Leichte Carbon-Laufräder machen schnelle Rennräder noch schneller. Sie kosten aber auch eine Menge Geld. Lohnt sich die Investition? Ein umfassender Vergleichstest von Carbon-Laufrädern für Rennräder, inklusive Labor- und Praxistests, um die beste Wahl für Geschwindigkeit und Leistung zu finden.
Testkriterien und -methoden
Auf einige tausend Testkilometer bringen es unsere sechs Carbon-Laufradsätze. Da kommen einige Eindrücke zusammen. Dazu hat ROADBIKE die Modelle auf den Prüfstand gehoben, um aussagekräftige Daten zu ermitteln. Und: es muss nicht immer ganz teuer zugehen. Das beweißt unser Preis-/ Leistungs-Tipp.
Die Carbon-Laufräder im Test wurden von verschiedenen Fahrern im alltäglichen Training, beim Pendeln zur Arbeit sowie bei Events, Reisen oder Wettkämpfen eingesetzt. Danach nahm "Laufrad-Guru" Haider Knall die Sätze im Labor genauestens unter die Lupe: Mit Präzisionsmesslehre und -zentrierständer wurden Mittigkeit und Rundlauf gecheckt, im Prüfstand mit Gewichten die seitliche Auslenkung und damit die Seitensteifigkeit gemessen, auf der Waage die Gewichte erfasst und abschließend ein besonderes Augenmerk auf eventuellen Verschleiß, die Lager und die Speichenspannung gelegt.
Einzeltests und Erfahrungen
Hunt Sub 50 Limitless UD Carbon Spoke
Gar nicht mehr hergeben wollte ROADBIKE-Testerin Emilia Welte den neuen Top-Laufradsatz Sub 50 Limitless UD Carbon Spoke von Hunt. "Die Beschleunigung ist mega, die Räder rollen leicht, halten spielerisch hohes Tempo, und auch bei High Speed bergab fühle ich mich jederzeit sicher", so die Vielfahrerin, die in kurzer Zeit über 6000 Kilometer mit dem Laufradsatz abspulte und damit u. a. - wie schon im Vorjahr - aufs Podium beim Dreiländergiro fuhr.
Die Laborwerte geben ihr - größtenteils - Recht: Die Steifigkeiten gehen in Ordnung, Höhen- oder Seitenschläge sind nicht zu verzeichnen, die Lager laufen auch bei Testende noch seidenweich. Das Gewicht von nur 1356 Gramm ist mit Blick auf die Felgendimensionen umso bemerkenswerter: satte 34,5 Millimeter Außenweite am Vorderrad, 30 Millimeter hinten und 23 Millimeter Maulweite an beiden. Dass die Laufräder dennoch so leicht sind, ist auf die Carbon-Speichen zurückzuführen, die auch im Dauertest trotz manchem Radtransport keinen Anlass zur Kritik boten. Nicht in Ordnung ist hingegen, dass das Hinterrad zwei Millimeter außermittig zentriert war. Geschmackssache sind die hakenlosen Felgen, die die Reifenauswahl auf Tubeless-Modelle begrenzen, sowie der fast schon störend laute Freilauf.
Emilia Welte, Testfahrerin:Meine neuen Lieblingslaufräder! Leichtfüßig, schnell, fahrstabil - für mich stimmt da alles!
Fulcrum Sharq
Mit satten 25 Millimetern Maulweite richten sich die brandneuen Fulcrum Sharq-Laufräder an Fans üppiger Bereifung: Mindestens 30 mm breite Schlappen sollte man hier montieren, was das Jubiläumsmodell (20 Jahre Fulcrum) für Endurance-, Allroad- oder gar Gravel-Einsätze prädestiniert. Im ROADBIKE-Test wurden sie mit 32-mm-Slicks und 38-mm-Gravel-Reifen gefahren, die sehr breit bauen und entsprechend gut dämpfen. Die Reifenmontage gelang sehr einfach, Tubeless-Pneus halten die Luft auf der ungelochten Minihook-Felge sehr gut. 1462 Gramm Set-Gewicht sind angesichts der Felgendimensionen leicht, die Seitensteifigkeit ist sehr hoch.
