Scott Speedster Test: Ein ruhiges und unaufgeregtes Einsteiger-Rennrad

Für gemütliche Touren im flachen Gelände kann das Scott Speedster 10 eine gute Wahl sein, für sportliches Fahren eignet sich das Rennrad - vor allem aufgrund des schweren Rahmens - eher weniger. Das Scott Speedster 10 verkauft sich in unserem Test etwas unter Wert.

Ausstattung und Komponenten

Dabei scheint das Bike der Schweizer Fahrradmarke sehr gut kalkuliert zu sein: Bis auf Kurbel und Bremsen sind 105er-Komponenten verbaut. Die Schwalbe-Reifen in gut dämpfender Breite von 28 Millimetern, die neben dem Rahmen das Gewicht hochtreiben, bringen das Rad auf insgesamt 9,7 Kilogramm.

Bis auf Kurbel und Bremsen ist es mit 105er ausgestattet. Dazu ein 28er-Reifen von Haus aus. Dadurch wirkt es teilweise behäbig und träge.

Fahrgefühl und Komfort

Die Sitzposition auf dem Scott ist aufrecht und komfortabel - ein Rad für Vielfahrer und Kilometersammler. Die Testfahrten fanden sowohl auf gut als auch auf weniger gut asphaltierten Straßen statt, weil wir davon ausgehen, dass der Großteil der Rennradfahrer auf Asphalt radeln wird.

Die Aufnahmen am Alu-Rahmen für feste Schutzbleche, Oberrohrtasche oder eine Werkzeugbox sind bei günstigen Gravelbikes fast schon obligatorisch, die etwas rustikale Optik der Schweißnähte, speziell an der Rahmenfront, allerdings auch.

Die Alu-Stütze der Eigenmarke Syncros gibt unter der Prüflast im Labor um rund sieben Millimeter nach. Ein ordentliches Ergebnis, das sogar etwas besser ausfällt als beim Addict Gravel 10 mit Carbonstütze; die geschmeidigen 45-Millimeter-Reifen von Schwalbe unterstützen den komfortablen Eindruck.

Innovationen und Bewertung

Für die im Testfeld ranghöchste Gruppe, Shimanos 105er, haben wir einen Punkt mehr vergeben als für die Tiagra oder vergleichbare Komponenten. Ebenfalls mit einem Stern mehr bewerteten wir Räder, die mit einem 34er-Ritzel ausgestattet waren.

Für einen 28 Millimeter breiten Reifen haben wir einen weiteren Zusatzpunkt vergeben, weil wir der Meinung sind, dass bei Einsteigerrädern der Komfort überaus wichtig ist. Einen weiteren Punkt konnte das Rad einfahren, das entweder mechanische Scheibenbremsen (Cube) verbaut hatte oder auf einem Tubeless-Reifen (Giant) rollte. Innovationen - sofern sich diese im Praxistest als sinnvoll erwiesen - haben wir belohnt.

Eine größere Übersetzung bringt mehr Luft am Berg - gerade für Einsteiger, die noch nicht die nötige Kraft mitbringen, können zwei Ritzelzähne mehr ein entscheidender Faktor sein. Design und Fahrspaß hat eine vierköpfige Jury mit einschlägiger Rennraderfahrung beurteilt.

Scott Speedster Gravel Modelle

Während Scott zuletzt seine Rennräder für die Straße überarbeitet und sich mit dem Addict RC sowie dem Foil RC Top-Platzierungen in unseren Bestenlisten gesichert hat, gehen die geländetauglichen Modelle bereits ins vierte Modelljahr. Die größte Stärke des Scott Speedster Gravel 10, Top-Modell der Baureihe mit Aluminiumrahmen, ist dessen einfaches Handling.

Neben der Testversion ist das Speedster Gravel in fünf weiteren Ausstattungsvarianten erhältlich, darunter auch als Commuter mit Schutzblechen. Die Frauen-Modelle mit angepasster Sitzposition unter dem Etikett „Contessa“ führt der Hersteller aus Givisiez nicht mehr im Sortiment.

Im Vergleich zur Variante mit Carbonrahmen fällt der Radstand minimal länger aus. In Kombination mit dem flachen Lenkwinkel lässt sich das Speedster Gravel wie auf Schienen über Stock und Stein steuern. Aus der vergleichsweise großen Tretlagerabsenkung resultiert ein tiefer Schwerpunkt, der spürbar die Kon­trolle erhöht und Vertrauen für schwierige Fahrmanöver in anspruchsvollem Gelände schafft.

Dass sich Scott auf dem Markt als performance-orientierte Marke platziert, spiegelt sich in der relativ gestreckten Sitzposition wieder.

Scott Speedster Gravel 10: Sportlich und komfortabel

Trotz der sportlichen Ausrichtung zählt das Scott zu den komfortableren Bikes in der Preisklasse um 2.000 Euro. Da die Reifenfreiheit mit diesen Pneus bereits ab Werk aus­geschöpft ist, könnte aber nur der Wechsel auf Tubeless-Reifen noch mehr Federkomfort beisteuern - allerdings zu Lasten des ohnehin schon eher trägen Lenkverhaltens.

