Wer kleine Hände hat, kennt das sicherlich: Will man mit den Shimano Rennrad STIs bremsen, bekommt man zu wenig Druck auf die Bremsbacken. Lockert man die Bremsen, damit sie etwas später greifen, braucht man etwas länger, um die volle Bremskraft zu entfalten.
Die Shimano STIs (Schalt- und Bremshebel) werden in den neueren Generationen immer besser und feiner einstellbar! Aktuelle Modelle verfügen in der Regel über eine Möglichkeit, die Bremshebelweite mit nur einer kleinen Schraube nachzujustieren.
Bremshebelweite anpassen
So kannst du die Bremshebelweite der Shimano Bremsgriffe mit wenigen Handgriffen verringern. Beim Shimano Ultegra 6800 STI könnt ihr den Bremshebel ganz einfach mit einer Schraube oberhalb des Bremshebels anpassen. Dreht ihr sie im Uhrzeigersinn rein, dann verringert sich der Hebel. Aber Vorsicht: Die Schraube ist aus sehr weichem Gummi und nicht sehr robust. Beim Schrauben ist sie mir leider abgebrochen, allerdings zum Glück in der final richtigen Position.
Beim Shimano 105 5800 Bremshebel sieht das ganze sehr ähnlich zum Ultegra 6800 Hebel aus. Auch hier befindet sich die Schraube oberhalb des Schalthebels und muss im Uhrzeigersinn gedreht werden, um den Bremshebel zu verkleinern. Ob diese Schraube robuster als die des Ultegra Hebels ist, wage ich zu bezweifeln.
Beim Ultegra R8000 Bremshebel kann man die Bremshebelweite auch von oben einstellen. Bei der Suche nach den Einstellmöglichkeiten bin ich im Netz eher auf gähnende Leere gestoßen. Zumindest im Deutschsprachigem Bereich scheint dieses Problem weniger bekannt zu sein. Nach Veröffentlichung dieses Artikels werden ggf. noch weitere Anleitungen für ältere oder neuere Schaltgruppen veröffentlicht.
Der Rennradlenker: Aerodynamik und Ergonomie
Drop - Reach - Flare: Am Rennradlenker müssen Aerodynamik und Ergonomie Hand in Hand gehen, damit Du die beste Performance auf die Straße bringen kannst. Vor fast 100 Jahren mussten Rennradfahrer Größe und Form ihrer Lenker als quasi gottgegeben hinnehmen, denn die Lenker waren teuer und aufwendig zu montieren. Das hat sich inzwischen geändert und Du kannst aus vielen verschiedenen Modellen wählen.
Grundsätzlich gilt: Alle Rennlenker bestehen aus einem geraden Mittelteil, der nach außen in einem Bogen nach unten verläuft. Sie werden deshalb auch „Bügellenker“ oder „Dropbars“ genannt. Diese Lenkerart hat sich für Rennräder etabliert, weil sie eine aerodynamisch günstige Sitzposition ermöglicht und je nach Ausprägung in vielen unterschiedlichen Einsatzbereichen Anwendung findet. Auch an Reiserädern werden Dropbars gern verbaut, weil sie zahlreiche Griffmöglichkeiten bieten, was Hände, Arme und Schultern entlastet.
Ein Rennrad-Lenker, der auf Dich und Deine Fahrweise zugeschnitten ist, sorgt dafür, dass Du sowohl lange Strecken als auch kurze, intensive Sprints schmerzfrei und effizient mit optimaler Kraftübertragung fahren kannst. Doch worauf solltest Du bei der Auswahl achten und was bedeuten Begriffe wie Drop, Reach oder Flare?
Rennlenker erlauben es je nach Fahrsituation eine passende Greifposition einzunehmen. Je nach dem wo Du in den Lenker greifst, ändert sich auch Deine Sitzposition: Mit den Händen auf den Brems-/Schalthebeln sitzt Du etwas aufrechter und entspannter. Gehst Du mit den Händen in den Drop, wird Deine Sitzposition windschnittiger nach vorn gestreckt.
