Reifen sind die "Hidden Champions" am Rennrad! Wer Handling, Sicherheit und Optik seines Renners nachhaltig verändern möchte, schafft das mit keinem anderen Bauteil so preisgünstig und effektiv wie mit einem Satz neuer Reifen. Kein Wunder, dass die Hersteller großen Aufwand bei der Entwicklung treiben, ihr Angebot immer weiter ausdifferenzieren und auch die Preisspanne bei Reifen immer größer wird.
Die Qual der Wahl: Reifentypen und Technologien
Die Auswahl ist enorm groß - die Zahl der Fragen vor einem Kauf ist somit extrem groß: Tubeless oder mit Schlauch, 23, 25, 28, 30 oder 32 Millimeter breit, welches Profil, welches Modell, welcher Reifendruck? Geschwindigkeit, Komfort oder Pannensicherheit? Im Folgenden geben wir Antworten - gestützt auf Zahlen, Studien, Erfahrungen und Testergebnisse.
Tubeless vs. Clincher: Ein Vergleich
Tubeless-Systeme, bei denen der „Mantel“ ohne Schlauch - dafür mit einer abdichtenden und Pannen sofort und selbst schließenden Sealant-Milch - auf der Felge montiert wird, haben sich im Mountainbike- und Gravel-Bereich bereits weitgehend durchgesetzt. Doch auch Tubeless- und Clincher-Modelle kommen verstärkt auch in der WorldTour zum Einsatz. Die Erfahrung mit mehreren hundert Reifen und Felgen in den vergangenen Jahren zeigt: Das Tubeless-System macht auch für den Einsatz am Rennrad große Fortschritte.
Die in vielen Fällen sehr geringen Rollwiderstands-Werte bei den Tubeless-Reifen sind in diesem Test auffällig. Auch der Praxis-Eindruck war meist überzeugend. Immer häufiger sind viele Felgen und Reifen miteinander kompatibel - einfacher zu montieren, luftdichter und sicherer. In vielen Fällen lohnt es sich aber weiterhin, sich vorab beim Hersteller zu informieren.
Der klassische Clincher-Reifen mit einem Schlauch ist für viele Radsportler weiterhin die einfachste und alltagstauglichste Lösung. Eine Sonderform des Drahtreifens ist der Faltreifen. Der Faltreifen lässt sich anders als der Drahtreifen falten, da er anstelle des Drahts aus Kevlarfäden gefertigt wird. Dies hat auch zur Folge, dass der Faltreifen um einiges leichter ist als der Drahtreifen.
Die Bedeutung der Reifenbreite
25 Millimeter breite Rennradreifen weisen nur je rund 6,5 Quadratzentimetern Kontaktfläche zum Asphalt auf - und sind doch wesentlich für die Fahrqualität verantwortlich. 23 Millimeter breite Reifen sieht man kaum noch - vor allem nicht mehr an neuen werksseitig montierten Modellen. Ein breiterer Reifen hat bei gleichem Luftdruck in der Regel einen geringeren Rollwiderstand als ein schmaler.
Auch verringert sich die Kontaktfläche bei einer seitlichen Neigung weniger stark - dies bringt mehr Grip in Kurven. Ein weiterer Vorteil: Ist der Luftdruck geringer, dann rollt der Reifen leichter über Gegenstände hinweg, die eine potenzielle Pannen-Gefahr darstellen. Je geringer der Luftdruck, desto größer sind die Tubeless-Vorteile. Auch das spricht für den vermehrten Einsatz von 28 Millimeter breiten Reifen.
Schwalbe Rennradreifen im Detail
Schwalbe ist ein führender Reifenhersteller - auch im Rennradreifen-Segment. Einen Teil ihres Erfolgs verdanken die Reifen von Schwalbe ihrer hochwertigen Zusammensetzung. So bestehen die Reifen aus einem aufwendig gefertigten dreilagigen Material, dem sogenannten Triple-Compound. Dieser aus drei unterschiedlichen Gummimischungen bestehende Compound (Material-Mix bzw. Mischung) soll in allen Situationen besonderen Halt bieten - auch Profis schwören auf dieses Material.
Die Schwalbe "One"-Serie
Die "One"-Rennradreifen-Serie von Schwalbe ist nicht auf Pannenschutz und Langlebigkeit ausgelegt, wie ein Marathon Reifen (der sich fährt wie ein Sack Nüsse). Die Pro One (früher: nur „One“) Serie wurde von Schwalbe entwickelt, um eurem Rennrad mit besonders leichten und schnellen Reifen die optimale Basis für den Gebrauch auf Asphalt und für die Teilnahme an Wettrennen zu bieten.
