Specialized Allez Test: Das schnellste Aluminium-Rennrad der Welt?

Bereits 1994 kam das erste Specialized Allez aus Aluminium auf den Markt. Laut Specialized ist es das schnellste Aluminium-Rad der Welt - es soll schneller, effizienter und komfortabler sein als das Vorgängermodell.

Einleitung

Das Specialized Allez Sport ist ein Klassiker. Seit mehr als 40 Jahren hat Specialized das Allez im Sortiment. Zunächst mit einem Rahmen aus Stahl, erfreut sich das Rennrad seit Mitte der 1990er-Jahre als robuster Alu-Renner großer Beliebtheit. Daran will die neueste Genera­tion anschließen, die im eher hochpreisigen Portfolio des US-Konzerns weiter die Rolle des bezahlbaren Einsteigers einnimmt und für knapp ein Zehntel des Preises der exklusiven S-Works-Carbonmodelle erhältlich ist.

Design und Technologie

Auf den ersten Blick sieht es aus wie das Tarmac, doch bei genauerem Hinsehen erkennt man, dass es sich beim neuesten Renner des US-Herstellers, um das Specialized Allez Sprint aus Aluminium handelt. Aerodynamischer, effizienter, komfortabler und um einiges schneller soll das neue Specialized Allez Sprint sein. Ganze 41 Sekunden schneller als das Vorgängermodell, welches beispielsweise von Peter Sagan bei der Tour Down Under gefahren wurde. Die 41 Sekunden stehen dabei für die 41 jährige Historie des Allez Sprint, denn genau solange ist das Rad bereits in Produktion und wurde stetig weiterentwickelt und verbessert.

Die Basis des Allez Sprint bildet ein Aluminium-Rahmen, dessen Formen auf eine optimierte Aerodynamik ausgerichtet sind. Diese verbesserte Aerodynamik entsteht durch die verwendete D’Aluisio-Smartwelding-Technologie. So besteht das Steuerrohr aus einem einzigen Aluminium-Stück, das immer weiter in eine aerodynamische Form gepresst wurde, die gleichzeitig eine interne Kabelführung ermöglicht. Das einteilige Tretlagergehäuse und das Unterrohr am neuen Specialized Allez Sprint sind zudem auch aus einem einzigen Stück Aluminium kalt geschmiedet. Dies wiederum erlaubt es dem neuen Allez im Vergleich zum letzten Allez zwei Schweißnähte einzusparen. Mit nur drei Schweißnähten vom Tretlagergehäuse zum Sattelrohr und den Kettenstreben entsteht so eine überaus steife Verbindung für beste Kraftübertragung.

Vom Vorbild Tarmac SL 7 wurden für das Allez Sprint auch das Gabeldesign, die tief ansetzenden Sitzstreben und die leicht D-förmige Sattelstütze übernommen. Diese Attribute sollen den Dämpfungskomfort und die Aerodynamik des Alu-Modells verbessern. Steht man einige Meter von dem Specialized Allez Sprint entfernt, dann könnte man es tatsächlich für ein Rennrad mit einem Carbon-Aero-Rahmen halten. Doch aus der Nähe erkennt man die dicken Schweißnähte des Aluminiumrahmens sofort.

Durch Specializeds D’Aluisio-Smartweld-Technologie werden die Rohre an Stellen verbunden, an denen die mechanischen Kräfte weniger stark auf sie einwirken - etwa am Sitz-, am Ober- und am Unterrohr statt direkt im Tretlagerbereich oder am Steuerrohr. Dies trägt zu der - insbesondere für ein Aluminium-Modell - sehr hohen Verwindungssteifigkeit bei, die in ein sehr direktes Handling resultiert. Die FACT-Carbon-Gabel trägt zu dem direkten Lenkverhalten bei. Die E5-Premium-Aluminium-Rohre werden im Hydroforming-Wasserdruck-Verfahren in die Aero-Formen gebracht, die bei Aluminium-Rahmen - in dieser Ausprägung - selten sind. Specializeds Rider-First-Prinzip kommt auch hier zum Einsatz: Die Maße, die Rohrstärken und -formen werden je an die unterschiedlichen Rahmengrößen angepasst.

Besondere Merkmale des Allez Sprint Comp:

  • Specialized S-Works FACT-Carbongabel
  • Aerodynamische Carbonsattelstütze
  • Rider First Engineering-Rahmenbauweise

Die Rohrformen erinnern dennoch an ein Carbon-Modell: Das Allez verfügt über teils ovale Rohrformen, ein flächiges Kammtail-Design-Sitzrohr und ein abgeflachtes Oberrohr.

Ausstattung

Was die Ausstattung betrifft, so bietet Specialized das Allez Sprint nur in zwei Versionen an. In der Comp-Variante ist es mit Shimanos 105-Gruppe ausgestattet und mit der Kettenblatt-Kombi 52/36 sowie der 11-28-Kassette etwas rennmäßiger übersetzt als das Tarmac (50/34, 11-30). Zudem rollt es - wie das Tarmac - auf relativ schweren und flachen Alu-Felgen von DT Swiss.

Specialized will damit auf die unterschiedlichen Bedürfnisse verschieden großer und damit verschieden schwerer Fahrer eingehen: Kleine Rahmen sollen dementsprechend nicht zu steif und große Rahmen nicht zu weich sein. Was mit allen 2 m großen Fliegengewichten und 1,50 m kleinen Kraftprotzen ist, sei an dieser Stelle dahingestellt. Die Amerikaner bedienen sich wie auch Cannondale der Shimano 105-Schaltgruppe, nutzen jedoch Tektro Axis-Bremszangen. Außerdem verbaut ist ein DT Swiss R460-Laufradsatz mit 24 mm schmalen Specialized Turbo Pro-Reifen und ein hauseigenes Shallow Drop Aluminium-Cockpit.