Die Sharqs beschleunigen willig, einen Raketenstart sollte man jedoch nicht erwarten. Nervosität bei Seitenwind ist den Laufrädern fremd, der Geradeauslauf ist ausgeprägt, die Lenkung vorhersehbar - das Sicherheitsgefühl entsprechend hoch. Angenehm: die sehr leicht laufenden Lager. Geschmackssache ist die auffällige Optik der Felge. So sehen die unterschiedlichen Profilhöhen spektakulär aus, andererseits passt diese "laute" Optik nicht an jedes Rad. Kleines Manko: Die mattschwarze Felgenoberfläche und -form ist etwas aufwendiger zu putzen.
Alexander Walz, Chefredakteur:Ein funktional unauffälliger, optisch extravaganter Laufradsatz, auf den jederzeit Verlass war. Eine starke Kombination.
Black Inc 28/33
Die Testfahrten mit dem 28/33 von Factor-Eigenmarke Black Inc waren früh beendet. Mit dem Bruch einer Carbon-Speiche am Hinterrad nach nur 920 Kilometern. Schade, denn bis dahin konnten die 28/33 durchaus überzeugen: Mit flachen Felgen und Carbon-Speichen ist der Laufradsatz leicht und steif zugleich. Entsprechend spritzig gerät der Antritt, das Handling ist agil, und auch bei hohem Tempo und Seitenwind kommt nie Unruhe auf. Die Laufräder waren zudem mittig und rund zentriert, das Tubeless-Set-up gelang schnell und einfach.
Dennoch kam’s zum Speichenbruch. Gilt ersteres, liegt der Testfahrer über zehn Kilo darunter, beim Systemgewicht bewegt er sich im Grenzbereich. Seltsam: Black Inc verzichtete darauf, das Hinterrad zu untersuchen und ein Statement zur technischen Ursache des Defekts abzugeben. Stattdessen verwies man darauf, dass der Kunde in einem solchen Fall - obwohl Ähnliches noch nie aufgetreten sei - ein neues Laufrad auf Garantie bekäme. Offiziell gewährt Black Inc zwei Jahre Garantie und Crash Replacement, sofern das Produkt spätestens 21 Tage nach Kauf registriert wird.
Eric Gutglück, Redakteur:An sich sind die 28/33 ein Volltreffer für Bergtouren - die seltsame Herstellerkommunikation hat mir aber nicht gefallen.
Scope Cycling Artech 4
Scope überzeugte schon in mehreren ROADBIKE-Tests mit technisch gut gemachten, fair kalkulierten Laufrädern. Mit den Artech-Modellen schlägt die innovative Marke nun ein neues Kapitel auf: technisch, aber auch preislich. Erstmals verbauen die Niederländer hier Carbon-Speichen, ein auffälliges Schuppenprofil sowie 3D-gedruckte Naben. Ergebnis: begeisternd leichte Laufräder mit nur 1124 Gramm Set-Gewicht. Und das bei 45 Millimeter hohen, innen 23 und außen 31 Millimeter breiten Felgen! Aufbau und Rundlauf sind sehr gut. Auch die Seitensteifigkeit erreicht den grünen Bereich, ab dem Laufräder nach ROADBIKE-Erfahrungen bedenkenlos für alle Fahrergewichtsklassen zu empfehlen sind.
Mit 80 Nm/° ist das Hinterrad über jeden Zweifel erhaben, das Vorderrad überspringt die Grenze (bei 70 Nm/°) hingegen nur knapp: 73 Nm/° bringt dieses eingespannt bei 6 Nm zustande, fixiert man es mit 10 Nm etwas fester, sind es 74 Nm/°. Gänzlich zufriedenstellend ist hingegen die hohe Fahrstabilität bei böigem (Seiten-)Wind. Hinweis: Das leichte Lagerspiel ist gewollt und verschwindet bei der Montage im Rad - an mehreren Testrädern war dafür aber ein extrem festes Anziehen der Steckachsen notwendig (vorher checken, was auf der Steckachse als maximales Drehmoment vermerkt ist).
