Langarm Rennradtrikots für Herren im Test: Der ultimative Vergleich

Die Wahl der richtigen Rennradbekleidung kann bei wechselhaftem Wetter entscheidend sein. Besonders im Herbst und Frühling, wenn das Wetter unberechenbar ist, sind Allwettertrikots gefragt. Diese Trikots bieten eine flexible Lösung, indem sie wärmer sind als normale Trikots, aber ohne eine Membran auskommen, was sie atmungsaktiver macht.

Allwetter-Rennrad-Trikots: Die Alleskönner

Allwettertrikots sind wie Rennrad-Trikots geschnitten und aussen wasserabweisend imprägniert. Sie verzichten auf eine Membran, was sie dampfdurchlässiger macht als mehrlagige Produkte. Mit Ausstattungsdetails wie Spritzschutz an den richtigen Stellen, weichem Kragen oder sinnvoll und ausreichend platziertem Reflexmaterial, können sie ein komfortabler Kompromiss sein zwischen mehrlagigen Membran-Klamotten und dem zwar wirksamen, aber aufwendigen Zwiebelprinzip, bei dem man mehrere Schichten übereinander trägt.

Radprofis haben die Vorzüge der Allwetter-Rennrad-Trikots für ihre Ansprüche schnell erkannt und sich die Sachen sogar an ihren angestammten Bekleidungssponsoren vorbei beschafft. Die Trikots sind so flexibel, dass die Bewegungsfreiheit kaum eingeschränkt ist, der Wetterschutz reicht in den meisten Situationen aus, und sie müssen nicht wie klassische Regenjacken nach einem Guss sofort wieder ausgezogen werden, da das Material relativ schnell trocknet und man darunter nicht sofort schwitzt.

Die Testkriterien im Detail

Die Gesamtnote der Allwetter-Rennrad-Trikots setzt sich zusammen aus vier Kriterien, die je nach Relevanz gewichtet werden. Alle Messergebnisse haben wir selbst ermittelt.

  • Wetterschutz (30 %): Mit dem Spray-Test (DIN-EN-ISO 4920) wird ermittelt, wie Wassertropfen vom Aussenmaterial der Allwettertrikots abperlen. Vor dem Test wurden die Rennrad-Trikots einmal gewaschen. Optimal ist, wenn die Tropfen vom gespannten Stoff rückstandslos abperlen; schlecht ist, wenn sich der Stoff schnell vollsaugt.
  • Tragekomfort (25 %): Tester und Testerinnen bewerten das Stoffgefühl auf der Haut. In der Praxis kommt es vor, dass Frauen aufgrund empfindlicherer Haut ein Modell strenger bewerten als Männer und ein identisches Modell unterschiedliche Noten erhält. Das Feuchtigkeits- und Wärmeempfinden fliesst ebenfalls ein ins Testurteil.
  • Handling (25 %): Beim Handling zählt, wie sich die Reissverschlüsse bedienen lassen. Lassen sich diese während der Fahrt einhändig in beide Richtungen leicht bewegen, ist das optimal. Gleiches gilt für die Handhabung der Trikottaschen, die während der Fahrt leichten Zugriff erlauben müssen, auch mit Handschuhen.
  • Ausstattung (20 %): Bewertet werden Details wie die Grösse und Form von Trikottaschen, Taschen mit Reissverschluss, Zippergarage, Abdeckung der Reissverschlüsse, die Ausführung vom Trikotbund, dem Kragen und der Ärmelbündchen. Weil die Rennrad-Trikots bei Schlechtwetter eingesetzt werden, ist viel Reflexmaterial besonders wichtig.

Testergebnisse im Überblick

Aktuell gibt es ein gutes Dutzend Hersteller dieser Rennrad-Trikots für jedes Wetter, fast alle Modelle werden für Männer und Frauen angeboten, nur wenige in Unisex-Schnitt in sehr kleinen bis sehr grossen Grössen. Bei den Preisen pendelt sich der Durchschnitt bei etwa 150 Euro ein. Dagegen sind die Trikots von Bioracer für 110 Euro vergleichsweise günstig.

Im Folgenden werden einige der getesteten Modelle und ihre Vor- und Nachteile detailliert beschrieben:

Alé K-Idro Jersey

Das Rennrad-Trikot überzeugt mit kompletter Ausstattung; der integrierte Spritzschutz an der mittleren Tasche hält den Po trocken; top Rennradschnitt, guter Sitz auch mit vollen Taschen; Wasser perlt nicht komplett ab, sehr viele Größen.

Bioracer Tempest Light Jacket

Vergleichsweise komfortabel geschnitten, aber etwas wenig flauschig. Das Material ist ohne chemische Behandlung wasserabweisend, der Effekt in der Praxis jedoch schwächer als bei chemisch imprägnierten Allwettertrikots.

