Mit dem Fahrrad über den Reschenpass

Der in den Tiroler Alpen liegende Reschenpass wird meist nur Reschen genannt. Er stellt die Verbindung her zwischen dem Oberinntal und dem Vinschgau in Südtirol und liegt somit auf der Route des Fernradweges Via Claudia Augusta. Seit Jahrhunderten ist der Pass ein wichtiger Nord-Süd-Übergang der Alpen. In vorrömischer Zeit existierte nicht mehr als ein Saumpfad.

Um das Jahr 50 schufen die Römer die Via Claudia Augusta. Dieser gleichnamige Radweg verläuft heute auf deren Spuren von Donauwörth bis nach Italien. Ein Arm der antiken Handelsroute führt nach Ostiglia am Po, während der andere Arm ab Trient / Trento nach Venedig leitet. Während die Straße über den Reschen vor allem im Sommer stark befahren ist, bietet der bestens ausgebaute Radweg bequemes Radeln abseits vom Autoverkehr.

Anfahrt zum Reschenpass

Die Anfahrt zum Reschen erfolgt von Landeck über Pfunds und dann über die Norbertshöhe. Von der Route über die Reschenstraße ist abzuraten. Sie zweigt ab bei der Kajetansbrücke und steigt zum Finstermünzpass (Hochfinstermünz 1132 m) bis nach Nauders. Die stark befahrene B180 leitet durch Galerien und schlecht beleuchtete Tunnel, ist recht eng und besitzt keinen Radweg.

Ruhiger und weitaus schöner ist die Fahrt Richtung Schweizer Grenze bis Martina, dem Tor zum Engadin. An der Grenzstation geht es 6,5 km zur Norbertshöhe hinauf und dann hinab nach Nauders. Das Schloss Naudersberg erhebt sich markant über das weite Hochtal. Sie lassen bald den Wintersportort hinter sich, radeln vorbei an der Liftstation und bei leichter Steigung Richtung Grenze.

Passhöhe und Grenzstation sind nicht identisch; insofern ist das Schild „Reschenpass 1455 m“ etwas irreführend, denn es zeigt die Höhe am Grenzübergang. Seit 1919 ist der Reschen Grenze zwischen Österreich und Italien. Auf dem gut asphaltierten Radweg rollen die Räder weiter zum Dorf Reschen. Dicht am Ufer des Reschensees entlang geht die Fahrt zum versunkenen Turm im See. 1950 musste das alte Dorf Graun dem Stausee weichen. Der aus romanischer Zeit stammende Kirchturm ragt aus dem See und zieht Besucher zu jeder Jahreszeit magisch an.

Ab dem Reschensee setzen Sie die Reise dem Vinschger Radweg bis Meran bzw. auf dem Etsch-Radweg fort.

Der Vinschger Radweg

Der Vinschger Radweg vom Reschenpass nach Meran ist ein abwechslungsreiches Teilstück der Via Claudia Augusta. Von Anfang April bis Ende Oktober bietet der Bikeshuttle-Service einen Zubringerdienst zu ausgewählten Startpunkten im Vinschgau.

Streckenbeschreibung

Der hier beschriebene Weg beginnt in Mals - es fehlt also der erste Abschnitt auf der Passhöhe - und ist somit ideal für die Kombination Bahn - Rad. Mit der Vinschgauer Bahn fahren wir von Meran bis zur Endstation Mals im Vinschgau auf 1.050 m Meereshöhe. Am Bahnhof nehmen wir die Straße nach Glurns - eine Abfahrt. Das kleine mittelalterliche Städtchen ist sehenswert, schon aufgrund der alten Struktur und Bausubstanz. Kaum sind wir durch das Stadttor hinausgefahren, biegen wir links auf den Radweg entlang der Etsch ab.

Und sind schon mitten auf dem eigentlichen Fahrradweg, der uns südlich von Schluderns in die Prader Sand führt. Dabei handelt es sich um eine geschützte Flussau, in der bedrohte Vogelarten und Wassertiere ein Rückzugsgebiet gefunden haben. Im Hintergrund sehen wir die weißen Spitzen des Ortlermassivs. Nach Durchquerung des Dorfes Prad geht es auf Feldwegen weiter in östliche Richtung. Wir fahren am Rande des Nationalparks Stilfser Joch und durchqueren mehrmals geschützte Flussauen, in denen der Radweg keinen Asphaltbelag hat. Rennräder sind also nicht ideal für diese Tour.

