Rennrad Rahmen Felgenbremse: Vorteile und Nachteile

Beim Kauf eines Rennrads stellt sich oft die Frage, ob man sich für eine Felgenbremse oder eine Scheibenbremse entscheiden soll. Inzwischen hat sich die Scheibenbremse flächendeckend durchgesetzt und ist bei Kompletträdern heute fast alternativlos, insbesondere im Segment über 2000 Euro. Doch die Felgenbremse hat nach wie vor ihre Berechtigung und bietet einige Vorteile.

Scheibenbremse vs. Felgenbremse

Die Scheibenbremse überzeugt mit besserer und gleichbleibender Bremsleistung bei weniger Handkraft, einer höheren Belastungsgrenze und der Unabhängigkeit von der Felge als Reibpartner. Demgegenüber steht vor allem das höhere Gewicht. Räder mit Scheibenbremsen wiegen mindestens ein Pfund mehr als vergleichbare Felgenbremsen-Modelle. Auch der Wartungsaufwand bei Scheibenbremsen wird häufig kritisiert. Die Entlüftungsprozedur ist aufwendig und erfordert neues Werkzeug. Konfigurationsmöglichkeiten gibt es kaum: 160-Millimeter-Scheiben sind über alle Hersteller und Radtypen gesetzt; am Hinterrad sind bei Shimano und Campa auch 140-Millimeter-Scheiben möglich, die zwar wenige Gramm leichter sind, für die Bremsleistung aber eher nachteilig.

Wer sein älteres Rennrad mit Felgenbremsen mit einer neuen Schaltgruppe aufrüsten möchte, muss nicht verzichten: Alle Hersteller bieten auch bei den modernen Zwölffach-Getrieben noch die Option, sie mit Felgenbremsen zu fahren (Ausnahme: SRAM Rival und Shimano 105). Damit lassen sich - theoretisch - sehr leichte Räder mit modernster Schalttechnologie aufbauen; hochwertige Rahmen-Sets für Felgenbremsen sind jedoch Nischenprodukte geworden.

Rennrad-Komponenten: Wie viel investieren?

Die Grundfunktionen - Schalten und Bremsen - beherrschen alle sehr gut, schlecht funktionierende Teile gibt es nicht. Die Unterschiede zwischen teuren und günstigeren Gruppen ähneln sich bei allen Wettbewerbern: Teurere Gruppen sind leichter, weil hochwertigeres Material verwendet wird. Die Top-Versionen aller drei Hersteller wiegen mit allen Teilen um die 2400 Gramm (mit Scheibenbremsen), kosten dafür aber auch zwischen 3000 und 4000 Euro.

Eine günstige Gruppe kann bis zu ein Kilogramm schwerer sein, aber auch mehrere Tausend Euro günstiger. Auch die neuesten Technologien findet man nur in den teuren Ensembles: Elektronisches Schalten, integrierte Leistungsmessung oder die jüngsten Detailverbesserungen im Schalt- und Bremsverhalten gibt’s nur bei den teuren Top-Gruppen. Nachteil: Auch die Folgekosten sind höher, weil Verschleiß- und Ersatzteile teurer sind.

Wer Geld sparen will, muss in erster Linie höheres Gewicht in Kauf nehmen. Wer zudem auf die Vorteile einer elektrischen Schaltung und das zwölfte Ritzel verzichtet, kann die Investition in ein neues Rad locker halbieren.

Felgenbremsen am Rennrad: Vorteile

  • Gewicht: Felgenbremsen sind in etwa 500g leichter als Scheibenbremsen. Je nach Rad können das in etwa 8% des Gesamtgewichts sein.
  • Wartung: Felgenbremsen sind einfacher zu warten. Reparaturen gestalten sich weniger kompliziert und kompatible Teile gibt es in Hülle und Fülle. Hier kann man einfach nichts falsch machen.
  • Aerodynamik: Spezielle Aero-Felgenbremsen bieten einen marginalen Vorteil hinsichtlich der Aerodynamik, da die Bremszange quasi in den Rahmen bzw. die Gabel integriert ist.
  • Kosten: Felgenbremsen sind günstiger in der Anschaffung als Disc-Bremsen.
  • Auswahl: große Auswahl an verschiedenen Komponenten

