Um die Fahrradlampen mit Strom zu speisen, können Sie die modernen und praktischen LED-Batterielampen nutzen oder die Leuchten mit einem Fahrraddynamo betreiben. Doch welche Vor- und Nachteile haben diese? Bei Dunkelheit oder schlechten Sichtverhältnissen (Dämmerung, Nebel) ist per Gesetz in Deutschland in der StVZO eine ausreichende Fahrradbeleuchtung vorgeschrieben. Nicht nur, um selbst genug zu sehen, sondern auch um selbst frühzeitig wahrgenommen zu werden.
Dynamo-Arten im Überblick
Es gibt mehrere Arten von Dynamos.
1. Seitendynamo
Eine immer noch sehr gängige Variante für die Stromerzeugung bei Fahrrädern ist der Seitendynamo (auch Seitenläuferdynamo genannt). Jahrzehntelang war er die übliche Art der Energieerzeugung am Bike. Wie sein Name schon andeutet, läuft der Seitendynamo an der Seite des Reifens, genauer: an der Reifenflanke. Befestigt wird dieser Stromgenerator an der Vorderradgabel (Gabelscheide) oder am Fahrradrahmen. Klappt man den Dynamo an den Reifen an, wird dessen Reibrad von der Seitenwand des Reifens angetrieben.
Vorteile des Seitendynamos:
- Geringes Gewicht verglichen mit dem Nabendynamo.
- Niedriger Preis und geringer technischer Aufwand.
- Ein defekter Seitendynamo kann in wenigen Minuten ausgetauscht werden.
- An sich bedarf ein Seitenläuferdynamo wenig Wartung.
Nachteile des Seitendynamos:
- Übermäßige Abnutzung des Reifenprofils an der Flanke.
- Technisch den modernen Nabendynamos deutlich unterlegen.
- Bei Nässe kann die Reibrolle durchrutschen, was zu Aussetzern führt.
- Bei preiswerten Modellen ist der Kraftaufwand relativ hoch.
Es gibt doch tatsächlich noch Entwicklung bei den Seitenläufern: VELOGICAL hat den Seitenläufer-Dynamo neu erfunden, ein extraleichtes High-End-Kraftwerk im Miniaturformat. Seine Reibfläche ist nicht der Reifen sondern die ebene Bremsflanke der Felge. Noch ein Beispiel für einen vom Design her grausigen, sonst aber sehr interessanten Seitenläufer: Er stammt, wie man sich schon denken kann, aus China, wird von Banapoy über Amazon vertrieben. Er besitzt einen USB-A-Ausgang zum Laden und für die Beleuchtung. Seine Reibfläche ist ebenfalls die ebene Bremsflanke der Felge.
2. Felgendynamo
Eine weitere Variante ist der Felgendynamo. Hier läuft die Reibrolle an der Felgenflanke, also dem seitlichen "Rand" des Laufrades. Dieser kommt praktisch nur bei Mountainbikes mit extrem grobstolligen Reifen zum Einsatz. Aber auch bei Rennrädern mit sehr kleinen Reifenquerschnitten.
3. Nabendynamo
Die modernste Art der Stromerzeugung für die Fahrradbeleuchtung ist wohl der Nabendynamo. Auch im Billigpreissegment löst dieser nach und nach die Seitendynamos ab. Der Nabendynamo bietet sehr viele Vorteile und nur wenige Nachteile. Dieser Dynamo ist in die Nabe am Vorderrad integriert. Er erzeugt mit Hilfe eines Permanentmagneten, der sich durch die Bewegung des Laufrades um einen Stator dreht, elektrischen Strom.
Auch wenn sich der Nabendynamo erst in den letzten Jahren durchgesetzt hat, ist er doch schon über 100 Jahre alt. Die Technik war schon immer besser als bei den anderen Dynamoarten, aber schlussendlich blieb der recht hohe Preis ein Hindernis. Der Dynamo in der Nabe ist komplett witterungsunabhängig, da er von äußeren Einflüssen wie Nässe, Matsch und Schnee geschützt ist.