Nach einer Weile erreichen wir das Dorf Laas. Laas ist für den Marmor-Abbau bekannt, der Laaser Marmor wird aus dem Berg gebrochen und in Blöcken abtransportiert. Keine Frage, dass im Dorf vieles aus Marmor ist. Eine gute Gelegenheit für eine kleine Pause. Laas gilt übrigens auch als Zentrum des Vinschger Marillenanbaus, da die Marillen jetzt gerade reif sind, darf man sich auf Marillenknödel freuen.

Wieder zurück auf dem Radweg geht es weiter, einem verwilderten Abschnitt der Etsch entlang, bis wir Schlanders (Ortsteil Göflan) erreichen, das Dorf, welches als Hauptort des Vinschgaus gilt. Leider geht es sich zeitlich nicht für eine längere Pause aus, so fahren wir nach Latsch am Eingang des Martelltales weiter. Der Radweg durchquert den Ort, und somit ist ein Blick in den Dorfkern obligatorisch.

Die meisten Vinschger Orte bewahren Zeugnisse aus romanischer Zeit, die trockenen Hänge des Sonnenbergs tun ein übriges, sich in eine andere Welt versetzt zu fühlen. Bei Kastelbell beginnt der wärmere Teil des Vinschgaus - mit den ersten Weingütern. Das Schloss Kastelbell kann man vom Radweg sehr gut betrachten. Einige km weiter, nach der Abzweigung ins Schnalstal, kommen wir nach Naturns und sind damit schon im Meraner Land, was sich auch an den Temperaturen bemerkbar macht.

Vorbei an Plaus und Partschins geht es in der Töll nach links, und von dort über Algund nach Meran. Eine tolle Abfahrt. Beeindruckend an der Vinschgau-Tour ist die wechselnde Landschaft, nicht nur aufgrund der Höhenmeter, sondern auch aufgrund der kulturellen Eigenheiten und dem Kontrast der satten Nordhänge von Ortler und Nörderberg zu den kahlen, trockenen Wänden des Sonnenbergs. Und auch der wilden Flusslreandschaft im Nationalpark zu den gepflegten Obst- und Weingärten.

Die Stadt Meran ist das Ziel dieser Radroute. Am Bahnhof Untermais (oder, alternativ, im Meraner Stadtzentrum) angekommen, kann man aber auch der Radroute entlang der Etsch weiter Richtung Bozen folgen.

Details zur Strecke

  • Schwierigkeit: leicht
  • Ausgangspunkt: Bahnhof Mals im Vinschgau
  • Gesamtzeit: 03:50 h
  • Gesamtlänge: 61,2 km
  • Höhenlage: von 289 bis 998 m ü.d.M.
  • Höhenunterschied: +39 m | -742 m
  • Wegweiser: Vinschger Radweg, Via Claudia Augusta, Etsch-Radweg
  • Ziel: Meran
  • Untergrund/Wegeart: Großteils asphaltierte Radwege, Feldwege und Nebenstraßen; einige Abschnitte durch Natura2000-Gebiet auf Schotterbelag
  • Empfohlene Jahreszeit: Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

Alternativen und Umleitungen

Nachdem im Forum schon mehrfach nach einer verkürzten Beschreibung von Nauders gefragt wurde, da man eigentlich die Nordanfahrt von der Kajetansbrücke nicht guten Gewissens empfehlen kann und immer wieder dringend empfohlen wird, über die Norbertshöhe nach Nauders aufzufahren, legen wir hier eine verkürzte Version an und nehmen dabei ausdrücklich die Variante über den Radweg.

Die "Normalroute" von der Kajetansbrücke nach Nauders über die Bundesstraße ist inzwischen so sehr verkehrsbelastet, dass der Autor sie nicht einmal bergab mit dem Rad fährt. Und noch dazu ist sie in den letzten Jahren oft dauerhaft für Radler gesperrt gewesen. Hier können wir vor der Einmündung in die Hauptstraße schon links abbiegen, die Haupstraße unterqueren und uns danach im Ort Nauders immer nach rechts orientieren. Wir fahren an Geschäften vorbei Richtung Schloss Naudersberg und direkt daran vorbei.

