Die Auswahl an Fahrradtrikots ist riesig, und besonders als Einsteiger fragt man sich, was man wirklich braucht und worauf man beim Kauf achten muss. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Test und Vergleich verschiedener Modelle, um Ihnen die Entscheidung zu erleichtern.
Sommer-Trikots im Test
An den heißesten Tagen des Jahres kann das Jersey gar nicht luftig genug sein. RoadBIKE hat bei 16 Herstellern nach ihren leichtesten Rennradtrikots mit maximaler Belüftung bei minimalem Gewicht für heiße Tage gefragt, um herauszufinden, welches ultraleichte Sommertrikot wirklich viel Luft an den Oberkörper lässt und sich in der Praxis bewährt.
Schon für relativ wenig Geld gibt es extrem luftige Trikots. Die Modelle von Castelli, Endura, Santini SMS, Scott und Sportful kosten rund 90 Euro. Am oberen Ende der Skala liegt das SS.centoJersey_evo8 von Assos, für das 190 Euro fällig werden. Nur 65 Gramm wiegt das wirklich hauchdünne Nano Jersey SS von Katusha, auch hier bildet das Trikot von Assos mit 165 Gramm den Gegenpol.
Obwohl die Trikots teilweise aus extrem dünnen, oft durchscheinenden Stoffen genäht sind, gibt nicht jeder Hersteller den UV-Schutz an. Wer im Hochsommer stundenlang im Sattel sitzt und dabei Rücken und Schultern intensiver Sonnenstrahlung aussetzt, sollte wissen, ob er sich unter seinem Jersey zusätzlich mit Sonnencreme schützen muss. Die Modelle von Dos Caballos und Q36.5 bieten mit einem UPF ("Ultraviolet Protection Factor") von 40 bzw. 50 den besten UV-Schutz.
Vor allem Trikots, die an der Front- wie auch an der Rückenpartie auf sehr luftiges Mesh-Material setzen, überzeugten. Bestnoten vergaben die Tester an das Climbers Jersey FZ von Castelli, das Nano Jersey SS von Katusha sowie an das Tono 2.0 Jersey von Santini SMS. Alle Modelle boten exzellente Belüftung und ließen viel Fahrtwind durch. Spürbar dicker und auch wärmer war das SS.centoJersey_evo8 von Assos. Es ist zwar ein insgesamt exzellentes Trikot mit hohem Tragekomfort, bei der Luftigkeit an heißen Tagen konnte es aber nicht mit den deutlich leichteren Leibchen im Test mithalten.
Extrem leichte und luftige Trikots tragen sich nicht immer angenehm auf der Haut, beispielsweise weil die Fasern rau, nicht ausreichend elastisch sind oder weil aus Gewichtsgründen an Bündchen und Verarbeitung gespart wird. Das RC Premium Jersey von Scott beweist, dass es auch anders geht: Obwohl nur 128 Gramm schwer, setzt es auf extrem elastisches Material und breite, nicht einschneidende Bündchen an Ärmeln und Bauch. So verdiente es sich die Topnote beim Tragekomfort. Beim Bodyfit Pro Light Jersey von Sportful kritisierten die Tester hingegen das etwas zu raue, nicht ausreichend elastische Material, das sich dem Körper nicht so gut anpasst.
Alle Trikots boten ausreichend Platz für Smartphone, Windweste sowie Riegel und Gels auch für längere Ausfahrten. Mitunter hingen die gefüllten Taschen deutlich nach unten, wie etwa beim Nano Jersey SS von Katusha. Beim Climbers Jersey von Castelli führten zu stark gefüllte Taschen dazu, dass der Bund leicht abstand.
Testsieger
Das RC Premium Jersey von Scott punktet in nahezu allen Disziplinen und sicherte sich so den klaren Testsieg, da es extrem angenehm, luftig und leicht ist und einen hohen Tragekomfort bietet. Auf Platz zwei landete das Pro Team Leuchtstoff Trikot von Biehler mit nur einem Punkt Vorsprung auf das ebenfalls exzellente Pro SL Lite Trikot von Endura.
Allwetter-Trikots im Test
Seit einiger Zeit rücken Allwettertrikots als vielseitige Alleskönner in den Blick. Sie sind geschnitten wie Rennrad-Trikots (nicht wie die Jacken), außen wasserabweisend imprägniert, und sie verzichten auf eine Membran, was sie dampfdurchlässiger macht als mehrlagige Produkte.
Radprofis haben die Vorzüge der Allwetter-Rennrad-Trikots für ihre Ansprüche schnell erkannt und sich die Sachen sogar an ihren angestammten Bekleidungssponsoren vorbei beschafft. Weil die Trikots so flexibel sind, ist die Bewegungsfreiheit kaum eingeschränkt, der Wetterschutz reicht in den meisten Situationen aus, und sie müssen nicht wie klassische Regenjacken nach einem Guss sofort wieder ausgezogen werden, da das Material relativ schnell trocknet und man darunter nicht sofort schwitzt.
