Rennrad-Laufräder für Felgenbremsen im Test

Beim Kauf eines Laufradsatzes gibt es viele Fragen - erst recht, wenn man rund 1000 Euro zahlen will: Alu- oder Carbon-Felge? Bekannter Markenname oder Newcomer? Fachhandel oder Direktkauf beim Hersteller? Tubeless?

ROADBIKE hat Felgenbrems-Laufräder von acht Herstellern zum Vergleichstest eingeladen, um dabei Orientierung und Hilfestellung zu geben. Leserbefragungen und Recherchen bei Händlern und Laufradbauern zeigen: Wer einen neuen Laufradsatz kauft, gibt dafür oft um die 1000 Euro aus.

Keine reine Vernunftlösung also - man gönnt sich was. Macht sich selbst eine Freude. Und wertet damit natürlich auch das eigene Rennrad auf. Denn gegenüber den werkseitig an vielen Rädern montierten (Einstiegs-)Laufrädern bedeutet diese Investition: geringeres Gewicht, spritzigere Beschleunigung und, nicht zuletzt, aufregendere Optik.

In der Preisklasse rund um die magischen 1000 Euro werben die Hersteller mit ganz unterschiedlichen Konzepten um Kunden. Bei den renommierten Fachhandels-Marken bekommt man im Regelfall High-End-Laufradsätze aus Aluminium - mit aufwendig bearbeiteten Alu-Felgen, hochwertigen Leichtlauflagern und schicken Nabenkörpern. Konkurrenz bekommen die „Etablierten“ jedoch zunehmend von Newcomern, die zu diesem Preis bereits leichte Carbon-Felgen anbieten und ihre Laufräder per Direktvertrieb via Internet zu den Kunden bringen.

Testübersicht

Sowohl die Alu-Modelle von DT Swiss, Easton, Fulcrum, Mavic und Zipp als auch die Carbon-Laufräder von Hunt, Venn und Zeal überzeugten in Labor und Praxis. Die erfreuliche Erkenntnis: Wer so viel Geld für Laufräder ausgibt, bekommt auch viel Gegenwert.

Hohes Niveau

Natürlich ergeben sich Unterschiede in den Messwerten und im Fahrverhalten, insgesamt liefern die Laufräder aber Leistungen auf hohem Niveau:

  • Mit Ausnahme eines Hinterrades (Hunt) waren alle Modelle ausgesprochen seitensteif aufgebaut, und selbst der genannte Ausreißer bleibt noch im grünen Bereich.
  • Sechs der acht Laufräder sind sehr leicht, vier Sets wiegen weniger als 1500 Gramm.
  • Alle Laufräder sind mittig und sehr sauber aufgebaut, nur ein einziges Hinterrad (Venn) erlaubt sich einen minimalen Seitenschlag.
  • Sieben von acht Laufrädern können auch tubeless gefahren werden.
  • Und alle Laufräder machen - mit je ganz eigenen Stärken und Schwächen - auf der Straße richtig viel Spaß.

Große Unterschiede gibt’s bei den Zugaben „on top“: Manche Hersteller liefern ihre Laufräder nur mit dem allernötigsten Zubehör wie Schnellspannern oder speziellen Speichenmagneten aus, andere packen großzügig Ersatzspeichen, Spezialwerkzeug und Bremsbeläge obendrauf. Den Vogel schießt Mavic ab: Die Franzosen liefern ein komplettes Tubeless-Kit inklusive Reifen, Ventilen, Dichtmilch und Spritze mit, was dem Hersteller letztlich den Preis-Leistungs-Tipp sichert. Auch was Garantiebestimmungen, Crash-Replacement und Gewichtslimit angeht, zeigen sich ganz unterschiedliche Herstellerphilosophien. Hier stechen insbesondere die Versender hervor: Zeal gewährt satte sechs Jahre Garantie, die sogar bei Weiterverkauf der Laufräder übertragbar ist, und Hunt bietet seinen Kunden eine 60-tägige Rückgabefrist an, um das Produkt unverbindlich zu testen.

Große Unterschiede zeigen sich auch bei den Naben- und Lagerdimensionen.

Die Letzten ihrer Art?

Der Test zeigt auch, dass trotz des Hypes um die Scheibenbremse hochwertige Produkte für Felgenbremsen eine Daseinsberechtigung haben: Die getesteten Laufräder sind allesamt leichter und somit spritziger als ihre - mitunter deutlich teureren - Pendants für Scheibenbremsen (sofern verfügbar). Und die Modelle mit klassischer silberner Bremsflanke bremsten im Test in Kombination mit Standardbelägen von Campa und Shimano herausragend gut - zumindest bei trockenen Bedingungen. Fans der Felgenbremse finden in den getesteten Produkten also starke Argumente für ihre Präferenz - und viel Tuningpotenzial für ihren Renner.

