Rennrad Handschuhe Test Vergleich

Das Wetter im ausgehenden Winter und ins beginnende Frühjahr hinein ist vor allem unbeständig und unberechenbar; ähnliches gilt für den Herbst und milde Wintertage. Sonne, Wolken, Wind und Regen wechseln wild, und die Temperaturen pendeln zwischen kühlen fünf oder milden fünfzehn Grad.

Entsprechend anspruchsvoll ist die Aufgabe für lange Rennrad-Handschuhe unter schnell wechselnden und sehr unterschiedlichen Bedingungen. Selbst während ein und derselben Trainingsrunde kann ein Handschuh zu warm oder zu kalt sein und die Hände lange genug oder zu kurz vor Regenschauern schützen.

Wichtige Eigenschaften von Rennrad-Handschuhen

Wind- und Wasserschutz geht vor IsolationBewährt haben sich Handschuhe in Laminat-Bauweise: An Hand- und Fingerrücken liegt eine dampfdurchlässige Membran unter einer dauerhaft wasserabweisend beschichteten Außenhaut. Eine zusätzliche Lage isolierenden Materials braucht es bei Temperaturen um die zehn Grad nicht zwingend, solange der Schutz vor Wind und Wasser effektiv funktioniert.

Für Temperaturen um den Gefrierpunkt und drunter braucht man spezielle Winter-Handschuhe. Einen Test von zwölf Rennrad-Handschuhen für Winterfahrten finden Sie hier. die Sichtbarkeit.

Touchscreen-Kompatibilität

Ausziehen | Damit man mit angezogenen Handschuhen wenigstens die Grundfunktionen im Display von GPS-Gerät oder Handy bedienen kann, muss das isolierende Funktionsmaterial des Handschuhs leitend gemacht werden. Dazu wird der Stoff mit einem stromleitenden Faden versehen, wie beispielsweise Silbergarn. Die meisten Herstellern statten Daumen und Zeigefinger beider Handschuhe auf diese Weise aus.

Die Displays der meisten aktuellen Smartphones sind als kapazitive Touchscreens ausgeführt, sogenannte resistive Touchscreens findet man inzwischen seltener und überwiegend bei älteren GPS- oder Navigationsgeräten. Kapazitive Displays sind berührungsempfindlich und erlauben komplexere Mehrfinger-Gesten.

Äußerlich erkennbare Merkmale dafür, wie sensibel die Touchfunktion bei einem Rennrad-Handschuh funktioniert, gibt es kaum; verzichten würden wir auf dieses Feature dennoch nicht mehr, denn es ist ausgesprochen lästig, wenn man jedesmal die Handschuhe ausziehen muss, um den GPS-Computer zu bedienen, ans Telefon zu gehen oder ein schnelles Handy-Foto zu schießen.

Das Tippen und Wischen auf den Touchscreens der GPS-Computer und Smartphones funktionierte unterschiedlich gut, groß sind die Unterschiede jedoch nicht. Ob man auf einer digitalen Tastatur Texte tippen kann, hängt eher vom Schnitt und Volumen der Handschuhfinger ab als von der Leitfähigkeit der textilen Tipp-Fläche.

Wirklich wichtig ist beim Handschuh aber der Tragekomfort und der Schutz vor Kälte, Wind und Regen.

Innenhand-Design und Polsterung

Sehr unterschiedlich gestalten die Hersteller die Innenhände ihrer Handschuhe. Die einen favorisieren einfaches, flexibles Material, während andere robustes, angerautes Lederimitat verwenden und an Handballen oder Handteller Gelpolster anbringen, um Nervenstränge zu entlasten und beispielsweise taube Finger zu verhindern.

Ob die verschiedenen Polsterungen sinnvoll sind und wie sie wirken, ist eine ähnlich individuelle Frage wie beim Sitzpolster der Radhose. Zumal die Unterschiede so groß sind wie die Bandbreite persönlicher Vorlieben.

Passform und Komfort

Wie bei den meisten anderen Bekleidungsstücken auch, lässt sich die Passform eines Handschuhs nicht streng benoten - Hände sind zu unterschiedlich. Ein paar allgemeingültige Regeln, anhand derer man die Handschuhe einordnen kann, lassen sich aber formulieren: So verhindert steifes Material an der Innenhand, dass man seine Hände geschmeidig um den Lenker legen kann.

Dicke Polster wiederum, besonders an der Innenhand beziehungsweise an den Fingerwurzeln, machen den Griff indirekt oder gar schwammig. Nähte zwischen den Fingern und über oder um die Fingerkuppen herum können einengen oder drücken, besonders wenn sie wulstig sind.