Aktuell gibt es ein gutes Dutzend Hersteller dieser Rennrad-Trikots für jedes Wetter, fast alle Modelle werden für Männer und Frauen angeboten, nur wenige in Unisex-Schnitt in sehr kleinen bis sehr großen Größen. Bei den Preisen pendelt sich der Durchschnitt bei etwa 150 Euro ein. Das Trikot WoolF von Q36,5 liegt regulär bei 194 Euro und soll ab 2023 aufgrund stark steigender Produktionskosten regulär etwa 210 Euro kosten. Dagegen sind die Trikots von Bioracer für 110 Euro vergleichsweise günstig.
Damit der Trikotstoff wasserabweisend wird, möglichst lange trocken und dampfdurchlässig bleibt, muss er mit Imprägniermittel chemisch ausgerüstet werden. Dabei kommen unterschiedliche Verfahren und Produkte zum Einsatz, die sich in zwei Klassen einteilen lassen: polyfluorierte Chemikalien (PFC) und PFC-freie Mittel, wie beispielsweise Elastomere. PFC sind jedoch umstritten, sie gelten als umweltschädlich. Nur wenige Hersteller informieren umfassend darüber, welche Imprägnier-Methode genau sie verwenden. Ausnahmen im Test sind die Allwettertrikots von Isadore und POC, die ausdrücklich auf PFC verzichten. Da die chemische Ausrüstung lediglich drei bis vier Wäschen hält und der Abperleffekt nach und nach verschwindet, muss man die Ausrüstung mit geeigneten Imprägniermitteln regelmäßig auffrischen. PFC-frei, also umweltschonend, sind beispielsweise die Imprägniermittel von Fibertec, Nikwax oder Toco.
Bioracer zum Beispiel verwendet statt einer chemischen Imprägnierung ein Textilmaterial, das aufgrund seiner physikalischen Eigenschaften Wassertropfen abperlen lassen soll. Das Verfahren der belgischen Marke ist zwar nachhaltiger, da es nicht aufgefrischt werden muss, es funktioniert jedoch nicht so gut wie beispielsweise die PFC-freie Imprägnierung der POC-Trikots, von denen fast jeder Wassertropfen wegkullert, sobald er mit dem Material in Berührung kommt.
Die Isadore-Trikots fallen in den Testgrößen relativ klein aus, die von POC eher größer. Deutlichere Unterschiede zwischen den acht Allwettertrikots-Kandidaten im Test finden sich bei Wetterschutz und Ausstattung. Bei der Ausstattung sind Alé, Isadore und Q36,5 die Einser-Kandidaten: Beispiele für durchdachte Details sind die mit einem Spritzwasserschutz versehene mittlere Tasche beim Alé-Trikot, der besonders flauschige Kragen bei Isadore und das am Q36,5-Trikot großzügig platzierte Reflexmaterial, mit dem man im Straßenverkehr sicherer unterwegs ist.
Testergebnisse im Detail
Hier eine Übersicht der Testergebnisse einiger Allwetter-Rennrad-Trikots:
- Alé K-Idro Jersey: Überzeugt mit kompletter Ausstattung und integriertem Spritzschutz.
- Bioracer Tempest Light Jacket: Komfortabel geschnitten, aber weniger flauschig.
- Castelli Tutto Nano RoS Jersey: Sehr guter Wetterschutz und angenehmer Stoff.
- Isadore Echelon LS Jersey: Eng geschnitten, PFC-freie Imprägnierung, aber Regen perlt schlecht ab.
- Maap Evade Thermal LS Jersey: Tadellose Funktion und Ausstattung, Testsieger zusammen mit Castelli.
- Poc Radiant Jersey: Fällt lang und relativ groß aus, PFC-freie Imprägnierung, aber mager ausgestattet.
- Q36,5 Jersey Long Sleeve WoolF: Dicht gewebtes Material, schützt vor Fahrtwind, aber weniger flauschig.
Allwetter-Rennrad-Trikots - Alternative gefällig?
Selbst wenn Hersteller dies durch besonders dicht gewebtes Material auszugleichen versuchen, wie beispielsweise Q36,5, pfeift kräftiger Fahrtwind früher oder später durchs Gewebe. Eine Alternative sind Rennrad-Trikots wie das Fiandre Light no rain von Sportful mit clever platzierter, winddichter Membran. Brustpartie und Armvorderseiten sind windgeschützt, der Rest besteht aus dünnem, dampfdurchlässigem Material. Mit 155 Gramm ist es leicht und wärmt nicht besonders, was man wiederum durch entsprechende Unterwäsche ausgleichen kann.
Weitere Trikot-Modelle im Überblick
Hier eine Zusammenfassung weiterer getesteter Trikot-Modelle:
- Cube Blackline Trikot Race: Mittelschweres Trikot, eng anliegend.