Die Lenkerbreite
Der erste Schritt: die Lenkerbreite. Viele Rennräder werden abhängig von der Rahmengröße standardmäßig mit einer bestimmten Lenkerbreite ausgeliefert, die selten unter 400 Millimetern liegt. Doch Standards sind ergonomisch gesehen schlechte Ratgeber. Die für Dich passende Breite hängt von Deiner Schulterbreite ab.
Wenn Du eher schmale Schultern hast und auf dem Rennrad stets weit nach außen greifen musst, macht sich das rasch in Schulter-, Nacken- oder Armschmerzen bemerkbar und beeinträchtigt Fahrweise und Fahrvergnügen. Die Schulterbreite dient jedoch nur als Orientierung; wichtigster Anhaltspunkt ist Dein persönliches Wohlbefinden.
Auch der Einsatzzweck spielt eine Rolle: Für Aero-, Bahn-, oder Wettkampfräder wählt man wegen der resultierenden geringeren Stirnfläche in der Regel eher schmalere Lenker. Marathonisti und andere Langstreckenfahrer freuen sich über etwas mehr Breite, da diese mehr Abwechslung bei der Sitzposition und unterschiedliche Griffoptionen bietet. Gravelbiker wählen oft die breitesten Lenker mit ausgestellten Lenkerenden für mehr Kontrolle im Gelände.
Drop und Reach
Was heißt Drop? Drop und Reach sind weitere, wichtige Faktoren, um Rennrad-Lenker zu vermessen und einzuordnen. Der Drop bezeichnet die Lenkerhöhe, also den Abstand vom Ober- zum Unterlenker - gemessen jeweils von der Rohrmitte.
Gibst Du gern richtig Gas, ist ein Lenker wie der Fizik Cyrano R1 Snake mit viel Drop die richtige Wahl, weil Du Deinen Oberkörper tiefer nach vorn beugst und in dieser sogenannten Unterlenker-Haltung dem Wind weniger Angriffsfläche bietest. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass Du in dieser körperlich anspruchsvollen Position einige Kilometer problemlos fahren können solltest. Wenn Du zu Beginn „nur“ den Ortsschildsprint im Unterlenker schaffst, ist das überhaupt nicht schlimm. Wie tief Du greifen kannst, hat viel mit Deinen körperlichen Voraussetzungen zu tun und lässt sich zudem mit gezielten Kraftübungen trainieren. Deine Arme sollten in der Haltung leicht gebeugt und Deine Schultern entspannt sein.
Ein geringer Drop ist günstig, wenn Du häufig längere Touren unternimmst und Wert auf Komfort legst. Kompakt-Lenker wie zum Beispiel der LEVELNINE Race Compact Stealth haben üblicherweise einen Drop zwischen 120 und 130 Millimetern. Weil Du Dich dann nicht so tief herunterbeugen musst und schnell umgreifen kannst, ist die Haltung rückenschonender und Du kannst entspannt mehr Kilometer zurücklegen. Auch Gravellenker besitzen oft einen geringeren Drop für mehr Kontrolle im Gelände und eine bessere Erreichbarkeit der Bremsschaltgriffe.
Was heißt Reach? Auch der Reach hat Einfluss auf Fahrweise und Fahrkomfort, denn er bestimmt, wie gestreckt Du auf dem Rad sitzt. Bei einem großen Reach greifst Du vom Oberlenker gesehen weiter nach vorn, um die Bremsgriffe, auch Hörnchen oder Hoods genannt, zu erreichen. Gemessen wird er von der Mitte der Vorbauklemmung bis zu dem Punkt im Drop, der am weitesten von dieser Stelle entfernt ist (Fixpunkt ist ebenfalls die Rohrmitte). Komfort-orientierte Kompakt-Lenker wie der SL-70 Ergo von Zipp zeichnen sich daher nicht nur durch einen geringen Drop, sondern auch durch einen kurzen Reach aus.
