Ein korrekt eingestellter Sattel ist entscheidend für Komfort, Sicherheit und Leistung beim Rennradfahren. Ein falsch eingestellter Fahrradsattel kann ernstzunehmende Folgen für deine Gesundheit haben. Bei einem zu tief eingestellten Sattel wird das Knie zu stark angewinkelt, was zu Schmerzen führen kann. Bei einem zu hoch eingestellten Sattel wird die Beinmuskulatur dagegen zu wenig beansprucht, wodurch sich der Druck auf das Gesäß erhöhen kann und die Oberschenkel schneller zu Krämpfen oder Zerrungen neigen. Außerdem kommt es auch auf die richtige Neigung des Sattels an. Wenn die Spitze zu weit nach unten zeigt, kann dies die Rumpf- und Armmuskulatur belasten.
Werkzeug und Vorbereitung
Die meisten Einstellarbeiten an Lenker und Rennrad-Sattel kann jeder selbst erledigen, das nötige Werkzeugarsenal ist überschaubar. Hier ist ein Überblick über das benötigte Werkzeug:
- Innensechskante oder Torx-Schlüssel, je nach Modell.
- Ein kleiner Drehmomentschlüssel (bis ca. 10 Nm).
- Montagepaste (auch Carbonpaste genannt).
- Fett für Schraubengewinde.
- Wasserwaage.
- Maßband.
Die wichtigsten Drehmomente
Für die meisten Verbindungen ist ein maximales Drehmoment vorgeschrieben, das man nicht überschreiten sollte. Hier sind einige wichtige Drehmomente:
- Schaltgriffe: 5-6 Nm
- Lenkerklemmung: 4-6 Nm
- Vorbaukappe: 1-2 Nm
- Vorbauklemmung: 4-6 Nm
- Sattelstütze: 3-5 Nm, variiert stark je nach Klemmprinzip
- Sattel: 5-7 Nm (bei zwei Schrauben)
Allgemeine Profi-Tipps
- Entwickeln Sie mithilfe des Drehmomentschlüssels ein Gefühl dafür, wie fest die einzelnen Schrauben angezogen werden müssen.
- Verwenden Sie keine korrodierten oder beschädigten Schrauben. Fetten Sie alle Schraubengewinde, auch unter dem Schraubenkopf.
- Manche Schrauben sind ab Werk mit Schraubensicherung versehen - dann wird das Gewinde nicht gefettet. Tragen Sie nur unter dem Schraubenkopf etwas auf.
- Sicherheitsrelevante Klemmungen (Lenker, Schaltgriffe, Gabelschaft) und Carbonteile immer fettfrei halten! Im Zweifel Montagepaste verwenden.
- Klemmverbindungen setzen sich nach einiger Zeit, die Spannkraft der Schrauben lässt nach. Kontrollieren Sie deshalb nach rund 200 bis 300 Kilometern das Drehmoment sowie den festen Sitz der Teile.
Die richtige Sattelhöhe finden
Bei der Ermittlung der richtigen Sitzhöhe auf dem Fahrrad spielt es keine Rolle, ob es sich um ein E-Bike, Mountainbike, Rennrad oder ein ganz normales Stadtrad handelt. Um die richtige Sattelhöhe zu ermitteln, musst du dich auf dein Fahrrad setzen können. Es kann hilfreich sein, sich eine zweite Person zur Unterstützung dazu zu holen. Als erstes setzt du dich auf dein Fahrrad und stellst die Füße auf die Pedale. Das rechte Pedal sollte sich am tiefsten Punkt befinden. Nun stellst du die rechte Ferse auf das Pedal, sodass dein Knie noch leicht gebeugt ist. Wenn du das Pedal nicht erreichst, musst du deinen Fahrradsattel etwas tiefer einstellen.
Es gibt die Möglichkeit die Sattelhöhe zu berechnen, wozu man die Schrittlänge messen muss. Um die Schrittlänge zu messen, stellt man sich mit den Fersen an eine Wand. Dann klemmt man sich eine Wasserwaage waagerecht zwischen die Beine und drückt sie an den Sitzbereich. Dann misst man den Abstand vom Boden bis zur oberen Kante der Wasserwaage. Der gemessene Wert fließt dann in diese Formel ein: Sattelhöhe = Schrittlänge x 0,885. In der Realität weicht die ideale Sattelhöhe leider häufig stark von diesem berechneten Maß ab.
Die Hügi-Methode wurde vom Schweizer Wilfried Hügi in den 1980er-Jahren entwickelt, um mithilfe einer mathematischen Formel die beste Sitzposition zu bestimmen. Zunächst wird dabei die Beinlänge vom Fuß bis zum Schritt gemessen. Diese Zahl wird anschließend mit dem Faktor 0,885 multipliziert. Für welche Methode du dich entscheidest, bleibt dir überlassen. Beide Methoden helfen dir bei der Einstellung der optimalen Sattelhöhe.