Zu dickes und unflexibles Material am Handrücken erfordert eine ständige, minimale Kraftanstrengung, um die Hand um den Lenker zu schließen, was auf Dauer ermüden kann. Angenehm hingegen ist ein langer, weicher Bund, der verhindert, dass Zugluft in die Jackenärmel kriecht.

Je elastischer der Bund, desto leichter lassen sich die Handschuhe an- und ausziehen. Klettriemen sind dann praktisch, wenn sie sich auch mit Handschuh leicht greifen lassen und der Bund sich in der Weite großzügig anpassen lässt.

Testverfahren für Rennrad-Handschuhe

Ein Dutzend Hersteller sind unserer Testeinladung gefolgt und haben jeweils zwei Paare unterschiedlicher Größe eingesandt. Das günstigste Modell zum Preis von 27 Euro der deutschen Marke Kinetixx war gleichzeitig auch das leichteste und dünnste im Testfeld. Der teuerste ist mit 70 Euro der Softshell-Handschuh der italienischen Marke Castelli. Das flauschige Strickmodell mit Membran von Q36,5 für 60 Euro, ebenfalls aus Italien, gefiel allen Testern auf Anhieb wegen seines hohen Tragekomforts schon bei der ersten Anprobe.

Getestet haben wir alle zwölf Handschuhe in den Kategorien Wetterschutz, Tragekomfort, Handhabung und Verarbeitung. Dafür musste jeweils ein Paar von jedem Hersteller fünf Waschgänge als Teil unseres Teststandards überstehen.

Waschen, Spülen und Schleudern fördert relativ deutliche Hinweise zur Produkt- und Verarbeitungsqualität zutage, beispielsweise lose Fäden, schrumpelndes Reflexmaterial oder die Farbechtheit des Materials.

Nach dem Waschen zeigt sich auch, wie haltbar die Imprägnierung ist; der anschließende Spraytest zeigt, ob Regen noch abperlt oder vom Handschuhstoff aufgesogen wird wie von einem Schwamm. Zwei Drittel der Handschuhe im Test zeigten hierbei erkennbare Schwächen; manche Modelle sind trotz anderslautender Deklaration nur für trockenes Wetter geeignet.

Testkriterien

  • Wetterschutz (30 %): Winddicht sind alle Handschuhe, Unterschiede gibt es bei der Fläche, die der Handschuh bedeckt.
  • Tragekomfort (30 %): Handschuhe mit hohem Tragekomfort sollten so flexibel wie möglich sein, innen bei jeder Bewegung genügend Spielraum lassen und keinerlei Druckstellen an den Fingerkuppen oder -wurzeln verursachen.
  • Handling und Touch-Funktion (30 %): Beim Handling haben wir ausprobiert, wie sich die Handschuhe an- und ausziehen lassen.

Testergebnisse im Überblick

Im Folgenden werden einige der getesteten Rennrad-Handschuhe und ihre jeweiligen Vor- und Nachteile kurz zusammengefasst:

Alé Winter Protection

Preis: 52 Euro
Produktionsland: Pakistan
Ausstattung: Reflexmaterial, Gelpolster
Größe/Gewicht (Gr. 10): XS-XL / 59 Gramm
Test-Fazit: Der Handschuh fällt relativ klein aus und fühlt sich sehr fest an; Nähte und Materialkanten sind innen spürbar; hochwertig verarbeitet, gute Touchfunktion. Nur für trockenes Wetter geeignet.

Castelli Perfetto RoS Glove

Preis: 70 Euro
Produktionsland: Vietnam
Ausstattung: Gelstreifen an Zeige- und Mittelfinger
Größe/Gewicht (Gr. 10): XS-XXL / 62 Gramm
Test-Fazit: Schmiegt sich elastisch um die Hand, die Finger sind vergleichsweise lang, dünn und flexibel; das Griffgefühl am Lenker ist leicht schwammig; guter Regenschutz; etwas träge Touchfunktion. Die geklebten Flächen lösen sich nach dem Waschen ab.

Craft All Weather Glove

Preis: 45 Euro
Produktionsland: Pakistan
Ausstattung: Reflexmaterial, Gelpolster
Größe/Gewicht (Gr. 10): XS-XL / 55 Gramm
Test-Fazit: Die Innenhand des klein ausfallenden Handschuhs ist relativ steif, An- und Ausziehen geht schwer; nach der Wäsche lose Nähte an Daumen und Bund; sehr gute Touchfunktion. Eher für trockenes Wetter geeignet.

Giant Diversion Thermo Langfinger

Preis: 50 Euro
Produktionsland: China
Ausstattung: Reflexmaterial, Klettverschluss, Gelpolster
Größe/Gewicht (Gr. 10): S-XXL / 83 Gramm
Test-Fazit: Passen gut an kräftigen Händen und Fingern; direktes Griffgefühl am Lenker, bequemer Sitz, leicht an- und auszuziehen; tadellose Touchfunktion. Die im Neuzustand gute Imprägnierung lässt nach der Wäsche deutlich nach.

