Rennrad Felgenbremse: Vor- und Nachteile

Trotz des starken Aufkommens von Scheibenbremsen werden Felgenbremsen immer noch häufig verwendet. Ganz grob lassen sich die Rennrad-Bremsen in zwei Kategorien einteilen: Disc- und Felgenbremsen. Als wäre die Vielfalt dadurch nicht schon groß genug, muss man allerdings noch weiter unterscheiden. Sowohl Disc- als auch Felgenbremsen gibt es nämlich in mechanischer (also mit Bremszug) und hydraulischer Ausführung.

Arten von Felgenbremsen

Welche konstruktionsbedingten Einschränkungen und Vorteile sonst noch entscheidend sind, kannst du in den folgenden Abschnitten nachlesen. Durchgesetzt hat sich am Rennrad die sogenannte Seitenzugbremse. Da die Konstruktion nur recht schmale Reifen zulässt, ist die Seitenzugbremse fast nur am Rennrad zu finden.

  • Seitenzugbremse: Diese Bremse ist am Rennrad weit verbreitet.
  • Canti- oder V-Brakes: Hierfür sind geeignete Sockel an den Sitzstreben nötig.
Die Bremsen werden in der Regel mittels einer Schraube an der Gabel / am Rahmen befestigt, die mittig in die Bremse geht: Man spricht von der sogenannten Center Bolt Aufnahme. Eine zweite Möglichkeit bei Seitenzugbremsen ist der Direct Mount Standard. Hier wird die Bremsen nicht zentral, sondern jeder Bremsschenkel einzeln am Rahmen bzw. an der Gabel befestigt. Die doppelte Abstützung soll steifer sein und dadurch eine bessere Dosierbarkeit bieten. Beide Aufnahmen sind dabei nicht mit Cantilever / V-Brake Bremsen kompatibel.

Mechanische vs. Hydraulische Felgenbremsen

Neben den klassischen mechanischen Felgenbremsen wie der V-Felgenbremse (V-Brake) und der Cantilever-Bremse kommen immer mehr hydraulische Bremssysteme auf. Neben den mechanischen Felgenbremsen, die über Handkraft und Seilzüge, sogenannte Bowdenzüge, arbeiten, gibt es auch hydraulische Felgenbremsen. Sie arbeiten mit Öldruck und gelten im Vergleich zu mechanischen Felgenbremsen als sehr direkt und leistungsstark. Hydraulische Felgenbremsen-Systeme werden beispielsweise von SRAM und Magura angeboten. Diese sollen etwas mehr Bremskraft bieten und durch das geschlossene System beständiger gegenüber der Witterung sein. Hydraulische Felgenbremsen entfalten also eine stärke und damit sicherere Bremswirkung als mechanische. Außerdem muss man bei ihnen die Seilzüge nicht regelmäßig austauschen. Die Verbreitung ist allerdings tendenziell gering.

Vorteile von Felgenbremsen

Denkt man an ein klassisches Rennrad, dann denkt man an ein Fahrrad mit Felgenbremsen. Zugegeben, an den windschnittigen Rennern machen die filigranen Stopper optisch vielleicht auch den besseren Eindruck. Aber natürlich gibt es zudem einige funktionelle Vorteile, die der Felgenbremse ihre Legitimation verleihen.Die wichtigsten Vorteile im Überblick:

  • Felgenbremsen sind in etwa 500g leichter als Scheibenbremsen
  • Einfache Wartung
  • Aerodynamisch und optisch gut integrierbar
  • große Auswahl an verschiedenen Komponenten
  • günstiger in der Anschaffung als Disc-Bremsen

Nachteile von Felgenbremsen

Problematisch ist außerdem, dass Dreck und Regen die Dosierbarkeit und Leichtgängigkeit der Felgenbremse stark beeinträchtigen können. Für Schönwetter-Fahrer an sich kein Problem, kann man gerade im Gebirge dennoch von einem plötzlichen Wolkenbruch überrascht werden. Eine in der Regel bei Felgenbremsen unterschätzte Gefahr ist das Problem der Hitzeentwicklung. Bei langen Abfahrten können sich die Bremsflanken durch dauerbremsen nämlich so stark erhitzen, dass die Schläuche im Inneren platzen. Das passiert v.a. bei Felgen ohne Felgenband. Nicht gerade ideal, während man sich eine steile Abfahrt hinunterstürzt.

