Wenn das Wetter unbeständig ist, zwischen warm und kalt, trocken und feucht wechselt, ist die richtige Ausrüstung entscheidend. Lange Radhosen für Herbst und Winter sind im Idealfall wahre Alleskönner. Sie halten Nässe und Fahrtwind draußen, die Körperwärme drinnen und transportieren zugleich Schweiß so schnell wie möglich ab, damit man auch am steil ansteigenden Sonnenhang mit dem Rennrad nicht wegen Überhitzung aufgeben muss. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Test und Vergleich von Herren-Rennradhosen für den Winter.
Die Vielfalt der Winter-Radhosen
Es gibt verschiedene Kategorien langer Radhosen, die jeweils für spezifische Bedingungen konzipiert sind:
- Regenhosen: Mit Membran und wasserabweisender Beschichtung schützen sie vor Nässe.
- Softshell-Hosen: Hauteng anliegend, bieten sie kuschelige Wärme bei winterlichen Temperaturen.
- Downhill-Pants: Aus schweren Materialien wie Cordura gefertigt, schützen sie bei Stürzen vor Verletzungen.
- Herbsttaugliche Hosen: Diese Hosen sind vielseitig einsetzbar und bieten Wärme bei kühlem und feuchtem Wetter, ohne zu schwitzig zu werden.
Die Palette der getesteten Modelle reicht von der ultrabequemen Multisporthose mit Merino-Anteil von Supernatural bis hin zur hochtechnischen Norrøna mit Gore-"Infinium"-Material und getapeten Nähten.
Viele Möglichkeiten, um die Gunst der Käuferschaft zu gewinnen, aber auch viel Gestaltungsfreiheit, wie der Test von neun Hosen für die Übergangszeit belegt.
Wärmeleistung und Klimakomfort
Die Hosen wärmen, jedoch nicht auf dem Niveau einer "fetten" Winter-Softshell oder Downhill-Hose. Dafür tragen sich die getesteten Modelle aber auch bei weitem nicht so schwitzig-feucht. Die Wärmeleistung der Testmodelle staffelt sich wie folgt:
- Leichtere Hosen von Supernatural, Rapha und Pearl Izumi bieten mittlere Isolierung und bleiben auch bei höherer Belastung überwiegend schwitzfrei.
- Modelle von Cube, Monserat und Mons Royale sowie die preiswerte Endura wärmen zuverlässig an kälteren Herbsttagen und schützen sehr gut vor Fahrtwind.
- Modelle aus Gore-"Infinium"-Material (Gore und Norrøna) halten Wind komplett ab und bieten zusätzlichen Nässeschutz.
Konzipiert für wechselhafte Wetterlagen, hält das Membran-Material Wind komplett ab. Da Membranen bei hoher Belastung zu schwitzigem Klima tendieren, statten beide Hersteller ihre Hosen mit Belüftungsreißverschlüssen aus.
Testbedingungen und Bewertung
Sämtliche Modelle wurden bei gemäßigten Spätsommer-Temperaturen um 15° Celsius getestet. Ein längerer Anstieg diente zum Test des Hosenklimas, vorhandene Belüftungsreißverschlüsse wurden geöffnet. Auch die Platzierung von Nähten beeinflusst das Tragegefühl und floss daher in die Bewertung des Komforts ein. Eine Trail-Abfahrt machte den Windschutz spürbar, zusätzlich wurden alle Materialien im Labor auf Winddurchlässigkeit geprüft. Da zum Testzeitpunkt eher trockene Bedingungen herrschten, haben wir den Wetterschutz mittels eines Wasser-Sprühnebels und Einreiben der Flüssigkeit ins Material geprüft.
Die Top-Empfehlungen
Da die Modelle im Test in Sachen Wetterschutz und damit Einsatzbereich sehr divers und damit nicht seriös vergleichbar sind, wurde auf Endnoten verzichtet. Dennoch gibt es ein paar "Sieger".
- Die Endura beweist, dass eine vielseitige, ausreichend warme Herbsthose kein Vermögen kostet. Als Allrounder für Trailrides, Bikepacking-Touren und zum Pendeln ist sie prima geeignet.
- Wer das Augenmerk auf stärkeren Nässeschutz legt, wird mit der sportlich geschnittenen Gore glücklich.
- Noch mehr Allwettertauglichkeit bietet die sündteure, toll gemachte Norrøna, die sich dafür minimal schwitziger trägt.
Lange Radhosen im Test: Preisspanne und Materialien
Die günstigste lange Radhose unseres Testfeldes von insgesamt 15 Winter-Bibtights-Modellen stammt von Rose und kostet 110 Euro, für die teuerste Winterhose vom italienischen Edelschneider Q36.5 müssen Radfahrer 290 Euro hinblättern. Auch in ihren Eigenschaften weisen die getesteten langen Radhosen große Unterschiede auf. Die Modelle von Alé und Santini sind sehr elastisch und mit knapp 300 Gramm sehr leicht. Statt einer Membran haben sie eine Imprägnierung auf der Außenhaut, an der das Wasser abperlen soll. Etwa 150 Gramm mehr bringen die schwersten Winter-Radhosen - von Pearl Izumi, Biorace oder Vaude auf die Waage; beide sind mit einer winddichten und wasserabweisenden Membran ausgestattet und fühlen sich dadurch deutlich steifer an.