Vorteile des Nabendynamos:
- Witterungsunabhängig.
- Extrem geringer Bremsverlust.
- Sehr geräuscharm.
- Erlauben den Einsatz von Fahrradlampen mit Sensorfunktion.
- Autarke Stromversorgung ohne Batterien oder Akkus.
- Minimale Kraftanstrengung im Vergleich zu Seitenläufer-Dynamos.
- Robustes Design und lange Lebensdauer.
- Möglichkeit, Smartphones und andere Geräte aufzuladen (mit Zusatzkomponenten).
Nachteile des Nabendynamos:
- Höheres Gewicht als ein vergleichbarer Seitenlaufdynamo.
- Höhere Reparaturkosten.
- Leichte Bremswirkung im Leerlauf.
- Begrenztes Standlicht im Vergleich zu akkubetriebenen Lampen.
- Aufwändige Reparaturen oder Austausch.
- Höheres Gewicht im Vergleich zu Akku-Lampen.
Nabendynamos sind Wechselstromgeneratoren. Das heißt, sie wandeln mechanische Energie, also Bewegung, in elektrischen Strom um. Die Bewegung kommt in diesem Fall vom Vorderrad deines Bikes. Sie überträgt sich auf einen Permanentmagneten. Dreht sich dieser nun um den sog. Stator, fließen Elektronen. Je schneller die Drehung, desto mehr Strom wird erzeugt. Nun muss der Dynamo nur noch per Kabel mit einer Lichtquelle verbunden werden.
Die Fachzeitschrift Bicycle Quarterly hat im Jahr 2005 mehrere Nabendynamos daraufhin getestet. Die Verringerung der Geschwindigkeit auf Grund des Nabendynamos liegt bei nur ca. 0,1 km/h (Licht aus) und ca. 1 km/h (Licht an) bei einer Fahrgeschwindigkeit von bis zu 20 km/h. Bei höheren Geschwindigkeiten bis 50 km/h wird der Verlust noch geringer. Dieser liegt bei nur noch 0,36 km/h und ist somit an sich völlig zu vernachlässigen.
Mittlerweile gibt es sogenannte "Nabendynamos mit auskoppelbarem Getriebe". Hier wird der Antrieb im Leerlauf komplett abgetrennt und es entstehen keinerlei Leerlaufverluste mehr. Nabendynamos sind immer noch etwas teurer als Seitendynamos.
4. Speichendynamo
Der Speichendynamo wird zwischen Gabel und Nabe des Vorderrades montiert. Angetrieben wird er durch eine Speiche des Laufrades. Am Rad legt man einen Mitnehmer des Dynamos um, so dass dieser von der Speiche mitbewegt wird. Um den Speichendynamo auszuschalten, legt man den Mitnehmer in die Ruhestellung.
Da der Speichendynamo zunehmend keine Rolle mehr spielt, gehen wir hier nicht im Detail auf die Vor- und Nachteile ein. Der Wirkungsgrad ist sehr schlecht und er ist sehr reparaturanfällig. Es gibt aktuell keinen Hersteller mehr der diesen noch produziert.
5. Walzendynamo
Der ältere Walzendynamo bzw. Rollendynamo spielt heute keine Rolle mehr.
Vergleich: Nabendynamo vs. Akku-Beleuchtung
Seit 2014 sind laut StVZO Fahrradbeleuchtungen, die mit Akku bzw. Batterie betrieben werden, im deutschen Straßenverkehr erlaubt.
Vorteile der Dynamo-Beleuchtung:
- Durch den fest verbauten Dynamo haben Sie die Stromquelle immer dabei.
- Einige Fahrradlampen für Dynamos besitzen einen USB-Port, mit dem Sie andere Geräte aufladen können.