Moritz Pfeiffer, Redakteur:Scope macht mit den Artech 4 sehr viel richtig. Die geschuppte Felgenoberfläche ist ein Alleinstellungsmerkmal, der Preis in diesem Testfeld allerdings auch.
DT Swiss ARC 1100 Dicut 38
Aero, aber leicht - so kann man die Philosophie der neuen, erneut zusammen mit Swiss Side entwickelten Aero-Laufräder ARC 1100 Dicut 38 von DT Swiss mit 38-Millimeter-Felge beschreiben. Mit 1324 Gramm für den Laufradsatz inklusive Felgenband unterbietet der ARC 38 deutlich die Gewichte der anderen ARC-Modelle, deren Felgen 50, 62 oder 80 Millimeter hoch sind. Dass die niedrigste Aero-Felge von DT dennoch "segelt", spürt man deutlich: Fahrt- und Seitenwind heften sich an und tragen zum Vortrieb bei. Je nach Windverhältnissen ist das Fahrgefühl mal mehr, mal weniger wackelig - durchaus typisch für DT Swiss-/Swiss Side-Laufräder und auch gut beherrschbar, zumal beim getesteten 38-mm-Modell.
Wer maximale Laufruhe sucht, sollte vor dem Kauf aber besser eine Probefahrt machen. Oder den neuen Aero-Reifen von DT/Conti/Swiss Side montieren, der spürbar zu mehr Laufruhe beiträgt. Testfahrer Jakob Heni fuhr mit der Kombination bei mehreren Lizenzrennen in die Top Ten. Aufbau und Steifigkeiten sind wie von DT Swiss gewohnt über jeden Zweifel erhaben, etwas überraschend liefen aber die Keramiklager rau und schwer - fast schon ein Reklamationsgrund! Geschmackssache: die heute vergleichsweise geringe Maulweite von 20 Millimetern.
Jakob Heni, Testfahrer:Ob im Lizenzrennen oder Training: Ich fand die ARC 38 klasse und richtig schnell - erst recht mit dem neuen Aero-Reifen.
Newmen Streem Allround Vonoa
Sehr viel Lob von gleich mehreren Testfahrern ernteten die unlängst komplett überarbeiteten Newmen Streem Vonoa-Laufräder. Bei der Tour de France trugen sie Biniam Girmay zu drei Etappensiegen und ins Grüne Trikot. Neben der getesteten Allround-Version sind sie auch mit niedrigeren und höheren Felgen erhältlich. Mit Ausnahme der 80-mm-Zeitfahrversion ist dabei die vordere Felge niedriger als die hintere - aerodynamisch sinnvoll, optisch wohl Geschmackssache. 15 bzw. 18 Carbon-Speichen drücken das Set-Gewicht auf attraktive 1305 Gramm - erfreulicherweise nicht zu Lasten der Steifigkeit. Im Gegenteil. Erfreuliche Folgen: sehr spritziger Antritt, tolle Kraftübertragung, hohe Lenkpräzision - und jede Menge Fahrspaß!
Dank 24 Millimetern Maulweite bauen die Reifen breit und dämpfen gut. Ungewöhnlich ist das Streem Aero-Ventil-Kit, bei dem das Schlauch- bzw. Tubeless-Ventil vollständig in der Felge versteckt liegt. Aufgepumpt wird mittels Adapter, ein Stopfen verschließt die Felge - für eine aufgeräumte Optik und noch bessere Aerodynamik. Wer das nicht möchte, kann das große Felgenloch aber auch per Hülse verkleinern und ein klassisches Ventil verbauen, das wie üblich befüllt wird. Herausragend, gerade auch im Vergleich zur Konkurrenz: der Preis!
Tobias Ihle, Testfahrer:Die leichten Streem Vonoa verleihen Flügel! Das Ventilsystem fand ich erst gewöhnungsbedürftig, dann durchaus clever.
Interview mit Michi Grätz, Newmen Components
Michi Grätz, Gründer und Chefentwickler bei Newmen Components, über die Vor- und Nachteile von Carbon-Speichen an Rennrad- und Gravel-Laufradsätzen.
Derzeit kommen immer mehr Laufradsätze mit Carbon-Speichen auf den Markt. Ein neuer Trend?
