Rennradfahren erfreut sich bei Frauen wachsender Beliebtheit. Um die eigenen sportlichen Ziele zu erreichen, ist ein effizientes und verantwortungsbewusstes Training auf dem Fahrrad essenziell. Doch es gibt einige Herausforderungen, die speziell für Frauen beim Rennradfahren auftreten können. Dieser Artikel gibt Tipps und Ratschläge, um diese Herausforderungen zu meistern und das Rennradfahren noch angenehmer zu gestalten.
Die richtige Ausrüstung für Frauen
Das passende Rennrad
Männer und Frauen sind unterschiedlich gebaut. Auch bei Rennrädern findet man daher sowohl Herren-Modelle als auch welche für Damen. Allerdings braucht nicht jede Frau ein spezielles Damen-Rennrad, weswegen es wichtig ist, dass man sich gut ausmessen lässt. Die richtige Einstellung ist nämlich mindestens so wichtig wie die richtige Rahmengröße.
Einige Hersteller bieten nach wie vor frauenspezifische Räder an. Nachdem es vor einigen Jahren ausschließliche Frauen-Rahmen gab, geht der Trend mittlerweile wieder zu Unisex-Rahmen, die individuell auf den/die Fahrerin angepasst werden. Wichtiger als die Bezeichnung “Frauenrennrad” ist unserer Meinung nach, dass das Rad gut passt.
Fahrradbekleidung
Ein wichtiger Teil der Rennradwelt: die schicke Fahrrad-Bekleidung. Es gibt mittlerweile auch genügend Marken, die mehr auf Stil und schöne Looks achten, wenn sie ihre Fahrradbekleidung entwerfen. Die Fahrradhose kann man sich auch erst mal von einem Freund oder einer Bekannten leihen, damit man merkt, was sich bequem anfühlt und was nicht. Entscheidend für eine gute Radhose ist die Polsterung. Diese sollte auch bei langen Fahrten funktionieren und speziell für Frauen geschnitten sein. Die meisten Rennradhosen, ob lang, kurz oder ¾ haben ein Sitzpolster.
Immer wieder sieht sie, dass Frauen unter ihren Radhosen Unterwäsche tragen. "Die schicke ich direkt wieder in die Umkleidekabine." Unterwäsche erhöht die Druck- und Reibungsgefahr zusätzlich - und ist quasi ein Garant für Sitzprobleme.
Der richtige Sattel
Für den Allerwertesten und seine Umgebung ist Radfahren selten ein Vergnügen: Auf wenigen Quadratzentimetern des Körpers lastet ein Großteil seines Gewichts. Druck herrscht dort, wo niemand gern Druck verspürt. Und Reibung am Sattel lässt die Haut an besonders sensiblen Stellen leiden.
"So ein Fahrradsattel hat für die weibliche Anatomie eine denkbar unglückliche Form: Die Sattelnase übt Druck aufs Weichgewebe aus, also Schamlippen und Klitoris." Wer sich in diesem sensiblen Bereich wundfahre, so Thomas-Neue, habe nicht nur Schmerzen beim Fahren, "sondern auch lange danach".
Problematisch seien zudem Druckstellen an den Schambeinkufen. Diese bilden im Frauenbecken einen größeren Winkel als bei Männern. Dadurch liegt der Schambeinbogen tiefer, wodurch die Weichteile mit großer Wahrscheinlichkeit Quetschungen ausgesetzt sind. "Legen Frauen mehr als 8.000 Kilometer im Jahr zurück, können hartnäckige, irreversible Schwellungen seitlich der Vulva am Übergang zum Bein entstehen", sagt Britta Thomas-Neue.
Um dem Druck im Genitalbereich auszuweichen, finden viele Frauen eine eigene Lösung, weiß Bikefitterin Britta Thomas-Neue: "Sie rutschen auf dem Sattel ganz weit nach hinten und kippen ihr Becken, als würden sie auf einem Stuhl sitzen." Diese Sitzposition sei zwar schonender für die Weichteile, "ist allerdings alles andere als optimal, wenn man Leistung auf die Straße bringen möchte".
Etliche Radsportlerinnen kommen mit V-förmigen Sätteln gut zurecht, die eine geteilte Sitzfläche oder eine Aussparung haben, ergaben Ergonomie-Studien mit Vielfahrerinnen. Druckmessungen belegen, dass so eine Sattelform das Weichteilgewebe schont und die Belastung dann eher auf den knöchernen Strukturen liegt. "Doch den einen Sattel für Frauen gibt es nicht", sagt Thomas-Neue.
Statt auf das Marketing von Herstellern hereinzufallen oder sich lediglich auf den Abstand der Sitzbeinhöcker zu berufen, den viele Händler beim Sattelverkauf immer noch als einzige Größe heranziehen, sollten sich Frauen zusätzlich fragen: "Wie sehe ich untenherum aus und welcher Sattel könnte dazu passen?" Anders gefragt: Bin ich ein "Innie" oder ein "Outie"?
Für Outies eignen sich Studien zufolge breitere Sättel mit Druckreduzierung in der Mitte, Innies können schmalere Sättel mit abgerundeten Kanten fahren.