Trotzdem ist zu befürchten, dass bahnbrechende technologische Entwicklungssprünge für Felgenbrems­-Laufräder nicht mehr zu erwarten sind. „Wir werden Felgenbremsvarianten sicher nicht aus unserem Sortiment verbannen, solange eine Nachfrage besteht“, heißt es etwa von DT Swiss, „das Feedback aus dem Markt und seitens der Fahrradhersteller spricht jedoch ganz klar für eine Konzentration auf die Entwicklung von Scheibenbremslaufrädern.“ Campagnolo/Fulcrum verspricht, Bremsoberflächen und ­-beläge weiterzuentwickeln, „solange Felgenbremsen relevant sind“, ähnlich äußert sich Mavic.

Noch lange nicht tot: Klassische Felgenbremsen verzögern hervorragend auf Alu-Bremsflanken.

So testet ROADBIKE

Messwerte von eigenen Prüfständen, dazu ausgiebige Fahrtests: ROADBIKE treibt großen Aufwand, um Laufräder zu testen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Faktoren Gewicht (25 %), Seitensteifigkeit (25 %), Torsionssteifigkeit (5 %), Trägheit (10 %), Aufbau (10 %) und Fahreindruck (25 %).

Detaillierte Testergebnisse

DT Swiss PR 1400 Dicut 32 Oxic

Wer auf die Optik schwarzer Bremsflanken steht, deswegen aber nicht auf Carbon bremsen möchte, sollte sich die Alu-Bremsflanke von DT Swiss mal genauer anschauen. Die schwarze, Oxic genannte Keramik-Oberflächenbeschichtung erwies sich schon im ROADBIKE-Dauertest als sehr haltbar. Und auch sonst überzeugt der Laufradsatz aus der Schweiz: Die höchsten Steifigkeitswerte im Testfeld, ein vergleichsweise großzügiges Gewichtslimit sowie der sorgfältige Aufbau der Räder ohne Seiten- und Höhenschläge sind gute Argumente für einen Kauf.

Das Lenkverhalten ist präzise, die Laufräder machen stets exakt das, was sie sollen. Seitenwind stellt kein Problem dar. Insgesamt gibt sich der Laufradsatz aber eher ruhig als spritzig. Grund dafür ist die 32 Millimeter hohe Aluminiumfelge, deren Gewicht bei Antritten deutlich zu spüren ist. Einmal auf Touren gebracht, rollt die Kombination jedoch sehr gut. Wer es sportlicher mag oder leichtfüßig durch die Berge klettern will: Optional ist der Laufradsatz mit leichterer, flacher Felge erhältlich. Verbesserungswürdig: Crash-Replacement gewährt DT Swiss nur für Carbon-Laufräder, und die derzeitigen Garantiebestimmungen (zwei Jahre) schließen Wettkämpfe aus.

Merkmal Wert
Gewichte VR 768 g/HR 889 g
Preis 998 Euro
Felgenmaße (Breite innen/Breite außen/Höhe) 18 mm/21 mm/32 mm
Speichen v 20 rad./h 24 je 1x gekr.
Lieferumfang Bremsbeläge, Schnellspanner, Tubeless-Zubehör, Werkzeug u.a
Gewichtslimit 130 kg Systemgewicht
Gewichte LRS 1657 g
Seitensteifigkeit v 120, h 98 Nm/°
Torsionssteifigkeit 5,59 mm
Trägheit v 838, h 844 m/s²
Aufbau sehr gut mittig und rund aufgebaut
Fahreindruck steif und präzise, aber etwas weniger spritzig
Wertung SEHR GUT (75 Punkte)

Easton EA90 SL (Testsieger Aluminium)

Eastons EA90 SL überzeugt im Labor und in der Praxis und schnappt sich den Testsieg bei den Alu-Modellen. Angesichts der massiven Naben und der - neben Zipp - breitesten Alu-Felge im Testfeld überrascht es, dass der EA90-SL-Satz locker unter der magischen Gewichtsgrenze von 1500 Gramm für das Set aus Vorder- und Hinterrad bleibt. Bei der Torsionssteifgkeit liefert Easton den zweitbesten Wert im Testfeld, und auch bei der Trägheitsmessung sammelt der Satz fleißig Punkte. Dazu kommt ein sauberer Aufbau ohne Höhen- und Seitenschläge.

