Nur mit einer optimalen Rennrad Sitzposition kann man sich auf dem Rad wohl fühlen und auch gute Leistungen erbringen. Schmerzen und Taubheitsgefühle blockieren physisch wie psychisch die Leistungsfähigkeit und verhindern, dass man beim Radfahren Spaß hat. Der erste (und mit der wichtigste) Schritt auf dem Weg zur perfekten Rennrad Sitzposition ist immer das Fahrradsattel einstellen. Erst wenn die richtige Sattelhöhe zur akzeptablen Beinstreckung am tiefsten Punkt des Pedalzyklus führt, sollte man den Rest der Rennrad Sitzposition adjustieren.
Sattelhöhe berechnen
Doch wie den Fahrradsattel richtig einstellen? Es gibt die Möglichkeit die Sattelhöhe zu berechnen, wozu man die Schrittlänge messen muss. Um die Schrittlänge zu messen, stellt man sich mit den Fersen an eine Wand. Dann klemmt man sich eine Wasserwaage waagerecht zwischen die Beine und drückt sie an den Sitzbereich. Dann misst man den Abstand vom Boden bis zur oberen Kante der Wasserwaage. Der gemessene Wert fließt dann in diese Formel ein: Sattelhöhe = Schrittlänge x 0,885.
In der Realität weicht die ideale Sattelhöhe leider häufig stark von diesem berechneten Maß ab. Die perfekte Rennrad Sitzposition hängt von vielen Faktoren wie der körpereigenen Flexibilität und bereits eingespielten Bewegungsmustern ab. Die oben genannten Variablen können am besten mit einer kinematischen Videoanalyse berücksichtigt werden. Mit der Videoanalyse besteht die Möglichkeit, die Beinstreckung im unteren Totpunkt der Trittbewegung exakt zu analysieren.
Das erste Bild zeigt die Einstellung der Sattelhöhe mittels Goniometer (Winkelmesser). Auf dem zweiten Bild wird die Sattelhöhe mit der Fersenmethode ermittelt. Bei allen Einstellungen ist es immer ratsam auf seinen Körper zu hören. Zu tiefer Sattel belastet das Knie stärker und sorgt für eine schellere Ermüdung der Muskulatur.
Die Hügi-Methode: Diese wurde vom Schweizer Wilfried Hügi in den 1980er-Jahren entwickelt, um mithilfe einer mathematischen Formel die beste Sitzposition zu bestimmen. Zunächst wird dabei die Beinlänge vom Fuß bis zum Schritt gemessen. Diese Zahl wird anschließend mit dem Faktor 0,885 multipliziert. Für welche Methode du dich entscheidest, bleibt dir überlassen. Beide Methoden helfen dir bei der Einstellung der optimalen Sattelhöhe.
Egal für welche Methode Sie sich entscheiden, die Höhe des Sitzens hängt nicht nur von Ihrer Beinlänge ab. Tretkoordination, Dehnungszustand oder persönliche Vorlieben können dazu führen, dass Sie den Sattel über unsere Vorgehensweisen hinaus feinjustieren müssen.
Horizontale Sattelposition bestimmen
Wenn dann die optimale Sattelhöhe gefunden wurde geht es darum, die Sattelposition in horizontaler Ebene festzulegen. Eine weit verbreitete Methode hierfür ist das sogenannte Knielot. In 90° Kurbelstellung (das bedeutet beide Kurbelarme in Parallelstellung zum Boden) fällt man von dem vorne stehenden Knie ein Lot nach unten. Die Analyse der sogenannten „Knie-über-Pedalachse“ (englisch auch Knee over Pedal Spindle = KOPS bezeichnet) soll Aufschluss über die Sattelposition geben.
Beim professionellen Bikefitting spielt die Positionierung des Rennrad Sattels in horizontaler Richtung eine sehr zentrale Rolle. Die Verschiebung des Sattels wirkt sich essentiell auf die Ausrichtung der Hüfte aus, worin meist der „Schlüssel“ einer guten Radposition liegt. Die Hüfte muss in einer neutralen und vor allem auch stabilen Lage ausgerichtet sein um maximalen Komfort und Kraftübertragung zu ermöglichen. Instabilität und schlecht verteilter Druck auf dem Sattel führen immer zu Problemen.
Ebenfalls sehr wichtig ist die Beurteilung des Körperschwerpunkts im Verhältnis zum Rennrad Rahmen. Bei einer guten Rennrad Sitzposition ist meist das Körpergewicht sehr ausgewogen über das gesamte Rad verteilt. Ein guter Tip zum Prüfen der richtigen Sattelposition ist das gleichzeitige Wechseln mit beiden Händen in den Unterlenker. Wir sehen häufig zu lange (gestreckte) Rennrad Sitzpositionen, die nicht selten von einer zu weit hinten sitzenden Satteleinstellung rühren. Beobachtet man den Trochanter Major (das Ende des Oberschenkelknochens in der Hüfte) im Verhältnis zum Sitzrohr, bekommt man eine gute Idee der Situation. Eine in den meisten Fällen adäquate Maßnahme ist das Verschieben des Sattels in Richtung Tretlager, um die Postion kompakter zu gestalten. Dies ermöglicht eine Öffnung des Hüftwinkels bei gleichzeitig besserer Kraftübertragung. Das folgende Video zeigt dies eindrucksvoll.
