Rennrad Tuning: Laufräder im Test

Früher war mehr Leichtbau, doch im Zeitalter aerodynamisch optimierter Rennräder locken Radsportler vermehrt aerodynamische Versprechen: Weniger Watt statt weniger Gramm! Die technische Entwicklung im Profisport treibt diese Entwicklung an.

Seit dem ersten nennenswerten Aero-Rennrad, dem Cervélo Soloist aus dem Jahr 2001, hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass ein Rad mit geringerem Luftwiderstand auf den meisten Rennstrecken einem leichteren Renner überlegen ist, wenn es darum geht, Sekunden und Minuten zu schinden. Leichte Rennräder verlieren dadurch zwar nicht ihre Daseinsberechtigung; in den vergangenen Monaten erlebten sie sogar ein kleines Revival. Profiteams und Industrie legen den Fokus aber weiter unangefochten auf die aerodynamische Qualität, was sich auch in der großen Resonanz für dieses Testfeld widerspiegelt.

Wettkampfräder auf Profi-Niveau

Die insgesamt 17 Rennräder unter 7.000 Euro interpretieren die Kategorie eines Wettkampfrads unterschiedlich. Unabhängig vom Preis steht man vor der Wahl: Generalist oder Spezialist? Einigkeit herrscht darin, dass jedes Modell am schnellsten von A nach B kommen will. Die gängigsten Stilmittel wie optimierte Rohrformen, Laufräder mit hohen Felgen und „versteckte“ Leitungen zeichnen deshalb alle Räder aus. Auch einteilige Carboncockpits, die in der Regel messbar windschnittiger als klassische Lenker-Vorbau-Kombis sind, gehören oftmals zur Serienausstattung.

Sogar Details wie strömungsgünstige Reifen oder teilintegrierte Flaschenhalter finden sich an den Rädern unter 7000 Euro; einige Modelle rücken damit nicht nur optisch, sondern auch technisch erstaunlich nahe an die teureren Räder heran.

Das Paradebeispiel für einen astreinen Aero-Boliden im zweiten Teil unseres großen Vergleichstests ist das Scott. Das Foil RC 10 ist pfeilschnell und konkurriert wie das Canyon und Cube mit den schnellsten Serienrädern der Welt. Von den bislang zwölf Rädern in den beiden Folgen des Tests hingen nur das Bianchi und Focus schwerer an der Waage. Das Scott, das beim Gewicht eine deutlich größere Lücke zum Top-Modell lässt als die Räder von Lapierre, Merida oder Rose, ist gleichzeitig das Modell im Feld, das die Freiheiten des aktuellen UCI-Reglements bis an die Grenze des Erlaubten ausnutzt.

Seit 2021 dürfen einzelne Rohre länger und ausladender geformt werden. Da größere Rohrquerschnitte aber auch das Gewicht erhöhen würden, geht das Gros der Hersteller vergleichsweise behutsam mit der Option um. Folglich brechen auch nur wenige Räder mit den Sehgewohnheiten und sortieren sich bei den Race-Allroundern ein.

Race Allrounder sollen Aero und Gewicht vereinen - welchem Rad gelingt das am besten?

Deren Anspruch ist es per definitionem, die konträren Eigenschaften Aerodynamik und Gewicht in einem Rad zu vereinen. Unter den sechs Rädern von Giant bis Scott gelingt dies dem Rose am besten. Im Windkanal - und damit natürlich auch auf der Straße - fährt das Xlite 06 Ultegra Di2 dem Scott zwar klar hinterher. Dafür profitiert das Modell des Bocholter Herstellers an der Waage. Bis dato ermittelten wir nur für das Benotti und Canyon ein geringeres Gesamtgewicht.

Dass der Kompromiss nicht immer aufgeht, zeigt sich am Myvelo. Das Aero-Rennrad der jungen ­Marke aus dem Schwarzwald zählt bei ­einem Durchschnittsgewicht von 7,7 Kilogramm aller Testbikes zwar zu den leichteren Rädern. Aerodynamisch bleibt das Verona aber deutlich zurück. Die 226 Watt, die das Myvelo zur Überwindung des eigenen Luftwiderstands im Renntempo benötigt, sind ein typischer Wert für Leichtbaurenner.