Beschilderung gibt es auch, dem Autor ist aber nicht mehr bewusst, was alles darauf steht, aber Via Claudia Augusta, Radweg Reschenpass und ähnliche Ziele werden es wohl sein. Kurz nach dem Ortsende von Nauders finden wir noch mal ein Restaurant mit ausdrücklicher Einladung für Radler. Kurz vor der ehemaligen Grenzanlage nach Italien halten wir uns links und fahren auf der Rückseite der Gebäude entlang.

Dann kommt eine Querungsmöglichkeit über die Hauptstraße per Zebrastreifen und auf der Gegenseite gibt es noch einen offiziell als Radroute ausgeschilderten Bogen über die Felder. Im Weiteren ist aber ein Kontakt mit der SS 40 nicht erforderlich, denn wenn man sich im Ort Reschen in Fahrtrichtung gesehen immer rechts der Hauptstraße aufhält, erreicht man automatisch die Straße nach Schöneben bzw. das Westufer des Reschensees, wo wir einfach auf der Radroute Richtung Vinschgau bleiben können.

Wichtige Hinweise für Italien-Reisende

Was Italien-Reisende wissen sollten: Die monatelange durchgehende Sperre der Reschenpass-Straße, einer wichtigen Ausweichroute für den Brenner, ist zwar aufgehoben, Autofahrende müssen aber weiterhin, auch kurzfristig, mit Behinderungen rechnen. Wechselseitige Einbahnregelung bis Ende November, Umfahrungsmöglichkeit über die Schweiz, Grund: Neubau einer Steinschlaggalerie.

Die Reschenpass-Straße B180 zwischen Pfunds und Nauders bekommt eine Steinschlaggalerie. Die Folge: mehr als zwei Jahre lang Verkehrsbehinderungen. Die Bauarbeiten sollen erst Ende 2026 abgeschlossen sein.

Nach dem Ende einer monatelangen Sperre ist die Reschenpass-Straße (B180) zwar wieder durchgängig befahrbar, Reisende müssen sich aber auch im Sommer auf Behinderungen einstellen: Bis voraussichtlich Sonntag, 30. November, besteht in beiden Richtungen zwischen der Kajetansbrücke südlich von Pfunds und dem unteren Finstermünztunnel nördlich von Nauders eine wechselseitige Einbahnregelung mittels einer Baustellenampel.

Bei hohem Verkehrsaufkommen sind Staus und längere Wartezeiten sehr wahrscheinlich. Aktuelle Verkehrsinfos aus Österreich gibt es bei der ADAC Verkehrsinfo. Wegen dringend notwendiger Felsräumungsarbeiten wurde die Reschenstraße Anfang Juni für einige Tage kurzfristig für den kompletten Verkehr gesperrt. Weitere kurzfristig verhängte Tagessperren sind jederzeit möglich.

Reisende, die einem eventuellen Stau auf der B180 ausweichen wollen, können die Baustelle umfahren: Für Pkw führt die Alternativroute in Richtung Süden ab der Kajetansbrücke südlich von Pfunds über die Engadiner Straße (B184) und die Martinsbrucker Straße (B185) nach Nauders und somit zum Teil über Schweizer Staatsgebiet (keine Vignettenpflicht). In Richtung Norden entsprechend entgegengesetzt.

Der zusätzliche Umweg beträgt rund 6,6 Kilometer und dauert ca. 15 bis 20 Minuten länger. Lkw, Fahrzeuge mit Anhänger über 6,5 Meter und Busse über 13 Meter dürfen diese Strecke nicht befahren.

Wichtiger Hinweis zur Martinsbrucker Straße: Die B185 ist eine kurvige Bergstraße (zehn Kehren) mit teils großem Längsgefälle. Bereits bei geringen winterlichen Fahrverhältnissen kann Winterausrüstung (insbesondere Schneeketten) erforderlich sein.

Wohnmobile unterliegen keinen Beschränkungen und dürfen die Ausweichroute befahren. Wohnwagen-Gespanne nur dann, wenn der Anhänger nicht länger als 6,5 Meter ist.

