Wenn es um den Radsport geht, lassen wir uns vom Wetter nicht so leicht abschrecken! Draußen regnet es stark, aber du möchtest trotzdem nicht darauf verzichten, mit deinem Bike eine Runde zu drehen? Oder du bist unterwegs und plötzlich wirst du von einem Regenschauer erwischt? Genau hier kommt die Regenjacke zum Einsatz!
Eine gute Regenjacke ist dabei jedoch unverzichtbar, um uns vor Wind und Nässe zu schützen. Wasserdichte Radbekleidung gehört zur „Rennradfahrer-Standardausrüstung“. Doch die Unterschiede zwischen den verschiedenen Preisklassen und Produkten sind in diesem Marktsegment groß. Daher hat unser Partner Velomotion für uns 11 aktuelle Modelle getestet.
Warum eine Regenjacke wichtig ist
Der Hauptzweck einer Regenjacke besteht darin, unseren Körper vor Auskühlung zu schützen und das Risiko von Erkältungen zu minimieren. Gleichzeitig sollte sie beim Radfahren nicht einschränken. Ein Rennradfahrer beispielsweise würde sich mit einer locker sitzenden, dreilagigen Hardshelljacke schwer tun.
Im Idealfall sind diese leicht und klein zusammenfaltbar. Beim Rennradfahren war deshalb der Platz einer Trikot-Rückentasche oftmals für einen „Retter“ reserviert: eine Regenjacke.
Testkriterien für Rennrad-Regenjacken
In unserer Testserie haben wir die besten Regenjacken auf Herz und Nieren geprüft. Neben Fahrtests haben wir die Jacken auch im Duschtest auf ihre Wasserdichtigkeit untersucht. Dabei haben wir Faktoren wie Passform, Atmungsaktivität und Packmaß bewertet.
- Passform: Ein erster Anspruch an eine gute Regenjacke lautet: ein sportiver, möglichst flatterfreier und körpernaher Sitz.
- Material: Da „normales“ wasserdichtes Material, gerade das sogenannte Hardshell, kaum elastische Eigenschaften hat, sollte man hier immer mehrere Modelle probieren, damit die Jacke optimal passt. Hersteller wie etwa Alé und Castelli verarbeiten für eine bessere Passform auch Anteile von Stretch-Material.
- Packmaß: Das Stichwort „Packmaß“: Alle getesteten Jacken passen komprimiert in eine Trikottasche.
Natürlich sind technische Daten auf dem Label ein wichtiger Anhaltspunkt für den Käufer, aber sie sind auch für uns schwer zu überprüfen. Wir verlassen uns daher auf Praxiswerte und -erfahrungen, wie zum Beispiel wiederholte Tests durch Dauerberegnung und einer anschließenden Kontrolle.
Material und Membranen
Der Wetterschutz der Regenbekleidung basiert in der Regel auf einer speziellen Membran. Bei Fahrrad Regenjacken kommt in den meisten Fällen eine Membrane zum Einsatz. Dabei handelt es sich um eine mikroporöse Kunststoff-Schicht, die in das Material eingearbeitet ist.
Vereinfacht gesagt besteht eine Drei-Lagen-Jacke aus einem Oberstoff, der Membran und dem „Futter“. Diese dünnen Schichten sind miteinander laminiert. Bei einer Zwei-Lagen-Jacke entfällt die innere Schicht. Ein Drei-Lagen-Modell bietet oftmals nicht nur Schutz vor Regen, sondern bis zu einem gewissen Grad, auch vor Kälte.
Membran-Typen:
- 2-Lagen-Membranen: Membrane und Obermaterial sind zu einem Laminat verschweißt. Das Innenfutter, das beispielsweise auch Mesh-Material gefertigt ist, wird nur eingehängt.
- 3-Lagen-Membrane: Eine besonders robuste Verschweißung von Membrane, Obermaterial und Innenmaterial.
- 2,5-Lagen-Membranen: Keine ganze Schicht als Obermaterial, sondern lediglich eine Schutzschicht.