Erneut bleibt als Fazit, dass man nicht zwingend einen fünfstelligen Betrag hinblättern muss, um eine renntaug­liche Maschine sein Eigen nennen zu können. Die größten Abstriche gegenüber dem Top-Material muss man beim Gewicht machen. Neben der schwereren Ultegra-Gruppe von Shimano tragen dazu meist schwerere Rahmen-Sets in einfacherer Carbonqualität und die Laufräder bei.

Klassisch eingespeichte Laufräder mit Carbonspeichen rollen ins Blickfeld: Sie sind nicht mehr so teuer, dabei leicht und verwindungssteif. Das technische Optimum markieren aber weiterhin die teureren, verklebten Modelle wie Lightweight; immerhin zeigt Mavic mit dem Cosmic Ultimate eine spannende und günstigere Alternative zum Klassiker aus Friedrichshafen.

Rennrad-Laufräder mit Carbonspeichen im Test

Als die Konstrukteure Rudolf Dierl und Heinz Obermayer vor 30 Jahren ein Speichenrad aus Carbon für Rennräder entwickelten, war das eine Sensation. Felge, Nabe und Speichen der Lightweight-Laufräder, wie sie später genannt wurden, waren fest zusammenlaminiert und klassischen Konstruktionen haushoch überlegen: Geringes Gewicht und höchste Steifigkeit verbanden sie auf eine Art, wie sie mit den damals üblichen Alu-Felgen und Stahlspeichen nicht ansatzweise zu erreichen war.

Spätestens mit den ersten prominenten sportlichen Erfolgen - 1996 wurde Johan Museeuw mit den neuartigen Laufrädern Straßenweltmeister und Bjarne Riis gewann damit die Tour de France - wurden sie bei Profis wie Hobbyfahrern so begehrt, dass die Nachfrage über Jahre hinweg nicht gesättigt werden konnte. Nur der exorbitant hohe Preis und die eingeschränkten Reparaturmöglichkeiten verhinderten eine massenhafte Verbreitung des Konstruktionsprinzips.

Drei Jahrzehnte später werden die Lightweight-Laufräder noch immer nach ähnlichem Prinzip hauptsächlich in Handarbeit gebaut, unter professioneller Ägide bei der Carbovation Group in Friedrichshafen. Bis heute gelten sie als Inbegriff des technisch Machbaren, auch wenn ihr Vorsprung beim Gewicht über die Jahre kleiner wurde. Und bis heute sind sie ein Beispiel für Luxus gewordene Rennradtechnik: Das Top-Modell “Obermayer”, benannt nach einem der Erfinder, kostet inzwischen 6505 Euro.

Doch mehrere Hersteller rütteln am Thron des Leichtbau-Pioniers und wollen das leichtfüßige Fahrgefühl eines Carbonspeichen-Laufrades zu günstigeren Preisen einem breiteren Publikum zugänglich machen. Gegen sieben neue Laufradsätze, allesamt mit Felgen und Speichen aus Carbon, muss sich Lightweight in unserem aufwendigen Vergleichstest bewähren. Darunter sind fünf klassisch eingespeichte Modelle und zwei neuartige Fertigungskonzepte.

Schon 2006 stellte Mavic mit dem Cosmic Ultimate ein Lightweightähnliches Laufrad vor, das 2023 eine Neuauflage erfährt - TOUR konnte es exklusiv bereits vor dem offiziellen Marktstart testen. Die Franzosen betreiben extremen Aufwand, um das Optimum aus geringem Gewicht, hoher Steifigkeit und guter Aerodynamik zu erreichen. Die Laufräder werden ebenfalls überwiegend in Handarbeit in Frankreich gefertigt, sind im Satz zu 3900 Euro zwar kein Schnäppchen, aber deutlich günstiger als das Pendant aus Friedrichshafen.