Castelli Tutto Nano RoS Jersey

Zusammen mit Maap die Doppelspitze im Test der Rennrad-Trikots für jedes Wetter; sehr guter Wetterschutz, bleibt lange trocken; angenehm fester Stoff, tolles Tragegefühl auf der Haut; der Reissverschluss läuft einhändig leicht, auch mit vollen Taschen guter Sitz.

Isadore Echelon LS Jersey

Sehr eng geschnitten, fällt klein aus; die PFC-freie Imprägnierung ist nicht so effektiv wie bei POC, Regen perlt schlecht ab; Reissverschlüsse und Taschen sind tadellos, sehr hochwertige Ausstattung.

Le Col Pro Aqua Zero

Guter Schnitt für lange Oberkörper; angenehm fester Stoff, Reissverschlüsse und Taschen sind top, clever ist der integrierte Spritzschutz in den Taschen; Wassertropfen perlen nicht restlos ab.

Maap Evade Thermal LS Jersey

Gemeinsamer Testsieger bei den Allwetter-Rennrad-Trikots mit Castelli. Für lange Oberkörper etwas kurz geschnitten, Anprobe ist ratsam; Funktion und Ausstattung sind tadellos, sehr gute Reissverschlüsse; etwas hoch sitzende Rückentaschen.

Poc Radiant Jersey

Fällt lang und relativ gross aus, eventuell eine Nummer kleiner probieren; PFC-freie Imprägnierung; nur in der einen leuchtenden Farbe erhältlich; relativ kurzer Kragen, mager ausgestattet.

Q36,5 Jersey Long Sleeve WoolF

Das sehr dicht gewebte Material schützt ordentlich vor Fahrtwind, fühlt sich jedoch trotz Merinoanteil weniger flauschig an; sehr leicht, viel Reflexmaterial.

Alternative: Rennrad-Trikots mit Windschutz

Selbst wenn Hersteller dies durch besonders dicht gewebtes Material auszugleichen ver­suchen, wie beispielsweise Q36,5, pfeift kräftiger Fahrtwind früher oder später durchs Gewebe. Eine Alter­native sind Rennrad-Trikots wie das Fiandre Light no rain von Sportful mit clever platzierter, winddichter Membran. Brustpartie und Armvorderseiten sind windgeschützt, der Rest besteht aus dünnem, dampfdurchlässigem Material.

Weitere getestete Modelle im Überblick

Neben den ausführlich beschriebenen Modellen wurden auch folgende Trikots getestet:

  • Cube Blackline Trikot
  • Alé Pragma Turbo + Pragma Next Trikot
  • Sportful Peter Sagan Jersey + Checkmate Jersey
  • Agu Jackalberry +Solid
  • Santini Colore Trikot
  • Castelli Climbers 2.0 W Jersey + Entrata VI Jersey
  • Rose Performance Jersey II + Core Jersey II
  • Maloja ChivayM. 1/2 + RigiM. 1/2
  • Trek Trikot
  • Gorewear Trikot

Material und Pflege

Damit der Trikotstoff wasserabweisend wird, möglichst lange trocken und dampfdurch­lässig bleibt, muss er mit Imprägniermittel chemisch ausgerüstet werden. Dabei kommen unterschiedliche Verfahren und Produkte zum Einsatz, die sich in zwei Klassen einteilen lassen: polyfluorierte Chemikalien (PFC) und PFC-freie Mittel, wie beispielsweise Elastomere. PFC sind jedoch umstritten, sie gelten als umweltschädlich. Nur wenige Hersteller informieren umfassend darüber, welche Imprägnier-Methode genau sie verwenden. Ausnahmen im Test sind die Allwettertrikots von Isadore und POC, die ausdrücklich auf PFC verzichten.

Da die chemische Ausrüstung lediglich drei bis vier Wäschen hält und der Abperl­effekt nach und nach verschwindet, muss man die Ausrüstung mit geeigneten Imprägniermitteln regelmässig auffrischen. PFC-frei, also umweltschonend, sind beispielsweise die Imprägniermittel von Fibertec, Nikwax oder Toco.

Am einfachsten lassen sich Trikots ohne Imprägnierung oder Windschutz behandeln - wie zum Beispiel die Modelle von BBB, Craft oder Ekoi. Man kann diese Trikots einfach als Sportwäsche waschen. Meist bei 40 Grad. Wer über ein Extra-Waschprogramm für Sportwäsche verfügt, sollte dieses verwenden.

Winddichte und wasserabweisende Stoffe müssen hingegen etwas anders behandelt werden. Es empfiehlt sich in jedem Fall, die Waschanleitung zu beachten. Meist enthalten diese Anleitungen eine Maximaltemperatur von 40 Grad. Maschinenwäsche ist in der Regel möglich. Ein Spezial-Waschmittel wird nicht benötigt, jedoch sollte auf den Einsatz von Waschpulver und insbesondere Weichspüler, Fleckenentferner und Bleichmittel verzichtet werden.

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