Jeder Rennradfahrer kennt das: Während der Fahrt greift man in die Trikottasche, um eine Windjacke oder -weste herauszuholen. Diese sind klein, leicht und extrem nützlich, wenn es kühler wird, wind aufzieht oder eine längere Abfahrt ansteht. Sie sind ideal für Radmarathons, Pendelfahrten und lange Wochenendtouren.
Worauf es bei Rennradbekleidung ankommt
Nach der Anschaffung eines oft teuren Rennrads scheuen viele die Investition in spezielle Rennrad-Outfits. Doch meistens merkt man schnell, dass das Rennradfahren mit normalen Sportklamotten nicht so angenehm ist. Der Style-Faktor spielt bei Rennrad-Kleidung eine große Rolle. Vorbei sind die Zeiten von bunten Trikots und flatternden Windjacken. Heute setzt man auf gedeckte Farben und vorteilhafte Schnitte.
Der Hauptvorteil von Rennrad-Bekleidung ist jedoch die Funktion. Die Kleidungsstücke sollen vier Aufgaben erfüllen:
- Perfekte Passform
- Angenehmes Tragegefühl
- Regulation des Körperklimas
- Wetterschutz
Die textile Hülle für die warme Jahreshälfte
Beim Rennradfahren spielt der Luftwiderstand eine große Rolle. Deshalb ist ein körpernaher Schnitt bei Rennrad-Bekleidung wichtig. Man kann auch bei Rennrad-Bekleidung das sogenannte Zwiebelprinzip anwenden. In den Trikottaschen oder kleinen Gepäcktaschen am Fahrrad lassen sich Kleidungsstücke verstauen, die man situativ nicht tragen möchte, etwa weil sie zu warm sind.
Schicht 1: Das Bike-Unterhemd
Es wird empfohlen, als unterste Schicht ein eng anliegendes Bike-Unterhemd zu tragen. Es zieht die Schwitzfeuchtigkeit vom Körper weg und sorgt so für ein angenehmes Klima. Achte beim Kauf darauf, dass das Unterhemd in der stark gebeugten Sitzposition nirgends einschneidet oder spannt.
Schicht 2: Das Rennrad-Trikot
Ein Rennrad-Trikot sollte eine sehr gute Passform haben, windschnittig eng anliegen, ohne einzuschneiden. Da die Sitzposition auf dem Rennrad besonders stark nach vorne gebeugt ist, muss das Trikot hinten lang genug geschnitten sein und sollte an den Schulterblättern nicht spannen. Die meiste Zeit des Jahres ist Kunstfaser das Material der Wahl, weil sie den Schweiß schnell im Fahrtwind verdunsten lässt und dank hoher Dehnbarkeit jede Bewegung mitmacht. Bei kühlem Wetter sind Rennrad-Trikots mit einem mehr oder weniger hohen Anteil an Merinowolle angenehm.
Manche Rennrad-Trikots haben einen durchgehenden Reißverschluss, andere nur am Kragen, wieder andere gar keinen. Je länger der Reißverschluss, desto besser kannst du bei Bedarf den Körper durch Fahrtwind kühlen. Andererseits können Reißverschlüsse auf der Haut scheuern. Mangels Rucksack haben Rennrad-Trikots am unteren Rücken mehrere Taschen zum Verstauen von Windweste, Energieriegel oder Handy. Für Wertsachen empfiehlt sich eine Tasche mit Reißverschluss.
Schicht 3: Die Rennrad-Weste oder -Jacke
Ein Fahrrad-Trikot soll atmungsaktiv sein und bietet daher nur einen sehr begrenzten Schutz vor dem Fahrtwind. Wenn es dir also im Sattel zu kühl wird, kannst du zunächst eine Windweste anziehen. Sie sollte an der Körpervorderseite 100 Prozent winddicht sein, etwa durch eine eingebaute Membran. An der Rückseite kann das Material luftdurchlässig sein und atmen. Es gibt ganz dünne Westen, die sich wie eine Kunststoff-Haut anfühlen und wirklich nur als Windschutz dienen. Dickere Modelle aus Softshell-Material wärmen, haben aber ein größeres Packmaß und passen womöglich nicht in die Trikottasche.