Rise und Backsweep
Wofür stehen Rise und Backsweep? Nur wenige Rennrad-Lenker haben einen sogenannten Backsweep, also eine leichte Kröpfung der Lenkerhälften nach hinten, dessen Ausprägung in Grad angegeben wird. Der Backsweep unterstützt eine natürliche Position für Hände und Handgelenke. Auf diese Weise ermöglicht zum Beispiel der Ritchey WCS Carbon Streem II mit seinem flügelartig anmutenden Oberlenker eine komfortable Handposition, was sich gerade beim Bergauffahren oder auf langen Strecken bemerkbar macht. Aber Achtung: je größer der Backsweep, desto aufrechter die Sitzposition und desto körpernaher die Drops.
Ebenfalls für eine etwas aufrechtere Sitzposition, mehr Möglichkeiten zum Greifen und damit für mehr Komfort sorgt der Rise. Er bezeichnet eine leichte horizontale Steigung des Lenkers, jeweils zu beiden Seiten der Klemmung, die in Millimetern angegeben wird. Da dies jedoch zulasten der Aerodynamik geht, findet sich ein Rise bei wettkampforientierten Rennrad-Lenkern eher selten. Anders sieht es für Komfort- und Langstreckenanwendungen aus. Riser-Dropbars gibt es zum Beispiel von Specialized mit der Hover-Serie.
Das Zusammenspiel von Reach, Backsweep und Vorbaulänge
Nicht nur Reach und Backsweep bestimmen die Sitzposition, sondern vor allem auch die Vorbau- und Rahmenlänge. Ein Lenker mit kurzem Reach und etwas Backsweep etwa kann eine ab Werk gestreckte Sitzposition durchaus kompensieren. Eine Kombination aus kurzem Vorbau, kurzem Hauptrahmen und viel Backsweep kann umgekehrt in engen Kurven dazu führen, dass Deine Knie mit dem Unterlenker kollidieren. Du solltest die Werte des Lenkers deshalb nie isoliert betrachten. Bewerte die Sitzposition auf dem Rennrad immer in der Gesamtschau der Parameter. Über die Länge und die Steigung Deines Vorbaus kannst Du Deine Sitzposition stark verändern.
Flare bei Gravelbikes
Wenn der Unterlenker weit ausgestellt und damit breiter als der Oberlenker ist, spricht man von Flare. Ein großer Flare ermöglicht Dir besseres Handling und mehr Fahrkontrolle, was gerade im Gelände nützlich ist. Deshalb findet man vor allem an Gravelbikes Rennlenker mit Flare-Werten von zehn Grad oder mehr. Dem Thema Flare und Gravellenker widmen wir uns ausführlich in einem eigenen Text.
Die passende Form finden Neben dem Sonderfall „Gravellenker“ unterteilt man grundsätzlich zwischen wettkampforientierten Rennlenkern, sogenannten Kompakt-Lenkern und ergonomischen Rennrad-Lenkern. Welcher für Dich am besten passt, kommt auf Deine persönlichen Vorlieben, Dein Fahrverhalten als auch auf Deine Körpermaße an. Die Modelle unterscheiden sich in der Form des Drops - zum einen gibt es den Klassiker mit großem Reach und Drop, dann die Kompaktmodelle mit geringem Reach und Drop, die auch Profis mittlerweile oft fahren, sowie die ergonomisch geformten Modelle. Diese verfügen über ein leicht verlängertes und zum Teil auch dickeres Rohr im Unterlenker, das verschiedene Griffpositionen ermöglicht und die Hände entlastet.
Aero-Lenker und Lenkeraufsätze
Auf verschiedene, oft ausfallend anmutende Formen trifft man besonders im Bereich der Aero-Lenker. Bei manchen Modellen ist der Oberlenker extrem abgeflacht, was den Luftwiderstand reduziert und gleichzeitig für eine breitere Grifffläche und somit für mehr Komfort sorgt. Aerodynamisch geformte Lenker sind nicht nur für sportlich orientierte Fahrer:innen interessant, sondern auch für Rouleure. Denn auf langen Strecken sparen sie mit leichten Modellen Gewicht und profitieren von der ergonomischen Formgebung. Da die Aero-Lenker aus Carbon bestehen, leichter zerkratzen als Alu-Modelle und relativ breite, flache Oberrohre besitzen, ist es schwierig, Licht oder Navigationsgeräte an ihnen zu befestigen. Allerdings bieten viele Hersteller mittlerweile spezielle Halterungen an, damit Du auch im Aero-Cockpit bzw. an den Lenkeraufsätzen Deine Wattwerte im Blick hast.
