Rennradfahren: Ellenbogenschmerzen – Ursachen und Behandlung

Dass man nach einem langen Tag im Sattel, der womöglich von kräftezehrenden Steigungen geprägt war, abgekämpft ist und sich der Körper bemerkbar macht, ist nichts ungewöhnliches. Allerdings muss man zwischen Erschöpfung, begleitet von brennenden Muskeln und hemmenden, tiefsitzenden Schmerzen unterscheiden.

Ursachen von Ellenbogenschmerzen beim Radfahren

Viele Ursachen von Schmerz und fehlendem Komfort lassen sich laut Phil Burt relativ leicht identifizieren. Burt ist ein Bike-Fitting-Spezialist und hat auch schon ein Buch (Bike Fit: Optimise Your Bike Position for High Performance and Injury Avoidance) zu diesem Thema veröffentlich. Wir hatten vor einiger Zeit die Chance, mit Phil Burt über die Symptome einer schlechten Sitzposition und die Folgen zu sprechen.

Die Rolle der Sitzposition

Eine optimale Sitzposition ergibt sich aus vielen verschiedenen, teils zusammenhängenden Faktoren. Im besten Fall geht eine schlechte Sitzposition auf Kosten des Komforts. Die aggressive, flache Sitzposition, in der die Profis pedalieren, ist nicht für jeden Fahrer geeignet.

Schmerzen im unteren Rücken

„Die Ursache für Schmerzen im unteren Rücken ist schnell gefunden - die Sattelposition. Ist der Sattel zu hoch und man muss sich beim Griff nach dem Lenker überstrecken, sind Rückenprobleme die Folge. Sind der Stack (die vertikale Länge vom Zentrum des Tretlagers bis zur Spitze des Steuerrohrs) und der Reach (die horizontale Länge vom Zentrum des Tretlagers bis zum Zentrum des Steuerrohrs) zu klein und zu kurz, sind Probleme im unteren Rücken die Folge. Bei einem zu tiefen Sattel und einer daraus resultierenden zu aufrechten Sitzposition gehen all die Erschütterungen von der Straße zudem in den Rücken.

Burt erklärt, dass der Körper Zeit braucht, um sich auf eine neue Sitzposition einzustellen. Die Trainingsbelastung sollte somit nur Schrittweise und über einen gewissen Zeitraum erhöht werden. Während dieser Zeit sollten, um Rückenproblemen vorzubeugen, auch immer wieder Stabilisierungsperioden eingebaut werden. Rückenprobleme sind ein offensichtliches Anzeichen für eine schlechte Sitzposition.

Arme, Nacken und Schultern

Es gibt auch viele Fahrer, die über Schmerzen im Bereich des Nackens oder der Schultern klagen. Stack und Reach können auch für Probleme in den Armen verantwortlich sein. Sind die Arme beim Fahren durchgestreckt, lastet zuviel Druck auf den Bizeps. Beheben lässt sich dieses Problem durch das Verkürzen des Weges zum Lenker. Sind die Ellenbogen leicht angewinkelt, hat man die Möglichkeit, seine Sitzposition zu verändern.

„Viele Leute haben Probleme in Armen und Schultern wenn sie mit dem Radsport beginnen. Der Grund dafür ist schnell gefunden. Sie wissen es nicht besser und pedalieren immer in der gleichen Sitzposition. Würden sie gelegentlich aufstehen und die Position ihrer Hände verändern, könnten sie Problemen durch Überbelastung vorbeugen. Die Arme sollten beim Radfahren nicht wehtun. Lastet all das Gewicht auf der Front, kann das schnell zu einem Taubheitsgefühl in der der Hand führen und das ist nicht ganz ungefährlich.

Taubheitsgefühl in den Händen

Wenn aufgrund eines falschen Reach oder Stack zuviel Gewicht auf der Front lastet, kann das zu einem Taubheitsgefühl in den Händen führen. „Ein zu breiter Lenker führt dazu, dass man seine Hände spreizt. Dadruch lastet sehr viel Gewicht auf den Handgelenken, was wiederum zu einem Taubheitsgefühl führen kann.

Tennisarm und Golferarm

Die Ursache des sogenannten Tennisarms (Epicondylitis) ist eine Überlastung von Muskeln und Sehnen am Unterarm. Aufgrund einer Verspannung verkürzt sich der überlastete Muskel und der Druck auf die Sehnen erhöht sich, wodurch der Sehnenansatz langfristig entzündet wird. Die Schmerzen entstehen durch kleine Risse in den Sehnen, welche die Muskeln mit dem Knochen verbinden. Gefährlich sind nicht kurze, kraftvolle Bewegungen, sondern häufig wiederkehrende, gleichförmige. Bezeichnungen für dieses Krankheitsbild gibt es einige: Wenn der Schmerz an der äußeren Seite des Ellbogenknochens liegt, ist der gängige Name Tennis- oder Mausarm, bei der inneren Seite ist vom Golferarm (weniger häufig anzutreffen) die Rede.

