Wo die Eltern Rennrad fahren, wollen es ihnen die Kinder früher oder später nachtun. Ab dem 17. August können Kinder auf Gelb fahren. Dann präsentiert der Kinderrad-Hersteller Frog Bikes als offizielles Produkt der Tour de France Rennräder und Hybridräder in Kindergrößen. Zunächst gibt es drei Hybridmodelle und drei Rennrad-Größen.
Frog Bikes ist ein britisches Familienunternehmen, das seit 2013 Kinderfahrräder produziert. Da es sich um einen Spezialisten für Kinderfahrräder handelt, wurden die Komponenten und die Geometrie speziell für die Bedürfnisse von Kindern entwickelt und ausgewählt. Streng nach der Philosophie, dass Kinder keine kleinen Erwachsenen sind, entwickelt Dr. Tom Korff, der die Forschung und Entwicklung bei Frog Bikes leitet, Kinderräder auch nach dem Prinzip, dass jedes Detail am Fahrrad auf die speziellen Anforderungen und die Anatomie von Kindern angepasst ist.
Als begeisterter Radsportler ist er besonders stolz auf die lizenzierten Tour de France Fahrräder von Frog Bikes: “Frog Räder sind ideal, um Kinder an das Rennradfahren heranzuführen.
Warum ein Rennrad für Kinder?
Bei langen Radtouren mit der Familie kann ein Rennrad für ein Kind etliche Vorteile bringen. Einerseits benötigt das Kind weniger Kraftaufwand, da die leichten Räder mit schmalen Reifen weniger Rollwiderstand haben. Auch die Übersetzung der Rennräder sorgt dafür, dass das Kind sich nicht so abstrampeln muss. Meist haben Rennräder eine höhere Übersetzung, die durch größere Kettenblätter oder kleinere Ritzel erreicht wird. Das bedeutet, dass das Kind mit ein wenig mehr Kraftaufwand schneller fahren kann.
Im Grunde geht es darum, dass das Kind Spaß haben soll beim Radfahren. Ein Kind, das gerne ein Rennrad fahren möchte, wird mit einem schweren Citybike aus Stahl keine Freude haben und den Spaß am Radfahren verlieren. Das ist ungefähr so, als wenn man einem Kind, welches E-Gitarre spielen lernen möchte, eine Blockflöte in die Hand drückt.
Die meisten Kinderfahrräder sind aus Aluminium gefertigt. Das sorgt für ein geringes Gewicht des Fahrrades, bietet aber trotzdem die nötige Stabilität und Robustheit.
Ausstattung und Besonderheiten von Kinderrennrädern
Auf Flachetappen geht es um Geschwindigkeit. Die Frog-Rennräder können die jungen Fahrer dabei unterstützen: Ein sehr leichter Rahmen, der eine aerodynamische Ausrichtung besitzt, Slick-Reifen, die den Rollwiderstand auf Asphalt verringern, patentierte kurze FrogFit-Technology- Kurbeln und der reduzierte Q-Faktor sorgen für effizientes Fahren.
Auch für Bergauffahrten ist das Frog-Rennrad optimiert. Hierbei wurde auf ein ausgewogenes Gang-Spektrum geachtet. Das Frog Road 70 hat zwei vordere Kettenblätter mit 43 und 42 Zähnen und eine Gear Ratio von 3,1 und 3,8, was den Fahrern viel Flexibilität für unterschiedliche Strecken gibt. Die zwei kleineren Rennräder Frog 58 und Frog 67 sind mit einem Einfach-Antrieb ausgestattet, so dass sich kleinere Kinder an das Rennradfahren gewöhnen können ohne mit zu vielen Gangoptionen verwirrt zu werden.
Zudem weisen die Räder zusätzliche Bremshebel am Lenker auf, die den Kindern eine alternative Position zum Betätigen der Bremsen bieten.
Problematische Aspekte
Doch das, was den Renner auf den ersten Blick auszeichnet, ist auch das Problem dabei: Handling, Griffpositionen und das Bremsen sind schon für ungeübte Erwachsene nicht einfach; jemand, der altersbedingt noch mit dem Radfahren an sich vollauf beschäftigt ist, tut sich damit naturgemäß noch schwerer. Und auch die Sitzhaltung ist so eine Sache: Sich eher gestreckt auf dem Rad zu positionieren, den Kopf im Nacken, ist alles andere als altersgerecht. Gerade jüngere Kinder sollten nämlich möglichst aufrecht sitzen; aufgrund ihres deutlich kleineren Gesichtsfeldes sind sie auf maximale Übersicht im Verkehr angewiesen.