Ebenfalls exklusiv testen wir erstmals ein Produkt mit völlig neuem Ansatz: One-K, eine Ausgründung der Technischen Universität Kaiserslautern, flicht zusammenhängende Faserstränge sternförmig um ausgeformte Zapfen am Nabenflansch und spezielle Titannippel, die in einer handelsüblichen Aero-Felge von Duke stecken.

Die Neukonstruktion will sämtliche Gewichtsrekorde brechen und ist dabei mit Preisen ab 2200 Euro noch einmal günstiger. Zudem drängen chinesische Anbieter mit Speichen aus Carbon auf den Markt, die sich mit handelsüblichen Felgen kombinieren lassen. Eines dieser Produkte scheint so überzeugend, dass gleich mehrere Anbieter es nutzen: In den Modellen von Cadex, Hunt, Newmen und Storck stecken, mit kleinen Variationen, die Speichen des gleichen Herstellers.

Die Laufräder brauchen spezielle Naben, können aber klassisch zentriert und die Speichen einzeln ausgetauscht werden. Über das Zusammenspiel von Speichenzahl, -kreuzung und -spannung lassen sich die Eigenschaften des Laufrades beeinflussen. Außerdem sind sie im Vergleich zu einem Lightweight-Laufradsatz günstig: Einige Kandidaten kosten deutlich unter 2000 Euro.

Keine Dehnung, mehr Spannung

Michael Grätz, Chef der deutschen Marke Newmen, baut unter dem Markennamen Vonoa einen Europa-Vertrieb für diese Speichen auf und erklärt weitere Vorteile des Materials gegenüber klassischen Speichen aus Stahl: “Carbon ist, relativ gesehen, nicht nur leichter, sondern auch steifer. Das heißt, die Laufräder werden stabiler, oder umgekehrt brauche ich für eine vergleichbare Steifigkeit etwa drei Speichen weniger”, berichtet er. Weil sich Carbonspeichen nicht dehnen, vertragen sie eine höhere Spannung.

Ob die so aufgebauten Laufräder technisch vergleichbar mit den fest verklebten Konstruktionen à la Lightweight sind, klären unsere aufwendigen Laborversuche. Der erste Blick geht aufs Gewicht, denn Laufräder sind eine beliebte und äußerst effiziente Tuningmaßnahme. Dabei zeigt sich: Durch Carbonspeichen können die Laufradsätze gegenüber vergleichbaren Konstruktionen mit Stahlspeichen gut und gerne 100 Gramm leichter werden. Manche der Kandidaten rücken dem aktuellen Lightweight-Vorbild (1247 Gramm für Vorder- und Hinterrad) tatsächlich auf den Pelz; Storck und das flache Cadex verfehlen die Marke nur knapp.

Konkurrenzlos leicht sind die Vollcarbon-Räder also nicht mehr - und werden in diesem Test sogar überholt: Mavics neues Cosmic Ultimate ist auf den Punkt gleich schwer; die extravaganten Laufräder von K-One stellen alles bisher Dagewesene in den Schatten: Mit einem Set-Gewicht von nur 947 Gramm, 300 Gramm weniger als die Vollcarbon-Modelle, sind sie die neuen Könige des Leichtbaus. Solche niedrigen Gewichte waren seit dem Abschied von Felgenbremsen und Schlauchreifen nicht mehr möglich.

Ein Indiz dafür ist die Seitensteifigkeit, also die Verformung des Laufrades bei seitlicher Belastung. Hier muss das One-K Punkte lassen: Bei moderater Seitenlast von 100 Newton an der Felge geben die Laufräder rund 3 Millimeter nach. Ganz anders das Lightweight-Laufrad: Mit großflächig verklebten Speichen und umwickelten Speichenkreuzungen steht besonders das Vorderrad wie eine Eins: Die Verformung beträgt bei gleicher Last nicht halb so viel, nur 1,4 Millimeter.