Eine komfortfördernde Alternative könnte eine Sattelstütze aus Carbon sein, die sich dank des runden Querschnitts im Standardmaß 27,2 Millimeter einfach und relativ günstig nachrüsten ließe.

Vor- und Nachteile des Scott Speedster Gravel 10

  • Plus: sehr spurtreu, sieben Rahmengrößen, hochwertig ausgestattet
  • Minus: begrenzte Reifenfreiheit

Scott Speedster Gravel 40 EQ: Commuter Bike mit sportlichem Ansatz

Basis für die EQ-Version ist der Aluminium-Rahmen, den auch die anderen Speedster Gravelbikes von Scott nutzen. Die Geometrie mit 100 Millimeter langem Vorbau bei Größe L und einem Stack-to-Reach-Wert von 1,56 fällt leicht gestreckt und für ein Commuter Bike eher sportlich aus.

Die Kombination aus 70,5 Grad steilem Lenkwinkel und einem Radstand von 1065 Millimeter sorgen für ein ausgesprochen laufruhiges Fahrverhalten. Will man an der Sitzposition oder dem Cockpit etwas anpassen, hat man durch die integrierte Syncros-Lösung mit Spezial-Vorbau und -Spacern nur wenig Spielraum.

Shimano Tiagra-Schaltung: 2x10 statt 12fach-Antrieb. Anstelle eines speziellen Gravelbike-Antriebs wie einer Shimano GRX bekommt man am Scott-Bike eine Shimano Tiagra-Schaltung mit 2x10 Gängen. Auf einen Reibungsdämpfer (Shadow+), der die Kette in ruppigen Passagen unter Spannung hält, muss man beim Shimano Tiagra-Schaltwerk verzichten.

Das Syncros Fender Kit, das sich übrigens auch bei anderen Scott Speedster Gravel und Addict Gravel-Modellen nachrüsten lässt, ist beim EQ-Modell bereits ab Werk montiert.

Testergebnisse und Fazit

Das Scott bleibt etwas unter seinen Möglichkeiten. Der Rahmen ist recht schwer, und optisch hat das Bike unsere Tester nicht überzeugt. Andererseits punktet es mit viel Laufruhe, 11-fach-Schaltung und sicherem Geradeauslauf.

Kopfsteinpflaster und Gravelabschnitte mussten herhalten, um etwaige Eindrücke zu festigen oder neu zu bewerten. Antritts- und Fahrverhalten, Roll- und Bremseigenschaften sowie sonstige Eindrücke wurden gemeinsam diskutiert und sind in das Bewertungskriterium Fahrspaß eingeflossen.

Das größte Manko im Vergleich zum Addict Gravel 10 ist das um zwei Kilogramm höhere Gesamtgewicht. Ein Blick auf die Konkurrenz relativiert den Vergleich allerdings, da das Speedster Gravel 10 eher zu den leichteren Rädern im Test zählt.

Auf Pedaltritte reagiert das Scott nicht zuletzt dank des fein abgestuften 2x12-Getriebes lebendiger, die 30 km/h-­Schallmauer ist auf der Schotterautobahn etwas leichter zu nehmen als mit vielen Konkurrenten aus dieser Preisklasse. Die Übersetzung eignet sich jedoch auch für anspruchsvolleres Gelände und Kletterpassagen, die beiden kleinsten Gänge stellen eine bergtaugliche Untersetzung bereit.

Wo andere auf fette Reifen mit viel Platz setzen, baut das Speedster ziemlich eng - gerade in der Gabel lässt sich ein breiterer Reifen kaum unterbringen, geschweige denn zusammen mit einem Schutzblech. Klar ist aber auch: Ambitioniertes Gelände und Offroad-Schlammpackungen sind definitiv nicht das Terrain des Speedster.

Das Scott Speedster Gravel ist eines der Top-Aluräder in unserem Testfeld. Dieser steht auch in Sachen Performance den Konkurenten aus Kohlefaser in kaum etwas nach, denn nicht nur gewichtstechnisch kann der Scott Speedster Rahmen ein Wörtchen mitreden, sondern durch die sehr sportliche Geometrie bietet der Gravelracer eine gute Beschleunigung und sehr soliden Komfort.

Für ein reinrassiges Commuter Bike fehlt ihm die feste Beleuchtung und Reflektoren. Dafür kann man das Gravelbike mit fest verbauten Schutzblechen ganzjährig auch als Sportgerät nutzen.

Tabellarische Übersicht: Scott Speedster Gravel 10

Eigenschaft Wert
Preis 1999 Euro
Gewicht Komplettrad 10,6 Kilo
Antrieb/Schaltung Shimano GRX 610/820 (2x12; 46/30, 11-36 Z.)
Bremsen Shimano GRX 410 (160/160 mm)
Reifen Schwalbe G-One Bite TLE 45 mm (eff.: 45 mm)

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