Modelle und Größen im Überblick
Die Briten behelfen sich also damit, dass sie ihr Anfänger-Modell mit 20-Zoll-Laufrädern ausstatten und darüber zwei Renner mit 24- bzw. 26-Zoll-Rädern stellen, die sich in der Ausstattung und etwas in der Oberrohrlänge unterscheiden. Neungang-Kettenschaltung und Cantilever-Bremsen deuten darauf hin, dass dies kein reines Rennrad ist: Mit breiteren, profilierten Reifen geht es als Querfeldeinrad durch - bereit für eine anspruchsvolle, aber auch spielerische Disziplin, die Kindern durchaus Spaß macht.
Mit 32er Kettenblatt und 12 bis 27 Zähnen hinten ist es durchaus aufs Gelände vorbereitet, außerdem zeigt das Frog ein Merkmal, das bis vor dem Siegeszug der Scheibenbremsen typisch für Crossräder war: die zusätzlichen Bremshebel am Lenker, umgangssprachlich „Froglegs“genannt, was aber nichts mit diesem Hersteller zu tun hat.
Die Extrahebel ermöglichen es, die Hände dauerhaft am Oberlenker zu lassen, wodurch man so aufrecht sitzt, wie es dieses Rad eben zulässt. Außerdem ist in dieser Position die Bremswirkung am größten. Die Microshift-Schaltbremshebel sind auf kleine Hände zugeschnitten - „die“ deshalb, weil auch der linke Shifter verbaut ist. Mit einigem Aufwand könnte man das Rad also auch auf 2×9 Gänge umzurüsten.
So weit, so gut - Kopfzerbrechen bereitet freilich die Rahmengeometrie des britischen Kinder-Renners, an der besonders zwei Dinge auffallen. Zum einen ist das Steuerrohr extrem kurz; damit der Lenker hoch genug positioniert werden kann, stapeln sich gleich vier Spacer unterm Vorbau. Punkt zwei und das deutlich größere Problem ist das extrem hoch positionierte Tretlager. Der Abstand zwischen der Mitte der Kurbelwelle und dem Erdboden beträgt ganze 275 mm - einen knappen Zentimeter mehr als bei einem ausgewogenen Erwachsenen-Rennrad mit 28-Zoll-Laufrädern.
Denkt man sich nun noch Offroad-Reifen ans Frog, wandert das Tretlager noch einmal um einige Millimeter nach oben.
Kinder Rennrad 20 Zoll
Die kleinsten Kinder Rennräder mit Reifengrößen von 20 Zoll gibt es für Fahrer ab ca. 6 Jahren. Der Hersteller Frog bietet Rennräder und SIngle Speed Bahnräder in dieser Größe an. Aber Achtung! Die günstigeren Bahnräder sind für den Straßengebrauch ohne Vorderradbremse nicht zugelassen. Diese kann nachgerüstet werden. Wir würden allerdings empfehlen, für das Fahren auf der Straße ein Kinderrennrad mit Gangschaltung zu verwenden.
Kinder Rennrad 24 Zoll
Ab einer Reifengröße von 24 Zoll wird die Auswahl an Kinderrennrädern schon größer. Die Reifengröße alleine ist aber nicht entscheidend für die richtige Fahrradgröße seines Kindes. Unterschiedliche Rennräder haben oft ganz andere Geometrien. Das Beanie Pulse 26 mit seinen 26 Zoll großen Reifen kann schon von Kindern mit einer Körpergröße von 130 cm gefahren werden und ist daher von der Geometrie her mit den 24 Zoll Fahrrädern anderer Hersteller vergleichbar. Leider hat Islabikes die Produktion von Rädern eingestellt und es sind nur noch wenige Restbestände verfügbar.
Jugend Rennrad 26 Zoll
Bei Bestellungen außerhalb der EU sollte man bedenken, dass eventuell neben den Transportkosten auch noch Zollgebühren anfallen können. Das Frog Road 70 ist aufgrund der hohen Nachfrage auch ausverkauft. Das Beany Pulse 26 ist ab sofort um nur 699,- lieferbar.
