Schmale Reifen, gekrümmter Lenker, leichter Rahmen und Kettenschaltung sind typische Merkmale von Rennrädern. Ihnen fehlen oft Schutzbleche, Beleuchtung und Gepäckträger. Rennräder sind abgespeckte, leichte und wendige Sportgeräte, die Fahrradästheten immer wieder in ihren Bann ziehen. Doch Sporträder, egal ob Rennrad oder Mountainbike, können im Alltag einen zweiten Frühling erleben.
Die Basis: Vom sportlichen Renner zum vielseitigen Alltagsrad
Die Brücke zum Alltag schlagen eher Einstiegsräder, die die Hersteller teils als Allrounder führen. Sie haben gemäßigtere Rahmengeometrien, auf denen Radler weniger gebückt sitzen als auf den vorgenannten. Sie eignen sich für die Feierabendrunde oder den Einstieg in den Rennradsport.
Wer ein vielseitiges, sportliches Fahrrad sucht, das einen auch gut durch den Alltag bringt, landet heutzutage schnell beim Gravelbike. Einige Hersteller bieten die Allroundtalente serienmäßig mit Licht, Schutzblechen und Gepäckträger an. Schnell, praktisch und verkehrssicher aufgerüstet, sind diese Gravelbikes mit Vollausstattung die idealen Alltagsbegleiter - egal ob bei schlechtem Wetter oder in der Stadt.
Gravelbikes als ideale Basis für Commuter Bikes
Die Gravelbikes entpuppen sich dabei als ideale Basis für ein verkehrssicheres Allwetter-Rennrad. Von der robusten Konstruktion, dem sicheren Fahrverhalten und der meist komfortablen Sitzposition profitieren Radler auch auf ihren täglichen Wegen durch den Großstadtdschungel. Die breiteren Reifen sind ein nicht zu unterschätzendes Sicherheitsplus, denn sie stecken nicht nur Bordsteine und Schlaglöcher besser weg. Sie sind wegen des geringeren Luftdrucks auch weniger pannenanfällig als typische Rennradreifen.
Die Umrüstung: Was ist zu beachten?
„Wer sein Sportgerät im Alltag einsetzen will, muss es zunächst verkehrssicher machen", sagt René Filippek vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). Dazu braucht es die gesetzlich vorgeschriebene Beleuchtung.
Gunnar Fehlau vom Pressedienst Fahrrad empfiehlt allerdings eine fest installierte Beleuchtung mit Nabendynamo. Das sei in vieler Hinsicht praktischer. Allerdings brauche man dann ein neues Vorderrad. "Einfache Varianten gibt es für 100 Euro, ein gutes Laufrad mit Nabendynamo kostet ab 300 Euro", sagt Fehlau. Vernünftige Akkuleuchten mit Prüfzeichen liegen demgegenüber bei rund 80 Euro.
Auch an Rückstrahlern vorne und hinten, an den Pedalen und an den Rädern kommt man offiziell nicht vorbei. Wobei letztere bei Reifen mit Reflektorstreifen auf der Flanke nicht notwendig sind.
Schutzbleche schreibt der Gesetzgeber bei Fahrrädern zwar nicht vor, sie sind aber sinnvoll - gerade bei Regen. Fehlau rät zu fest installierten, vollwertigen Schutzblechen statt Steckschutzblechen, wenn es dafür Befestigungsmöglichkeiten an Rahmen und Gabel gibt.
Reifenwahl für mehr Komfort und Sicherheit
Die Reifen fallen meist etwas schmaler aus als beim klassischen Gravelbike (30-38 Millimeter), damit noch feste Schutzbleche in die Rahmen passen. Das Rad wird dadurch etwas straßenlastiger und weniger geländetauglich, auch das Profil der Reifen ist in der Regel nur schwach ausgeprägt. Aufgrund der schmalen Reifen wird das Fahrverhalten des Commuter Bikes etwas wendiger und ist näher am Rennrad.
Gegenüber schmalen Rennradreifen, die mit sehr hohem Druck gefahren werden, haben Straßenreifen auch deutliche Komfort-Vorteile. Ihre Breite ist jedoch durch Rahmen und Gabel begrenzt. "Mehr als 28 Millimeter passen da in der Regel einfach nicht durch", sagt Filippek. "Rennradfahrer müssen einfach etwas härter im Nehmen sein."