- Alé Pragma Turbo: Leicht und luftig, sehr gut an die Rennradhaltung angepasst.
- Sportful Peter Sagan Jersey: Fällt klein und kurz aus.
- Agu Solid Trikot IV Trend: Mittelschweres, blickdichtes Trikot, angenehmes Material.
- Santini Colore Riga: Transparent, kurz, Ärmel fallen lang aus.
- Castelli Climbers 2.0 W Jersey: Sehr leichtes Meshmaterial, luftig, nicht blickdicht.
- Rose Core Jersey II: Günstigstes Trikot, passt auch athletischen Radlern gut.
- Maloja ChivayM. 1/2: Blickdichtes und mittelschweres Material mit schönem Hautgefühl.
- Trek Circuit Radtrikot: Vergleichsweise schweres und wärmstes Trikot im Vergleich.
- Gorewear Torrent Breathe Herren: Atmet reichlich Schweiß von der Haut weg, nicht blickdicht.
Die richtige Passform
Der wichtigste Faktor, den Sie beim Kauf Ihres Trikots beachten müssen, ist die Passform. Denn herausragendes Material und beste Ausstattung helfen Ihnen gar nichts, wenn Ihr Radtrikot ständig verrutscht, Ihre Ärmel im Wind flattern oder der Kragen die Kälte nicht aufhalten kann.
Achten Sie grundsätzlich darauf, dass das Langarmtrikot eng an Ihrem Körper anliegt und somit die Schicht zwischen Trikot und Unterhemd möglichst klein ist. Gerade kälteempfindliche Menschen sollten nicht auf ein Funktionsunterhemd verzichten.
Material und Ausstattung
Grundsätzlich sollten Fahrradtrikots aus atmungsaktivem Material bestehen, damit Sie beim Biken aufgrund der körperlichen Belastung nicht überhitzen. Viele Trikots bestehen heutzutage aus einem elastischen Material, welches sich an die Bewegungen des Radfahrers anpasst und eng am Körper anliegt.
Des Weiteren sollte der Reißverschluss an Ihrem Fahrradtrikot einerseits gut zu greifen sein und sich andererseits auch weit öffnen lassen. Wer bei einer Radtour gerne kleinere Gegenstände wie Energieriegel, Schlüssel oder ähnliches bei sich trägt, sollte auch darauf achten, dass die Taschen auf der Rückseite des Fahrradtrikots genug Stauraum bieten. Sie sollten außerdem die Passform bei Beladung nicht unnötig verändern bzw.
Weitere wichtige Faktoren
Neben Material, Verarbeitung, Atmungsaktivität, Passform, Komfort und Robustheit gibt es auch in weiteren Details teils große Unterschiede. Hier ist die Variante drei plus eins - drei Rückentaschen und eine zusätzliche Reißverschlusstasche - fast schon der Standard.
Straffe und zugleich eher breite, nahtlose Träger aus einem „feinen“ und recht weichen Stoff sind hier aus der Sicht unserer Tester das Optimum. Auch die Positionierung der Träger spielt beim Tragekomfort eine entscheidende Rolle. Dass sie am Rücken in einer Form vernäht sind, ob gekreuzt oder verbunden über einen Mesh-Einsatz, ist inzwischen Standard und verbessert die Passform beziehungsweise den Sitz entscheidend.
Preis und Qualität
Positiv fiel unseren Testern in vielen Fällen die Materialqualität und die Verarbeitung auf - dies macht sich in der Regel auch in Form einer langen Haltbarkeit bezahlt. Zudem wird anhand des Testfelds deutlich, dass auch die bekannten, etablierten Hersteller wie etwa Gorewear, Bioracer, Gobik oder Straede ganz bewusst das niedrigere Preissegment bedienen.
Zusammenfassung
Das richtige Fahrradtrikot zu finden, ist eigentlich eine recht simple Aufgabe, wenn Sie sich an diesen Ratgeber halten. Dabei sollte die erste, zweite und dritte Priorität immer die Passform sein. Denn auch ein noch so schönes Design kann Ihnen Ihre Frustration nicht nehmen, wenn Ihr Trikot in den letzten fünf Minuten zehn Mal verrutscht ist und Sie sich obendrein noch zu Tode frieren.
Hier eine tabellarische Übersicht einiger getesteter Modelle:
| Modell | Hersteller | Preis | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| Blackline Trikot Race | Cube | 100 Euro | Eng anliegend |
| Pragma Turbo | Alé | 80 Euro | Leicht und luftig |
| Peter Sagan Jersey | Sportful | 80 Euro | Fällt klein aus |
| Solid Trikot IV Trend | Agu | 90 Euro | Angenehmes Material |
| Colore Riga | Santini | 100 Euro | Transparent, lange Ärmel |
| Climbers 2.0 W Jersey | Castelli | 100 Euro | Leichtes Mesh-Material |
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