immer mehr auf im Vergleich zu Marathonrädern - liefern die Kandidaten Erwartbares und liegen auf ähnlichem Niveau.

Der Ausreißer nach oben ist das Rose, das Unebenheiten im Stile eines Marathonrads wegbügelt. Auch Merida und Ridley federn Stöße sehr gut ab.

Der Ausreißer nach unten ist das Storck, das extrem hart abgestimmt ist und Erschütterungen relativ ungefiltert an den Fahrer weitergibt.

Auch beim Fahrverhalten unterscheiden sich die Renner kaum und bieten eine gelungene Mischung aus Geradeauslauf und Agilität. Bei den Steifigkeitswerte leisten sich Benotti, Canyon, Cervélo und Storck leichte Schwächen an der Gabel, die während der Fahrt aber nicht auffallen.

Cube kratzt am Top-Club

Insgesamt bieten nur die wenigsten Räder ein überzeugendes Rundum-Paket als Wettkampfgerät. Bei der Aerodynamik bleiben einige hinter dem aktuellen Stand der Technik zurück, obwohl alle mit ihren Aero-Qualitäten angepriesen werden. Nur Canyon, Cube und Storck können bei diesem Kriterium richtig punkten und verdienen sich damit auch die besten Noten.

Zum einen, dass das Cube Litening Aero C:68X Race den Testsieg abräumt. Mit der Gesamtnote von 1,5 liegt es nur noch knapp hinter dem elitären Club der besten Räder in der TOUR-Testhistorie, den aktuell die vier Top-Modelle von Canyon, Giant, Scott und Specialized bilden.

Zum anderen: Das Storck Aerfast.4 Comp ist das einzige Rennrad für weniger als 5000 Euro, das in die Top Drei der schnellsten Serienrennräder der Welt vorstoßen kann.

Und nicht zuletzt: Das Rose XLite 04 105 schneidet als günstigstes Rad im Test schon sehr respektabel ab - mit etwas Laufrad-Tuning wird daraus eine ernstzunehmende Rennmaschine.

Insgesamt wären schnellere Laufräder für die meisten Modellen eine Empfehlung - stünde dem nicht der Preis entgegen: Schnelle Carbonlaufräder sind inzwischen kaum noch für weniger als 1000 Euro zu bekommen.

Der Traum vom schnellen und preiswerten Wettkampf-Rennrad ist damit leider schnell wieder ausgeträumt.

Ergebnisse des Vergleichstests im Überblick

Die folgende Tabelle zeigt die Ergebnisse des Vergleichstests der Wettkampf-Rennräder:

Modell Gewicht Aerodynamik (Watt bei 45 km/h) Komfort Gesamtnote
Cube Litening Aero C:68X Race ... ... ... 1,5
Storck Aerfast.4 Comp ... 202 ... ...
Rose XLite 04 105 ... ... Sehr hoch ...
Canyon Aeroad CF SLX 7 eTap ... 206 ... ...
Merida Reacto Rival-Edition ... ... Hoch ...

Vorteil durch Laufrad-Tuning?

Um den Einfluss der Laufräder auszuschließen und die Performance des Rahmen-Sets einordnen zu können, messen wir die Aerodynamik jedes Testrads zusätzlich zur Serien-Ausstattung mit einem Referenz-Laufradsatz. Seit der Umstellung auf Scheibenbremsen ist das ein Zipp 404 Firecrest (Modelljahr 2018), bestückt mit Continental-Reifen (Grand Prix 5000) in 25 Millimetern Breite.

Die Laufräder sind schon ein paar Jahre alt, aerodynamisch aber immer noch auf Top-Niveau: Cervélo, Lapierre und Merida profitieren erheblich.

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