  • die Bremsleistung von Felgenbremsen ist in den meisten Fällen absolut ausreichend
  • die Dosierbarkeit ist im Vergleich zu Scheibenbremsen schlechter
  • Bei Nässe verlieren Felgenbremsen (insbesondere Carbonfelgen) an Bremsleistung
  • Durch Hitze an den Bremsflanken können Schläuche platzen

Gewicht & Aerodynamik

Der größte Vorteil von Felgenbremsen gegenüber Scheibenbremsen ist eindeutig das Gewicht. Satte 500g kann man nämlich sparen, wenn man nicht auf Disc-Modelle setzt. Je nach Rad können das in etwa 8% des Gesamtgewichts sein. 250g entfallen dabei auf das höhere Systemgewicht einer Scheibenbremse. In etwa 150g kommen auf das Gewicht des Laufrades und in etwa 100g auf das des Rahmens, da die Aufnahme für eine Scheibenbremse mehr Material erfordern und durch die auftretenden Bremskräft manche Bereich verstärkt werden. Entgegen der Erwartungen vieler Fahrradfahrer können sich Felgenbremsen im Windkanal jedoch nicht nennenswert vor der Scheibenbremse platzieren. Der Luftwiderstand ist bei Standardbremsen in etwa gleich groß. Spezielle Aero-Felgenbremsen bieten hingegen einen marginalen Vorteil. Hier ist die Bremszange quasi in den Rahmen bzw. die Gabel integriert, so dass die Luft störungsfrei vorbeifließen kann. Möglich macht es eine beinahe bündige Fläche aus Rahmen, Gabel und Bremse. Bei Scheiben ist dieses Maß an Integration leider nicht möglich. Wer also reinrassigen Wettkampfsport betreiben will, ist mit solchen Felgenbremsen eine Spur besser beraten.

  • Felgenbremsen sparen etwa 500g Gewicht gegenüber Scheibenbremsen
  • Der Luftwiderstand von Standard-Felgenbremsen und Scheibenbremsen ist quasi gleich
  • Spezielle Aero-Felgenbremsen bringen hingegen einen leichten Vorteil hinsichtlich der Aerodynamik

Verschleiß, Wartung und Kosten

Bremsbeläge an Felgenbremsen verschleißen zwar schneller als bei Scheibenbremsen, dafür sind die Kosten pro Belagpaar deutlich geringer. Hier ist es wichtig, den zur eigenen Felge passenden Belag zu wählen. Es gibt Unterschiede in der Härte der Beläge und der Belagmischung, Single-Compound oder Triple-Compound, Beläge für speziell konstruierte Bremsflanken oder Carbonfelgen. Hier sollte man unbedingt auf die Empfehlungen des Felgenherstellers achten. Auch beim Wechsel von Alu- auf Carbonfelgen ist Vorsicht geboten: die gebrauchten Beläge können nämlich mit Aluspänen verschmutzt sein, die Carbonfelgen beschädigen würden. Laufradwechsel bedeutet also auch ein Belagwechsel. Hinsichtlich der Wartung können bei Felgenbremsen hohe Kosten auf den Fahrer zukommen. Natürlich liegt das weniger daran, dass Bremszüge öfters getauscht werden müssen, sondern viel mehr daran, dass Felgen beim Bremsvorgang verschleißen. Durch die Reibung zwischen Bremsbelag und Bremsflanke wird permanent Material abgetragen. Wird die Seitenwand der Felge zu schwach, muss die Felge bzw. das ganze Laufrad getauscht werden. Je leichter die Felge, desto schneller ist die Verschleißgrenze in der Regel erreicht. Carbonfelgen können durch häufiges, kräftiges Bremsen außerdem delaminieren. Delamination entsteht, wenn sich die einzelnen Carbonlagen in der Bremsflanke durch die entstehende Hitze ablösen. Dadurch entsteht ein Totalausfall. Auch hier muss dann eine neue Felge oder ein neues Laufrad her, was bei Carbonfelgen den Geldbeutel besonders belastet.

