Fahrradschläuche sehen auf den ersten Blick alle gleich aus, doch der Schein trügt. Die meisten Schläuche, egal ob im Mountainbike- oder Rennradbereich, bestehen aus Butyl. Kein Wunder: Butyl ist günstig und sehr robust. Sie unterscheiden sich in ihrer Widerstandsfähigkeit und ihrem Gewicht. Leichtere Schläuche aus dünnem Gummi sind anfälliger für Schäden. Kommt es dir also hauptsächlich auf möglichst geringes Gesamtgewicht an, kannst du deine Reifen mit der leichten Variante bestücken.
Seit John Boyd Dunlop im Jahre 1888 den pneumatischen Reifen erfunden hat, rollen nahezu alle Fahrräder auf Luftbereifung. Wie die Luft im Reifen gehalten wird, hat sich allerdings über die Jahrzehnte geändert. Heute hast Du die Wahl zwischen (Innen-)Schlauch, Tubeless-Systemen oder Schlauchreifen. Alle Systeme haben ihre Vorteile und Berechtigung. Schließlich sind die Anforderungen bei einem Mountainbike andere als bei einem Rennrad oder Commuter.
Die Wahl des richtigen Schlauchs
Um die richtige Fahrradschlauch-Größe zu ermitteln, solltest du zwei Dinge berücksichtigen: die Art des Ventils und die Größe des Fahrradreifens. Außerdem ist es wichtig, dass der Schlauch nicht nur zu deiner Laufradgröße und Reifenbreite passt, sondern auch zum Fahrradtyp und Einsatzzweck passt. Wer also viel im Gelände unterwegs ist, braucht einen anderen Schlauch als jemand, der mit seinem Fahrrad die Straßen unsicher macht.
Reifengröße bestimmen
Die Reifengröße kannst du anhand der Reifenkennzeichnung bestimmen. Diese findest du entweder auf der Seitenwand des Fahrradreifens oder auf dem alten Fahrradschlauch. Meist handelt es sich um eine Angabe wie "XX-YYY" oder "XX x YYY", wobei XX für die Breite in Millimetern und YYY für den Durchmesser des Fahrradreifens in Millimetern steht. Steht auf dem Reifen eine andere Angabe, kannst du diese mit Hilfe einer Fahrradschlauch-Größentabelle einfach umrechnen.
In der Regel findet man die Größenangabe auf der Seite des Reifens. Doch schon hier kommen viele Radfahrer ins Straucheln, denn oft finden sich mehrere Angaben auf einem Fahrradreifen. Inzwischen hat sich die sogenannte ETRTO-Norm (European Tire and Rim Technical Organization) für eine einheitliche Ordnung durchgesetzt. Diese Größenbezeichnung (z.B. 55-406) ermöglicht eine eindeutige Zuordnung zur Felgengröße, da sie sowohl die Breite (55 mm) als auch den Innendurchmesser (406 mm) des Fahrradreifens berücksichtigt.
Darüber hinaus können auf der Seitenwand des Reifens weitere Größenangaben stehen:
- Zoll (27,5 Zoll= ungefährer Außendurchmesser)
- Französisch (700 x 38C = ungefährer Außendurchmesser x Reifenbreite x Reifenhöhe)
- Englisch (28 x 1 5⁄8 x 1 3⁄8 = ungefährer Außendurchmesser x Reifenhöhe x Reifenbreite oder 28 x 1.40 = ungefährer Außendurchmesser x Reifenbreite in Zoll)
Die Angabe in Zoll ist zwar weit verbreitet, aber relativ ungenau, da der tatsächliche Außendurchmesser je nach Reifendruck variiert. Außerdem berücksichtigt sie nicht den Innendurchmesser und die Breite des Reifens, wie es bei der französischen Größenangabe der Fall ist, die jedoch nicht für alle Reifengrößen existiert - und daher z. B. nicht für Mountainbike-Reifengrößen verwendet wird.
Art des Ventils bestimmen
Um die richtige Reifengröße zu finden, muss zunächst der Ventiltyp bestimmt werden. Wenn der neue Schlauch nicht das richtige Ventil hat, kann es sein, dass er nicht durch das Felgenloch passt. Achte deshalb darauf, dass der neue Schlauch das gleiche Ventil hat wie der alte.