Es gibt den Pro One in drei Varianten:
- Pro One Tube Type: Der klassische Allrounder, welcher durch optimale Haftung auf der Straße, satt aufliegt und euch dennoch schnell und leicht ins Ziel bringt.
- Pro One TLE (Tubeless): Aufgrund des Addix-Compound hat der Pro One TLE einen beeindruckenden Grip und eine hohe Strapazierfähigkeit. Bei der Ausfertigung in 25 mm hat der Reifen ein konkurrenzloses Gewicht von lediglich 205 g.
- Pro One TT TLE (Tubeless): Speziell für den Wettkampf, sehr leicht und besonders schnell, daher aber auch dünner.
Schwalbe G-One RS: Speed pur
Speed pur - das macht den Schwalbe G-One RS aus, und so ist es auch kein Wunder, dass die hohe Effizienz und der Rollwiderstand von 12 W einzigartig sind. Immerhin ganze 2 W trennen den RS von den nächst-schnelleren Reifen, Challenge Gravel Grinder und Continental Terra Speed. Unangefochten führt der G-One RS die Speed-Tabelle an und überzeugt gleichzeitig mit hohem Komfort und erstklassiger Pannensicherheit. Lediglich im Gelände fühlt sich der RS alles andere als zuhause, doch dafür ist er auch nicht gemacht.
Cyclocross- und Gravel-Reifen von Schwalbe
- CX Pro: Die Cyclocross-Modelle mit ihrer erhöhten Reifenbreite wurden für die Nutzung querfeldein oder auf einem Rundkurs (abgesteckte Strecke) entwickelt. CX Pro ist für Hochleistung selbst querfeldein mit exzellentem Grip auf trockenem und nassem Untergrund geeignet.
- G-One: Die Gravel-Modelle bewegen sich in ihrer Reifenbreite meist zwischen 37 mm und 50 mm. Um auch auf ungefestigtem und grobem Gelände mit dem Rennrad unterwegs sein zu können, benötigt ihr Pneus, die den Konditionen optimal gewachsen sind. Das Gravel-Bike bietet Stabilität, Robustheit und Fahrkomfort.
Die G-One Modelle im Überblick:
- G-One Speed: Das optimale Modell für Asphalt und feinen Schotter. Dieses Modell ist mit seinem flachen Profil besonders leistungsfähig.
- G-One Allround: Das Modell für alle, die ein bisschen mehr Gelände einplanen, aber bei der Leistung keine Abstriche machen wollen.
- G-One Bite: Das Modell ist bereits für grobes Terrain und Schlamm ausgelegt und hat ein deutlich ausgeprägteres Profil als die ersten beiden Modelle.
- G-One Ultrabite: Das letzte Modell der Serie ist mit seinem Profil für diejenigen geeignet, die mit ihrem Bike gerne auch in sehr unwegsamen Geländen unterwegs sind, das Profil ist jedoch deutlich erhöht und wird die Laufleistung des Reifens beeinflussen.
Testergebnisse und Auszeichnungen
Der Schwalbe Pro One TLE wurde speziell für die Anwendung ohne Schlauch entwickelt. Auch im Labor- und Praxistest des Roadbike Magazins kann der Schwalbe Pro One TLE auf ganzer Linie überzeugen: kein anderer Reifen im Test zeigt sich in Sachen Pannenschutz und Rollwiderstand so souverän. Zudem begeistert der Schwalbe Pro One TLE mit dem geringsten Gewicht im Testfeld.
Im Direktvergleich punktet der Schwalbe Pro One TLE in Sachen Gewicht, Pannenschutz und Rollwiderstand auf ganzer Linie. Für die beste Performance auf der Straße ist die Kombination aus Tubeless Easy Reifen und Dichtmilch unabdingbar. Schwalbe Doc Blue Professional holt sich den Testsieg im Roadbike Magazin.
Der Schwalbe Pro One Evo ist der Profi-Reifen im Schwalbe-Sortiment und verspricht top Rollwiderstand und Pannenschutz. Schaut man allein auf die Laborwerte, schneidet der Schwalbe Pro One Evo exzellent ab und hat im Pannenschutz die Nase vorne.