  • Die Kosten für Bremsbeläge sind bei Felgenbremsen geringer als bei Scheibenbremsen
  • Aluminium- und Carbonfelgen benötigen verschiedene Beläge
  • Beim Laufradwechsel von Alu zu Carbon sollten unbedingt die Bremsbeläge getauscht werden
  • Bremsvorgänge belasten die Felgen, die daher regelmäßig getauscht werden müssen
  • Carbonfelgen können durch “heiße” Bremsvorgänge delaminieren

Montage & Standards

Wie immer in der Fahrradwelt bringt jedes Bauteil seinen eigenen Standard mit sich. Seitenzugbremsen müssen daher an speziellen Aufnahmen befestigt werden. Nachträglich können grundsätzlich keine anderen Befestigungsmöglichkeiten angebracht werden. Es gibt zwar allerhand Adapter und Bastellösungen, aber an einem schnellen Rennrad haben die nichts verloren. Die Funktion und Sicherheit kann damit nämlich nicht gewährleistet werden. An den Bremsen sollte man einfach keine halben Sachen machen.

  • Felgenbremsen passen für Center-Bolt- und Direct Mount-Aufnahmen
  • V-Brakes/Cantilever-Bremsen können nicht an diesen Aufnahmen montiert werden

Einsatzzweck

Die mechanische Felgenbremse ist mit Abstand am meisten verbreitet, und das zurecht. Die Bremsleistung ist einfach ausreichend für jeden Freizeitsportler und Racer. Reparaturen gestalten sich weniger kompliziert und kompatible Teile gibt es in Hülle und Fülle. Hier kann man einfach nichts falsch machen. Felgenbremsen findet man daher auch an allen möglichen Arten von Rennrädern. Wer häufig Wettkämpfe fährt, freut sich über das gesparte Gewicht. Außerdem sind nur mit Felgenbremsen richtige Aero-Bikes zu realisieren. Wie groß der Effekt des verminderten Luftwiderstands ist, sei jedoch dahingestellt. Dennoch ist die Felgenbremse einfach ein gut funktionierendes System, das Schönwetterfahrern quasi keine Probleme bereiten wird. Wer aber auch bei Wind und Wetter unterwegs sein will, der sollte einen Blick auf den übernächsten Abschnitt “Scheibenbremsen am Rennrad” werfen.

Scheibenbremsen als Alternative

Der Trend im Rennradbereich scheint sich in Richtung der Disc-Bremsen zu bewegen. Dabei funktionieren die Bremsen grundlegend gleich wie MTB-Scheibenbremsen. Eine detaillierte Beschreibung kannst du in unserem Bremsen-Ratgeber nachlesen. Aber warum hat es so lange gedauert, bis die im MTB-Bereich längst etablierten Scheibenbremsen an Rennräder Verwendung gefunden haben? Hierfür sollte man sich einige Vor- und Nachteile ansehen. Die wichtigsten Vorteile im Überblick:

  • Scheibenbremsen bieten mehr Bremskraft als Felgenbremsen
  • Die Dosierbarkeit bei Scheibenbremsen ist extrem gut
  • Bremsvorgänge benötigen weniger Kraft, was bei langen Abfahrten die Sicherheit und den Komfort erhöht
  • Scheibenbremsen benötigen auf kurze Sicht meist wenig Wartung und funktionieren auch bei miesem Wetter gleichmäßig gut
  • Felgen verschleißen nicht durch den Bremsvorgang

Die Bremsleistung einer Scheibenbremse ist abhängig von der verwendeten Scheibengröße. Zumeist wird an der Front auf 160mm große Scheibenbremsen gesetzt und am Heck auf 140mm. Für beide Scheibengrößen gilt, dass im Vergleich zu einer Felgenbremse mehr Bremskraft vorhanden ist. Bevor eine Scheibenbremse jedoch ihre volle Leistung entfalten kann, muss diese unbedingt eingebremst werden. Ein wichtiges Thema bei Scheibenbremsen ist das sogenannte Verglasen. Gerade schwerere Fahrer können die kleinen Scheiben bei langen Pässen zum Überhitzen bringen. Vollstahlscheiben mit 160mm Durchmesser schaffen hier Abhilfe. Eleganter sind jedoch Kühlrippen an den Bremsbelägen. Durch die vergrößerte Oberfläche kann die Wärme besser an die Luft abgegeben werden, wodurch die Beläge nicht so schnell verglasen können. Kombiniert man solche Bremsbeläge mit großflächigen Bremsscheiben mit Lüftungen, sollten auch kräftige Fahrer keine Probleme bekommen. Ein anderer Vorteil von Disc-Bremsen ist die Dosierbarkeit. Diese ist unabhängig von der Verlegung im Rahmen und äußeren Umständen (z.B. verdreckte Bremszüge). Dadurch hat man mit einem Finger immer die volle Bremsleistung parat. Das spart gerade auf langen Abfahrten einiges an Kraft. Außerdem verlieren sie bei Nässe kaum an Bremsleistung. Dafür neigen Scheibenbremsem zu nervigen Geräuschen: nicht richtig eingebremste Bremsen quietschen gerne und Bremsscheiben schleifen oft an verdreckten Bremssätteln. Außerdem müssen Scheibenbremsen meist neu eingestellt werden, wenn das Laufrad getauscht wird.