Als Trend würde ich das nicht bezeichnen. Es ist der nächste konsequente, aber bereits etablierte Schritt in Richtung Leichtbau.
Was sind die Vorteile, was mögliche Nachteile von Carbon-Speichen?
Die Vorteile überwiegen deutlich. Sie sind leichter, stabiler und steifer. Steifer heißt, sie dehnen sich weniger als Stahlspeichen. Dadurch kann man Laufräder mit weniger Speichen bauen, was wiederum einen positiven Effekt auf die Aerodynamik und das Gewicht hat. Ich persönlich finde auch, dass Laufräder mit Carbon-Speichen einfach besser aussehen. Einziger Nachteil: Sie sind teurer als Stahlspeichen.
Worauf müssen Endverbraucher achten, etwa bei Wartung und Pflege, bei der alltäglichen Nutzung oder beim Transport? Sind da Laufradtaschen Pflicht?
Natürlich sollte man vorsichtig mit seinem Material umgehen, es gibt aber keine besonderen Wartungs- oder Pflegevorschriften. Carbon-Speichen sind deutlich unempfindlicher, als man denkt. Manchmal liegt der Teufel aber im Detail: Bei unseren Laufrädern zum Beispiel liegen die Nippel in der Felge - das Endstück der Speiche, das aussieht wie ein normaler Nippel, dient nur zum Gegenhalten. Dreht man daran, zerstört man die Speiche! Wenn man sich das Zentrieren nicht zutraut, sollte man - wie mit klassischen Laufrädern auch - lieber zum Händler seines Vertrauens gehen.
Im Falle eines Falles: Kann man Carbon-Speichen tauschen? Oder ist das Laufrad bei einem Speichenbruch hinüber?
Das kommt auf die Bauart des Carbon-Laufrads an. Bei unseren Vonoa-Modellen muss keine neue Nabe und keine neue Felge gekauft werden, einzelne Carbon-Speichen lassen sich wie normale Stahlspeichen ersetzen. Bei Laufrädern, bei denen die Carbon-Speichen an Nabe und/oder Felge einlaminiert sind, klappt das allerdings nicht. Diese Laufräder sind bei einem Speichenbruch hinüber.
Viele Laufräder mit Carbon-Speichen sind sehr teuer, eure Vonoa-Modelle hingegen vergleichsweise günstig. Wie bekommt ihr das hin?
Wir sind aufgrund unserer inzwischen relativ großen Stückzahlen gut aufgestellt, was die Herstellungskosten betrifft. Außerdem nehmen wir Abstand davon, Mondpreise im Aftermarkt anzusetzen, um Kompletträder, welche mit unseren Vonoa-Laufrädern ausgestattet sind, als besonders attraktives Angebot aussehen zu lassen.
Sieben Carbon-Laufradsätze im Test
Die Testidee: Carbon-Laufräder, die unter der magischen Grenze von 1500 Gramm pro Set bleiben. Und weniger als 1500 Euro kosten. Der Vergleich zeigt: Die Unterschiede sind größer als erwartet. Und: Junge Laufradmarken setzen die etablierten unter Druck - nicht nur in Sachen Preis/Leistung.
Bewegung im Laufradradmarkt: Mit Aerycs, Leeze, Newmen und Winspace unterbieten gleich vier junge Anbieter im Test die 1500-Gramm-Grenze deutlich - zu attraktiven Konditionen. Fulcrum, Mavic und Shimano halten mit Prestige, verzweigtem Händlernetz und - teilweise - nachhaltiger Produktion in Europa dagegen. Dass die Modelle der großen Anbieter im Handel oft günstiger zu haben sind, als es die unverbindliche Preisempfehlung vermuten lässt, relativiert den Preisvorteil der Herausforderer. Große Unterschiede gibt’s dagegen bei den Punkten Garantie, Crash Replacement und Lieferumfang. Klar ist: Wettbewerb belebt das Geschäft - gut für potenzielle Kunden. Der ROADBIKE-Test hilft bei der Entscheidung.