Die Geometrie fällt auch aufgrund des 140 Millimeter kurzen Steuerrohres klar sportiv, also tief und gestreckt, aus - stimmig für ein rennorientiertes Aero-Modell. Das direkte Handling trug zu der insgesamt hohen Agilität und Direktheit des Allez bei. Die DT-Swiss-R470-Laufräder sind solide und robust, bieten aber vor allem hinsichtlich des Gewichts und der Steifigkeit noch Tuningpotenzial. Die 26 Millimeter breiten Specialized Turbo-Pro-Reifen bieten viel Grip, einen geringen Rollwiderstand und viel Dämpfungskomfort - dieser zählte allerdings trotz der dünnen, nachgiebigen Sitzstreben nicht zu den größten Stärken des Allez Sprint. Die Shimano- 105-Gruppe zeigte wie gewohnt keine Schwächen und punktete mit den unter allen Bedingungen starken Bremsleistungen der Scheibenbremsen mit der 160- beziehungsweise 140-Millimeter-Disc. Die Semi-Kompakt-Übersetzung von 52/36 und 11-28 ist, entsprechend der Race-Ausrichtung des Allez, sehr sportiv gewählt.

Fahreigenschaften

Die Geometrie zwingt in eine sportliche, aber nicht zu extreme Sitzposition, steile Sitz- und Lenkwinkel sorgen in Verbindung mit kurzen Kettenstreben und kurzem Radstand für starken Vortrieb und sehr direktes Handling bei erfreulich präziser Lenkung. Egal ob bei verwinkelten Abfahrten oder bei einem Kriterium: Mit dem Allez Sprint giert man nach der nächsten Möglichkeit, sich in die Kurve zu werfen und die Konkurrenz zu distanzieren.

Das Specialized Allez Sprint wurde im Verlauf des Tests im Training, bei Jedermann- und Lizenzrennen, aber auch Alpenradmarathons eingesetzt - und überzeugte auf allen Terrains.

Im Downhill spielt das Rad seine Stärken aus und folgt sehr präzise und direkt den gegebenen Lenkbefehlen. Dabei ist die Front einen Hauch zu agil für das Heck des Rennrades und so zieht es bei schnellen Richtungswechseln nach. Die abgesenkten Sitzstreben und die ovale Carbonsattelstütze sind zwar aerodynamisch vorteilhaft und bringen in der Abfahrt marginale Zeitvorteile, gehen jedoch zulasten des Komforts, denn bereits kleinste Straßenunebenheiten verursachen große Ausschläge des Popometers. Am wohlsten fühlt sich das Specialized bei hohen Geschwindigkeiten auf geraden Segmenten und in weiten Kurven. Auf seidenglattem Asphalt marschiert das Bike geradezu nach vorn und nimmt den Speed auch in der Ebene sehr gut mit. Der satte Geradeauslauf vermittelt Sicherheit auch jenseits der 50 km/h und so fühlt man sich mit 100 %-Brille und dickem Gang wie Peter Sagan auf den letzten Kilometern in Richtung Weltmeistertitel Nr. 4.

Mit seinem individuellen Rahmen und der guten Shimano 105-Schaltgruppe wird das Specialized für 1.799,00 € angeboten und stellt einen guten Ausgangspunkt für einzigartige Tuning-Projekte dar. Das Specialized Allez Sprint Comp ist eine Zeitmaschine: in Richtung Zukunft mit innovativer Fertigungstechnologie, in die Vergangenheit mit seinem puristischen und rauen Charakter. Ein perfektes Bike für alle Critracer, die etwas Solides suchen.

Das direkte Handling trug zu der insgesamt hohen Agilität und Direktheit des Allez bei.

In der Praxis begeisterte der wendige, sehr agile Renner nach kurzer Eingewöhnungszeit.

Vor- und Nachteile

Vorteile:

  • Hochwertiger, steifer Aluminium-Rahmen
  • Race-Ausrichtung, Robustheit und Agilität
  • Aerodynamische Rohrformen

Nachteile:

  • Träge Laufräder
  • Geringer Dämpfungskomfort
  • Hohes Gewicht

Alternativen

Das Allez liegt, wie schon erwähnt, nur 150 Euro unter dem fast identisch aus­gestatteten Tarmac SL6 Sport mit Carbonrahmen. Auch der Preis von 1800 Euro für das in fünf Farben ­erhältliche Rahmen-Set deutet an, dass es heutzutage fast schon einen exklusiven Touch hat, einen Alu-Boliden zu pilotieren.

Technische Daten

Hier eine Zusammenfassung der technischen Daten des Specialized Allez Sprint Comp:

Komponente Details
Rahmen E5 Premium Aluminium
Gabel Specialized S-Works FACT Carbon
Schaltgruppe Shimano 105
Bremsen Tektro Axis
Laufräder DT Swiss R460
Reifen Specialized Turbo Pro, 24 mm
Gewicht 8,25 kg (Rahmengröße 56)
Preis 1.799,00 €

Fazit

Das Specialized Allez Sprint basiert auf einem hochwertigen, steifen Aluminium-Rahmen und punktet mit seiner Race-Ausrichtung, seiner Robustheit und seiner Agilität. Das Specialized Allez Sprint ist bisher nur in der Modellvariante Comp erhältlich. Mit einer Shimano-105-Gruppe ausgestattet, kostet das Rad 3300 Euro. Der Rahmenpreis beträgt 1800 Euro.

Das Specialized Allez Sprint basiert auf einem hochwertigen aerooptimierten Aluminium-Rahmen - und punktet mit seiner Race-Ausrichtung, Robustheit und Agilität.

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