Triathleten, die um jedes Gramm und jedes Watt feilschen, sind ebenfalls mit Aero-Lenkern unterwegs. Wenn Du „nur“ ein normales, aber kein spezielles Triathlon-Rad besitzt, aber unbedingt einmal die Kombi aus Schwimmen, Radfahren und Laufen finishen willst, sind Lenkeraufsätze eine gute Wahl, die sich per Klemmung an den Lenker montieren lassen. Einfache Modelle gibt es bereits ab ca. 50 Euro. Die Aufsätze unterstützen Dich dabei, eine windschnittige und gleichzeitig entspannte Sitzposition einzunehmen, die Du zum Beispiel mit verstellbaren Armstützen variieren kannst.
Zeitfahrlenker und Triathlonlenker
Wenn die Uhr Dein Gegner ist, also beim Triathlon oder Time Trial, dann sind spezielle Zeitfahrlenker bzw. Triathlonlenker eine gute Option. Mit ihnen erreichst Du eine noch flachere, aerodynamische Sitzposition und auf den Aufsätzen können Deine Unterarme, wenn Du Triathlon fährst, nach dem Schwimmen etwas entspannen. Auch die Schaltung befindet sich vorn an den Aufsatz-Enden, sodass Du nicht zurückgreifen musst. Die Zeitfahrlenker haben eine hornähnliche Form und bestehen aus einem gerade bis leicht gebogenen Oberrohr, das an jeder Seite in Griffe mündet und auf dem in der Mitte die Extensions liegen. An vielen Modellen lassen sich die Armschalen in Höhe, Breite und Längsrichtung passgenau auf jeden Athleten einstellen.
Materialfrage: Carbon oder Aluminium?
Bereits bei der Rahmenwahl ist das für viele die Gretchen-Frage. Doch auch hier gilt wie so oft: Beide Materialien haben ihre Vor- und Nachteile. Der große Vorteil von Carbon gegenüber Aluminium ist sein geringes Gewicht bei gleichzeitig hohen Steifigkeitswerten. Die Carbonfasern sorgen mit ihrer hohen Eigendämpfung für mehr Komfort und erlauben gezielt flexible Konstruktionen. Carbon besitzt zudem den Vorteil einer wesentlich freieren Formgebung, etwa wenn es darum geht, Aero-Lenker an der Oberseite abzuflachen. Im Vergleich zu Aluminium sind Rennrad-Lenker aus Carbon jedoch deutlich teurer. Zudem solltest Du bei Carbon-Lenkern unbedingt die korrekten Anzugsdrehmomente beachten und am besten einen Drehmomentschlüssel und Carbon-Montagepaste zur Montage verwenden.
Auch Aluminium hat nach wie vor seine Daseinsberechtigung - nicht nur, wenn es um den Preis geht. So bietet der Hersteller LEVELNINE gute und günstige Race-Modelle an. Darüber hinaus ist Aluminium robust und verzeiht auch mal etwas fest angezogene Schrauben. Und selbst wenn Alu-Lenker etwas mehr wiegen als ihre Carbon-Pendants, ist es doch statische Masse, die weit weniger ausmacht als die rotierende Masse am Laufrad.