Jugend Rennrad 27,5 Zoll
Bevor Jugendliche auf ein Erwachsenenrennrad umsteigen können, gibt es noch einige Modelle mit 27,5 Zoll Reifen, welche für Kinder ab ca. 140 cm Körpergröße geeignet sind (je nach Geometrie auch mehr oder weniger).
Testberichte und Erfahrungen
Test Kinderrennrad Frog Road 67
Das britische Kinder-Rennrad von Frog steht für den frühen Einstieg in den Straßen- bzw. Cross-Sport.
Hier kann das Frog dann nur noch durch sein geringes Gewicht punkten: 8,8 Kilo mit Pedalen sind ein wirklich guter Wert.
So aber fragt man sich, ob es sinnvoll ist, ein junges Kind per Frog aufs Rennradfahren vorzubereiten. Wenn sich zur Gewöhnung an den Rennlenker eine insgesamt problematische Haltung auf dem Rad gesellt, könnte die Freude am Sportrad schnell vergehen.
Angesichts des recht hohen Preises für das Frog ist man geneigt, den Nachwuchs lieber noch ein paar Jahre auf eines solides, gut konstruiertes Kinder-MTB zu setzen, das man für einen vergleichbaren Geldbetrag sogar auf 1×11-Schaltung umrüsten kann.
Giant Seek und Liv Seek
Zur Eurobike hat Giant mit dem Seek ein Rennrad speziell für Kinder vorgestellt, unter der Marke Liv gibt es das identische Rad für Mädchen. Doch kann das Seek auch auf der Straße überzeugen? ROADBIKE hat es getestet.
Die Rennradmarken Giant und Liv Cycling bringen Jugendrennräder speziell für Kinder und Jugendliche zwischen 130 und 150 Zentimetern Körpergröße heraus: das Seek. Giant und die zur Giant-Group gehörende Frauen-Fahrradmarke Liv wollen damit ihr Engagement für den Jugendmarkt verstärken und mit dem jeweils ersten Dropbar-Bike speziell den Straßenradsport fördern. Das Seek soll dabei mit der gleichen Sorgfalt, den gleichen Leistungsstandards und der gleichen Detailgenauigkeit wie die Erwachsenenmodelle von Giant und Liv gebaut worden sein.
Dank 37 Millimetern Reifenfreiheit können Jungen und Mädchen asphaltierte Straßen, aber auch Schotterwege und alles dazwischen mit Spaß und Selbstvertrauen erkunden können. Den Herstellern ist dabei wichtig zu betonen, dass das Seek nicht "nur" eine kleinere Version eines Erwachsenenfahrrads ist, sondern eine Neuinterpretation dessen, was im Jugendradsport möglich ist. Rahmen und Gabel bieten Platz für bis zu 37 Millimeter breite Reifen - und ermöglichen so auch Graveltouren.
Das Seek kommt mit einem Aluminiumrahmen, einer jugendgerechten Geometrie und speziell angepassten Griffen. Es soll mit seinem Fahrer oder seiner Fahrerin mitwachsen und reaktionsschnelles Handling, Vielseitigkeit und Langlebigkeit bieten.
"Allzu oft werden Kinderfahrräder in Sachen Leistung und Qualität vernachlässigt", zitiert eine Pressemitteilung Cassondra Spring, Liv Global Marketing, zum Mädchenrennrad Liv Seek, "mit dem Seek ändern wir das. Dieses Fahrrad ist ein Statement: Es sagt, dass junge Mädchen eine Ausrüstung verdienen, die ihrem Potenzial gerecht wird, egal ob sie sich für ihr erstes Rennen aufstellen oder sich fragen, was es jenseits ihres Grundstücks gibt." Gleiches gilt für das tendenziell eher für Jungs konzipierte Giant Seek.
Der Giant Contact SL Lite Lenker ist speziell geformt mit einem kürzeren Reach (62mm) und Drops (100mm) im Vergleich zu typischen Erwachsenen-Lenkern. Die Bremshebel sind ebenfalls für kleinere Hände konzipiert, mit einem um 35% kürzeren Reach von den Drops und einem um 30% kürzeren von den Hoods. Der Außendurchmesser der Haube ist um 20 % kleiner, und die ausgestellte Form des Hebels verbessert die Ergonomie für kleine Hände.