Wenn du neben dem Oberkörper auch die Arme vor Kälte schützen möchtest, brauchst du eine Rennrad-Jacke. Wie bei den Westen, so reicht auch hier die Bandbreite von hauchdünnen Windjacken bis hin zu leicht wärmenden Softshell-Jacken. Für alle gilt: Rennrad-Jacken sollten nicht nur am Rücken lang genug geschnitten sein, sondern auch an den Ärmeln. Mit einer dünnen Windweste und einer etwas wärmeren Rennradjacke bist du für jede Temperatur gut gerüstet.
Bei Regen benötigst du eine wasserdichte Rennrad-Jacke. Neben einer wasserdichten und atmungsaktiven Membran müssen die Nähte von innen verklebt sein. Eine verlängerte Rückenpartie schützt vor Spritzwasser vom Hinterrad. Regenjacken fürs Rennrad sind meist spartanisch ausgestattet, ohne Kapuze und meist auch ohne Tasche. So lassen sie sich klein komprimieren und passen in die Trikottasche.
Windjacken und Radwesten im Test
Im Test von RennRad 6/2020 wurden sowohl Westen als auch Windjacken getestet. Westen sind meist winddicht im Front- und Brustbereich. Zu den Auswahl- und Bewertungskriterien zählt auch das Gewicht. Eine Faustregel besagt: Je nach Konfektionsgröße sollte ein zusammengeknülltes Teil etwa faustgroß sein. Günstige Modelle halten oft nur kurzen Regenschauern stand, teurere Modelle etwas länger. Die Atmungsaktivität spielt ebenfalls eine wichtige Rolle.
Eine gelungene wasserabweisende oder wasserdichte Jacke mit einer guten Membran sorgt auch während einer dreistündigen Fahrt bei Trockenheit für ein angenehmes Körperklima, während membranlose Modelle häufig zu einem Wärme- und Feuchtigkeitsstau im Jackeninneren führen. In Sachen Wetterschutz in Relation zu Gewicht und Atmungsaktivität liegt das Gore-Shakedry-Material weit vorne. Für die getesteten Windwesten hingegen gilt: Ein sportiver Schnitt, Robustheit und Funktionalität müssen nicht teuer sein.
Die Einsatzbereiche:
- Windweste: An sonnigen Tagen zu kühleren Tageszeiten, bei Passabfahrten.
- Leichte Windjacke: An kühleren Tagen und bei Passabfahrten.
- Wasserdichte Jacke: An kühlen wie auch regnerischen Tagen, als Außenschicht.
Membranen und ihre Eigenschaften
Viele Funktionsjacken verfügen über eine integrierte Membran, die vor Regen und Wind schützt. Bekannte Namen sind Gore-Tex, Gore Windstopper, Sympatex, Texapore oder Ceplex. Diese wetterresistente Kunststoff-Schicht wird mit den anderen Schichten verschweißt und erlaubt dank Mikroporen, dass Regenwasser nicht eindringen kann, während Feuchtigkeit in Form von Wasserdampf nach außen entweichen kann.
Man unterscheidet zwischen winddichten, windabweisenden, wasserdichten und wasserabweisenden Membranen. Winddichte Membranen minimieren den Windchill-Effekt und schützen vor Fahrtwind. Bekannte winddichte Membranen sind Gore Windstopper von Gore Bike Wear und die Vaude Windproof Membranen. Windabweisende Membranen bieten einen leichten Schutz vor kühler Luft und eignen sich für windstille Tage und leichten Fahrtwind.
Wasserdichte und wasserabweisende Membranen schützen an regnerischen Tagen. Laut DIN EN 343:2010-05 muss ein Stoff mindestens 800mm Wassersäule aushalten, um als „wasserdicht Klasse 2“ zu gelten. „Wasserdicht Klasse 3“ benötigt bereits eine Wassersäule von 1.300mm. Alles darunter ist lediglich wasserabweisend. Bei starkem Regen empfiehlt sich eine Regenjacke mit einer möglichst großen Wassersäule.