Stahl als Klassiker
Und was ist mit Stahl? Stahl war und ist beliebt und bleibt ein echter Klassiker. Kein Wunder, denn er besticht durch hohe Steifigkeitswerte, ist relativ günstig und sehr robust. Der einzige Nachteil: Stahl ist schwer, deshalb setzen Hersteller im Rennrad-Bereich, wo es auf jedes Gramm ankommt, auf Aluminium und vor allem Carbon. Doch Liebhaber werden sicherlich immer einen „Stahlbügel“ finden. So bietet etwa der Hersteller Nitto Bahnrad-Lenker aus Stahl in verschiedenen Breiten und mit einem Drop von 152 und 170 Millimetern.
Lenkerband
Grip und Design - worauf es beim Lenkerband ankommt. Wenn die Profis im Frühjahr bei Paris-Roubaix über Pflastersteine („pavée“) donnern, machen sie nicht nur Gebrauch von flexenden Carbon-Lenkern, Carbon-Sattelstützen und verhältnismäßig niedrigem Reifendruck, sondern auch von dick gewickeltem Lenkerband, um die Stöße in die Armen abzufedern. Auch wenn Deine Touren über weniger anspruchsvolles Terrain führen, sind Lenkerbänder mit stoßdämpfenden Eigenschaften sinnvoll, denn sie erhöhen den Fahrkomfort und beugen Ermüdung vor.
Hersteller Fizik setzt beim Tempo Microtex Bondcush Soft auf eine Polymerschicht, die Vibrationen dämpft. Außerdem absorbiert das Material Feuchtigkeit und die angeraute Oberfläche verhindert, dass Du mit den Händen abrutschst. In der Regel sind Lenkerbänder um die 30 Millimeter breit und bestehen aus Vinyl-Kork-Mischungen, Leder oder Polymerzusammensetzungen. Allen ist gemein, dass sie unempfindlich gegen Schweiß und Nässe sind und optimalen Grip bieten, egal ob Du mit oder ohne Handschuhe unterwegs bist.
Last but not least - mit Lenkerbändern kannst Du Dein Rennrad optisch toll in Szene setzen. Wir haben für jede Deiner Lieblingsfarben das passende Lenkerband - von Celeste über Camelbeige bis hin zu Pink, weiß oder schwarz und über unseren Farbfilter findest Du schnell die richtige Farbe für Dein neues Lenkerband.
Einstellen des Rennrad-Lenkers: Profi-Tipps
- Verwenden Sie Rennrad-Lenker und Vorbau vom selben Hersteller. Die Komponenten sind besser aufeinander abgestimmt und wurden üblicherweise auch zusammen getestet.
- Die Oberkante der Bremsgriffe sollte waagerecht liegen. Bei vielen Lenkern bildet der Oberlenker eine gerade Linie mit den Griffen und es ergibt sich eine große Handauflage. Die Lenkerenden verlaufen dann waagerecht oder zeigen etwas nach unten.
- Die richtige Lenkerbreite: Als Orientierung dient die Breite zwischen den Schultergelenken.
Di2 Einstellungen per App
Vorbei sind die Zeiten von mechanischen Nachstellarbeiten! Na ja, nicht ganz. Allerdings benötigt man für die Einstellung der neuen Di2 12-Fach Gruppen von Shimano nur noch sehr wenige mechanische Werkzeuge. Genau genommen reicht ein 3 mm Inbus. Der Großteil der Justierungen wird nämlich über die hauseigene “E-Tube” App vorgenommen, doch die Di2 Gruppen können noch viel mehr. In diesem Artikel zeigen wir dir, wie du den Multi-Shift-Modus konfigurieren kannst, Synchronized-Shifting nach deinen Wünschen individualisierst und Nachstellarbeiten an Umwerfer und Schaltwerk vornimmst.
Download und Pairing
Zuallererst musst du die E-Tube App herunterladen. In der Videobeschreibung findest du den entsprechenden Link für Android, IOS und Windows. Nachdem du die App gestartet hast, musst du nun das Di2 System in den Bluetooth Mode versetzen. Das geht folgendermaßen: Das Schaltwerk ist die “Steuerzentrale” des Systems. Dort befindet sich am hinteren Bereich ein kleiner Knopf, den du so lange gedrückt hältst, bis die LED am Schaltwerk blau blinkt. Jetzt müsstest du das System in deiner App angezeigt bekommen. In diesem Schritt fragt dich die App, ob du einen Sicherheitscode setzen möchtest. Damit verhinderst du, dass andere in dein Di2 System eingreifen können.