Auch im TOUR-Aerodynamiktest im GST-Windkanal mussten sich alle Laufräder beweisen. Da sich Felgen und Speichen der meisten Kandidaten nur wenig unterscheiden, liegen die Werte recht nahe beieinander. Aero-Sieger mit kleinem Vorsprung von 2 Watt werden die 50 Millimeter hohen Cadex-Laufräder mit flächigen Aero-Speichen. Das Schlusslicht bildet das Modell von One-K, was an den recht voluminösen Speichennippeln an der Felge liegen dürfte. Der Abstand zu den Besten liegt aber bei überschaubaren 5 Watt.

Bleibt noch die Frage, ob Laufräder mit Carbonspeichen auch alltagstauglich sind. Klar ist: Auf äußere Einwirkungen wie Schläge reagiert das Material empfindlich. Vorteil der klassisch eingespeichten Varianten ist, dass sich Speichen einzeln tauschen lassen.

Den Laufrädern kommt zugute, dass sie konkurrenzlos steif sind. Mavic schnürt mit den neuen Cosmic Ultimate ein interessantes Paket, in Gewicht und Aerodynamik ebenbürtig, bei ebenfalls sehr guten Steifigkeitswerten und mit deutlichem Preisunterschied zur deutschen Konkurrenz.

Wer bei klassischen Aero-Laufrädern bisher nichts vermisste, sollte einen Blick auf die neuen Modelle mit Carbonspeichen werfen. Sie versprechen viel Gewichtsersparnis zu Preisen, die kaum über vergleichbaren Laufrädern mit Stahlspeichen liegen - das gilt vor allem für die Modelle von Newmen und Storck.

Der Trick mit dem Strick

Eine der größten technischen Herausforderungen bei Carbonspeichen ist die Anbindung von Nabe und Felge, weil die Verbindungen hohen Zugkräften standhalten müssen. Bewährt hat sich das großflächige Einlaminieren wie bei Lightweight, das jedoch die Felgenform limitiert und ungeheuer aufwendig zu fertigen ist.

Mavic setzt bei den Cosmic Ultimate auf zusammenhängende, gegenüberliegende Speichen. Die Fasern sind felgenseitig formschlüssig mit einem Aluminium-Insert verbunden, das sich großflächig im Felgenboden abstützt. Erst nachdem Felge und Speichen verbunden sind, wird der geschlossene Reifensitz auflaminiert; an der Nabe werden die Speichen in vorgefräste Nuten des Flanschs eingelegt und einlaminiert.

One-K flicht einen langen Faserstrang sternförmig um Naben und Speichennippel aus Metall. Am Nabenflansch sind das einfache Zapfen, an der Felge kompliziert gestaltete Formteile, die in den Nippelsitz handelsüblicher Felgen geschraubt und auch gespannt werden können. An den Anbindungen bilden die Fasern Schlaufen, die hohe Zugkräfte aushalten.

Die Speichen von Cadex, Hunt, Newmen und Storck besitzen an jeder Seite ein Endstück aus Aluminium mit Außengewinde. Diese werden zunächst über den noch nicht gehärteten Faserstrang gefädelt, dann werden die Enden verdickt, indem man sie mit Carbonfäden umwickelt. Anschließend werden die Endstücke auf das konische Ende gezogen und mit 3000 Newton verpresst.

So testet TOUR

Die Laufräder sind identisch bereift (Continental Grand Prix 5000 S, 25 Millimeter) und werden jeweils in einem Komplettrad gemessen (Canyon Ultimate Disc, Baujahr 2018), auf dem ein tretender Beindummy sitzt. Die kontinuierliche Messung erstreckt sich über einen Anströmwinkel von +/-20° bei 45 km/h, wie er durch Seitenwind entsteht. Die Ergebnisse bei den verschiedenen Winkeln werden unterschiedlich gewichtet, gemäß ihrer Wahrscheinlichkeit bei mittlerem Wind (10 km/h), und zu einer Wattzahl verdichtet.