Felgenbremsen am Rennrad: Nachteile

  • Bremsleistung bei Nässe: Bei Nässe verlieren Felgenbremsen (insbesondere Carbonfelgen) an Bremsleistung.
  • Dosierbarkeit: die Dosierbarkeit ist im Vergleich zu Scheibenbremsen schlechter. Problematisch ist außerdem, dass Dreck und Regen die Dosierbarkeit und Leichtgängigkeit der Felgenbremse stark beeinträchtigen können.
  • Hitzeentwicklung: Durch Hitze an den Bremsflanken können Schläuche platzen. Bei langen Abfahrten können sich die Bremsflanken durch dauerbremsen nämlich so stark erhitzen, dass die Schläuche im Inneren platzen.
  • Verschleiß: Bremsvorgänge belasten die Felgen, die daher regelmäßig getauscht werden müssen. Durch die Reibung zwischen Bremsbelag und Bremsflanke wird permanent Material abgetragen. Wird die Seitenwand der Felge zu schwach, muss die Felge bzw. das ganze Laufrad getauscht werden. Carbonfelgen können durch “heiße” Bremsvorgänge delaminieren.

Montage & Standards

Seitenzugbremsen müssen an speziellen Aufnahmen befestigt werden. Die Bremsen werden in der Regel mittels einer Schraube an der Gabel / am Rahmen befestigt, die mittig in die Bremse geht: Man spricht von der sogenannten Center Bolt Aufnahme. Eine zweite Möglichkeit bei Seitenzugbremsen ist der Direct Mount Standard. Hier wird die Bremsen nicht zentral, sondern jeder Bremsschenkel einzeln am Rahmen bzw. an der Gabel befestigt. Die doppelte Abstützung soll steifer sein und dadurch eine bessere Dosierbarkeit bieten. Beide Aufnahmen sind dabei nicht mit Cantilever / V-Brake Bremsen kompatibel.

Nachträglich können grundsätzlich keine anderen Befestigungsmöglichkeiten angebracht werden. Es gibt zwar allerhand Adapter und Bastellösungen, aber an einem schnellen Rennrad haben die nichts verloren. Die Funktion und Sicherheit kann damit nämlich nicht gewährleistet werden. An den Bremsen sollte man einfach keine halben Sachen machen.

Die mechanische Felgenbremse ist mit Abstand am meisten verbreitet, und das zurecht. Die Bremsleistung ist einfach ausreichend für jeden Freizeitsportler und Racer. Felgenbremsen findet man daher auch an allen möglichen Arten von Rennrädern. Wer häufig Wettkämpfe fährt, freut sich über das gesparte Gewicht. Außerdem sind nur mit Felgenbremsen richtige Aero-Bikes zu realisieren.

Scheibenbremsen am Rennrad

Der Trend im Rennradbereich scheint sich in Richtung der Disc-Bremsen zu bewegen. Dabei funktionieren die Bremsen grundlegend gleich wie MTB-Scheibenbremsen. Die wichtigsten Vorteile im Überblick:

  • Scheibenbremsen bieten mehr Bremskraft als Felgenbremsen
  • Die Dosierbarkeit bei Scheibenbremsen ist extrem gut
  • Bremsvorgänge benötigen weniger Kraft, was bei langen Abfahrten die Sicherheit und den Komfort erhöht
  • Scheibenbremsen benötigen auf kurze Sicht meist wenig Wartung und funktionieren auch bei miesem Wetter gleichmäßig gut
  • Felgen verschleißen nicht durch den Bremsvorgang

Gramm und Kilogramm sind des Rennradlers liebste Einheiten. Dabei gilt: je weniger, desto besser. Hier liegt daher der größte Negativpunkt von Scheibenbremsen. Die ganze Anlage (Hebel, Leitung und Bremszange) bringt nämlich ca. ein halbes Kilo zusätzlichen Ballast gegenüber Felgenbremsen.

Fazit

Die Entscheidung für oder gegen Felgenbremsen hängt von verschiedenen Faktoren ab. Wer Wert auf geringes Gewicht, einfache Wartung und aerodynamische Vorteile legt, ist mit Felgenbremsen gut beraten. Wer jedoch eine höhere Bremsleistung, bessere Dosierbarkeit und Unabhängigkeit von den Wetterbedingungen bevorzugt, sollte sich für Scheibenbremsen entscheiden.

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