Softshell-Jacken
Softshell-Jacken zeichnen sich durch ihre Elastizität und einen hohen Stretch-Anteil aus. Sie bieten eine hohe Bewegungsfreiheit und sind weich, atmungsaktiv, wasserabweisend und windabweisend. Mit eingearbeiteter Membran wie z.B. Gore Windstopper sind sie zusätzlich winddicht.
Fahrradjacken für jede Jahreszeit
Je nach Jahreszeit werden unterschiedliche Ansprüche an deine Radjacke gestellt. Im Winter empfehlen sich Winterjacken aus Fleece oder mit einer Füllung aus Daunen oder Kunstfaser. Im Sommer bieten sich Fahrradwesten an. In der Übergangszeit kannst du Armlinge und/oder Beinlinge anziehen oder als Wärmereserve in der Trikottasche mitnehmen. Noch mehr Flexibilität hast du mit einer Zip-off Jacke, bei der sich die Ärmel abtrennen lassen.
Zusätzliche Features
Einige Fahrradjacken verfügen über zusätzliche Features wie:
- Kapuze
- Reflektoren
- LED-Licht
- Raglan-Ärmel
- Verlängerter Rücken
- Belüftungs-Reißverschlüsse unter den Armen
- Taschen
Umweltfreundlich einkaufen
Achte beim Kauf auf Kennzeichnungen wie „GREEN SHAPE“, „FAIR WEAR“, „recyceltes Polyamid“, „PFC frei“ usw., um Produkte zu wählen, die umweltfreundlich und ressourcensparend gefertigt wurden.
Die richtige Passform
Je nach Einsatzzweck und Vorliebe kannst du zwischen Radjacken wählen, die eher leger geschnitten sind, und solchen, die enganliegend sind und jeder Bewegung folgen. Ein enger, körpernaher Slim Fit Schnitt sorgt dafür, dass dein Jacket nicht flattert.
Arten von Fahrradjacken und -westen
Es gibt eine große Auswahl an Bike Jacken für jede Gelegenheit, jedes Geschlecht und jedes Alter. Neben Herren Fahrradjacken gibt es auch Damen Fahrradjacken, die speziell an die Anatomie der Damen angepasst sind. Da jede Disziplin unterschiedliche Anforderungen an eine Radjacke stellt, kannst du zwischen MTB Jacken und Rennrad Jacken wählen. Für die kalte Jahreszeit sind Thermojacken mit wärmenden Materialien und schützenden Membranen genau richtig. Wenn du nur einen geringen Wetterschutz benötigst, sind Softshelljacken die richtige Wahl. An regnerischen Tagen empfehlen wir dir eine Regenjacke. Darüber hinaus gibt es eine Auswahl an praktischen Fahrradwesten.
Bekleidungs-Tipps
Der richtige Baselayer macht deine Performance und deine Tour besser. Bei der Wahl des richtigen Wintertrikots kommt es darauf an, dass es warm hält. Bei Schmuddelwetter ist gute Regenkleidung wichtig.
Empfehlungen
Eine gute Radjacke ist wichtig, damit man sich bei einem Schauer nicht unterstellen muss. Es gibt Regenjacken, Funktionsjacken, winddichte Softshelljacken und wärmende Thermojacken. Als warme Isolationsschicht empfiehlt sich eine Fahrrad Weste.
Überblick über Membranen
Hier ist ein Überblick über die verschiedenen Membranen und ihre Eigenschaften:
| Membran | Eigenschaften | Vorteile | Einsatzbereich |
|---|---|---|---|
| Gore-Tex | Wasserdicht, atmungsaktiv | Hoher Schutz vor Regen und Wind, guter Feuchtigkeitstransport | Regnerisches Wetter, anspruchsvolle Touren |
| Gore Windstopper | Winddicht, atmungsaktiv | Schutz vor Windchill, guter Feuchtigkeitstransport | Kühle und windige Bedingungen |
| Sympatex | Wasserdicht, atmungsaktiv | Umweltfreundliche Alternative zu Gore-Tex, guter Schutz vor Regen und Wind | Regnerisches Wetter, umweltbewusste Käufer |
| Texapore | Wasserdicht, atmungsaktiv | Günstige Alternative zu Gore-Tex, guter Schutz vor Regen und Wind | Regnerisches Wetter, preisbewusste Käufer |
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