Die wichtigsten Features des Seek laut Hersteller:
- Leichter, robuster Rahmen: ALUXX-Aluminiumrahmen und Advanced-Carbon-Gabel
- Jugendoptimierte Geometrie mit 650b-Laufrädern, die für wachsende Fahrerinnen und Fahrer zwischen 130 und 150 cm ausgelegt ist
- Renntaugliche Komponenten: Hydraulische Scheibenbremsen Tektro TR-35 und Giant MPH, Elektronische Schaltung TRP/Microshift und Platz für 37-mm-Reifen
- Für Jugendliche optimierte Kontaktpunkte: Kinderspezifischer Sattel, schmalerer Lenker, leicht erreichbare Bremshebel und kürzere Kurbeln, abgestimmt auf kleinere Proportionen und Körperformen
Die Seek-Modelle kommen mit 1-fach-Antrieben und 130mm kurzen Kurbeln.
Zwei Modelle
Giant und Liv bieten zwei Modelle in der neuen Seek-Serie. Das Seek 1 ist ein Rennrad mit dem SLR-Carbonlaufradsatz von Giant und soll nur 7,4 Kilogramm wiegen. Das Seek 2 ist für Rennrad-Neulinge gedacht, hat aber auch alles, was man für einen schnellen Start braucht, wie eine Carbongabel, Scheibenbremsen und schlauchlose Reifen. Beide Modelle haben eine elektronische Schaltung und eine Rahmengeometrie, die lange Tage im Sattel und explosive Kraft bei Sprints unterstützen sollen.
Die Seek-Modelle sind ab August im Fachhandel erhältlich. Das Seek 1 kostet 2999 Euro, für das Seek 2 werden 1799 Euro fällig.
Die Seek-Modelle von Giant und Liv sollen sowohl für ambitionierte Rennen als auch entspannte Abenteuertouren geeignet sein.
Der ROADBIKE-Test
Beim Komplettgewicht legt das Seek 1 mit 7,4 Kilogramm eine Punktlandung hin und trifft exakt die Herstellerangabe. Die Carbon-Laufräder haben wir mit 2585 Gramm gewogen. Beides sind richtig gute Werte. Der Alu-Rahmen gefällt durch seine schöne Verarbeitung.
Mit knapp 140 Zentimetern liegt unser neun Jahre alte ROADBIKE-Testfahrer Elias auch genau in der Mitte von Giants Größenangabe, folglich ist die Anpassung schnell erledigt. Auf den ersten Blick wirken die 650B-Laufräder recht groß, aber sie sorgen auch für eine gute Laufruhe. Erstaunlich ist, wie schnell sich Elias mit dem etwas besonderen, quirligen Fahrverhalten eines Rennrads mit den schmalen Reifen gewöhnt. Was dabei hilft: die kindgerechten Bremshebel. Sie liegen gut in der Hand und der Abstand der Hebel zum Lenker lässt sich anpassen, sodass es kein Problem ist, die Bremse zu erreichen und bei Bedarf sicher zum Stehen zu kommen.
Einzig der Lenker ist etwas schmal, bei größeren Kindern, die näher an 150 Zentimetern liegen, könnte man sich ein zwei Zentimeter breiteres Modell gut vorstellen.
Nach wenigen Metern ist auch das Prinzip hinter der elektronischen TRP/Microshift-Schaltung verstanden und die Gangwechsel klappen spielerisch. Überhaupt zählt die elektronische Schaltung zu den klaren Stärken des Seek, denn das starke Verdrehen des Handgelenks, um einen mechanischen Schalthebel zu bedienen, ist für kleine Kinderhände schwierig - von der nötigen Handkraft ganz abgesehen. Auf dem Seek gelingen die Gangwechsel hingegen ganz einfach auf Knopfdruck.