  • Scheibenbremsen bieten allgemein mehr Bremskraft als Felgenbremsen
  • Gleichbleibende Dosierbarkeit, unabhängig von der Verlegung und Umwelteinflüssen
  • Bessere Bremsleistung bei Nässe, allerdings Neigung zum Quietschen bei Nässe und Schleifen bei Dreck
  • Während langer Abfahrten besteht bei schweren Fahrern die Gefahr der Überhitzung, Stahlscheiben oder Kühlsysteme helfen hier
  • Nach einem Laufradwechsel musst eine Scheibenbremse meist neu eingestellt werden

Gramm und Kilogramm sind des Rennradlers liebste Einheiten. Dabei gilt: je weniger, desto besser. Hier liegt daher der größte Negativpunkt von Scheibenbremsen. Die ganze Anlage (Hebel, Leitung und Bremszange) bringt nämlich ca. ein halbes Kilo zusätzlichen Ballast gegenüber Felgenbremsen. Da in Kombination mit Scheibenbremsen auf Steckachsen gesetzt wird, fällt auch hier etwas Mehrgewicht an. Mit dem größeren Gewicht geht eine größere Oberfläche der Bauteile einher. Man würde daher also vermuten, dass der Luftwiderstand steigt und man somit die entscheidenden Extrawatt für den Wind verbrauchen muss. Untersuchungen im Windkanal zeigen jedoch, dass sich die Unterschiede im Rahmen der Messungenauigkeit des Versuchsaufbaus bewegen. Disc- und Felgenbremsen haben also quasi den gleichen Luftwiderstand. Dennoch ist die Integration der Scheibenbremse ein großes Thema. Durch das Wegfallen der Bremsflanke an der Felge kann die Felge aerodynamischer und leichter gebaut werden, wodurch der Gewichtsunterschied zwischen Felgen- und Scheibenbremsen in Zukunft noch etwas verringert werden könnte. Gleichzeitig sorgt die Scheibe selbst jedoch für mehr Luftwiderstand.

Die Entscheidung pro oder contra Scheibenbremsen ist schlussendlich eine individuelle Geschmacks-, aber auch Preisfrage. Die Scheibenbremse setzte sich zuletzt flächendeckend durch und ist bei Kompletträdern heute fast alternativlos.Bessere und gleichbleibende Bremsleistung bei ­weniger Handkraft, die höhere Belastungsgrenze und die Unabhängigkeit von der Felge als Reibpartner sind schlagende Argumente. Dem steht vor allem das höhere Gewicht entgegen, die Räder wiegen mindestens ein Pfund mehr als frühere, vergleichbare Felgenbremsen-Modelle.

Auch der Wartungsaufwand bei Scheibenbremsen wird häufig kritisiert: Die Entlüftungsprozedur ist aufwendig und erfordert neues Werkzeug. Konfigurationsmöglichkeiten gibt es kaum: 160-Millimeter-Scheiben sind über alle Hersteller und Radtypen gesetzt; am Hinterrad sind bei Shimano und Campa auch 140-Millimeter-Scheiben möglich, die zwar wenige Gramm leichter sind, für die Bremsleistung aber eher nachteilig.

Wer sein älteres Rennrad mit Felgenbremsen mit einer neuen Schaltgruppe aufrüsten möchte, schaut dennoch nicht in die Röhre: Alle Hersteller bieten auch bei den modernen Zwölffach-Getrieben noch die Option, sie mit Felgenbremsen zu fahren (Ausnahme: SRAM Rival und Shimano 105). Damit lassen sich - theoretisch - sehr leichte ­Räder mit modernster Schalttechnologie aufbauen; hochwertige Rahmen-Sets für Felgenbremsen sind jedoch ­Nischenprodukte geworden.

Die Grundfunktionen - Schalten und Bremsen - beherrschen alle sehr gut, schlecht funktionierende Teile gibt es nicht. Die Unterschiede zwischen teuren und günstigeren Gruppen ­ähneln sich bei allen Wettbewerbern: Teurere Gruppen sind leichter, weil höherwertiges Material verwendet wird. Die Top-Versionen aller drei ­Hersteller wiegen mit allen Teilen um die 2400 Gramm (mit Scheibenbremsen), kosten dafür aber auch zwischen 3000 und 4000 Euro.

