Neben dem Schutz vor Sonnenstrahlung hat eine Radbrille auch wichtige und praktische Aufgaben. Darüber hinaus sollten Gläser an Radbrillen entsprechend stark gebogen sein, um einen optimalen Abschluss an Stirn und Wangen zu bieten - ganz ohne Zugluft.
Die Bedeutung der richtigen Brille für Radfahrer
Die Wahl der perfekten Brille obliegt vielen Faktoren - natürlich auch der Preisfrage. Weiter raten wir dazu, die Brille vor dem Kauf unbedingt Probe zu tragen. Jede Kopfform, jeder Anspruch ist anders. Hier gibt es eine individuelle Kaufberatung mit der Möglichkeit, die Brille optimal auf den Kopf anzupassen, vor einem Ventilator auf Zugluft zu testen, die Gläser per UV-Lampe abzudunkeln oder (wenn möglich) eine optische Verglasung vorzunehmen. Bei Justage und Passform bringen diverse Gestellgrößen Vorteile.
Selbsttönende Gläser: Eine flexible Lösung
Je nach Startzeit verläuft beispielsweise die Pendelstrecke von der Dunkelheit über den Sonnenaufgang ins Helle. Oder die Heimfahrt mündet von der Nachmittagssonne über die Dämmerung in die Nacht. Hier können selbsttönende Gläser die passende Antwort sein. Sich automatisch tönende Brillengläser sind aus phototropem, also lichtwendigem, Material.
Dabei entfalten sich die lichtempfindlichen Moleküle wie Blüten. absorbieren, reflektieren oder streuen sichtbares Licht. Neben den bereits erwähnten praktischen Gesichtspunkten besitzen photochrome Gläser auch spezielle Charakteristiken: Bei der Geschwindigkeit von Abdunklung und Aufhellung gibt es Faktoren, welche die Funktion beeinflussen. Aber auch bei Bewölkung oder diesigem Wetter dunkeln die Gläser leicht ab. Die übrige reicht aus, um die Brillengläser einzudunkeln.
Die meisten phototropen Gläser besitzen, wie das Gros unserer Testbrillen, eine Grautönung, die von vielen als angenehm empfunden wird. Die Farbwahrnehmung wird nicht verwässert, sondern unverfälscht und teils intensiver wahrgenommen. Photochrome Gläser zeigen mit der Zeit einen Alterungseffekt, da der chemische Prozess je nach Hersteller, Glas und Nutzung nachlässt. Teils ist nach zwei, drei Jahren eine Verlangsamung der Funktion wahrnehmbar. Optisch macht sich das als gelbliche Verfärbung der Gläser bemerkbar.
Einschränkungen und Alterungseffekte
Bei Fahrten mit schnellen Hell-Dunkel-Wechseln kann das nicht unproblematisch sein. Tunnel mit ihrem abruptem Wechsel von Tageslicht zu vollkommener Dunkelheit zeigen hier die Grenzen der Technologie am deutlichsten auf. Vergangene Praxistests unserer Redaktion zeigten auch, dass ab circa 30 Grad einige Gläser sogar spürbar weniger stark abdunkeln. Einen ähnlichen Effekt besitzen auch Fenstergläser in Autos und Häusern. Sie besitzen UV-Filter und schränken damit die Funktion der Gläser ein.
Tönungskategorien und ihre Bedeutung
Grundsätzlich gibt es Details, die Sehen, Qualität und Handhabung verbessern und damit für den optimalen Durchblick sorgen. Zur Einordnung der Tönungen gibt es fünf Kategorien - links als Überblick dargestellt. Dabei ist die Tönungsintensität vorrangig als Schutzfunktion gegen Blendung und Helligkeit zu verstehen. Die Umgebung wird abgedunkelt, die Sehleistung des Auges wieder erhöht.