Aerycs Aero WT 30
Als echten Dauertest kann man die gut 500 Kilometer mit den neuen Aerycs Aero WT 30 zwar nicht bezeichnen, für einen ausgiebigen ersten Eindruck reicht es dennoch - und der ist, einmal mehr, sehr positiv. Im Vergleich zum letzten Jahr, als Aerycs mit den etwas höheren Aero WT 40 einen Preis-Leistungs-Tipp abräumte, wurde die Carbon-Felge überarbeitet: Satte 23 Millimeter Maulweite bietet die nun in allen der fünf erhältlichen Felgenhöhen - entsprechend breit bauen die Reifen, die mindestens 28, höchstens 65 Millimeter messen dürfen.
Trotz ihrer Breite wiegt die Hakenfelge nur 345 Gramm - der Laufradsatz aus Vorder- und Hinterrad bringt es so auf gerade mal 1321 Gramm. Das spürt man bei jedem Antritt: Wieselflink geht’s hier nach vorn, die Fahrdynamik begeistert. Die Kraftübertragung ist top, die Lenkung präzise - je 24 2-fach gekreuzten Messerspeichen von DT Swiss sei Dank. Bei hohem Tempo, in Abfahrten und bei Seitenwind kommt nie Unruhe auf - auch ein Verdienst der nicht zu hohen Felgen. Der Aufbau des Sets war tadellos, die soliden DT Swiss 350-Naben laufen fast widerstandsfrei. In Kombination mit dem sehr ordentlichen Lieferumfang, drei Jahren Garantie und einem Crash-Replacement-Angebot bietet Aerycs so wieder ein sehr attraktives Gesamtpaket.
Christian Brunker, Redakteur:Viel Fahrspaß, fairer Preis - Aerycs zeigt hier eindrucksvoll, was klassischer Laufradbau leisten kann.
Fulcrum Wind 42
Auf eine stolze Kilometerleistung brachten zwei Testfahrer Fulcrums Wind 42. Positiv: Bei Testende waren weder technischer Verschleiß noch nennenswerte optische Beeinträchtigungen feststellbar. Die Lager laufen leicht, die Räder rund. Damit empfehlen sich die Wind 42 auch als günstigere Alternative zu Fulcrums Wettkampflaufrädern Speed 42: Die Carbon-Hakenfelge kommt mit exakt den gleichen Dimensionen, verwendet aber etwas einfachere Naben, Lager und Speichen. Der Leistung schadet das so wenig wie das im Vergleich zu anderen etwas höhere Gewicht: Die sehr seitensteifen Laufräder gehen sportlich-agil nach vorn, lenken messerscharf ein und stehen auch im Wiegetritt und im Sprint wie eine Eins.
Die höchste Felge in diesem Vergleich schneidet zudem pfeilschnell durch die Luft und zeigt sich selbst bei böigem Wind und hohem Tempo absolut fahrstabil. Ebenfalls positiv: Die Laufräder fahren sich recht komfortabel, was durch breit bauende Reifen dank 23er-Maulweite verstärkt wird. Ungewohnt leise surrt der Freilauf. Kleiner Wermutstropfen: Die Reifenmontage kann Kraft kosten, mehr als zwei Jahre eingeschränkte Garantie gibt’s nicht, der Lieferumfang umfasst nur das Wesentliche. Schön: Die Laufräder werden in der EU hergestellt.
Wolfgang Krauter, Testfahrer:Von den Fulcrums war ich wirklich begeistert. Mir gefällt auch, dass sie hier in Europa produziert werden!
Leeze CC 38 Basic R
Gerade erst hat Leeze die dritte Generation seiner beliebten Laufradlinie Basic vorgestellt, schon erscheint das CC 38 im ROADBIKE-Test - und überzeugt auf Anhieb: Dank des geringen Gewichts gehen die hervorragend aufgebauten Laufräder gut nach vorn, halten dank der aerodynamischen 38-Millimeter-Hakenfelge sehr gut hohes Tempo und bleiben dabei jederzeit fahrstabil. Nervosität bei Seitenwind? Fehlanzeige! Was die Kraftübertragung und Lenkpräzision angeht, fühlte sich ein Testfahrer gar an Laufräder mit Carbon-Speichen erinnert. All das ist Ergebnis eines umfassenden Updates: Die Felge wurde im Windkanal weiterentwickelt, bei den Naben setzt Leeze nun auf Straightpull-Einspeichung, und anstelle von Pillar- kommen neuerdings Sapim-Messerspeichen zum Einsatz.