Fahrzeuge über 3,5 Tonnen müssen in der Schweiz allerdings eine Schwerlastabgabe entrichten. Wer mit einem Wohnmobil über 3,5 Tonnen die Umleitung über die Schweiz fährt, muss beim Schweizer Zollamt Martina anhalten und 5 Euro pro Fahrt und Fahrzeug bezahlen.

Staugefahr auch auf dem Brenner: Wer wegen der Verkehrsbehinderungen auf der Reschenpass-Route über den Brenner ausweichen will, muss sich ebenfalls auf Verzögerungen einstellen. Seit 1. Januar 2025 finden dort wegen der Erneuerung der Luegbrücke mehrjährige Bauarbeiten statt. Zeitweise steht pro Richtung nur eine Fahrspur zur Verfügung.

Der Bau der 400 Meter langen Steinschlaggalerie auf der Reschen-Bundesstraße im Abschnitt zwischen Tschingelsgalerie und Kanzelkehre war nötig geworden, weil aus dem steilen, felsigen und labilen Gelände oberhalb der Straße immer wieder Gesteinsbrocken ausbrechen, die teils auch die vorhandenen Steinschlagschutznetze durchbrechen, informiert die Tiroler Landesregierung.

"Mit zunehmenden Wetterextremen haben diese Ereignisse in den vergangenen Jahren zugenommen", heißt es in der Mitteilung weiter. Zwischen Pfunds und Nauders hatte im Februar 2024 bei einem Felssturz auf die B180 ein 20 mal 30 Zentimeter großer Steinbrocken einen Linienbus getroffen. 2019 war die Straße nach einem Felssturz für vier Wochen gesperrt. 2022 krachte ein Fels mit der Größe eines Kubikmeters auf die B180.

Gravelbike-Touren rund um den Reschenpass

Radfahren im Hochgebirge macht nicht nur mit dem Mountainbike Spaß. Verena Stitzinger hat mit dem Gravelbike rund um den Reschenpass vier Touren bis auf 2000 Meter ausprobiert.

Die Vorteile vom Graveln liegen für ihn auf der Hand: Ausgedehnte, abwechslungsreiche Touren bis auf 2000 Meter sind mit viel Vortrieb und nahezu ohne Straßenverkehr möglich. Und so lasse ich mich, gemeinsam mit meiner Freundin Andrea, zu „einem Frühlingswochenende im Angesicht der Gletscher“ an den Reschenpass locken.

Schon bei unserer Anreise nach Nauders freunde ich mich mit dem neuen Rad an. Auf Asphalt machen wir schnell Strecke, nutzen aber auch immer wieder Feld- und Forstwege und vermeiden so große Straßen. Auf einigen Passagen, wie den vielbefahrenen Fernpass, nehmen wir einfach den Bus. Die Tiroler Postbusse besitzen spezielle Fahrradträger und befördern unsere Räder teilweise sogar gratis.

Als wir am nächsten Morgen Nauders verlassen, leuchten uns die schneebedeckten Berge entgegen. Was für ein Panorama! Die Tour führt anfangs sanft hinauf zur Passhöhe und am Reschensee entlang und gibt uns so Zeit zum Aufwärmen. Ein kurzer Stopp am versunkenen Turm ist natürlich Pflicht. Harry erzählt uns, dass die Kirche von Altgraun aus dem 14. Jahrhundert stammt. 1950 wurden dann über 600 Hektar rund um den Grauner- und Reschensee geflutet und der große Stausee zur Stromerzeugung errichtet. 150 Familien verloren damals ihre Heimat. In Gedanken bin ich noch bei den alten Zeiten als wir wenig später ins Langtauferer Tal abbiegen.

Auf den ersten Höhenmetern folgen wir noch der Straße, dann wählt Harry einen breiten Kiesweg durch wunderschönen Lärchenwald. Frische Triebe an den Bäumen. Mit guter Laune und ins Gespräch vertieft kommt uns die Steigung zur Melager Alm gar nicht so lang vor. Oben angekommen ist es aber amtlich: Wir sind bis auf eine Meereshöhe von 1970 Metern geklettert. Nicht ungewöhnlich für die Jahreszeit, haben wir auf dem Weg hinauf sogar noch ein paar Schneefelder überquert. Hinab rollen wir dann aber weitestgehend auf Asphalt. Und noch während wir die Runde um den See genießen, schmieden wir bereits neue Pläne.