Für Radfahrer sind Kategorie 0 bis 2 relevant. Erklärungsbedürftig ist die exponentiell zunehmende Wirkung: Die Unterschiede der Kategorie 0 oder 1 sind weitaus geringer sichtbar als in Kategorie 3 und 4. Wer zumeist bei Nacht und starker Bewölkung unterwegs ist, wählt ein Glas ab Filterkategorie 0. Im Test bieten das Victgoal, Red Bull Spect Eyewear, Shimano und Swiss Eye. Eindunkeln sollten photochrome Gläser auf jeden Fall bis Kategorie 2.
Zusätzliche Features für optimalen Durchblick
Bei Antifog-Beschichtungen ist die Oberfläche des Glases hydrophil und zieht Wassermoleküle an - im Test beispielsweise bei Uvex. Eine Tröpfchenbildung wird verhindert, das Wasser verläuft auf der Oberfläche, störende Reflexionen werden unterbunden. Deutlich öfter wird dem Scheibenbeschlagen via im Rahmen mitgedachter Antifog-Belüftung vorgebeugt. Hier sticht Adidas mit sehr wirksamem 9-fach-Belüftungssystem im Test heraus.
Verspiegelte Oberflächen finden sich meist an hochwertigen Sonnenbrillen mit fixer Tönung. Bei Variogläsern sind sie selten zu finden. Im Test einzig bei Bollé, aber auch nicht vollverspiegelt. Neben dem optischen Gesichtspunkt verbessern sie den Blendschutz, lassen aber weniger Licht ins Glas. Außerdem verkratzt die Oberfläche schneller.
Optionen für Brillenträger
Für Brillenträger mit einer Fehlsichtigkeit, die auf Kontaktlinsen beim Radfahren verzichten wollen, ist vor dem Kauf wichtig zu wissen, ob eine optische Verglasbarkeit möglich ist. Zur Verfügung stehen Direktverglasung, Optikadapter und Clip-In-Einsätze.
Es gibt immer mehr Angebote für eine Sportbrille mit Sehstärke. Die gute Nachricht ist, dass immer mehr Hersteller auf diese Entwicklung reagieren. Die Auswahl an Rad-Sportbrillen zur Direktverglasung wächst ebenso wie das Angebot von Modellen, an denen man zumindest Optik-Clips befestigen kann - quasi eine Brille in der Brille.
Technische Aspekte der Korrektur
Technisch ist die Korrektur einer Sportbrille anspruchsvoller als bei einer Alltagsbrille. „Aufgrund der leicht schräg stehenden Gläser oder Scheiben und der geneigten Kopfhaltung auf dem Fahrrad muss der Korrekturschliff entsprechend angepasst werden“, erklärt Walter Drum. Deshalb eignen sich auch nicht alle Sportbrillenmodelle und -tönungen fürs Einschleifen der Sehstärke; und selbst bei einer eigentlich geeigneten Sportbrille sind die Möglichkeiten begrenzt, mehr als sechs Dioptrien lassen sich selten realisieren.
Grundsätzlich gut zur Korrektur eignen sich Brillen mit Vollrahmen und zwei getrennten Gläsern, selbsttönende Gläser und ausgesuchte Einscheiben-Modelle. Die trendigen Shield-Modelle sind schlecht geeignet für die Direktverglasung, wenn ihre Scheibe sich nicht eng genug um den Kopf schmiegt. Bei einem Gleitsichtmodell, also einem korrigierten Schliff, der scharfes Sehen im Nah- wie im Fernbereich ermöglicht, muss die Scheibe genügend groß sein für den Übergangsbereich zwischen diesen beiden Zonen.
Anpassung und Vermessung
Die Vermessung der Augen für eine Sportbrille erfordert wegen der großen Gläser und deren starker Krümmung (der Basiskurve) mehr Aufwand als bei einer Alltagsbrille. Der größte Unterschied besteht darin, dass der Korrekturschliff der auf dem Fahrrad geneigten Haltung des Kopfes angepasst sein und bis in die Augenwinkel ein scharfes Bild ermöglichen muss. Weitere wichtige Parameter sind der Pupillenabstand und die Höhe: Damit ist die Ebene gemeint, auf der die Augen in Fahrradhaltung durch die Brille schauen - was von der individuellen Passform der Brille abhängt.