Sattelneigung einstellen
Eine Wasserwaage ist zu empfehlen, um die Neigung des Fahrradsattels einzustellen. Am besten sollte der Sattel möglichst waagerecht eingestellt sein. Zur Ermittlung der Waagerechten, kannst du die bereits erwähnte Wasserwaage verwenden. Diese legst du am besten zuerst auf den Boden, um zu sehen, ob der Untergrund eben ist. Anschließend bringst du den Fahrradsattel in eine waagerechte Position, indem du die Schraube(n), die den Sattel mit der Sattelstütze verbinden lockerst.
Bei Stützen mit zwei Schrauben stellen Sie die Neigung ein, indem Sie die Schrauben entsprechend unterschiedlich anziehen. Dabei mit geringen Drehmomenten arbeiten und anschließend mit dem Drehmomentschlüssel gleichmäßig anziehen. Der Sattel sollte beim Rennrad waagerecht stehen (mit Wasserwaage prüfen), wenn das Rad auf ebenem Grund steht. Drückt die Sattelnase im Schritt, kann sie auch minimal nach unten zeigen.
Horizontale Sattelposition
Anschließend geht es noch darum die richtige Sattelposition zu finden. Damit ist der Abstand vom Sattel zum Lenker gemeint. Nur so kannst du vernünftig in die Pedale treten. Nun sollte der Fußballen auf Höhe der Pedalachse stehen und das Knie sollte am tiefsten Punkt leicht angewinkelt sein. Die Kniescheibe sollte nun im besten Fall durch die vordere Pedalachse laufen. Um diesen Punkt zu erreichen kannst du den Sattel leicht nach vorne bzw.
Stell die Tretkurbel auf waagerechte Position (3-Uhr Stellung). Verschieb den Sattel, bis das Lot von der Kniescheibe exakt durch die Pedalachse verläuft. Fällt das Lot hinter die Pedalachse, so muss der Sattel nach vorne gerückt werden.
Besonderheiten beachten
- Sattelgestelle sind meist rund (Durchmesser 7 mm), Carbongestelle häufig hochoval (7 x 9 mm). Passende Klemmung am Rennrad-Sattel beachten.
- Die Klemmung ist Schmutz und Wasser vom Hinterrad ausgesetzt, sie sollte regelmäßig zerlegt, gereinigt und leicht eingefettet werden. Verwenden Sie an Carbongestellen Montagepaste.
Sitzposition und Komfort
Sobald dein Sattel korrekt eingestellt ist, fährt es sich gleich viel bequemer und leichter. Ziel sollte es sein, dass der Großteil deines Körpergewichtes gleichmäßig auf den beiden Sitzknochen getragen wird, um den Rücken sowie die Gelenke zu entlasten.
Weitere Anpassungen
Nachdem Sie den Sattel auf die richtige Höhe gebracht haben, müssen Sie den Sattel auch in der Horizontalen einstellen. Greifen Sie den Lenker in der Beuge, ein Fuß steht im Pedal, der entspechende Kurbelarm staht paralell zum Unterrohr. Ellbogen und Kniescheibe sollten nun rund zwei Zentimeter Abstand voneinander haben, der Ellenbogen kann also frei durchschwingen.
Die optimale Sitzposition hängt nun nicht nur vom Sitzen ab. Auf dem Rennrad ist man beim Fahren meist sehr stark nach vorne über den Lenker gebeugt. Dadurch liegt besonders viel Körpergewicht auf der Sattelspitze.
Einsteiger fühlen sich zunächst oft mit einer kompakten und aufrechten Sitzposition wohl.
Grundsätzlich sollte das Cockpit so eingestellt werden, dass sowohl Ober- als auch Unterlenkerposition gut fahrbar sind. Je tiefer der Lenker positioniert wird, desto „sportlicher“ sitzt man auf dem Rad. ABER wie weit dein Körper dem Lenker auf dem Weg nach unten folgen kann, hängt sehr stark von der Flexibilität und Beweglichkeit besonders des unteren Rückens ab.
In einer optimalen Rennrad Sitzposition sollte die Überhöhung nicht höher ausfallen, als das Becken in maximal vorrotierter Ausrichtung leisten kann.
Professionelles Bikefitting
Bikefittings können Winkel an Hüfte, Schulter und Ellbogen exakt bestimmt und optimiert werden. Wenn du weiterhin Beschwerden oder Probleme mit deiner aktuellen Rennrad Sitzposition hast, oder einfach unschlüssig bist, ob dein Bike wirklich gut zu dir passt, dann kontaktiere uns.
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