Commuter Bikes: Sorglos-Pakete dank abgestimmtem Zubehör
Geprägt wird die Kategorie der Commuter Bikes vom umfangreichen, serienmäßig montierten Zubehör. Denn es macht die Pendler- und Schlechtwetter-Fahrräder zu wahren Sorglos-Paketen:
- Fest montierte Schutzbleche halten nicht nur den Fahrer trocken und sauber, sondern schützen auch Antrieb und Bremsen vor Spritzwasser von den Reifen.
- Die Beleuchtung funktioniert im Idealfall mit einem Nabendynamo, so muss man sich nicht um die Batterien kümmern.
- Ein guter Gepäckträger muss keine hohe Traglast haben, das macht die Modelle nur unnötig schwer.
Passive Beleuchtung muss man meist nachrüsten. Statt klassischer Speichenstrahler empfehlen sich reflektierende Röhrchen, die man auf die Speichen klippt, und/oder Reifen mit einer reflektierenden Flanke. Auch Aufkleber aus Reflexfolie auf Rahmen oder Felgen erhöhen die Sichtbarkeit bei schlechten Verhältnissen.
Alltags-Rennräder im Test: Drei Beispiele
Drei aktuelle Beispiele solcher Räder haben wir uns genauer angeschaut - mehr waren in der aktuellen Situation nicht lieferbar. Ebenfalls eingeladene Marken wie Bergamont, BMC, Bulls, KTM oder Scott mussten wegen anhaltender Lieferprobleme absagen.
Die Alltags-Rennräder im TOUR-Test:
Cube Nuroad Race FE
Preis: 1.749 Euro Gewicht Komplettrad: 11,4 Kilo (Größe 56)
- + viel Zubehör, gutes Frontlicht, stabiler Seitenständer
- - Schutzbleche für die breiten Reifen etwas zu schmal
Von unseren drei Testkandidaten ist das Cube das preisgünstigste, besitzt auf dem Papier aber dennoch die umfangreichste Ausstattung. Sogar ein stabiler Seitenständer und eine hochwertige, elegante Klingel sind an dem Rad montiert.
Rose Backroad GRX 810 Randonneur
Preis: 3.299 Euro Gewicht Komplettrad: 10,8 Kilo (in Größe 57)
- + guter Komfort, bequeme Kontaktpunkte, relativ leicht, durchweg hochwertig ausgestattet
- - relativ teuer
Die stabilen und breiten Schutzbleche bieten besten Schutz - auch, weil Rose auf breite Gravelbereifung verzichtet. Die 35 Millimeter dicken Straßenpneus sind im Stadtverkehr breit genug, zudem läuft das Rad schneller.
Stevens Supreme Pro
Preis: 1.899 Euro Gewicht Komplettrad: 11,6 Kilo (in Größe 56)
- + hochwertige Lichtanlage, Reflexstreifen, Tubeless-Reifen
- - schweres Rahmen-Set, kein Gepäckträger
Die Schutzbleche sind hier, anders als am Cube, deutlich breiter und länger und decken die breiten Reifen gut ab. Einen sehr stabilen Eindruck machen sie jedoch nicht.
Die Top-10-Tipps zum Pendeln mit dem Rennrad
- Vorbereitung ist alles! Am Abend vorher die Rad-Klamotten (mit Blick auf den Wetterbericht) rauslegen und das Rad checken (Luftdruck etc.).
- Die richtige Bekleidung. Extrem praktisch zum Pendeln sind kurze, etwas dickere Bibshorts.
- Wechsel-Klamotten deponieren. Am besten gleich mehrere Sets von Wechselklamotten inklusive Jacke und Straßenschuhe am Arbeitsplatz (Spind) deponieren, wenn möglich.
- Die perfekte Route finden. Der Schlüssel für ein entspanntes Pendeln zur Arbeit ist eine gute, möglichst verkehrsarme Strecke.
- Verabreden. Vielleicht gibt es ja Freunde/Nachbarn/Bekannte, die einen ähnlichen Arbeitsweg haben.
- Vorteile bewusst machen. Mit dem Rad entspannt am Stau vorbei.
- Keine Chance dem inneren Schweinehund. Einmal ganz bewusst bei echtem Sch***wetter losfahren.
- Fitness steigt, Pfunde purzeln. Der Schlüssel zur guten Form ist regelmäßiges Training.
- Frischer und gesünder. Bewegung an der frischen Luft bringt den Kreislauf in Schwung, so startet man viel aktiver und leistungsfähiger in den Arbeitstag.
- Pendelverkehr. Ist der Arbeitsweg zu lang, um Morgens UND Abends zu fahren, dann fährt man an einem Tag mit dem Auto hin und dem Rad zurück, am nächsten Morgen dann wieder mit dem Rad und dem Auto zurück - und so weiter.
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