  • Seitenwindstabilität: Im GST-Windkanal mit einer Spezialwaage gemessen, die ermittelt, welche Kräfte bei schräger Anströmung in der Lenkung zu spüren sind.
  • Mechanische Eigenschaften: Gewichte und Steifigkeiten werden im TOUR-Labor erfasst. Die Laufräder werden ohne Zubehör (z.B. Tubeless-Ventile), jedoch mit Felgenband gewogen, falls benötigt. Die Steifigkeitsprüfung erfolgt mit 100 Newton seitlicher Last am Außendurchmesser.
  • Rundlauf: Wird nach einer Überlastprüfung mit 300 Newton Seitenlast gemessen.
  • Beschleunigung: Die Massenverteilung der Laufräder wird mit einem Trägheitsmessgerät bestimmt und mit dem Gewicht verrechnet zur notwendigen Energie, um beide Laufräder von 0 auf 30 km/h zu beschleunigen.

Acht Rennrad-Laufräder mit Carbonspeichen im Test

Die folgende Tabelle zeigt die Ergebnisse des Tests von acht Rennrad-Laufrädern mit Carbonspeichen:

Laufrad Preis pro Satz Gewicht v. / h. Seitensteifigkeit v. / h. Aerodynamik bei 45 km/h Gesamtnote
Cadex 36 2700 Euro 590 / 710 Gramm 59 / 49 N/mm 221 Watt 2,0
Cadex 50 Ultra 2800 Euro k. A. k. A. k. A. k. A.

Mit Carbonspeichen aufgebauter Satz der Laufradmarke von Giant. Leicht und stabil, für die Höhe auch aerodynamisch gut. Breite, hakenlose Felge, Keramiklager. Auch mit 42 und 65 Millimeter Höhe erhältlich. Fragwürdige Regelung zum Rennausschluss.

Wie viele Watt kann man mit Hochprofil-Carbon-Laufrädern im Gelände „sparen“?

Neben der Physis der Fahrer ist das „Material“ schon längst ein Sieg-Faktor bei den großen Gravel-Rennen. Mit die beliebtesten „Tuningteile“ sind in diesem Zusammenhang: die Laufräder. Wir haben zehn verschiedene Laufradsätze im Labor und in der Praxis getestet. Um den Trend zu schnellen, aerodynamischen Hochprofil-Laufrädern abzubilden, haben wir alle Modelle im Windkanal unter realen Fahrbedingungen untersucht. Wir wollten wissen: Machen hohe Felgen auch Gravel-Bikes klar schneller?

Noch vor einigen Jahren waren an den ersten Gravel-Rädern in der Regel stabile Rennrad-Laufradsätze mit Innenmaulweiten von 19 bis 21 Millimetern verbaut. Damit harmonieren sie besonders gut mit 40 Millimeter breiten profilierten Reifen oder 30er Slicks. Der Grund: Breitere Felgen erhöhen die effektive Breite der auf ihnen montierten Reifen und damit auch das Volumen.

Serien-Laufräder wiegen oftmals zwischen 1900 bis 2100 Gramm - sie sind damit vergleichsweise schwer. Die beiden leichtesten Test-Laufradätze von Specialized und Leeze wiegen 1263 beziehungsweise 1363 Gamm. Aktuelle Modelle weisen oft höhere Felgen im Bereich von 40 bis 45 Millimetern auf. Einige Hersteller wie DT Swiss und Scope haben inzwischen Laufräder mit 50 Millimetern Felgenhöhe und mehr im Portfolio. Als „aerodynamisch“ erachten wir Felgen ab 30 Millimetern Höhe.

Im GST-Windkanal in Immenstaad am Bodensee prüften wir den Luftwiderstand der zehn Gravel-Laufräder, genauer: die benötigte Leistung bei 35 km/h. Bei einer alleinigen Betrachtung der beiden Laufräder macht das Vorderrad rund 80 Prozent des gesamten Luftwiderstands aus, das Hinterrad dagegen nur 20 Prozent, da es sich im Windschatten des Sitzrohres dreht.

