Test: Bezahlbare Rennradschuhe im Fokus

In Zeiten steigender Lebenshaltungskosten stellt sich auch beim Hobby Rennradfahren die Frage, welche Ausgaben wirklich notwendig sind. Der vorliegende Test von 16 Rennradschuhen um 150 Euro zeigt eindrucksvoll, dass gute Rennradschuhe nicht die Welt kosten müssen.

Warum diese Preiskategorie?

Diese Preiskategorie ist prädestiniert für alle, die "was Ordentliches" suchen, aber nicht in das oberste Regal greifen wollen. Einerseits erfüllen die Modelle komplexe Grundanforderungen, die an moderne Rennradschuhe zu stellen sind: stabiler, sicherer Sitz des Fußes im Schuh, gute Kraftübertragung, hochwertige Verarbeitung und ansprechende Optik. Andererseits bieten sie bereits technische Features, welche vor allem auf Funktionalität ausgerichtete Einstiegsmodelle naturgemäß nicht bieten können.

Wichtige Eigenschaften von Rennradschuhen

Zu den notwendigen Besitztümern, um ambitioniert Rennrad zu fahren, zählen funktionierende Klickpedale - und Rennradschuhe. Da es sich um einen von nur drei Kontaktpunkten zwischen Mensch und Maschine handelt, wollen Schuhe sorgfältig ausgewählt werden: Druckstellen, windelweiche Sohlen, einschlafende oder brennende Füße, Knieschmerzen - mit dem falschen Modell kann jede Ausfahrt zum Ärgernis, jeder Pedaltritt zum Martyrium werden.

Alle Modelle sind mit Dreiloch-Pedalplatten kompatibel, einige auch mit weiteren, zum Beispiel SPD-Systemen. Alle getesteten Modelle kommen mit Boa-, Atop- oder eigenen Drehverschlusssystemen. Diese ermöglichen es, den Schuh so passgenau und feingerastert an den eigenen Fuß anzupassen, wie es mit Ratschen- oder Klettverschlüssen günstigerer Modelle kaum möglich ist. Die gleichmäßige, großflächige Druckverteilung wirkt sich natürlich auch positiv auf die Kraftübertragung aus.

Apropos: Alle getesteten Modelle kommen entweder mit Vollcarbon-Außensohlen oder mit solchen, die mit Carbon- oder Glasfasern verstärkt sind. Denn: Je steifer eine Rennradschuhsohle, desto mehr der investierten Kraft kommt auch auf der Straße an. Mit teureren Modellen lässt sich zwar noch Gewicht sparen, das Verschlusssystem verfeinern, die Sohlensteifigkeit weiter erhöhen oder der Blingbling-Faktor maximieren - doch in Sachen Preis/Leistung sind die getesteten Modelle um 150 Euro kaum zu schlagen.

Die Qual der Wahl: Welcher Schuh ist der Beste?

Das lässt sich nur bis zu einem gewissen Punkt sagen, da die individuelle Eignung eines Rennradschuhs natürlich von der Passform am eigenen Fuß wie auch von der geplanten Nutzung abhängt. Rennfahrerinnen und -fahrer dürften sich aber von den sehr steifen Modellen und der effizienten Kraftübertragung der Modelle von Fizik, Gaerne, Northwave und Sidi sowie, mit leichten Abstrichen, DMT und Van Rysel angesprochen fühlen. Gelungene Allrounder liefern Cube, Giant/Liv, Pearl Izumi und Shimano. Und Sparfüchse sollten sich den Preis-Leistungs-Tipp von Scott einmal genauer ansehen, der auch in einer Variante für Männer angeboten wird.

Kleinere Ungerechtigkeiten gibt es zwischen den Geschlechtern: Die Männermodelle gibt es in der Regel auch in halben Größen und bei Shimano gar in unterschiedlichen Breiten, dazu offerieren die Hersteller ihren männlichen Kunden fast immer mehrere Farboptionen. Die Frauenschuhe hingegen gibt’s nur bei Northwave auch in halben Größen und außer bei Scott und Shimano auch nur in einer Farbe. Vielleicht vergrößert sich das Angebot ja künftig, wenn der Anteil Rennrad fahrender Frauen weiter steigt.