Weitere Ausrüstungstipps
- Klickpedale: Klickpedale können einem erst einmal gehörig Angst machen, aber einmal ausprobiert sind sie kein unüberwindbares Hindernis mehr. Außerdem gewöhnt man sich so schnell an die Pedale, dass man nach wenigen Fahrten ganz von selbst ein- und ausklickt. Das Ein- und Ausklicken kannst du auch erst mal ein wenig üben, bevor du tatsächlich fahren gehst.
- Fahrradhelm: Fahrradhelme gibt es in verschiedenen Sorten und Größen, also auch in einer Version, die dir gut steht. Und auch ein Pferdeschwanz lässt sich mit einem Helm kombinieren.
- Fahrradtrikot: Das Nützliche an Fahrradtrikots ist, dass häufig auf der Rückseite Taschen zu finden sind. Darin kann man ganz schön viel mitnehmen. Zunächst natürlich dein Smartphone. Daneben solltest du auch deinen Perso, Krankenkarte, EC-Karte oder Bargeld mitnehmen.
Gesundheitliche Aspekte beim Rennradfahren
Sitzbeschwerden und Hautprobleme
"Fast alle Frauen, die zu uns kommen, haben Sitzbeschwerden", sagt Britta Thomas-Neue, Bikefitterin aus Bensheim. "Männer gut aufs Rad zu setzen, ist für uns Fitter einfacher", sagt die Expertin, die selbst seit ihrer Jugend Rad fährt. "Hoden und Penis lassen sich verschieben, wenn es irgendwo drückt. Bei Frauen aber verschiebt sich gar nichts." Schmerzen, Entzündungen, Taubheitsgefühle und Funktionsstörungen beim Sex und Wasserlassen sind die Folge.
"Für sie ist die Reibung problematisch", sagt Prof. Dr. Swen Malte John, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für interdisziplinäre Dermatologische Prävention und Rehabilitation an der Universität Osnabrück. "Meist beginnen die Beschwerden mit Wundsein." Dringen dann Bakterien in die Haut ein, kommt es zu Haarbalgentzündungen, aus denen sich bis zu zwei Zentimeter große Abszesse entwickeln können. "Die sind sehr schmerzhaft und gehören in ärztliche Behandlung", so John. Wundgeriebene Haut ist auch für (Hefe-)Pilze eine Eintrittspforte: "Diese fühlen sich im feucht-warmen Klima einer Radhose besonders wohl", so John.
Nicht selten fangen sich Frauen beim Radfahren auch Harnwegsinfekte ein. "Das Sitzen auf dem Sattel massiert die eigenen Darmkeime regelrecht in die Harnröhre", erklärt der Arzt. Frauen, die wissen, dass sie empfindlich sind, sollten viel trinken, um die Blase öfter durchzuspülen, so John.
Hautverletzungen, Schmerzen, neurologische Störungen - dass Rad fahrende Frauen mindestens genauso oft Sitzprobleme haben wie Männer, haben Studien längst bewiesen. Bis zu 40 Prozent des Körpergewichts lasten beim Fahren auf ihrem Genitalbereich.
Tipps zur Vorbeugung von Beschwerden
- Sitzcreme: Wer seine Sitzprobleme lösen will, stößt früher oder später auch auf Sitzcremes. Die schützen vor Reibung und beugen Hautreizungen vor. Sie funktionieren aber nur, wenn sie großzügig zum Einsatz kommen. Sitzcreme gehört auf die Haut und auf das Polster - und zwar so dick, dass sie nicht darin verschwindet.
- Hautpflege: Nur wer zu trockener Haut neige, sollte lieber ein Produkt ohne Zink verwenden, rät dagegen Dr. Maja Heinrigs. Die Münchner Gynäkologin, die selbst viel Rennrad fährt, plädiert für fettreiche Cremes mit möglichst wenigen Zusatzstoffen. Wichtiger sei, ein Austrocknen der sensiblen Vulva-Haut zu verhindern und sie etwa mit Mandelöl zu pflegen.
- Rasur: Ein Trend, den alle drei Experten kritisch sehen, ist das Rasieren der Schamhaare. Das mag ästhetisch sein, ist aus dermatologischer Sicht beim Radfahren aber nicht von Vorteil, im Gegenteil: "Rasieren verursacht kleinste Hautverletzungen, die Bakterien und Pilze eindringen lassen", so Dermatologe John. "Es steigert das Risiko von Abszessen und Pilzinfektionen."
Der weibliche Zyklus und seine Auswirkungen
Jeden Monat vollbringt der Körper einer Frau einen echten Kraftakt. Dieser Kraftakt hat natürlich auch Auswirkungen auf die körperliche Leistungsfähigkeit. Während es bei Männern einfach auf die Tagesform ankommt, kann es bei Frauen sogar auf die Zyklusphase ankommen, wie fit sie an einem bestimmten Tag sind. Eine Studie zeigte, dass mehr als 40 % der untersuchten Athletinnen dadurch in ihrer Performance beeinträchtigt wurden.