Dazu passt die gut ausgewählte Übersetzung mit nur einem 30er-Kettenblatt mit 130-Millimeter-Kurbel vorne und hinten der 11-36er-Kassette. Ohne zweites Kettenblatt vorne bleibt die Schaltung einfach und überschaubar, gleichzeitig passt aber die Übersetzungsbandbreite. Selbst Rampen mit mehr als 10 Prozent Steigung konnte Elias mit lockerer Trittfrequenz meistern. Mit den großen Gängen lässt sich auf der anderen Seite aber auch ein gutes Tempo anschlagen. Die leichten Carbonlaufräder samt 28er-Reifen rollen leicht, sodass Kinder problemlos auch längere Distanzen schaffen, die sie sich vorher vielleicht gar nicht zugetraut hätten.
Auch bergab bietet das Seek viel Laufruhe, sodass sich die Kinder auch bei höhrerem Tempo wohlfühlen und sicher fühlen, auch wenn sie sich an die Geschwindigkeiten erst herantasten müssen.
Weiteres Plus ist die Reifenfreiheit bis 37 mm, sodass das Seek auch in einem Gravel-Setup aufgebaut werden kann. Beim Seek 1 sind entsprechende Reifen im Lieferumfang enthalten.
Kleiner Nachteil: Giant liefert das Seek tubeless aus, es ist also mit etwas Aufwand verbunden, zwischen beiden Varianten hin- und herzuwechseln. Wer öfter zwischen Straße und Gelände switchen möchte, sollte klassische Schläuche einziehen, dann ist der Reifenwechsel eine Sache von wenigen Minuten und man erspart sich die Tubeless-Montage.
Aus unserer Erfahrung ist das Gravel-Set-up aber gerade für kleinere Kinder die bessere Wahl, weil man einfach in Sachen Streckengestaltung flexibler ist und besser den Straßenverkehr vermeiden kann.
Dieses kommt statt mit Carbon-Laufrädern mit Modellen aus Alu, die folglich etwas schwerer sind und nicht ganz so leichtfüßig rollen. Außerdem hat es keine rein hydraulischen Scheibenbremsen, sondern Scheibenbremsen kombiniert mit mechanischen Seilzügen. Über einen Konverter am Vorbau wird die Kraft übertragen. Der Nachteil neben dem höheren Gewicht ist der etwas unpräzisere Bremspunkt.
ROADBIKE-Testfazit
Überzeugt das mit 3000 Euro doch sehr teure Giant Seek? Unserer Meinung nach durchaus. Vor allem die elektronische Schaltung ist ein großes Plus, genauso wie die leichten Laufräder, die einfach extrem stark auf den Fahrspaß einzahlen. So haben die jungen Nachwuchsfahrer einfach Spaß, auch mal eine Rampe selbst hochzufahren. Gleichzeitig bietet das Seek genügend Laufruhe, um auch bei höherem Speed viel Sicherheit auszustrahlen. Die Möglichkeit, es als Gravelbike zu fahren, ist ein weiteres klares Plus, um stressigen Straßenverkehr zu vermeiden. Aber klar, 3000 Euro sind viel Geld für ein Kinderfahrrad. Aber wer beispielsweise zwei Kinder mit 2-3 Jahren Abstand hat, kann das Seek durchaus 6 bis 7 Jahre nutzen und anschließend wieder weiterverkaufen.
Vpace Michl 275 und Michl 28
Das Modell Michl soll Kinder nun auch als Gravelbike glücklich machen. Ob das funktioniert, hat unser Testfahrer Leo probiert, zwölf Jahre alt, 147 Zentimeter groß und geübter Mountainbiker. Die Testfahrten führen überwiegend über Forststraßen und gepflegte Waldwege, aber Leo nimmt auch Straßen und leichte Trails im Heimrevier unter die Räder. Im Prinzip seine MTB-Strecken ohne die wirklich kniffeligen Stellen.
Auf diesem bunten Strecken-Mix kommt er mit dem Rad auf Anhieb zurecht. „Toll, wie leicht das rollt“, ist einer seiner ersten Kommentare auf einem schnellen Schotterabschnitt. Der gebogene Lenker erweist sich im Vergleich zum MTB aber als gewöhnungsbedürftig. Hinzu kommt, dass die Schaltbremsgriffe in Kinderhand einfach eine Nummer zu groß sind.
Entsprechend ist Leo auch von der Bremsperformance nicht sehr überzeugt: „Die ist schwach, verglichen mit meinem Bike“, urteilt er. Trotzdem kommt er überall rauf und runter, Schalten klappt, auch ein Steilanstieg ist mit der 32-42-Untersetzung des 1x11-SRAM-Getriebes machbar. Die 155 Millimeter kurzen Kurbeln passen zu den Beinen.
