Von Team Telekom zu T-Mobile: Eine Geschichte von Erfolg und Doping

Von Team Telekom zu T-Mobile - die Geschichte des Radsportteams des größten europäischen Telekommunikationsriesen wird für immer zwei konträre Assoziationen bei Sportinteressierten auslösen: Erfolge, die in Tour-de-France-Siegen gipfelten und Dopingabgründe, die das gesamte Radsportsystem ins Wanken gebracht haben und schließlich einstürzen ließen.

Aufstieg der frühen Jahre, erste Helden

Als sich die Telekom 1991 entschloss, auf die Sponsoring-Karte Radsport zu setzen, um die Markenbekanntheit des mittlerweile privatwirtschaftlich geführten Unternehmens zu steigern, wunderte sich nicht nur Udo Bölts. „Die Liebe zum Radsport muss bei den entscheidenden Personen sehr groß gewesen sein“, meint der erste erfolgreiche Radprofi des Teams rückblickend. Am Rande der Weltmeisterschaften in Stuttgart wurde aus dem Team Stuttgart das Team Telekom, das nach einigen Anfangsschwierigkeiten ab Mitte der 90er-Jahre für sportliche Furore sorgen sollte. Als einziger großer deutscher Rennstall kaufte Team Telekom unter der sportlichen Leitung des belgischen Ex-Profis Walter Godefroot die besten deutschen Fahrer zusammen, und galt lange als eine Art „deutsche Radsport-Nationalmannschaft“.

Die frühen Helden hießen Bölts (1992), Olaf Ludwig (1993) und ab 1994 Sprintstar Erik Zabel.

Dreifachtriumph 1996, Ullrichs Krönung 1997

Den absoluten Durchbruch aber schaffte die Telekom-Truppe mit dem Einkauf des Dänen Bjarne Riis, der 1996 den fünfmaligen Toursieger Miguel Indurain bezwingen konnte und die Tour de France gewann. Zweiter wurde Teamkollege Jan Ullrich. Das Radsport-Glück perfekt machte Zabel, der sich das grüne Trikot des besten Sprinters sichern konnte.

Noch besser kam es aus Telekom-Sicht ein Jahr später: Angetrieben von Motivationskanonaden wie „Quäl dich, du Sau!“ (Bölts) eilte der 23-Jährige Ullrich im Juli 1997 als erster deutscher Fahrer zum Tour-Sieg. Ullrich wurde zum Sportler des Jahres gewählt, das Team mit dem Silbernen Lorbeerblatt ausgezeichnet und ein kaum für möglich gehaltener teutonischer Radsport-Boom ausgelöst. Durch das explodierende Interesse der Deutschen am Radsport wurde das Telekom-Engagement zum wahrscheinlich effektivsten deutschen Sportsponsoring aller Zeiten.

Ullrich geht, Ullrich kommt zurück

In den Folgejahren wurden zwar weitere gute Platzierungen der Telekomfahrer - allen voran Ullrich und Zabel - erzielt, doch der Erfolgszenit war überschritten. 2003 trennte sich Team Telekom zunächst von Superstar Ullrich, der mittlerweile öfter durch Negativschlagzeilen als durch Radsporterfolge auffiel. Gerüchte, dass Telekom sich aus dem Sponsoring zurückziehen wolle, erwiesen sich als falsch. Da sich Team Bianchi Ullrichs Dienste finanziell nicht langfristig leisten konnte, kehrte der verlorene Sohn unter großem Medieninteresse zurück zum Telekom-Team, das sich ab 2003 Team T-Mobile nennt.

Mit dem sechsten Neuling bringt Team Telekom in der Saison 2003 wieder 25 Fahrer an den Start. Damit ist das vom Weltverband UCI gestattete maximale Kontingent ausgeschöpft. Botero soll schon im Januar im Trainingslager auf Mallorca zu seinem neuen Team stoßen. Bei der diesjährigen Tour de France hatte Botero den vierten Platz belegt und dabei Lance Armstrong im ersten Zeitfahren der Frankreich-Rundfahrt bezwungen. "Dazu kann ich nichts sagen. Klar ist, dass wir keine Ablöse für ihn gezahlt haben", betonte Ludwig. Es dürfte sich um etwa 200.000 der ursprünglich geforderten 750.000 Euro handeln.

Nach vielen fetten Jahren ist das Radsport-Sponsoring der Telekom nach wiederholten Dopingvorfällen nun vorbei.

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