So funktioniert die Knielotmethode: Stell die Tretkurbel auf waagerechte Position (3-Uhr Stellung). Verschieb den Sattel, bis das Lot von der Kniescheibe exakt durch die Pedalachse verläuft. Fällt das Lot hinter die Pedalachse, so muss der Sattel nach vorne gerückt werden.
Nachdem Sie den Sattel auf die richtige Höhe gebracht haben, müssen Sie den Sattel auch in der Horizontalen einstellen. Stellen Sie Ihren Fuß auf das vordere Pedal. Wenn Sie durch die Kniescheibe Ihres Beins und den Großzehenballen ein Lot fällen können, steht der Sattel richtig. Falls nicht, verschieben Sie die Sattelstreben im Stützenkopf nach vorne oder hinten.
Die richtige Neigung des Sattels
Neben der Sattelhöhe spielt die Neigung des Fahrradsattels eine wichtige Rolle dabei, eine bequeme und gesunde Sitzposition auf dem Fahrrad zu finden. Am besten sollte der Sattel möglichst waagerecht eingestellt sein. Zur Ermittlung der Waagerechten, kannst du die bereits erwähnte Wasserwaage verwenden. Diese legst du am besten zuerst auf den Boden, um zu sehen, ob der Untergrund eben ist. Anschließend bringst du den Fahrradsattel in eine waagerechte Position, indem du die Schraube(n), die den Sattel mit der Sattelstütze verbinden lockerst.
Als erstes sollte der Sattel waagerecht justiert werden. Das gelingt am Besten mit einer Wasserwaage. An jeder Sattelstütze gibt es eine oder zwei Klemmschrauben.
Der Sattel sollte beim Rennrad waagerecht stehen (mit Wasserwaage prüfen), wenn das Rad auf ebenem Grund steht. Drückt die Sattelnase im Schritt, kann sie auch minimal nach unten zeigen.
Wichtig: Achten Sie auf Klemmungen, die das Sattelgestell großflächig umschließen. Schmale Stege oder scharfe Kanten können die Gestelle insbesondere von Leichtbausätteln beschädigen. Das Sattelgestell muss im dafür vorgesehenen Bereich geklemmt werden - auf keinen Fall in einem der Bögen!
Lenkerpositionierung
Wenn die richtige Sattelposition gefunden wurde, geht es um die Positionierung des Lenkers und damit unausweichlich auch um die Länge des Vorbaus. Grundlegend sollte das Cockpit so eingestellt werden, dass sowohl Ober- als auch Unterlenkerposition gut fahrbar sind. Gerade die Lenkereinstellung hängt sehr stark vom eigenen Vorhaben mit dem Fahrrad und der körpereigenen Flexibilität ab. Das Grundprinzip ist sehr logisch: Je tiefer der Lenker positioniert wird, desto „sportlicher“ sitzt man auf dem Rad. Der Oberkörper fällt tiefer, wodurch die Position insgesamt aerodynamisch günstiger wird. ABER wie weit dein Körper dem Lenker auf dem Weg nach unten folgen kann, hängt sehr stark von der Flexibilität und Beweglichkeit besonders des unteren Rückens ab.
Dieser Test gibt eine essentielle Information für die einzustellende Überhöhung. In einer optimalen Rennrad Sitzposition sollte die Überhöhung nicht höher ausfallen, als das Becken in maximal vorrotierter Ausrichtung leisten kann.
Werkzeug für die Sattelmontage
Die meisten Einstellarbeiten an Lenker und Rennrad-Sattel kann jeder selbst erledigen, das nötige Werkzeugarsenal ist überschaubar. Ein Überblick, was Sie dafür im Haus haben sollten:
- Innensechskante oder Torx-Schlüssel, je nach Modell.
- Ein kleiner Drehmomentschlüssel (bis ca. 10 Nm).
- Montagepaste (auch Carbonpaste genannt).
- Fett gehört an alle Schraubengewinde.
- Wasserwaage als Hilfsmittel für die Position von Rennrad-Sattel und Lenker.
- Maßband.
Die wichtigsten Drehmomente
| Komponente | Drehmoment (Nm) |
|---|---|
| Schaltgriffe | 5-6 |
| Lenkerklemmung | 4-6 |
| Vorbaukappe | 1-2 |
| Vorbauklemmung | 4-6 |
| Sattelstütze | 3-5 (variiert stark je nach Klemmprinzip) |
| Sattel | 5-7 (bei zwei Schrauben) |
Allgemeine Profi-Tipps
- Entwickeln Sie mithilfe des Drehmomentschlüssels ein Gefühl dafür, wie fest die einzelnen Schrauben angezogen werden müssen.
- Verwenden Sie keine korrodierten oder beschädigten Schrauben.
- Fetten Sie alle Schraubengewinde, auch unter dem Schraubenkopf.
- Manche Schrauben sind ab Werk mit Schraubensicherung versehen - dann wird das Gewinde nicht gefettet.
- Sicherheitsrelevante Klemmungen (Lenker, Schaltgriffe, Gabelschaft) und Carbonteile immer fettfrei halten!
- Klemmverbindungen setzen sich nach einiger Zeit, die Spannkraft der Schrauben lässt nach.
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