Auch das Gewicht des Rades (8,6 Kilogramm) findet Leo angenehm: „Schön leicht!“, kommentiert er die Differenz zu seinem Mountainbike, das mit Federgabel mehr als zehn Kilo wiegt.
Wer keinen Rennlenker will, bekommt das Rad von Vpace auch mit geradem MTB-Lenker. In der Version „Commuter“ ist zudem eine clevere Lichtanlage mit Akku im Lenker integriert sowie ein Satz Schutzbleche. So wird aus dem Gravelbike ein leichtes Alltagsrad. Für Fahrer ab 135 Zentimeter gibt es zudem das kleinere Model Michl275.
Unser Testrad rollt auf Schwalbes G-One Allroad in 40 Millimetern Breite und mit Schläuchen. Für sportliche Nutzung böte es sich an, auf Tubeless umzustellen.
Nun die Gretchenfrage: Haben Kinder mit dem Gravelrad mehr Spaß als mit einem MTB? Leo legt sich fest: „Nein, ich würde mein Bike nicht gegen das Gravelrad tauschen, denn ich fahre mit meinem MTB genauso schnell und schaffe auch schwierigere Stellen, die besonders Bock machen!“ Das liegt natürlich auch an Leos Vorprägung durchs Mountainbiken. Das MTB-Hardtail ist breiter einsetzbar und bietet mehr Kontrolle und Fahrspaß im Gelände. Kinder, die zuvor nur Straßenräder gefahren sind, dürften es umgekehrt wahrnehmen: das Gravelrad als Horizonterweiterung.
Vpace Michl28: Technische Daten
Tabelle mit technischen Daten des Vpace Michl28 Kinder-Gravelbikes:
| Rahmen | Michl Aluminium 6061 mit 12-mm-Steckachse und Flat-Mount-Aufnahme |
|---|---|
| Gabel/Dämpfer | Vpace CCX-Carbongabel |
| Vorbau | Vpace SL, 60 mm |
| Lenker | Vpace Gravel SL, 38 cm breit, Drop 120 mm, Reach 70 mm, Flare 18 Grad |
| Schaltung | Sram Apex1, 32/11-42 |
| Kurbel | Vpace-Kinderkurbel, 155 mm, Q-Faktor 155 mm |
| Bremsen | Sram Apex, Brems-/Schalthebel mit Flatmount, Reach einstellbar |
| Laufräder | Vpace 28“, tubeless ready |
| Reifen | Schwalbe G-One Allround, 40 mm |
| Preis | 1.749 Euro |
| Gewicht | 8,6 kg |
TOUR-Testfazit
Geländeräder sind in der Hand von Kindern allemal sinnvoller als reine Straßenräder - schon um den Autos aus dem Weg gehen zu können. Kinder, die unbedingt mit einem Rennlenker ausrücken wollen, finden im Michl28 ein gutes Angebot. Über die Reifenwahl lässt sich das Rad auf die bevorzugten Strecken einstellen. Der Vpace-Renner ist sehr gut gemacht, so leicht und so kindgerecht, wie ein Rennlenker-Bike nur sein kann. Wenn alle Kinderräder so gut wären, würden wohl mehr Kinder Radfahren als Sport für sich entdecken.
Weitere Aspekte der Nachwuchsförderung
Richard Dopjans ist einer von vier Trainern, die sich zusammen mit Cheftrainer Christian Lichtenberg um den Nachwuchs beim RSV Irschenberg nahe Miesbach kümmern. Zwischen 40 und 50 Kinder und Jugendliche trainieren bei den Maloja-Pushbikers, wie sich das Rennteam des oberbayerischen Vereins nennt. Und der Zustrom an jungen Talenten reißt nicht ab.
"Man muss den Kindern einfach Möglichkeiten bieten", sagt Lichtenberg, der 2011 als Trainer zum Verein kam. "Klar, gab es auch vor meiner Zeit bereits Jugendarbeit beim RSV, aber es fehlte einfach eine Struktur", erzählt der Dreißigjährige. Zusammen mit seiner Frau Claudia begann er dann, systematisch an der Basis zu arbeiten.
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