Es schien, als passten Kopf- und Augenbewegungen nicht mehr richtig zusammen. Neigte sich der Kopf mit neuer Brille in gewohnter Manier in Richtung Radcomputer, blieb das Display unscharf - die Folge „eingeschliffener“ Bewegungsmuster, von der alle Brillenträger berichten, die erstmals eine Gleitsichtbrille tragen. Man muss sich nur abgewöhnen, den Kopf zu neigen, denn nun reicht der Blick durch den unteren, korrigierten Bereich der Brille.
Günstige Alternativen für Weitsichtige
Wer zu den Weitsichtigen gehört, die das Computer oder Smartphone-Display nicht mehr scharf sehen, für den gibt es kostengünstige Angebote in Form von Radbrillen mit Lesezone oder flexible Linsen zum Einkleben in die eigene Sportbrille. Experten empfehlen beide Varianten als Übergangs- oder Ersatzlösung. Aufgrund der nicht optimalen optischen Güte und der nicht exakt an die individuelle Fehlsichtigkeit angepassten Korrektur, beispielsweise bei ungleicher Fehlsichtigkeit auf dem linken und rechten Auge, beurteilen sie die dauerhafte Verwendung solcher Sehhilfen mitunter kritisch.
Weitere wichtige Aspekte
Im direkten Blickfeld sollten weder Rahmen noch Glaskanten stören. Schutz vor schädlicher UV-Strahlung ist dank DIN-Norm bei allen Brillen vorhanden. als auch vor einem Ventilator. Große Gläser schützen meist besser. Beschlagende Brillengläser konnten wir vor allem bei sportiver Fahrweise bergauf oder kühlen Bedingungen provozieren. Absolut vergleichbare Ergebnisse sind jedoch nicht möglich, weil verschiedene Glasfarben, Tönungskategorien und Transmissionswerte (Lichtdurchlässigkeit) die Funktion beeinflussen.
Oft fungiert der Beutel auch als Putztuch. Für noch genauere Anpassung der Brille sind Ersatz-Nasenpads top. Im Test einzig bei Evil Eye im Lieferumfang. Im wahrsten Wortsinn finden wir in unserem Test Licht und Schatten. Und das in unterschiedlicher Ausprägung und Wechselgeschwindigkeit.
Ein komfortables Auflagegefühl liefern aber auch Bollé, Cratoni, Evil Eye, Oakley, Swiss Eye und Pop Eyes. Beide zeichnen wir mit einer Empfehlung aus. Im Test erzielt Uvex mit sehr angenehmem Tragegefühl den Bestwert - und verdient sich einen Preis-Leistungs-Tipp.
Testübersicht: Fahrradbrillen mit Wechselgläsern
Die folgende Tabelle bietet einen Überblick über verschiedene Fahrradbrillen mit Wechselgläsern, die in Tests untersucht wurden:
| Modell | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|
| Kapvoe TR90 | Set mit vier Wechselgläsern, weiche Nasenpolster, viele Farben | Ohne Anti-Beschlag-Beschichtung |
| Aigoode Radsportbrille | Set mit fünf Wechselgläsern, großes Sichtfeld, polarisierte Gläser | Niedrige Fassung |
| Queshark QE48-5-B | Set mit fünf Wechselgläsern, großes Sichtfeld, viele Farben | Ohne Anti-Beschlag-Beschichtung, schwere Brille |
| Banglong Fahrradbrille | Großes Sichtfeld, viele Farben, weiche Nasenpolster, polarisierte Gläser | Nur drei Wechselgläser, ohne Anti-Beschlag-Beschichtung |
| Rockbros Fahrradbrille | Set mit fünf Wechselgläsern, abnehmbare Bügel, weiche Nasenpolster | Keine polarisierenden Gläser |
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