"Der Tennisarm ist eine der häufigsten Erkrankungen in der Orthopädie. Entgegen vieler Annahmen sind nicht ausschließlich Tennisspieler von einem Tennisarm betroffen. Grundsätzlich kann die Erkrankung nach jeder alltäglichen Beschäftigung auftreten, die den Arm einseitig belastet.

Die Epicondylitis ist eine Entzündung der Sehnen, die an den knöchernen Höckern auf der äußeren (lateralen) oder inneren (medialen) Seite des Ellenbogens ansetzen. Die Epicondylitis ist eine entzündliche und/oder degenerative Veränderung des umliegenden Gewebes eines Knochenvorsprungs (Epicondylus) am Ellenbogengelenk. Hierbei kommt es im Ansatzbereich der Muskulatur zur Bildung von entzündlichem Narben- und Granulationsgewebe.

Ellenbogenschleimbeutelentzündung

Ellenbogenschleimbeutelentzündung (Bursitis olecrani, Studentenellenbogen): Entzündung des Schleimbeutels an der vom Ellenhaken gebildeten Ellenbogenspitze, die sich vor allem mit starken Schmerzen und einer bis zu hühnereigroßen Schwellung bemerkbar macht. In den meisten Fällen ist eine Überlastung des Ellenbogens die Ursache (z. B. durch langes Aufstützen bei der Schreibtischarbeit), manchmal führen auch Erkrankungen wie Gicht oder Arthritis dazu. In seltenen Fällen kommt es durch offene Verletzungen oder Eingriffe am Ellenbogen zu einer bakteriellen (septischen) Entzündung des dortigen Schleimbeutels.

An verschiedenen Stellen des Körpers liegen Schleimbeutel (Bursae) liegen zwischen Knochenvorsprüngen und Haut und dienen dort als Stoßdämpfer. Einer dieser Schleimbeutel befindet sich direkt an der Ellenbogenspitze. Wird er z. B. bei ständigem Aufstützen auf den Ellenbogen überbeansprucht (Studentenellenbogen), bei einem Sturz verletzt oder durch Harnsäurekristalle bei Gicht gereizt, kann er sich entzünden. Es entsteht eine nicht-eitrige oder aspetische Schleimbeutelentzündung. Die Schleimhaut, die den Ellenbogenschleimbeutel auskleidet, produziert dann vermehrt Flüssigkeit, der Beutel schwillt an und verursacht dadurch Schmerzen. Selten dringen über offene Wunden Staphylokokken oder andere Bakterien in den Schleimbeutel ein und führen dort zu einer hoch schmerzhaften, eitrigen Infektion.

Die körperliche Untersuchung zeigt eine deutliche Schwellung am Ellenbogen mit Druckschmerz und eventuell Überwärmung.

Behandlung und Vorbeugung

Je nach Arzt, Schweregrad der Erkrankung und auch Wünschen des Patienten steht eine breite Palette an Behandlungsmöglichkeiten zur Therapie des Tennisarmes zur Verfügung. Bevor eine erfolgreiche Behandlung stattfinden kann, muss die eigentliche Ursache der Schmerzen gefunden werden.

Konservative Behandlung

Die Behandlung der Epicondylitis umfasst in der Regel eine Kombination aus Ruhe, Physiotherapie und Medikamenten, um Schmerzen und Entzündungen zu lindern. In den meisten Fällen kann die Epicondylitis konservativ mit Ruhe, Physiotherapie und Medikamenten behandelt werden.

Schmerzlinderung: Durch Einreiben mit schmerzlindernden und entzündungshemmenden Salben kannst du der chronischen Erkrankung entgegenwirken.

  • Eis- und Wärmetherapie: Eis- und Wärmetherapie kann ein wirksames Mittel sein, um Schmerzen und Entzündungen im Zusammenhang mit Epicondylitis zu behandeln. Die Eistherapie wird in der Regel zur Linderung von Schmerzen, Schwellungen und Entzündungen im Bereich des betroffenen Ellenbogens eingesetzt. Eine Wärmetherapie wird in der Regel dann eingesetzt, wenn die akute Entzündung bereits wieder abgeklungen ist. Sie kann zur Steigerung der Durchblutung des betroffenen Bereichs, zur Förderung der Heilung und zur Verbesserung der Flexibilität und Beweglichkeit beitragen. In der akuten Verletzungsphase sollte die Wärmetherapie nicht angewendet werden, da sie die Entzündung verstärken und die Heilung verzögern kann.
  • Ultraschalltherapie: Die Ultraschalltherapie ist eine Form der Physiotherapie, die bei der Behandlung von Schmerzen und Entzündungen im Zusammenhang mit Epicondylitis (Tennis- oder Golferellenbogen) eingesetzt werden kann.
  • Kräftigung und Dehnung: Kräftigung der Handextensoren und -flexoren. Vor und nach jeder Serie von Kräftigungsübungen wird empfohlen statische Dehnübungen für die Unterarmmuskulatur mit einer Dauer von 30 - 45 Sekunden durchzuführen. Zwischen den dynamischen Übungen und der Dehnung sollten jeweils 30 Sekunden liegen.