Umfang der App
Mit der E-Tube App werden alle elektronischen Systeme von Shimano konfiguriert und eingestellt, bei denen das generell möglich ist. Dazu zählen die Di2 Schaltgruppen, aber auch die Steps-Motoren der E-Bikes und Leistungsmesser von Shimano. Wir beschränken uns in diesem Artikel auf die Funktionen im Zusammenhang mit den Shimano Road Di2 Gruppen Dura Ace R9250, Ultegra R8150 und 105 R7150. Also: Was kann man mit der App alles konfigurieren?
Wenn du deine Di2 Gruppe mit der App verbunden hast, werden dir zuerst alle erkannten Komponenten angezeigt. Nachdem du dein System bestätigt hast, kommst du in die Hauptübersicht der App. Hier gibt es drei Übersichten.
- Aktualisieren
- Einstellungen
- Wartung
Aktualisierung
Hier kannst du die neuesten Firmware Updates für die einzelnen Komponenten einsehen und natürlich auch übertragen.
Einstellungen
In diesem Menüpunkt kannst du die umfangreichen Individualisierungsmöglichkeiten des Di2 Systems komplett ausschöpfen. Im Untermenü “Schalten” hast du Zugriff auf die Funktionen vom Umwerfer und Schaltwerk. Unter “Taste” kannst du die Belegung der Schalthebel konfigurieren und im Menüpunkt “Drahtloseinstellungen” ist die Umbenennung deines Systems und die Anlegung des Passkeys möglich.
Schalten
Hier unterteilt Shimano die Konfigurierungen auf den Umwerfer und das Schaltwerk. Wir starten mit den Synchronized Shift Optionen am Umwerfer und folgen mit dem Multi-Shift-Modus am Schaltwerk und gehen als letztes noch auf die Drahtloseinstellungen ein.
Im Menüpunkt “Synchronized Shift” wird nochmal zwischen zwei Varianten unterschieden: Semi Synchronized Shift und Synchronized Shift.
Wenn du mit einer mechanischen Schaltung fährst und den Umwerfer schaltest, kompensierst du den großen Gangsprung zwischen den Kettenblättern durch das entgegengesetzte Schalten an der Kassette von zwei oder drei Gängen. Im Menüpunkt “Synchronized Shift” kannst du diesen Vorgang automatisieren und festlegen, wie viele Gänge das Schaltwerk kompensieren soll, wenn du den Umwerfer schaltest. Das nennt Shimano “Semi Synchronized Shift”.
Synchronized Shift automatisiert die Benutzung des Umwerfers komplett. Dadurch musst du nur noch das Schaltwerk hoch oder runter schalten. Der Umwerfer schaltet dann automatisch, wenn du einen höheren Gang benötigst. Du kannst in der App festlegen, ab welchem Ritzel der Umwerfer schalten soll und wie viele Gänge während des Schaltvorgangs vom Schaltwerk kompensiert werden sollen. Das kannst du sowohl für das Hoch-, sowie für das Herunterschalten individuell konfigurieren.
Multi-Shift
Mit der Mulit-Shift Einstellung legst du fest, ob du beim Gedrückthalten von einem der beiden Schaltknöpfe nur einen einzelnen Gang oder mehrere Gänge schaltest. Zusätzlich kannst du in diesem Menü auch die Schaltgeschwindigkeit während des Multi-Shift einstellen. Zur Auswahl stehen fünf Stufen von “sehr langsam” bis “sehr schnell”. Je nach Fahrweise und Vorlieben kannst du hier ausprobieren, welche Einstellung dir am besten gefällt.