Im Allgemeinen gibt es drei gängige Ventiltypen:
- SV: Sclaverand-Ventil (französisches Ventil, Presta-Ventil): E-Bike, Rennrad, Mountainbike
- DV: Dunlop-Ventil (Blitzventil): Citybike, Trekkingbike
- AV: Schrader-Ventil (Autoventil): Tourenrad, Mountainbike
Das Schrader-Ventil ist sehr robust und besonders benutzerfreundlich. So kannst du einen Reifen mit Schrader-Ventil an jeder Tankstelle aufpumpen. Das französische Ventil ist vor allem bei Rennrädern verbreitet und hat einen Ventilkopf, den du vor dem Aufpumpen abschrauben musst. Auch beim Dunlop-Ventil muss vor dem Aufpumpen eine Ventilkappe entfernt werden. Dieser Ventiltyp ist vor allem bei Citybikes verbreitet.
Auf den Verpackungen von Fahrradschläuchen findest du verschiedene Größenangaben, meist die größte und die kleinste Reifengröße, zu der der Schlauch passt. Das hat einen einfachen Grund: Fahrradschläuche bestehen aus Butylkautschuk und sind daher sehr flexibel und dehnbar. Deshalb passt ein und derselbe Schlauch zu verschiedenen Reifenbreiten und -durchmessern - je nachdem, wie stark du ihn aufpumpst.
Schlauchmaterialien im Vergleich
Die meisten Schläuche, egal ob im Mountainbike- oder Rennradbereich, bestehen aus Butyl. Latexschläuche sind leichter und rollen besser als ihre Artgenossen aus Butyl, da das Material sehr flexibel ist und so den Rollwiderstand verringert. Das dritte, relativ unbekannte Material ist Thermoplast.
Butyl
Ein Großteil der Fahrradschläuche wird aus Butylkautschuk hergestellt - kurz Butyl. Das Material hat sich über lange Zeit bewährt und ist universell einsetzbar. Butylschläuche sind günstig und halten die Luft zuverlässig über lange Zeiträume. Sie eignen sich daher auch für Räder, die zwischendurch länger stehen, ohne gefahren zu werden oder für Pendler, die möglichst wenig Zeit mit Wartung verbringen wollen.
Die meisten Hersteller bieten sie in verschiedenen Gewichtsklassen an. Dabei wird die Materialstärke variiert. Schläuche aus dickerem Material sind günstiger und robuster, bieten also etwas mehr Schutz vor Durchschlägen oder -stiche. Schläuche aus dünnerem Material sind leichter und daher besonders im sportlichen Bereich sinnvoll, denn: Weniger Material bedeutet auch weniger Rollwiderstand.
Bei einer Panne kannst Du Butylschläuche einfach mit selbstklebenden Flicken reparieren oder zum bewährten Flickzeug mit Gummiflicken und Vulkanisierlösung greifen. Wenn Du auf Nachhaltigkeit Wert legst, dann wird Dich interessieren, dass Butylschläuche recycelt werden können.
Latex
Latexschläuche sind leichter und rollen besser als ihre Artgenossen aus Butyl, da das Material sehr flexibel ist und so den Rollwiderstand verringert. Allerdings sind sie weniger robust als Butyl-Schläuche und benötigt viel Fingerspitzengefühl beim Montieren. Dazu kommt, dass Latexschläuche schnell an Luft verlieren und du sie vor jeder Fahrt wieder aufpumpen musst. Außerdem reagieren Latexschläuche empfindlich auf Hitze, die durch langes Bremsen über die Felge auf die Schläuche einwirken kann. Schlimmstenfalls platzen sie.
Latexschläuche sind leichter und rollen besser als ihre Artgenossen aus Butyl, da das Material sehr flexibel ist und so den Rollwiderstand verringert. Rollwiderstand wird durch die hohe Elastizität des Werkstoffes Latex positiv beeinflusst. Nachteile: verlieren deutlich schneller Luft als Butyl- oder TPU Schläuche und sind daher für den Gebrauch auf dem Alltagsrad wenig geeignet.