Ergonomische Anpassungen

Ergonomischer Arbeitsplatz: Mit einfachen Hilfsmitteln kann der Computerarbeitsplatz ergonomischer gestaltet werden: Z. B. mit ergonomische Mäusen, die für eine entspannte Hand- und Armhaltung sorgen. Auch v-förmige Tastaturen bringen manchmal Erleichterung.

Wer viel am Schreibtisch arbeitet, sollte sich auf jeden Fall das Abstützen auf den Ellenbogen abgewöhnen. Sie reichen vom passenden Bürostuhl, großen Gymnastikbällen oder Wackelstühlen bis zu speziellen Mauspads und Unterarmstützen, die sich am Schreibtisch befestigen lassen.

Die Masalo® Manschette

Genau das bewirkt die Masalo® Manschette. Durch das Gegenzugsystem wird der betroffene Bereich sofort und nachhaltig entlastet. Die Sehnen werden geschont, die Schmerzen gelindert und die Heilung positiv unterstützt - obwohl der Arm weiterhin eingesetzt wird. Durch die einzigartige und patentierte Konstruktion hält der Oberarmgurt bei jeder Bewegung. Ein Verrutschen des Gurtes wird durch ein zusätzliches Element mit Silikon-Noppen innen verhindert (dieses kann optional auch einfach entfernt werden). Die Zugkräfte werden durch das bewährte Gegenzug-Prinzip reduziert oder gänzlich gestoppt, der betroffene Bereich wird entlastet.

Weitere Behandlungsmethoden

Den betroffenen Ellenbogen zu schonen, ist die erste, manchmal auch einzig erforderliche Behandlungsmaßnahme. Zur Unterstützung der Ausheilung verordnet die Ärzt*in entzündungshemmende Medikamente (NSAR) wie Diclofenac (z. B. Voltaren® oder Diclac®) oder Ibuprofen (z. B. Dolgit® oder Ibuprofen AbZ) in Salben- oder Tablettenform. Reichen diese Behandlungsmaßnahmen nicht aus, entschließen sich manche Ärzt*innen dazu, den Schleimbeutel anzustechen und mit einer Spritze Flüssigkeit abzuziehen. Zusätzliches Einspritzen von Kortisonpräparaten hilft, die Entzündung einzudämmen und ein rasches Nachlaufen des Schleimbeutelinhalts zu verhindern.

Operative Eingriffe

Tritt bei einer eitrigen Schleimbeutelentzündung innerhalb von 2 bis 3 Monaten trotz Antibiotika und Eiterdrainage keine Besserung ein, muss der Schleimbeutel operativ entfernt werden (Bursektomie). Das gleiche gilt für schwere chronische aseptische Ellenbogenschleimbeutelentzündungen, die auf konservative Maßnahmen keine Besserung zeigen.

Prävention

  • Sportartspezifische Protektoren: Sportarten wie z. B. Skateboard-Fahren, Mountainbiken, Motocross aber auch Ski- und Snowboardfahren bringen ein hohes Verletzungsrisiko für die Ellenbogen mit sich.
  • Technikverbesserung: Verbesserung der sportlichen Technik kann langfristig das Wiederauftreten von epicondylären Beschwerden verhindern. Bei Rückschlagsportarten oder anderen sportlichen Tätigkeiten mit einem Schläger ist die Anpassung des Schlägergewichtes notwendig.
  • Trainingsintensität: Trainingsintensität sowohl während der Trainingseinheit als auch in der Mesoplanung langsam und kontinuierlich steigern.

Werden die Auslöser abgestellt, heilen aseptische Ellenbogenschleimbeutelentzündungen bei ausreichender Schonung meist gut aus. Das Gleiche gilt bei rechtzeitiger Säuberung und Wundversorgung auch für frische Verletzungen im Bereich des Schleimbeutels.

Wenn alle Versuche der Selbstheilung erfolglos bleiben, führt kein Weg am Arztbesuch vorbei. Nach einer längeren Verletzungspause ist beim Wiedereinstieg in den Sport Vorsicht geboten. Vor allem wenn die Verletzung vom Tennisspielen ausgelöst wurde, sollte so lang wie möglich darauf verzichtet werden.

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