Viel Bewährtes findet sich aber auch in den Neuen wieder, etwa die Maulweite von 21 Millimeter, die einfache Wartung des hell surrenden Freilaufs oder das optionale, aufpreispflichtige Upgrade der Naben auf Keramiklager von Croder oder Ceramicspeed. Das lebenslange Crash Replacement ist attraktiv, mehr als die gesetzliche Gewährleistung von zwei Jahren gibt’s jedoch nicht. Auch der Lieferumfang ist überschaubar. Dennoch sind Leezes neue Basics mehr als eine Überlegung wert, der Preis ist absolut fair.
Tobias Ihle, Testfahrer:Leicht, schnell, fahrstabil - hätte ich nicht schon gute Laufräder, würde ich ernsthaft einen Kauf der Leeze erwägen.
Mavic Cosmic SL 32
Licht und Schatten offenbarten die überarbeiteten Cosmic SL 32 Disc. In der Fahrpraxis gefällt vor allem der hohe Dämpfungskomfort. Dieser wird noch verstärkt durch die Tatsache, dass die Maulweite gegenüber früheren Ausführungen der Laufräder auf nun 21 Millimeter angewachsen ist und Reifen entsprechend breiter bauen und noch besser dämpfen können. Auf wenig Gegenliebe stieß hingegen die als träge, fast schwammig empfundene Beschleunigung. "Kommen nicht aus dem Quark", notierte ein Testfahrer.
Apropos Gewicht: Das Set wiegt über 50 Gramm mehr, als der Hersteller verspricht. Auch der Aufbau war nicht hundertprozentig zufriedenstellend: Das Hinterrad stand leicht außermittig. Einmal auf Touren gebracht, rollen die Laufräder mit tief röhrendem Freilauf und lassen sich von böigem Seitenwind nicht aus der Ruhe bringen. Keine Blöße gibt sich Mavic in puncto Service: Der Lieferumfang ist gut, bei Registrierung seiner Laufräder gilt eine lebenslange Garantie, und auch Crash Replacement wird angeboten.
Moritz Pfeiffer, Redakteur:Der Komfort und die Laufruhe sind top. Für eine dauerhafte Liaison würde ich mir aber mehr Temperament wünschen.
Newmen Streem Climbing
Richtig gelesen: Die neuen Streem Climbing-Laufräder von Newmen wiegen als Set unter 1200 Gramm! Und das, obwohl die Felgen 35 bzw. 38 Millimeter hoch und innen immerhin 22 Millimeter weit sind. So ein Leichtgewicht zaubert auch sofort ein breites Grinsen ins Gesicht: Leicht wie eine Feder katapultiert man sich im Wiegetritt nach vorn, bergauf scheint man zu fliegen. Nach Hunderten Kilometern und etlichen Pässen in den französischen Seealpen attestierte Testfahrer Jakob Heni den Newmen-Laufrädern zudem beeindruckende Spurtreue bergab.
Zweiter großer Pluspunkt: Nach über 3500 Testkilometern geben die Laufräder in puncto Verschleiß keinen Anlass zur Klage: Die Lager laufen extrem leichtgängig, Höhen- und Seitenschläge sind keine zu verzeichnen, optisch wirken Felgen und Naben wie neu. Nur eine leichte Außermittigkeit des Hinterrads verhindert die Endnote eins plus mit Sternchen. Ein Alleinstellungsmerkmal ist das Tubelesssystem mit sehr breitem Felgenloch, in dem das Ventil auf Wunsch vollständig versenkt werden kann. Mit beiliegendem Adapter kann man aber auch klassische Tubelessventile oder -schläuche verwenden. Der Lieferumfang ist großzügig, drei Jahre Garantie und das lebenslange Crash Replacement ebenso.
Jakob Heni, Testfahrer:Explosiv im Antritt, leichtfüßig bergauf, absolut spurtreu bergab: Die Newmen-Laufräder haben richtig Spaß gemacht!