Fahrtechnik und Training
Tipps für Anfängerinnen
- Route wählen: Suche für deine erste Fahrradtour eine schöne Runde heraus. Am besten eine einfache Route mit ruhigen Fahrradwegen und wenig Steigung.
- Reifendruck: Der richtige Reifendruck ist eine sehr technische Frage, aber eigentlich muss man sich nur merken, dass man den Reifendruck vor der Fahrt prüfen und zumindest den minimalen Reifendruck wahren sollte. Die meisten Rennradreifen sollten auf 10 % deines Körpergewichts aufgepumpt werden.
- Essen und Trinken: Besonders während der ersten Fahrten ist es wichtig, um genügend zu essen und zu trinken. Am besten isst man immer wieder mal einen Happen, damit man sich ständig mit Kohlenhydraten versorgt. Zudem sollte man pro Stunde ungefähr einen halben Liter Wasser trinken.
- Entspannung: Probiere deine Schultern zu entspannen, den Lenker nicht zu fest zu umklammern und deine Arme nicht durchgestreckt zu lassen. Deine Bauchmuskeln hingegen dürfen ruhig ihr bestes geben, damit dein Rücken nicht alles Tragen muss.
- Herunterschalten: Wenn du einer roten Ampel entgegenkommst, solltest du nicht vergessen herunterzuschalten.
- Langsam herantasten: Taste dich ruhig langsam an das Fahren heran. Fahr also nicht gleich in einer Woche jeden Tag 60 Kilometer oder mehr, sondern nimm dir nach einer anstrengenden Fahrt erst mal einen Ruhetag oder zwei. Fang vielleicht mit einer Runde von 20 oder 30 Kilometern an und fahre jedes Mal etwas weiter.
Fortgeschrittene Tipps
- Kurvenfahren: Gerade und schnell durch die Kurven zu fahren, ist am Anfang noch etwas schwer und vielleicht auch ein wenig beängstigend. Aber mit ein wenig Übung bekommt man schnell ein Gefühl für Kurven und lernt auch seinem Fahrrad stärker vertrauen. Halte immer den Fuß an der Kurveninnenseite oben, damit der Abstand der Pedale zum Boden so groß wie möglich ist.
- Kadenz: Viele Anfänger haben die Neigung, einen zu hohen Gang zu fahren. Am Anfang fühlt es sich einfacher an, mit langsameren Bewegungen die gleiche Geschwindigkeit zu erriechen, aber besonders als Anfänger kann man diesen Fahrstil nicht lange mitmachen. Probiere darum, mit einem hohen Tempo zu treten (Hoch: 1,5 bis 2 Pedalumdrehungen pro Sekunde).
- Wartung: Dein Rennrad war oder wird vermutlich eine relativ teure Anschaffung und von der willst du auch lange etwas haben. Ab und zu ein wenig sauber machen und einfetten lässt dein Fahrrad nicht nur besser aussehen, sondern lässt es dich auch länger fahren.
Trainingspläne und Wettkämpfe
Allein oder in der Gruppe, sportlich in der Freizeit oder extrem, um bis an die eigenen Grenzen zu gehen: Rennradfahren gewinnt unter Frauen immer mehr an Beliebtheit. Um die eigenen sportlichen Ziele zu erreichen, ist ein effizientes und verantwortungsbewusstes Training auf dem Fahrrad essenziell. Angélique Dupré führt Sie in 12 Wochen zur Bestform auf dem Rad. Von der Auswahl des passenden Equipments über die richtige Körperhaltung bis hin zur gesunden Ernährung gibt Ihnen dieser Ratgeber alles an die Hand, was Sie brauchen, um im Training wirklich voranzukommen.
Wenn du dich mit deinem Rad vertraut gemacht hast, kann die nächste große Herausforderung ein Radrennen sein! Ein richtiges Rennen? Ja, ein richtige Rennen! Jedermannradrennen gibt es beispielsweise in Hamburg, Berlin, Köln oder auch Münster.
Umgang mit Herausforderungen
Leider ist mir das schön öfter aufgefallen: Zwei Räder, identische Komponenten, unterschiedliche Farbe, eins davon für Männer, eins davon für Frauen - da ist dann meistens das Frauenrad nochmal etwas teurer als das Männerrad. Fürs gleiche Geld gibt es also oft weniger Rad für Frauen. Deswegen mein Tipp: Beschäftigt Euch mit den technischen Details, vergleicht und lasst Euch keinen teuren Schrott andrehen - sondern belohnt Hersteller, die ihre Preise ganz unabhängig vom Geschlecht fair gestalten.
Jeden Monat vollbringt der Körper einer Frau einen echten Kraftakt. In der Erwartung, dass man ja jederzeit Nachwuchs produzieren können sollte, stellt sich der Körper alle ca. Dieser Kraftakt hat natürlich auch Auswirkungen auf die körperliche Leistungsfähigkeit. Während es bei Männern einfach auf die Tagesform ankommt, kann es bei Frauen sogar auf die Zyklusphase ankommen, wie fit sie an einem bestimmten Tag sind. Natürlich wirkt sich das von Frau zu Frau unterschiedlich aus, die eine reagiert mehr darauf und die andere weniger.
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