Im Sattel macht sich all das positiv bemerkbar: Die Laufräder begeistern mit sattem Vortrieb und spritziger Beschleunigung, gefühlt kommt die investierte Kraft des Fahrers ohne Verluste auf der Straße an. Das Lenkverhalten ist wendig-agil und, nicht zuletzt dank des seitensteifen Vorderrades, ausgesprochen präzise. Da der Reifen hier sehr breit baut, stimmt auch der Komfort. Überragend ist - wie bei allen Laufrädern mit Alu-Flanke - das Bremsverhalten, zumindest unter trockenen Bedingungen. Hohes Tempo hält der Satz nicht ganz so gern wie mancher Konkurrent. Rabatte beim Neukauf nach einem Crash gewährt Easton nicht, dafür aber zwei Jahre Garantie - solange man keine Wettkämpfe bestreitet. Positiv: Ein Gewichtslimit gibt’s hier nicht.

Merkmal Wert
Gewichte VR 653 g/HR 829 g
Preis 1098,80 Euro
Felgenmaße (Breite innen/Breite außen/Höhe) 20 mm/25 mm/27 mm
Speichen v 20 rad./h 24, li 1x, re 2x
Lieferumfang Schnellspanner, Tubeless-Ventile und -Felgenband, Ventilschlüssel
Gewichtslimit keins
Gewichte LRS 1482 g
Seitensteifigkeit v 107, h 96 Nm/°
Torsionssteifigkeit 3,92 mm
Trägheit v 804, h 810 m/s²
Aufbau sehr gut mittig und rund aufgebaut
Fahreindruck sehr spritzig, präzise, toller Vortrieb
Wertung ÜBERRAGEND (95 Punkte)

Fulcrum Racing Zero

Der günstigste Laufradsatz in diesem Testfeld ist - nach Punkten - der drittbeste. Den Platz auf dem Podium verdient sich Fulcrums Racing Zero mit fast schon klassischen Tugenden: Obwohl die Felge ungelocht kommt, ist sie nicht tubeless-tauglich, sondern muss mit eingelegtem Schlauch gefahren werden, zudem fällt sie im Vergleich zur Konkurrenz eher schmal aus. Folge: Ein 25er-Reifen baut satte drei Millimeter schmaler als beim breitesten Konkurrenten (Venn). Das sorgt - in Kombination mit der höchsten Torsionssteifigkeit im Test - aber dafür, dass der Racing Zero abgeht, wie der Name vermuten lässt: Der Vortrieb ist beeindruckend, gemeinsam mit Mavics Ksyrium und Zeals Randa ist der Satz der spritzigste im Test. Das gefällt sportlichen Fahrern, die häufig beschleunigen oder am Berg antreten.

Die Seitensteifigkeiten der Räder reichen dafür locker aus, auch wenn andere in dieser Hinsicht noch mehr zu bieten haben. Die Räder reagieren schnell und präzise auf Lenkbefehle, ohne je nervös zu werden, die Bremsleistung ist auf den Punkt dosierbar. Hohes Tempo halten die Laufräder dafür nicht ganz so bereitwillig, wohl auch wegen der breiten Alu-Speichen. Kleiner Wermutstropfen: Alle Konkurrenten liefern ihre Räder mit mehr Zubehör aus. Die Garantie umfasst zwei Jahre und erlaubt auch die Verwendung bei Wettkämpfen.

Merkmal Wert
Gewichte VR 656 g/HR 860 g
Preis 916 Euro
Felgenmaße (Breite innen/Breite außen/Höhe) 17 mm/23 mm/v 24, h 27 mm
Speichen v 16 rad./h 21, li rad., re 2x
Lieferumfang Schnellspanner, Speichenmagnet, 10-fach-Distanzring
Gewichtslimit 109 kg Fahrergewicht
Gewichte LRS 1516 g
Seitensteifigkeit v 93, h 88 Nm/°
Torsionssteifigkeit 3,81 mm
Trägheit v 813, h 820 m/s²
Aufbau sehr gut mittig und rund aufgebaut
Fahreindruck tolle Beschleunigung, sehr wendig, präzise
Wertung SEHR GUT (83 Punkte)

Hunt 36 Carbon Wide Aero

2014 beschlossen zwei radsportverrückte Brüder aus England, sich in der Fahrradindustrie selbstständig zu machen - heute verschickt die in Sussex ansässige Firma Hunt Rennrad-, Cross-, Gravel- und Mountainbike-Laufräder versandkostenfrei in alle Welt. Im ROADBIKE-Test gefiel der Laufradsatz mit dem etwas sperrigen Namen 36 Carbon Wide Aero mit dem geringsten Gesamtgewicht, tollen Trägheitswerten und einem sehr guten Aufbau. Dem steht der zweitschwächste Wert bei der Torsionssteifigkeit gegenüber.