Unterschiede im Membranmaterial
Grundsätzlich bieten schwerere, lange Radhosen den besten Kälte- und Nässeschutz: An der kompletten Front bis zum Bund sowie am Po, wo das Spritzwasser vom Hinterreifen auftrifft, liegt zwischen Futter und Außenhaut eine Schicht Membranmaterial. Dampfdurchlässiger sind dagegen die Trägerhosen-Modelle ohne Membran. Tipp zum Finden der passenden, langen Radhose: Wer auch im Winter intensiv mit dem Rennrad trainiert, sollte daher ein leichteres Modell ohne “Isolierschicht” wählen, wer leicht friert und eher gemütlich unterwegs ist, eine dickere lange Radhose.
Sitzpolster im Fokus
Die Sitzpolster der Radhosen unterscheiden sich in Breite und Dicke nicht wesentlich von denen in kurzen Sommerhosen. Meist sind die Pads vorn lediglich länger geschnitten, um besser vor Wind und Kälte zu schützen. Mit einer effektiven Breite von elfeinhalb Zentimetern ist das Craft-Polster sehr schmal, knapp fünf Zentimeter breiter sind die Pads bei Biehler und Vaude. Natürlich fließen auch sinnvolle Details, wie Reflexmaterial, vorgeformte Kniepartien oder leicht bedienbare und nicht störende Reißverschlüsse oben am Latz oder unten am Knöchel, in unsere Bewertungen ein.
Tabelle: Testfeld im Überblick
| Marke | Modell | Preis (Euro) |
|---|---|---|
| Alé | Dots WR | 157 |
| Biehler | Neo Classic Thermal Rain | 220 |
| Bioracer | Spitfire Tempest | 140 |
| Castelli | Sorpasso 2 Wind Bibtight | 200 |
| Craft | Ideal Pro Wind Bib Tights | 140 |
| Endura | Pro SL Bibtights II | 200 |
| Gorewear | Partial Windstopper Pro Trägerhose | 200 |
| Löffler | Cruiser WS Warm | 150 |
| Pearl Izumi | Elite Escape Amfib Cycling Bib Tight | 180 |
| Q36.5 | Termica L1 Long Salopette | 289 |
| Rapha | Pro Team Winter Tights II | 250 |
| Rose | High End Fluo Thermo Trägerhose | 110 |
| Santini | Vega H 20 Bibtights | 150 |
| Sportful | Flandre Norain Pro Bibtight | 150 |
| Vaude | Matera LesSeam Tights | 140 |
Tipps zum Kauf
In Sachen Passform und Schnitt wiederum können unsere Beschreibungen nur Anhaltspunkte bieten; ob die Hose beim Pedalieren wirklich gut und bequem sitzt, hängt stark von Körperbau und individuellen Vorlieben ab. Probieren Sie die Radhosen daher immer in Ruhe an - am besten direkt im Fachgeschäft -, bevor Sie mit dem neuen Teil ins Herbst- und Wintertraining losrollen.
Winter Trägerhose für Frauen
Auch viele Frauen bevorzugen auf dem Rennrad lange Trägerhosen - gerade wenn es kalt wird. Sie sitzen nicht nur besser als Bundhosen, sondern schützen auch den empfindlichen Nierenbereich. Pinkelpausen allerdings machen sie für Frauen komplizierter - vor allem im Winter. Bei manchen langen Radhosen muss sich Frau erst mal bis aufs Unterhemd ausziehen, um die Hose herunter zubekommen. Um diese Prozedur zu erleichtern, haben sich Hersteller wie Alé oder Craft etwas einfallen lassen: Beim Modell Future BE-HOT von Alé lässt sich der geschlossene Träger, der um den Hals liegt, einfach über den Kopf ziehen. In gebeugter Haltung lässt sich die Hose sogar hinten runter ziehen, wenn der Träger an Ort und Stelle bleibt. Etwas mehr “blindes Fingerspitzengefühl” verlangt das Modell Ideal Pro Wind Bib Tights von Craft: Hier wird der Träger hinten mit einem Hakenverschluss geöffnet, sodass sich die Hose auch einfach nach unten streifen lässt.
Weitere wichtige Details
Ob die neue Fahrrad-Winterhose mit oder ohne Polster ausgestattet sein soll, ist dabei eine grundsätzliche Entscheidung. Viele tragen unter der warmen Winter-Bib nämlich am liebsten ihre Lieblings-Sommerhose wegen des darin gewohnten Lieblingspolsters. Zudem bietet die Kombi aus Sommer und Winterhose einen kleinen preislichen Vorteil, da Winterhosen ohne Polster etwas günstiger sind als die Modelle mit. Obacht: an anderer Stelle kann diese Drunter-Drüber-Variante den Tragekomfort einschränken, wo sich die Nähte und der Stoff beider Hosen ungünstig überlappen und entsprechend nervige Scheuerstellen beim Pedalieren verursachen können.