Alle Messungen wurden mit einer Windgeschwindigkeit von 35 Kilometern pro Stunde durchgeführt. Während der Messungen dreht sich der Prüfstand von plus nach minus 20 Grad - damit fließen auch Seitenwindverhältnisse, wie sie in der Realität vorkommen, in das Gesamtergebnis ein. Straßen-Laufräder werden mit 45 km/h gemessen, die Werte sind somit nicht direkt vergleichbar.

Für unsere zehn Testlaufräder ergaben sich bei 35 km/h gewichtete Leistungen von 15,6 bis 19,4 Watt. Niedrige Werte sind besser, da weniger Leistung benötigt wird, um die gleiche Geschwindigkeit zu halten. Die niedrigsten und damit besten Werte erzielen die 40 Millimeter hohen Leeze CC40 Allroad Evo Waso. Ihre gewichtete Leistung: 15,6 Watt. Es folgen, knapp dahinter, mit jeweils 16,3 Watt gewichteter Leistung, die Laufradsätze von DT Swiss und Swiss Side - beide sind 42 Millimeter hoch.

Weitere Tuning-Maßnahmen am Rennrad

Neben den Laufrädern gibt es noch weitere Bereiche, in denen Tuning-Maßnahmen am Rennrad sinnvoll sein können:

  • Reifen: Der wichtigste und günstigste Upgrade - in Relation zur erzielbaren Verbesserung.
  • Lenker: Der Kontaktpunkt für die Hände ist ein heißer Kandidat für Upgrades.
  • Sattel: Ein Sattel am neuen Rad ist immer ein Sattel auf Probe.
  • Sattelstütze: Federnde Sattelstützen machen die Fahrt komfortabler.
  • Bremsscheiben: Bremsscheiben sind ein Funktions-Upgrade, falls die Bremswirkung mit Originalscheiben nicht überzeugt.

Im RoadBIKE-Test: 9 Rennrad-Laufräder um 600 Euro

RoadBIKE-Komplettradtests zeigen immer wieder, dass selbst Rennräder, die rund 3000 Euro kosten, häufig mit absoluten Einsteiger-Laufradsätzen bestückt sind, die aufs Gewicht und Temperament der Kandidaten drücken. Um sich an teuren Carbon-Rahmen, im Hinblick auf ein bestimmtes Preisziel, beispielsweise eine komplette Shimano-Ultegra-Gruppe leisten zu können, sind viele Produktmanager gezwungen, an den Laufrädern zu sparen.

Das standardisierte Programm führt die Testkandidaten als Erstes auf die Waage: Das Gewicht zählt zu den wesentlichen Parametern, über die sich ein Laufrad definiert. Für Allround-Sätze wie die hier getestete Gruppe gilt: Je leichter, desto besser. Geringes Laufradgewicht macht sich bei jedem Antritt aus dem Stand oder beim Beschleunigen aus geringer Geschwindigkeit positiv bemerkbar - beispielsweise in engen Kurven oder an steilen Rampen.

Im Vergleich zu den leichtesten Sätzen im Test, die zwischen 1402 und 1457 Gramm auf die Waage bringen, ergibt sich ein Unterschied von rund 300 bis 350 Gramm zum Einsteiger-Modell. Wollte man solche Tuning-Erfolge etwa am Rahmen erzielen, müsste man schon ins absolute High-End-Regal greifen und stolze Euro-Beträge investieren.

Wirkungsvoller Widerstand? Geringes Gewicht ist zwar wichtig, doch die Performance eines Rennrades beeinflusst ein leichtes Laufrad nur dann positiv, wenn auch die Steifigkeiten überzeugen.

Der RoadBIKE-Test prüft deshalb, wie gut die Laufräder seitlicher Krafteinwirkung widerstehen. Das Ergebnis (in Newtonmeter pro Grad, kurz: Nm/°) sagt aus, wie viel Newtonmeter nötig sind, um das Laufrad um 1 Grad auszulenken. Je höher dieser Wert ausfällt, desto steifer ist das Laufrad - und desto besser seine Performance.