- Sind der Dynamo und die Verkabelung intakt, erhalten die Lampen immer ausreichend Strom.
Nachteile der Dynamo-Beleuchtung:
- Die Fahrradbeleuchtung per Fahrraddynamo ist fest verbaut.
- Die Verkabelung vom Dynamo zu den Leuchten ist anfällig für Beschädigung.
- Fahrradlampen mit Standlichtfunktion liefern bei Batteriebeleuchtung Licht über Stunden, Beleuchtungen mit Dynamo meist nur wenige Minuten.
- Ein System mit Nabendynamo und LED Vorder- und Rücklampe ist in der Regel immer etwas teurer als ein Beleuchtungs-Set für Fahrräder mit Batterielampen bzw.
Nabendynamo zum Aufladen von Geräten nutzen
Der Strom eines Nabendynamos wird meist für die Beleuchtung genutzt. Doch lässt sich damit auch ein Smartphone, ein Tablet oder eine Powerbank aufladen? Die Antwort: Ja, das geht. Es dauert nur eine gewisse Zeit.
Nehmen wir an, dein Smartphone besitzt einen 5.000 mAh-Akku. Durchschnittlich zieht das Ladegerät 25 Watt aus der Steckdose. Nabendynamos erzeugen gerade einmal 3 bis 4 Watt - heißt: Bei normaler Fahrweise kann es 9 Stunden dauern, bis der Akku komplett geladen ist.
Dafür brauchst du folgende Dinge:
- Nabendynamo (mind. 3 Watt)
- USB-Anschluss
- Spannungswandler/Netzteil
- Puffer-Akku
Geeignete Komplett-Lösungen:
- DynaLader Digital
- Forumslader V6
- Lumi-Con Bike Energy Harvester PM
- Busch & Müller USB-Werk
Die Kosten liegen je nach Modell zwischen 70 und 170 Euro.
Nabendynamo nachrüsten
Nicht alle Fahrräder sind mit einem Nabendynamo ausgestattet. Um das gute Stück nachzurüsten, kommen zwei Möglichkeiten infrage:
- Das ganze Laufrad wechseln: Das komplette Laufrad zu wechseln, stellt die einfachere Variante dar.
- Nur die Nabe austauschen: Wesentlich aufwändiger ist die zweite Variante. Das Laufrad muss dafür neu eingespeicht werden.
Egal, ob du nur die Nabe oder das komplette Laufrad wechselst - zum Schluss musst du noch die Beleuchtung anschließen.
Alternativen zum Dynamo
1. Magnic Light iC
Dirk Strothmann aus Borgholzhausen hat mit dem Magnic Light iC das erste berührungslose Dynamo-betriebene Fahrrad-Beleuchtungssystem entwickelt. Es benötigt keine zusätzlichen Komponenten an den Rädern. Die Energie wird von den sich drehenden Rädern ohne jede direkte Berührung und dadurch ohne jegliche Reibungsverluste gewonnen.
Großer Nachteil: Magnic Lights sind nicht gerade günstig in der Anschaffung: ca. 125,- Euro für den einfachen Satz - ein Frontlicht, ein Rücklicht - und ca. 240,- Euro für den Doppelsatz.
2. Reelights
Auch hier handelt es sich um ein kabel- und berührungsloses Lichtsystem. Die Energie für die LED-Lampen wird durch elektromagnetische Induktion erzeugt. Zwei kleine Magnete in den Speichen sorgen für Wirbelströme, mit denen die Fahrradlichtern betrieben werden. Sobald man anfährt, leuchten die Lichter auf.
Vorteil gegenüber Magnic Light: Sie sind bezahlbar. Der einfache Satz für vorn und hinten kostet ca. ca. 40 bis 60 Euro. Nachteil: Das Licht reicht im Stadtverkehr nicht aus. Allenfalls als Positionslicht geeignet.
ACHTUNG: Die Reelights sind als Beleuchtung im Straßenverkehr ungeeignet und gefährlich.
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