Eine günstige Gruppe kann bis zu ein Kilogramm schwerer sein, aber auch mehrere Tausend Euro günstiger. Auch die neuesten Technolo­gien findet man nur in den teuren ­Ensembles: Elek­tronisches Schalten, integrierte Leistungsmessung oder die jüngsten Detailverbesserungen im Schalt- und Bremsverhalten gibt’s nur bei den teuren Top-Gruppen. Nachteil: Auch die Folgekosten sind höher, weil ­Verschleiß- und Ersatzteile teurer sind.

Wer Geld sparen will, muss in erster Linie ­höheres Gewicht in Kauf nehmen. Wer zudem auf die Vorteile einer elektrischen Schaltung und das zwölfte Ritzel verzichtet, kann die Investi­tion in ein neues Rad locker halbieren.

Letztes Jahr wurde das UCI-Experiment noch eingestellt, aber in diesem Jahr war Marcel Kittel der erste Sprinter in der Tour-Geschichte, der mit Scheibenbremsen eine Etappe gewann. Auch wenn wir uns die neuen Rennrad-Kollektionen für 2018 ansehen, scheint keine Marke noch um Scheibenbremsen herumzukommen. Aber was sind nun die Unterschiede zur herkömmlichen Felgenbremse? Zunächst betrachten wir die Rennrad-Laufräder. Laufräder gibt es mit verschiedenen Arten von Bremsflächen. Die meisten Laufräder sind mit einer Aluminium-Bremsfläche ausgestattet. Es gibt Hersteller, die noch einen Schritt weiter gehen. Sie haben statt einer Aluminium-Bremsfläche, eine spezielle Bremsfläche für eine bessere Bremsleistung entwickelt. Diese bearbeiteten Oberflächen sorgen für eine bessere Bremsleistung, was vor allem bei nassem Wetter spürbar ist. Bei High-End-Carbonlaufrädern ist die Bremsflanke nicht aus Aluminium, sondern aus Carbon gefertigt.

Was Hersteller sich auch ausdenken, um die Bremsleistung von Felgenbremsen zu verbessern, die Bremsleistung von Scheibenbremsen werden sie nicht erreichen. Gewicht ist ein wichtiger Faktor bei Laufrädern. Denn Laufräder mit einem geringen Gewicht lassen sich spürbar besser beschleunigen und leichter lenken. Und natürlich macht es auch in den Bergen einen großen Unterschied. Übrigens gilt das Gleiche für Laufräder, die besonders steif sind.

Ist ein Rennrad mit Scheibenbremsen nun schwerer als eines mit Felgenbremsen? Die Antwort ist zweifach. Ja, das System mit einem Rotor ist etwas schwerer. Nein, denn die Felge benötigt keine Bremsflanke mehr (was für eine weitere Gewichtsersparnis sorgt). Dabei spielt auch eine Rolle, dass sich das Gewicht in einem Laufrad für Scheibenbremsen an einer anderen Stelle befindet als in einem Laufrad für Felgenbremsen.

Die klassischen mechanischen Felgenbremsen ermöglichen eine einfache Montage und Wartung. Manche Trekkingräder, Reiseräder und Elektro-Fahrräder verfügen über hydraulische Felgenbremsen.

Wenn wir uns die Wirkung von Felgenbremsen anschauen, dann können wir einige Nachteile auflisten. Darüber hinaus sind sie schmutzempfindlich. Natürlich wird man auf dem Mountainbike in den Wäldern eher Schmutz sammeln als auf dem Rennrad. Ein anderer Aspekt, den man nicht übersehen darf, ist der Raum, der zwischen dem Reifen und dem Bremssattel übrig bleibt. Dieser Raum ist ein limitierender Faktor für die maximale Reifenbreite, die man montieren kann.

Scheibenbremsen gab es bis vor Kurzem vor allem bei Mountainbikes. Scheibenbremsen funktionieren sowohl bei trockenen als auch bei nassen Bedingungen gut. Was nachteilig an Scheibenbremsen sein kann: Es gibt nur wenig Raum zwischen den Scheiben und den Bremsbelägen.