Gore Wear C3 Infinium Stretch Mid Handschuhe

Preis: 55 Euro
Produktionsland: Vietnam
Ausstattung: Reflexmaterial, Gelpolster
Größe/Gewicht (Gr. 10): XS-XXXL / 61 Gramm
Test-Fazit: Normale Passform mit relativ langen Fingern, die an der Fingerwurzel eng anliegen; deutlich spürbare Naht am Daumen; guter Grip am Lenker, Touchfunktion nicht immer treffsicher; top verarbeitet. Die im Neuzustand gute Imprägnierung lässt nach der Wäsche etwas nach.

GripGrab Ride Windproof Midseason Gloves

Preis: 35 Euro
Produktionsland: Pakistan
Ausstattung: Reflexmaterial, Gelpolster, Putzzone
Größe/Gewicht (Gr. 10): XS-XXL / 58 Gramm
Test-Fazit: Ein Handschuh für schlanke Finger und Hände, wegen der steifen Innenhand etwas mühsam an- und auszuziehen. Tippen mit dem Daumen ist schwierig. Nur für trockenes Wetter, auch in Neonfarben erhältlich.

Kinetixx Winntor

Preis: 25 Euro
Produktionsland: China
Ausstattung: Ausziehschlaufe
Größe/Gewicht (Gr. 10): XS-XXL / 49 Gramm
Test-Fazit: Normale Passform, sehr komfortabel an der Hand, sehr gutes Griffgefühl am Lenker, Touchfunktion sehr präzise und sensibel; separate Schlaufe erleichtert das An- und Ausziehen. Im Neuzustand gut imprägniert, nach der Wäsche saugt die Außenhaut sichtbar Wasser auf.

Pearl Izumi Cyclone Gel Glove

Preis: 45 Euro
Produktionsland: Vietnam
Ausstattung: Klettverschluss, Gelpolster, Reflexmaterial, Ausziehschlaufe
Größe/Gewicht (Gr. 10): S-XXL / 91 Gramm
Test-Fazit: Passform für schlanke Hände, die Nähte und Polster sind leicht spürbar; der unelastische Reflexstreifen drückt auf den Handrücken; gute Touchfunktion; eher für trockenes Wetter und gelegentlichen Niesel; top verarbeitet.

Q36,5 Anfibio Winter Regen Handschuhe

Preis: 60 Euro
Produktionsland: Taiwan
Ausstattung: nahtlos gestrickt
Größe/Gewicht (Gr. 10): S-XL / 59 Gramm
Test-Fazit: Sehr angenehm zu tragen, sitzt wie eine zweite Haut; Touchfunktion nur an den Zeigefingern, etwas träge; top verarbeitet; das Strickmaterial saugt relativ schnell Wasser. Entgegen der Modellbezeichnung eher für trockenes Wetter geeignet.

Roeckl Rosenheim

Preis: 60 Euro
Produktionsland: China
Ausstattung: Reflexmaterial, Klettriemen, Putzzone
Größe/Gewicht (Gr. 10): 6-12 / 92 Gramm
Test-Fazit: Vergleichsweise voluminöser Handschuh; etwas indirektes Griffgefühl am Lenker; sehr guter Nässeschutz, leicht an- und auszuziehen; top verarbeitet. Die Zonen der Touchfunktion sind etwas steif, aber sensibel.

Sportful WS Essential 2 Glove

Preis: 50 Euro
Produktionsland: China
Ausstattung: Klettriemen, Gelpolster
Größe/Gewicht (Gr. 10): XS-XXL / 81 Gramm
Test-Fazit: Schmiegt sich fest an die Hand; direktes Gefühl am Lenker, guter Grip; Touchfunktion nur am rechten Zeigefinger; angenehm langer Bund, haltbare Imprägnierung, sehr gut verarbeitet; auch als Version für Frauen erhältlich.

Ziener Cornelis Touch Long Bike Glove

Preis: 30 Euro
Produktionsland: Indonesien
Ausstattung: Klettverschluss, Reflexmaterial
Größe/Gewicht (Gr. 10): 6-11 / 54 Gramm
Test-Fazit: Sehr leicht und dünn, eher für milde Temperaturen um oder über zehn Grad geeignet; lassen sich sehr leicht an- und ausziehen, die Touchzonen funktionieren sensibel; die im Neuzustand gute Imprägnierung hält der Wäsche relativ gut stand.