Kaufberatung: Worauf Du achten solltest
Asphalt, Schotter oder lehmiger Untergrund. Für alles gibt es den optimalen Reifen, doch wie genau sieht euer Nutzungsprofil aus? Diese Frage und nicht in erster Linie die Hersteller-Reifentypologie entscheidet ob ihr einen „guten“ Reifen findet. Auch weitere Faktoren, wie zB. die „Schlauchfrage“, sind wichtige Faktoren.
Die wichtigsten Kriterien beim Reifenkauf:
- Rollwiderstand: Ein zentraler Faktor, der die Effizienz des Reifens beschreibt.
- Pannenschutz: Moderne Rennradreifen bieten hierfür spezielle Schutzschichten aus Materialien wie Kevlar, Vectran, PU, Aramid et cetera.
- Gewicht: Gewicht und Schutz - beide Faktoren sind, leider, in der Regel konträr.
- Reifendruck: Im Durchschnitt erhöht ein Reifendruck von 1 bar über dem empfohlenen Druck den Rollwiderstand um 0,5 bis 1 Watt.
- Reifenbreite: Bei breiten Reifen kann der Luftdruck etwas verringert werden, was zu einem komfortableren Fahren beiträgt.
Wie steht es um die Haltbarkeit der Rennradreifen von Schwalbe?
Die beliebten Rennradreifen der Schwalbe Serie One halten in der Regel zwischen 3.000 Kilometern und 7.000 Kilometern laut Tests. Ob euer Reifen abgefahren ist, erkennt ihr - anders als beim Auto - nicht daran, dass das Profil runter ist. Stattdessen müsst ihr darauf achten, ob auf der Lauffläche die Pannenschutzeinlage oder die Karkassenfäden sichtbar werden. Sobald ihr eine der beiden Kennzeichnungen deutlich seht, wird es Zeit für einen neuen Reifen.
Endurance-Reifen im Test: Eine Alternative?
Eine interessante junge Reifenkategorie ist die der Endurance-Pneus: sportlicher als Ganzjahresreifen, weniger kompromisslos als Top-Modelle, dafür günstiger, robust und haltbar, oft sowohl als Tubeless- oder Tube-Type-Version und in vielen Breiten bis 35 Millimeter erhältlich. Um das zu beantworten, haben wir aus beiden Kategorien je sieben Tubeless-Modelle in Labor und Praxis getestet und verglichen - mit spannenden Ergebnissen.
Innerhalb der Kategorie zeigen sich indes Unterschiede: Während etwa Specializeds Mondo, Goodyears Eagle und Schwalbes One das Thema Endurance eher sportlich interpretieren, konzentriert sich Hutchinson mit dem Challenger auf maximale Haltbarkeit.
Die Testergebnisse im Überblick:
Die Ergebnisse des Tests im Detail: Endurance-Reifen (28mm)
- Continental Grand Prix TR: SEHR GUT/ 81 Punkte
- Schwalbe One TLE: SEHR GUT/ 82 Punkte
- Specialized Mondo TLR: SEHR GUT/ 80 Punkte
- Vittoria Corsa N.EXT TLR: SEHR GUT/ 74 Punkte
- Michelin Pro 5 TLR: GUT/ 65 Punkte
- Goodyear Eagle TLR: Gut / 59 Punkte
- Hutchinson Challenger TLR: GUT/ 51 Punkte
Ergebnisse des Tests im Detail: Top-Reifen
- Continental Grand Prix 5000S TR: SEHR GUT/ 99 Punkte
- Schwalbe Pro One TLE: ÜBERRAGEND/ 96 Punkte
- Michelin Power Cup TLR: SEHR GUT/ 84 Punkte
- Specialized S-Works Turbo TLR: SEHR GUT/ 82 Punkte
- Hutchinson Blackbird Racing Lab TLR: SEHR GUT/ 80 Punkte
- Vittoria Corsa Pro TLR: SEHR GUT/ 80 Punkte
- Goodyear Eagle F1 R Tubeless Complete: GUT / 69 Punkte
Wer nicht aus Prinzip Top-Reifen fährt, findet im neuen Endurance-Segment leistungsstarke und günstigere Alternativen. Vergleichen lohnt sich, denn die unterschiedliche Auslegung der Modelle ist im Wortsinn erfahrbar. Conti, Schwalbe, Specialized und zum Teil Michelin ragen aus dem Testfeld heraus.
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