Die mikroporöse Membrane in der Jacke enthält mikroskopisch kleine Löcher. Da die Löcher kleiner sind als Regentropfen, kann Wasser nicht durch die Membrane gelangen. Der Wasserdampf, den die Haut beim Schwitzen absondert, kann jedoch durch die mikroskopischen Löcher nach außen gelangen - dies nennt man auch die Atmungsaktivität der Membrane.
Wasserabweisende Oberflächenbehandlung
Viele Regenjacken besitzen eine wasserabweisende Oberflächenbehandlung, die ergänzend zur Membrane oder anstatt der Membrane eingesetzt wird. Dabei wird das Obermaterial mit einem Coating ausgestattet oder behandelt, sodass es wasserabweisend wird. Das Wasser perlt so an der Oberfläche ab und kann nicht ins Gewebe eindringen.
Eine entsprechende Oberflächenbehandlung oder ein Coating sind jedoch meistens nicht dauerhaft wasserabweisend, da sie abnutzen.
Wassersäule
Um die Wasserdichtigkeit einer Regenjacke zu bestimmen, wird die sogenannte Wassersäule hinzugezogen. Dabei wird ein Behälter auf das Material platziert, der mit Wasser gefüllt wird. Bei diesem Test wird gemessen wie viel Wasser das Material abhalten kann, bevor die ersten Tropfen durch das Gewebe treten. Wenn das Material beispielsweise bis zu 5.000 mm Wasser halten kann, bevor Wasser durch die Membrane tritt - spricht man von einer 5.000 mm Wassersäule.
An windigen Tagen drückt der Regen oder die Feuchtigkeit noch stärker auf das Gewebe - daher ist hier eine höhere Wassersäule von Nöten. Ebenfalls wenn du mit einem Rucksack auf dem Bike unterwegs bist, der auf das Gewebe drückt.
Wichtig zu beachten ist zudem, dass die Regenjacke über getapte Nähte verfügt. Andernfalls könnte Feuchtigkeit zwar nicht durch das Material, jedoch durch die Nähte eindringen. Die Regenjacken in unserem Sortiment wurden von den Herstellern genau auf deinen Einsatzzweck angepasst. Um die passende Wassersäule brauchst du dir daher keine Sorge zu machen. Lies dir einfach die Produktbeschreibungen durch und finde die passende Regenjacke.
Atmungsaktivität
Bei einer Fahrrad Regenjacke handelt es sich um eine Funktionsbekleidung für schlechtes Wetter. Besonders wichtig ist also - neben der Wasserdichte - die Atmungsaktivität der Jacke. Das klassische Baumwollshirt nimmt die Feuchtigkeit und den Schweiß der Haut auf und kann diese nur sehr schlecht nach außen weitergeben. Ein atmungsaktives Funktionsshirt oder ein atmungsaktives Radtrikot hingegen bietet dank seiner Funktionsfasern, die sich nicht mit Feuchtigkeit vollsaugen, einen schnellen Feuchtigkeitsabtransport an die nächste Schicht. Idealerweise solltest du also unter deiner Regenjacke eine atmungsaktive Funktionsschicht tragen.
Nachhaltigkeit
Beim Thema Nachhaltigkeit setzen die Hersteller auf unterschiedliche Strategien. Das beginnt bei der Produktion in Europa mit einem Verweis auf kurze Lieferwege und reicht oft bis zur Verwendung PFC-freier Materialien.
In der Vergangenheit kamen bei der Produktion von Outdoorjacken oftmals sogenannte Per- oder Polyfluorierte Chemikalien, auch Fluorcarbone, zum Einsatz, um Hardshelljacken und anderen Textilien schmutz- und wasserresistente Eigenschaften zu verleihen. Viele Hersteller achten mittlerweile bei der Fertigung ihrer Funktionsjacken auf einen besonders umweltschonenden und ressourcenschonenden Produktionsprozess und entsprechenden Materialien. Vorreiter in der PFC-freien Produktion sind zum Beispiel Marken wie Vaude und Jack Wolfskin. PFC-freie Jacken haben wir in der Produktbeschreibung als solche gekennzeichnet.