Shimano Ultegra WH-RS8170 C36
Testfahrer Eric Gutglück lieferte seine positiven Praxiseindrücke gleich mit potenzieller Gegenrede ab, "denn alle meine Testeindrücke könnte man auch negativ auslegen". Dem Redakteur gefiel der Laufradsatz als ausgewogen, laufruhig und grundsolide, "wer anders draufblickt, empfindet ihn aber vielleicht als charakterschwach und eher langweilig". Klar ist: Den optisch sehr dezenten, technisch über jeden Zweifel erhabenen Shimano-Laufradsatz auf Ultegra-Niveau kauft man nicht, um damit an der Eisdiele zu posieren.
Wer aber genau das gar nicht plant, hat gute Chancen, hier einen Begleiter fürs Leben zu finden. Denn der WH-RS8170 C36, wie er Shimano-typisch etwas kryptisch heißt, überzeugt in der Praxis mit guter Kraftübertragung, stoischer Ruhe bei Seitenwind und angenehmem Dämpfungskomfort. Im Labor punktet er mit soliden Messwerten, im Dauertest mit Verlässlichkeit und Haltbarkeit: Nach gut 1500 Testkilometern steht der Laufradsatz wie eine Eins ohne Seiten- und Höhenschläge, die Konuskugellager mit Schleifdichtung laufen wie am ersten Tag und lassen sich mit dem richtigen Werkzeug leicht selbst warten. Schade: Vergünstigte Konditionen nach Sturzschäden gibt’s bei Shimano nicht, dafür zwei Jahre Garantie. Und: kein Gewichtslimit.
Eric Gutglück, Redakteur:Ein grundsolider Mix aus Aero und Gewicht, ideal für wellige Strecken. Dazu gepflegtes Understatement - mir gefällt’s!
Winspace Lún Grapid
Winspace - nie gehört? Die chinesische Marke produziert seit 2008 Rahmen, Laufräder und weitere Fahrradprodukte aus Kohlefaser und drängt mit aggressiven Preisen zunehmend auch in Europa auf den Markt. Das bekommt die Konkurrenz hier zu spüren mit dem Lún Grapid. Streng genommen handelt es sich dabei um einen Gravel-Laufradsatz mit 25er-Maulweite, der aber mit Reifen ab 30 Millimetern bestückt auch an Performance- und Endurance-Rennrädern eine gute Figur abgibt. Denn mit 1355 Gramm Set-Gewicht spielt er ganz vorne mit und gefällt mit sportlich-agilem Handling.
Die knapp 1000 Testkilometer hinterließen keine nennenswerten Spuren: Die Naben mit überdimensionierten Edelstahllagern laufen leicht, die Räder drehen sich mittig und ohne Höhen- oder Seitenschlag. Der Freilauf surrt auffällig hell, der Lieferumfang umfasst eine Lenkertasche. Garantie gibt’s für zwei Jahre, Crash Replacement bietet der Hersteller keines. Auch einen Onlineshop oder Ladenverkauf gibt’s bislang nicht - der Bezug erfolgt durch direkte Kontaktaufnahme mit Winspace Germany. Wer das akzeptiert, macht hier ein Schnäppchen.
Zusätzliche Testinformationen
Shimano28" Laufräder: Jonas hat den Shimano Ultegra C36 Carbon-Laufradsatz auf seinem Specialized Tarmac im Trainingslager auf Mallorca getestet. Seine Fahreindrücke. Mit dem Ultegra C36-Laufradsatz folgt Fahrradgigant Shimano dem bewährten Trickle-Down-Prinzip: Produktinnovationen der teureren Dura-Ace-Geschwister zum günstigeren Ultegra-Preis.
Verwandte Beiträge:
- Rennrad Bekleidung Wetter: Optimaler Schutz bei jedem Wetter
- Manuel Neuer Rennrad: Fakten, Bilder & mehr
- Rennradlenkerformen: Ergonomie, Auswahl & Tipps
- Rennrad Reifendruck 100 kg Fahrergewicht: Der richtige Druck für optimale Leistung
- Stützräder für Laufräder: Auswahl & Montage
- Carbon-Clincher Laufräder im Test: Enthüllt – Wie leistungsstark sind sie wirklich?
Kommentar schreiben