Licht und Schatten auch bei der Seitensteifigkeit: Das steife Vorderrad ist über jeden Zweifel erhaben und trägt zum sportlich-direkten, jederzeit vorhersehbaren Lenkverhalten bei, das Hinterrad (HR) fällt deutlich ab und bleibt mit 74 Nm/° vergleichsweise knapp im grünen Bereich (ab 70 Nm/°). Auf der Straße gefallen der satte Vortrieb und die gute Kraftübertragung, zudem rollen die Laufräder bei hohem Tempo top, Seitenwind lässt sie unbeeindruckt. Die Bremsleistung ist gut, Beläge gehören zum Lieferumfang. Toll sind die Rahmenbedingungen: Hunt gewährt 60 Tage Rückgaberecht bei voller Nutzung, dazu kommen zwei Jahre Garantie ohne Rennausschluss und Crash-Replacement. Übrigens: Der Unsicherheitsfaktor Brexit soll keine Abstriche beim Service oder Preiserhöhungen mit sich bringen.

Merkmal Wert
Gewichte VR 644 g/HR 775 g
Preis 1070 Euro
Felgenmaße (Breite innen/Breite außen/Höhe) 19 mm/27 mm/35 mm
Speichen v 20 rad./h 24 li rad., re 3x
Lieferumfang Schnellspanner, Bremsbeläge, Tubeless-Ventile, Ersatzspeichen, Werkzeug u.a.
Gewichtslimit 100 kg Fahrergewicht
Gewichte LRS 1419 g
Seitensteifigkeit v 109, h 74 Nm/°
Torsionssteifigkeit 6,76 mm
Trägheit v 800, h 810 m/s²
Aufbau sehr gut mittig und rund aufgebaut
Fahreindruck sportlich direkt, komfortabel, Bremsleistung: okay
Wertung SEHR GUT (79 Punkte)

Mavic Ksyrium Pro UST (Preis-Leistungs-Tipp)

Seit 1999 sind die optisch auffälligen Ksyrium-Laufräder des französischen Herstellers Mavic im Profi- und Hobby-Peloton unterwegs, nicht weniger als elf Ausführungen bieten die Franzosen aktuell an. Das Ksyrium Pro UST mit Alu-Felge und -Speichen rangiert dabei preislich in der Mitte. Im ROADBIKE-Test gefällt das sehr niedrige Gewicht - nur das Carbon-Set von Hunt ist noch leichter. In Verbindung mit den leicht laufenden Lagern bedeutet das: Bestwert bei der Trägheitsmessung. Die Seitensteifigkeit ist absolut ausreichend, allerdings verwindet sich kein Modell stärker bei der Torsionsmessung.

Im Sattel begeistert der unbändige Vortrieb, bergauf scheinen die Laufräder zu fliegen. Dazu passt das agile Lenkverhalten. Kurz: Mavic schnürt ein Paket für Sportler. Den Preis-Leistungs-Tipp sichern sich die Franzosen nicht zuletzt durch den großen Lieferumfang mit Tubeless-Vollausstattung - Reifen und Ventile sind schon montiert, nur noch Dichtmilch einfüllen und losfahren! 60 Tage Rückgaberecht gewähren die Franzosen dabei für unbenutzte Produkte, zudem zwei Jahre Garantie ohne Rennausschluss sowie ein weiteres Jahr bei Produktregistrierung.

Merkmal Wert
Gewichte VR 596 g/HR 842 g
Preis 949 Euro
Felgenmaße (Breite innen/Breite außen/Höhe) 17 mm/21 mm/ v 17, h 20 mm
Speichen v 18 rad./h 20 re rad., li 2x
Lieferumfang Schnellspanner, Tubeless-Reifen und Zubehör, Werkzeug, 10-fach-Distanzring
Gewichtslimit 120 kg Systemgewicht
Gewichte LRS 1438 g
Seitensteifigkeit v 98, h 92 Nm/°
Torsionssteifigkeit 8,19 mm
Trägheit v 790, h 801 m/s²
Aufbau sehr gut mittig und rund aufgebaut

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