Pflegehinweise
Jede Jacke ist anders. Bitte erkundige dich in der Waschanleitung deiner Fahrrad Regenjacke nach den entsprechenden Hinweisen. Der Anleitung kannst du entnehmen, welche Temperatur und welches Waschmittel zur Erhaltung der Wasserdichtigkeit und Atmungsaktivität empfehlenswert sind. Speziell für Regenjacken mit Membrane gibt es auch Waschmittel, die keinerlei Rückstände hinterlassen und die Poren der Membranen nicht verstopfen.
Um die Imprägnierung, Oberflächenbeschichtung oder das Coating deiner Bike Regenjacke aufzufrischen, empfiehlt es sich, die Jacke nach dem Waschen noch kurz zu imprägnieren und danach bei niedriger Temperatur in den Trockner zu geben. Sollte die Oberflächenbehandlung oder das Coating deiner Rain Jacket nicht mehr funktionieren und sich auch durch einen Waschgang und einen anschließenden Besuch im Wäschetrockner nicht mehr reaktivieren lassen, kannst du dein Bike Jacket auch selber noch einmal imprägnieren.
Bei Imprägniermitteln unterscheidet man zwischen Einwaschimprägnierungen, die zeitgleich bei der Wäsche hinzugegeben werden und in der Wäschetrommel oder Handwäsche zum Einsatz kommen, und Imprägniersprays, die vollflächig auf die Außenseite der Jacke aufgesprüht werden. Beide Möglichkeiten sind gleichermaßen effektiv.
Die richtige Regenjacke für Ihren Bedarf
Je nachdem wo du mit deinem Bike unterwegs bist, wirst du dir unterschiedliche Eigenschaften für deine wasser- und winddichte Fahrrad-Regenjacke wünschen.
- Welche Regenjacke für MTB? Mountainbiker wünschen sich bei ihren Touren oftmals eher leger geschnittene MTB-Regenjacken, um so maximale Bewegungsfreiheit zu genießen. Durch das Spritzwasser, das bei der Durchfahrt von Pfützen entstehen kann, ist besonders der untere Rücken betroffen von Schmutz und Wasser. Eine verlängerte Rückenpartie schafft hier Abhilfe.
- Welche Regenjacke für Rennrad Touren? Geschwindigkeitsfans auf dem Race Bike greifen meistens zu enganliegenden und sehr leichten Fahrrad Jacken. Durch die enganliegende Passform, die speziell auf Herren oder Damen angepasst ist, sitzt die Jacke wie eine zweite Haut und flattert nicht im Wind. Genau richtig für rasante Abfahrten! Interessant für lange Rennrad Touren sind auch Regenjacken mit einem kleinen Packmaß, die du bei Nicht-Gebrauch ganz einfach in der Trikottasche verstauen kannst.
- Welche Regenjacke für den Alltag? Wer im Alltag optimal gegen Wind und Regen geschützt sein will, sollte eine Regenjacke wählen, die problemlos auch über deiner Alltagsbekleidung passt. Wichtig ist zudem eine Kapuze! Speziell im Straßenverkehr empfiehlt sich zudem der Kauf einer Jacke mit großflächigen reflektierenden Elementen. Vielleicht solltest du auch anstelle einer schwarzen Jacke zu einer Jacke in Hi-viz Farben wie z.B. neon-gelb greifen - so bist du im Straßenverkehr noch besser sichtbar für andere Verkehrsteilnehmer.
Testberichte und Empfehlungen
Die ausführlichen Testberichte der Regenjacken lesen Sie in der RennRad 9/2024.
Fazit
Auch dieser Test zeigt wieder: Hier kann sich ein gewisser Aufpreis beziehungsweise ein „Investment“ durchaus lohnen. Qualität, Funktion und Robustheit haben hier oftmals einen Preis. So kosten die Top-Modelle meist zwischen 250 und 300 Euro. Wir wissen zudem aus mehr als 20 Jahren Magazin RennRad-Test-Erfahrung, dass eine überwältigende Zahl der Qualitäts-Regenjacken eine extrem hohe Lebensdauer von vielen Jahren haben können. Erfreulich ist auch, dass die Preise in diesem Marktsegment in den letzten ein bis zwei Jahren wenig bis gar nicht gestiegen sind. Im Test sind auch besonders preis-leistungsstarke Modelle vertreten.
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