Hinweis: Wir hatten bei der Übertragung unserer Einstellungen anfangs Schwierigkeiten. Für eine erfolgreiche Konfigurierung solltest du unbedingt die Bedienfelder in der App nutzen und nicht die “zurück” Taste vom System deines Telefons. Gib dem System nach dem Übertragen deiner Einstellungen und dem Trennen der Bluetooth Verbindung genug Zeit, um die Daten verarbeiten zu können, bevor du es ausprobierst. Warte, bis die LED am Schaltwerk nicht mehr blinkt, bevor du Schaltknöpfe drückst oder losfährst.
Taste
Hier hast du freie Auswahl und kannst konfigurieren, was welcher Knopf an deinen Brems- Schalthebeln machen soll. Wo hoch- und wo runtergeschaltet wird, kannst du frei bestimmten und wenn du Synchronized Shift aktivierst oder nur eine 1-Fach Setup hast, kannst du die Knöpfe auch nach dem Prinzip einer Sram AXS Schaltung belegen, also beispielsweise den Schaltknopf am rechten Schalthebel zum Herunterschalten nutzen und den Schaltknopf am linken Schalthebel zum Hochschalten. Du hast die freie Wahl.
Falls du zusätzlichen Schalter hinzufügen möchtest, also zum Beispiel Sprint-Shifter oder einen Schalthebel für den Oberlenker, kannst du diese ebenfalls in diesem Menü hinzufügen und konfigurieren.
Die Ultegra und Dura Ace Gruppen haben, außer den Schalthebeln, noch jeweils einen versteckten Knopf auf der Oberseite des Schalthebels, dem ebenfalls Funktionen zugewiesen werden können. Das ist besonders praktisch, wenn du einen Fahrradcomputer wie einen Garmin oder Wahoo benutzt, denn du kannst die Knöpfe so konfigurieren, dass sie durch die Datenseiten blättern, eine Runde auslösen oder in und aus der Karte Zoomen. Was du letztendlich genau konfigurieren kannst, hängt allerdings von deinem Fahrradcomputer ab.
Wartung
Hier nimmst du die eigentliche Justierung von Umwerfer und Schaltwerk vor. Wir gehen in diesem Artikel nicht speziell darauf ein, wie du generell eine Schaltung einstellst, sondern erklären nur den Vorgang am Di2 System. Falls du wissen möchtest, wie du generell eine Kettenschaltung richtig einstellst, haben wir hier einen Link zu einem Video und zugehörigen Artikel für dich: Schaltwerk
Die Einstellung des Schaltwerks unterscheidet sich eigentlich kaum von einem mechanischen Schaltwerk. Mit einem 3 Millimeter Inbus passt du den Umschlingungswinkel und die Anschläge an. Der einzige Unterschied ist, dass es keine Seilspannung gibt, mit der man die Indexierung einstellt, denn das passiert über die App. In feinen Stufen kannst du Mikro-Anpassungen vornehmen. Dazu öffnest du den Menüpunkt “Vorne” im Register “Umwerfereinstellung”.
Umwerfer
Im Gegensatz zum Schaltwerk funktioniert die Einstellung des Umwerfers komplett per App. Es gibt keine Anschlagschrauben mehr, sondern die Positionen werden vom Servo-Motor gespeichert.
Die Lenkerneigung am Rennrad
Die für Sie passende Lenkerneigung am Rennrad finden Sie am besten durch simples Ausprobieren heraus. Sie ist individuell unterschiedlich und abhängig vom Fahrstil und den persönlichen Vorlieben. Grundsätzlich gilt allerdings, dass der letzte, flachere Abschnitt des Lenkers möglichst parallel zum Untergrund positioniert sein sollte. Anschließend können Sie eine Probefahrt machen und gegebenenfalls feine Korrekturen vornehmen. Hierfür lösen Sie die Innensechskantschrauben mit einem passenden Drehmomentschlüssel, anschließend können Sie die Neigung verändern.
Eine immer gültige Anleitung zum Einstellen des Lenkers gibt es leider nicht. Der Weg zur optimalen Position des Rennbügels führt vielmehr über das Beachten von Richtlinien und einer anschließenden Feinjustierung nach ausgiebigen Praxistests.
Kommentar schreiben