Zum Zeitpunkt des Schreibens sind Felgenbremsen (und -Teile) auf der ganzen Welt zu einem guten Preis verfügbar. Es gibt nahezu keine Kompatibilitätsprobleme. Ein Rennrad-Laufrad mit Felgenbremse passt in praktisch jeden Rennradrahmen. Das Gewicht von Scheibenbremsen und der dazugehörigen Laufrädern nimmt immer mehr ab, ist aber noch nicht ähnlich dem von Felgenbremsen. Darüber hinaus wird sich ein Fahrrad mit Scheibenbremsen und Steckachsen in gewissem Maße steifer anfühlen als die Variante mit Felgenbremse und Schnellspanner.

Schließlich ist der Unterschied zwischen einer Felgenbremse und einer Scheibenbremse natürlich auch eine Frage der Ästhetik. Bevorzugst du schöne, hohe Laufräder mit schlanken Naben? Die Entscheidung liegt bei dir.

Die mechanische Felgenbremse bremst, wie der Name schon verrät, auf der Felge. Das erfolgt über zwei Bremsklötze, welche auf die Felgenflanke gepresst werden. Intensität und Dauer des Bremsvorganges werden über die Bremszüge kontrolliert. Diese werden über Bremshebel am Lenker gesteuert. Sie ist technisch einfach gestrickt und mit ein wenig Know-How leicht einzustellen. Mechanische Felgenbremsen gibt es in sehr günstigen, aber auch extrem hochwertigen Ausführungen. Bei guten Felgenbremsen braucht man nicht viel Kraftaufwand, um die maximale Bremsleistung zu erreichen. Dafür genügen dann auch zwei Finger pro Bremshebel. Das verkürzt den Bremsweg erheblich und steigert das eigene Sicherheitsgefühl im Straßenverkehr. Sind Bremsklötze oder andere Verschleißteile an der Felgenbremse nicht mehr leistungsfähig, können diese mit ein paar einfachen Griffen ersetzt werden.

Aber es gibt auch Aspekte, die nicht unbedingt für eine Felgenbremse sprechen. Bei Nässe ist die Bremsleistung schwächer, da der Wasserfilm auf der Felge die Reibung und damit die Bremskraft entschärft. Des Weiteren wird das Material der Felge beim Bremsvorgang belastet. Somit ist die Felge ein übliches Verschleißteil.

Felgenbremsen gibt es auch als hydraulische Variante. Weit verbreitet, vor allem bei E-Bikes, ist hier die Magura HS11. Dieses Bremssystem ist aufgrund der Hydraulik leistungsstärker und besser dosierbar. Das ist gerade im Leistungssport oder bei höheren Lasten von Vorteil. Im Straßenverkehr sind solch starke Bremsen natürlich Gold wert.

Mechanische und hydraulische Scheibenbremsen sind technisch gleich aufgebaut. Die mechanische Scheibenbremse arbeitet mit einem reinen Bremszug, während die hydraulische Variante Ölleitungen montiert hat. Bei beiden Varianten findet der Bremsvorgang an einer zusätzlichen Bremsscheibe statt. Das hat den Vorteil, dass die Felge nicht belastet wird. Ebenfalls ist das Bremsen geschützter als bei der Felgenbremse, da sich die Bremsbeläge im Inneren des Bremssattels befinden. Dadurch wird das Bremsverhalten durch Witterung oder Schmutz wenig beeinträchtigt. Die Hitzeentwicklung ist gegenüber einer Felgenbremse deutlich geringer, weshalb das "Verglasen" der Bremsbeläge bei einer Scheibenbremse nicht auftritt. Insgesamt ist die Bremsleistung einer guten mechanischen Scheibenbremse besser als die einer vergleichbaren Felgenbremse.

Dieses Problem tritt bei der hydraulischen Scheibenbremse nicht auf! Hier kommt eine ganze Reihe an Vorteilen auf Sie zu. Die Felge wird nicht belastet, die maximale Bremsleistung ist mit wenig Kraftaufwand verbunden und die Dosierbarkeit extrem gut. Bremsbeläge der hydraulischen Scheibenbremse sind aufgrund der Materialbeschaffenheit langlebiger als Bremsklötze der Felgenbremse. Vorteil hier: Die Bremsbelege nutzen sich gleichmäßig ab, da sie beim Bremsen mit der gesamten Oberfläche auf die Bremsscheibe gepresst werden. Bei modernen Fahrrädern und E-Bikes sind hydraulische Scheibenbremsen bereits heute weit verbreitet. Sie sind insgesamt im Gewicht etwas schwerer und technisch anspruchsvoller.

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