Membran als Barriere gegen Wind & Wasser
Nicht jede Fahrrad-Winterhose ist automatisch mit einer Membran ausgestattet, obwohl sich diese teildurchlässige Schicht, die Wind und Wasser aussperrt und gleichzeitig Schweiß in Form von Wasserdampf von der Haut nach draußen transportiert, als wirksamste Barriere gegen schnelles Auskühlen bewährt hat. Winterhosen ohne diese, manchmal etwas steife, Schutzschicht sind zwar günstiger und tragen sich entsprechend komfortabler, schützen dafür bei plötzlich aufkommendem Regen oder Graupel kaum. Wer jedoch im Winter ausschließlich bei stabilem Hochdruckwetter mit Sonnenschein auf seinem Renner unterwegs ist, kann auf die Plastikschicht in der Hose verzichten mit dem gleichzeitigen Vorteil, dass der Schweiß schneller von der Haut nach draußen transportiert wird und man nicht so schnell im eigenen Saft schmort.
Materialdichte und Spannkraft
Beim Material kommt es auf Materialdichte und Spannkraft an. Winterhosen fürs Rad haben mehr Material pro Quadratzentimeter, sind dichter gewebt und bieten mehr Spannkraft als eine klassische Sommerhose. Durch das größere Luftpolster können sie mehr Wärme speichern und gleichzeitig ein vorhandenes Sitzpolster perfekt in Position halten. Ist das Material auf der Innenseite angeraut, Experten nennen das Roubaix-Material, entsteht ein zusätzlicher Wärmeeffekt. Wie dick und warm die neue Winterhose sein darf, hängt ab vom Einsatzzweck und dem persönlichen Wärmeempfinden. Wer schnell friert und lediglich ab und zu eine gemütliche Winterrunde drehen möchte, wählt entsprechend eine dickes und flauschiges Modell.
Die Träger der Fahrrad-Winterhose
Bei den Trägern haben sich Modelle aus einheitlich elastischem Material durchgesetzt und bewährt. Diese sind über ihre komplette Länge und Breite aus einem Fasermix, der in alle Richtungen gleichermaßen dehnbar ist. Dadurch liegen sie flächig auf und zeigen selten die Tendenz zum Einrollen. Wesentlich schlechter funktionieren die Gummizugmodelle, mit denen noch vor wenigen Jahren fast alle Radhosen ausgestattet waren. Meist sind diese Gummizüge nämlich zu straff, spannen im Schulterbereich und hinterlassen Striemen. Zudem neigen diese Gummizug-Hosenträger gern zum Einrollen, was den Tragekomfort auf Dauer ebenfalls einschränken kann.
Der Bund
Wie hoch der Bund der Winterhose reichen soll, hängt ab vom persönlichen Geschmack. Ein sehr hoher Bund wie bei der Endura wärmt die empfindliche Nierenpartie besser als ein flacher Bund, der lediglich bis zur Hüfte reicht. Nachteil: Bei milden Temperaturen läuft der Schweiß schneller und bei der Pinkelpause behindert zu viel Stoff den schnellen Zugriff.
Die Kniepartie der Winterhose
Um die empfindlichen Knie gegen Kälte und Nässe zu schützen, ist eine Membran an dieser Stelle sinnvoll, wenngleich dies die Kniepartie etwas steifer macht und ein Scheuergefühl entstehen kann. Als Gegenmaßnahme haben sich vorgeformte Stoff-Keile bewährt, die vorn an der Kniescheibe Spannung rausnehmen und hinten weniger Faltenwurf entstehen lassen.
Der Abschlussbund
Eine Winterhose an- oder auszuziehen, kann schweißtreibend sein und nerven, je widerspenstiger der Abschlussbund über die Knöchel rutschen will. Seitlich oder hinten platzierte Reißverschlüsse sind hier eine Hilfe, sofern sie nicht zu dick auftragen und als Folge am Schuh- oder Überschuh-Schaft scheuern. Als einfachste und günstigste Lösung haben sich hier breite, elastische Abschlussbunde aus robustem Material bewährt.
Fahrrad-Winterhose: Kurz & knapp
Abgesehen von der individuellen Passform und den grundsätzlichen Entscheidungen pro und contra Sitzpolster und Ausstattung mit wind- und wasserabweisender Membran, sind die folgenden Kriterien entscheidend auf dem Weg zur passenden Winterhose.
- Das Hosenmaterial sollte dicht gewebt sein und Spannkraft besitzen
- Innen angerautes Roubaixmaterial bietet ein zusätzliches Wärmepolster
- Breite, elastische Träger liegen gut auf und steigern den Tragekomfort
- Ein elastischer Eingriff oder ein Reißverschluss erleichtern die Pinkelpause
- Für Frauen gibt es spezielle Trägerhosen für einen problemfreien Boxenstopp
- Die Höhe vom Bund sollte dem Einsatzzweck und dem Kälteempfinden entsprechen
- Bei steifem Membranmaterial im Frontbereich sollte man auf eine vorgeformte und faltenfreie Kniepartie achten
- Ein Reißverschluss im Abschlussbund erleichtert das An- und Ausziehen, sollte aber nicht zu dick auftragen
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