Die richtige Größe finden

Ausgangspunkt zur Bestimmung von Handschuhgrößen in Europa sind alte Zoll (1 Pouce entspricht 2,7 Zentimetern) und deren Umrechnung in Zentimeter. Einem Handumfang von 27 Zentimetern entspricht also der Größe „10“. Da die Handschuhe je nach Hersteller auch noch unterschiedlich ausfallen, liefern Größentabellen wichtige Anhaltspunkte, aber keine Garantie für den passenden Handschuh.

Um den Handumfang zu ermitteln, wird ein Maßband an der breitesten Stelle der Hand locker angelegt und einmal herumgeschlungen, der Daumen bleibt außen vor.

Weitere Aspekte beim Kauf von Radhandschuhen

Radhandschuhe sorgen zunächst einmal für mehr Komfort, mit mehr oder weniger dickem Polster. Für manche sind sie gar der Schlüssel für beschwerdefreies Radfahren, denn viele Menschen klagen über schmerzende, kribbelnde oder taube Hände.

Aber Handschuhe bieten auch Schutz im Fall eines Sturzes und sie sorgen für perfekte Kontrolle auf Tour. „Wir dürfen nicht vergessen: mit den Händen wird gelenkt, gebremst und ein Großteil des Gewichts abgestützt,“ erklärt uns Marcus Chiba, Geschäftsführer des bayerischen Handschuh-Unternehmens Chiba.

Der ideale Handschuh hat eine gute Passform und ergonomische Konstruktion, ist angenehm belüftet und aus hochwertigen Materialien gefertigt.

Damit der Handschuh jedoch seine Funktionen perfekt erfüllen kann, muss er richtig sitzen. Wer einmal seinen Handumfang ermittelt hat, tut sich beim Handschuhkauf auch neuer Marken leichter.

Minderwertige Polster geben schneller nach und erfüllen ihre Funktionen oft nicht wie versprochen. Apropos Nähte: Sie sollten möglichst flach sein und selten vorkommen, um nicht den Komfort zu mindern. Diesen Punkt erwähnt auch Marcus Chiba.

Viele Handschuhe kommen zudem mit einem frottierten „Wischdaumen“, mit dem man sich Schweiß von der Stirn streichen kann. Nützlich bei langen Handschuhen sind einzelne Fingerkuppen mit Smartphone-Kompatibilität, sodass man unterwegs problemlos Fotos schießen oder die Navigation steuern kann.

Damit man aber möglichst lange etwas von den Handschuhen hat, lohnt sich die sorgfältige Pflege. Oft ist schon nach einer Tour der Handschuh verschwitzt und hat Dreck aufgenommen, dann ist eine Wäsche dran. Schonender ist das Waschen von Hand. Immer sollten vorher Klettverschlüsse geschlossen werden. Der Trockner ist in der Regel tabu.

Winterhandschuhe

Wenn es kalt wird, macht Radfahren ohne Handschuhe keinen Spaß. Wintertaugliche Modelle gibt es als klassische Fingerhandschuhe und in der sogenannten Lobster-Variante.

Fäustlinge wärmen zwar hervorragend, aber die Bremse und besonders die Schalthebel lassen sich nicht vernünftig bedienen. Besser geht das mit Fingerhandschuhen, doch die sind nicht so warm.

Lobster-Handschuhe sind eine Art Kompromiss aus beiden: Zwei oder drei Finger können sich gegenseitig wärmen, zugleich bleiben aber immer einer oder zwei flexibel genug, um am Fahrrad die Schalthebel zu bedienen.

Sportliche Radfahrer schätzen eine Polsterung der Handfläche. Je mehr sie auf dem Rad nach vorn geneigt sitzen, desto mehr Gewicht lastet auf den Händen. Eine Polsterung verteilt den dadurch entstehenden Druck und dämpft Vibrationen.

Viele Fahrradhandschuhe haben an der Innenseite der Daumen ein weiches oder frottiertes Material. Die Hersteller nennen so etwas gelegentlich verschämt »Schweißwischer«, obwohl »Nasenwischer« passender wäre: Tatsächlich putzen sich Radfahrer im Winter selten den Schweiß von der Nase, sondern meist andere Flüssigkeiten.

Sommerhandschuhe

Fahrradhandschuhe für den Sommer zeichnet in erster Linie eines aus: Eine leichte, luftige Konstruktion, gute Dämpfungseigenschaften und ein möglichst einfaches Handling. Sie machen Radtouren komfortabler: Wer einmal den feinen Unterschied zwischen »nackt« und »behandschuht« schätzen gelernt hat, wird auf einen Fahrradhandschuh nicht mehr verzichten wollen.

Zudem sorgen Radhandschuhe auf Ausritten im Gelände für besseren Schutz. Wen es wider Erwarten auf die Nase legt und wenn man beim unfreiwilligen Abstieg mit dem Handballen bremst, verhindern sie schmerzhafte Schürfwunden.

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