Alleinstellungsmerkmal Strick: Das luftig-leichte Obermaterial bei DMT polarisierte im Test. Dennoch steht am Ende die Erkenntnis: Sehr gute und bezahlbare Schuhe, um sich in schwierigen Zeiten auf dem Rennrad auszupowern, bietet der Markt bereits jetzt.

So testet ROADBIKE

ROADBIKE hat alle Schuhe im Test in ausführlichen Praxistests genau unter die Lupe genommen und verglichen. Nach einer jeweils mindestens einstündigen Testfahrt haben unterschiedliche Tester die Schuhe bewertet; die Noten setzen sich wie folgt zusammen:

  • Passform (30 %): Sitz des Schuhs am Fuß, Tragekomfort, Druckstellen, Sitz an der Ferse, Zehenfreiheit.
  • Güte der Einlegesohle (20 %): Unterstützung des Fußgewölbes.
  • Kraftübertragung (20 %): Sohlensteifigkeit, Fixierung des Fußes durch das Obermaterial.
  • Verschlusssystem (10 %): Druckverteilung am Fuß und auf dem Spann.
  • Gewicht (10 %)
  • Belüftung (10 %)

Alle Einzelergebnisse sowie Informationen zu Preisen, Größen oder erhältlichen Ausführungen finden Sie in den Testbriefen.

Weitere Aspekte bei der Wahl von Rennradschuhen

Neben den bereits genannten Kriterien gibt es noch weitere Aspekte, die bei der Wahl der richtigen Rennradschuhe berücksichtigt werden sollten:

  • Sohlensteifigkeit: Je steifer die Sohle, desto direkter die Kraftübertragung. Für ambitionierte Fahrer und Wettkämpfer ist eine sehr steife Carbonsohle ideal. Tourenfahrer bevorzugen eventuell eine etwas flexiblere Sohle für mehr Komfort.
  • Passform: Die Schuhe sollten eng anliegen, aber nicht drücken. Achten Sie auf ausreichend Zehenfreiheit und einen guten Fersenhalt.
  • Verschlusssystem: Drehverschlüsse ermöglichen eine präzise Anpassung und eine gleichmäßige Druckverteilung. Klettverschlüsse sind einfacher zu bedienen, bieten aber weniger Feineinstellung.
  • Material: Das Obermaterial sollte atmungsaktiv und strapazierfähig sein. Leder ist langlebig, synthetische Materialien sind leichter und pflegeleichter.
  • Gewicht: Leichte Schuhe sparen Energie, besonders bei langen Anstiegen.
  • Belüftung: Eine gute Belüftung verhindert überhitzte Füße und sorgt für ein angenehmes Klima im Schuh.

Funktionieren Unisex-Schuhe?

Der Test hat mir einmal mehr gezeigt: Der Schuh muss zum Fuß passen, nicht seine Kategorisierung. Ob der passende Schuh jetzt ein Männer-, ein Frauen- oder ein Unisex-Schuh ist, halte ich für gar nicht so relevant. Die Unisex-Schuhe haben grundsätzlich gut funktioniert, die Frauenschuhe aber nicht per se deutlich besser. Privat fahre ich sogar einen Männerschuh, obwohl es das Modell auch in einer Damenversion gibt. Mein Tipp: Auf Grundlage der Testergebnisse und des eigenen Anforderungsprofils zwei, drei Modelle in die engere Wahl nehmen und dann ausprobieren!

LARA VON KÜRTEN, ROADBIKE-TESTERIN

Zusammenfassung der Testergebnisse

Rennfahrerinnen und -fahrer profitieren von den sehr steifen Modellen und der effizienten Kraftübertragung der Modelle von Fizik, Gaerne, Northwave und Sidi sowie, mit leichten Abstrichen, DMT und Van Rysel. Cube, Giant/Liv, Pearl Izumi und Shimano liefern gelungene Allrounder. Sparfüchse sollten sich den Preis-Leistungs-Tipp von Scott einmal genauer ansehen, der auch in einer Variante für Männer angeboten wird.

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