Thermoplastische Kunststoffe
Relativ neu am Markt sind Schläuche aus thermoplastischen Kunststoffen. In den Bezeichnungen und den Filtern in unserem Shop erkennst Du sie an den Kürzeln TPE (Thermoplastische Elastomere), TPU (Thermoplastische Elastomere auf Urethanbasis) oder vereinfacht „Spezialkunststoff“. Sie sind extrem leicht, noch leichter als Latexschläuche, halten die Luft dauerhaft und rollen besser als Butylschläuche.
Die Hersteller versprechen außerdem einen Pannenschutz, der mit Tubeless-Systemen konkurrieren kann. Im Falle einer Panne kannst Du Schläuche aus thermoplastischen Kunststoffen mit selbstklebenden Flicken reparieren. Dabei raten wir, die Hinweise des jeweiligen Schlauchherstellers zu beachten, welche Flicken geeignet sind und was es dabei zu beachten gilt.
Vorteile: TPU ist kein Gummi (wie Butyl), sondern ein Kunststoff. Damit ist es noch widerstandsfähiger und elastischer! 65% Ersparnis an Gewicht gegenüber Butyl Schläuchen!! Nachteile: ganz klar der hohe Preis!
Vergleichstabelle der Schlauchmaterialien
| Eigenschaft | Butyl | Latex | Thermoplast |
|---|---|---|---|
| Gewicht | Normal | Leicht | Sehr leicht |
| Rollwiderstand | Mittel | Niedrig | Sehr niedrig |
| Pannensicherheit | Hoch | Mittel | Hoch |
| Luftverlust | Gering | Hoch | Gering |
| Preis | Günstig | Mittel | Teuer |
Weitere Optionen: Tubeless und Schlauchreifen
Tubeless
Bei den schlauchlosen Tubeless-Systemen montierst Du den Reifen direkt auf der Felge. Durch das Weglassen des Schlauches rollen Tubeless-Reifen schneller und geschmeidiger. Außerdem ist das System grundlegend pannensicherer - insbesondere bei niedrigen Luftdrücken. An Gravel- und Mountainbikes hat sich tubeless weitgehend durchgesetzt. Beim Rennrad sind die Anforderungen an Reifen und Felgen aufgrund der hohen Luftdrücke anders, aber auch hier steigen immer mehr Fahrer:innen um.
Um die Speichenlöcher in der Felge luftdicht zu verschließen, klebst Du zuvor ein spezielles Felgenband hinein. Das Tubeless-Ventil schraubst Du direkt in die Ventilbohrung der Felge. Viele Kombinationen hochwertiger Reifen und Felgen halten so schon die Luft, aber richtig komplett ist das System erst mit Reifendichtmittel - oft Dichtmilch genannt.
Schlauchreifen
Schlauchreifen - auch unter dem Begriff Tubular geführt - sind in sich luftdicht geschlossene Reifen. Um Schlauchreifen fahren zu können, benötigst Du Laufräder mit speziellen Felgen, auf denen die Reifen mithilfe von Schlauchreifenkitt, -kleber oder -klebeband verklebt werden. Schlauchreifen rollen schnell und geschmeidig. Sie sind bei Cyclocross- und Rennrad-Profis verbreitet, aber auch ambitionierte Freizeitsportler können von den Vorteilen profitieren. Montage und Reparatur sind aber nicht trivial.
Tipps zur Lagerung und Wartung
Fahrradschläuche solltest in trockenen Räumen mit relativ konstant mäßigen Temperaturen aufbewahren. Du musst deinen Fahrradschlauch nicht immer wechseln, wenn du einen Platten hast.
Die Reparatur und Wartung von Fahrradschläuchen variieren je nach Material erheblich. Butylschläuche gelten als besonders wartungsarm und lassen sich relativ einfach reparieren. Im Falle einer Panne kann ein Butylschlauch oft mit einem herkömmlichen Flickset geflickt werden. Latexschläuche hingegen erfordern aufgrund ihres empfindlicheren Materials ein größeres Fingerspitzengefühl sowohl bei der Montage als auch bei der Reparatur. Sie sind anfälliger für Schäden durch unsachgemäßen Einsatz von Werkzeugen wie Reifenhebern. Thermoplastschläuche stehen in Bezug auf die Reparatur und Wartung zwischen Butyl und Latex. Sie sind robuster als Latex, aber aufgrund ihres speziellen Materials nicht so einfach zu flicken wie Butylschläuche.
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