Umfangreiche Testreihen, bei denen verschiedene Laborwerte mit den Praxiseindrücken erfahrener Tester abgeglichen wurden, haben ergeben, dass Werte oberhalb von 70 Nm/° auch für Fahrer mit 80 Kilo Körpergewicht und mehr ausreichen. Bis auf eine einzige Ausnahme liegen alle Laufräder im grünen Bereich. Bei den Vorderrädern liegen alle Werte zwischen guten 72 und herausragenden 106 Nm/Grad - das Gros des Testfeldes landet zwischen 82 und 97 Nm/Grad. Bei den Hinterrädern gibt es mit dem American Classic ein Exemplar, das den grünen Bereich mit 66 Nm/Grad knapp verfehlt, alle anderen kommen auf untadelige 79 bis 95 Nm/Grad. Steifigkeiten, die auch stärksten Sprinterbeinen genügen.

Oft sind deutlich teurere Laufräder weniger steif, da aus Gewichtsgründen weniger Material verbaut wird, was zulasten der Widerstandsfähigkeit gehen kann. Ausnahmen bilden einige Carbon-Modelle am Markt, die extrem leicht und gleichzeitig vorbildlich steif sind. Doch für diese Wunderwerke des Laufradbaus werden in aller Regel mehrere tausend Euro fällig.

Die Laufradmittelklasse bringt hervorragendes Tuningpotenzial für Kompletträder mit, die serienmäßig mit Einsteiger-Sätzen bestückt sind.

Bei Fahrten in der Ebene mit einem Systemgewicht (Fahrer plus Rad) von 85 Kilogramm und durchschnittlichen 35 Kilometer pro Stunde wird eine Leistung von 170 Watt benötigt, sie teilt sich auf in 41 Watt zur Überwindung der Rollreibung und 129 Watt, um dem Luftwiderstand zu trotzen.

Je nach Qualität des Basis-Rennrads können mit einem Satz Top-Laufräder durchaus 500 Gramm gespart und gleichzeitig spürbare aerodynamische Vorteile erzielt werden.

Damit diese Felgen nicht zu schwer werden, kommt vorzugsweise Carbon zum Einsatz. Die Festigkeit ist hier nicht das Problem, sondern das Bremsverhalten.

Korrekteres Verzögern heißt: Kurz und kräftig in Intervallen bremsen, dabei beide Bremsen nutzen.

Carbon-Bremsflanken erfordern spezielle Bremsbeläge.

Bei Tubularfelgen nimmt der geschlossene Reifenmantel den Reif druck selbst auf und die Felgenflanke wird damit nicht belastet - sie kommt deshalb mit rund der halben Wandstärke aus, was pro Felge gute 100 Gramm und einige Euros spart.

Konstruktionsbedingt sind die Hinterräder weniger seitensteif als die Vorderräder. Die Hersteller versuchen das mit mehr Speichen oder unterschiedlichen Einspeichmustern auszugleichen.

Die Messungen von Höhen- und Seitenschlag blieben allesamt unter 0,2 Millimeter.

Rennräder mit schwarzen Felgen ohne oder mit nur sehr dezenten Schriftzügen wirken eher martialisch, hier wird auch der Rahmen optisch betont. Reichlich verzierte Laufräder sehen sportlich oder verspielt aus.

Beim Kauf sollte man sich genau über den Einsatzbereich der Laufräder bewusst sein: Berge oder Ebene? Die Varianten mit halbhohen Felgen sind ein sehr guter Kompromiss zwischen Gewicht und Geschwindigkeit. Sie sprechen also eine sehr große Zielgruppe an. Vor allem dann, wenn die Felge auf Drahtreifen ausgelegt ist. Damit erhöht sich die Alltagstauglichkeit. Die Schlauchreifenversion macht dagegen eher im Renneinsatz Sinn.

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