„Das ist die Königsetappe“, erklärt Harry am nächsten Tag. Gute 1600 Höhenmeter und fast 70 Kilometer misst die Runde über die Schliniger Alm zu Füßen der Sesvennahütte. Die Tour führt uns zuerst nach Burgeis, hinab ins Vinschgau, dann einen ersten, steilen Anstieg hinauf zum Kloster Marienberg. Das alte Bauwerk stammt aus dem zwölften Jahrhundert und bietet eine stimmungsvolle Umgebung für eine erste willkommene Pause.

Kurz hinter dem Kloster biegen wir auf den Stundenweg ein. Einst angelegt, um die Benediktinerabtei mit dem Kloster Son Jon im schweizerischen Münstertal zu verbinden, schmiegt er sich spektakulär an den steilen, felsigen Hang. Und auch der Blick hinab ins Vinschgau ist beeindruckend. Der Ortler überragt die weiten Obstplantagen mit seinem leuchtend weißen Gletscher. Bevor wir nach Schlinig kommen, wird es noch einmal steil. Zur Alm rollen wir dann aber wieder über den recht angenehm zu fahrenden Schotter. Der Fahrweg ist in der Nebensaison kaum befahren. Und so genießen wir den Blick auf die Felsen der „Schwarzen Wand“ und den hohen Wasserfall.

Erfüllt von vielen neuen Eindrücken sausen wir anschließend hinab nach Burgeis und gönnen uns am historischen Dorfplatz einen Espresso mit einer Kugel Eis.

Tourenvorschläge

Tour zur Melager Alm

Was für ein Start! Als wir morgens in Nauders losstrampeln, leuchten uns schon am Ortschild die schneebedeckten Berge entgegen. Was für ein Panorama! Zum Aufwärmen geht es sanft hinauf zur Passhöhe und am Reschensee entlang. Ein kurzer Stopp am versunkenen Turm ist Pflicht. 1950 wurde der große Stausee zur Stromerzeugung errichtet. Nicht nur die Kirche aus dem 14. Jahrhundert wurde damals geflutet, auch 150 Familien verloren ihre Heimat.

Diese Gedanken begleiten uns, als wir ins Langtauferer Tal abbiegen. Nur die ersten Höhenmeter bewältigen wir auf der Straße, dann führt uns die idyllische Strecke auf einem breiten Kiesweg durch wunderschönen Lärchenwald. Bergauf geht es trotzdem, doch immerhin weitab vom Autoverkehr. Sogar ein paar Schneefelder überqueren wir. Das ist eine spannende Herausforderung, dabei das Gleichgewicht zu halten. An der Melager Alm ist es dann amtlich: Bis auf 1970 Meter überm Meer sind wir gestrampelt.

Weil wir zu früh im Jahr unterwegs sind, ist die Alm noch nicht bewirtschaftet und wir müssen die Einkehr auf später verschieben. Dafür genießen wir die Fahrt durch die Krokus-übersäten Wiesen. Alles blüht in weiß und violett! Auch danach bleiben wir im Genießer-Modus und rollen mühelos auf der asphaltierten Talstraße hinab. Nach einem Kaffee am Stausee umrunden wir diesen noch, schließlich wollen wir die imposante Staumauer nicht nur sehen, sondern auch befahren. Das letzte Stück nach Nauders geht es ohnehin wieder hinab: Ausrollen im wahrsten Sinn des Wortes also.

Details zur Tour

  • Nauders - Reschensee - Langtauferer Tal - Melager Alm (2072 m) mit Gletscherblick - Reschensee Umrundung - Nauders
  • Toureninfo: 970 Hm, 60 km, Schwierigkeit: mittel
  • Wegbeschaffenheit: Breite Schotterwege und Asphalt
  • Einkehrmöglichkeit: Melager Alm oder Gasthöfe/Hotels im Langtauferer Tal
  • Übernachtung: Hotel Central, Nauders
  • Tipps: warme Bekleidung und Wetterschutz mitnehmen

Tour zur Schliniger Alm

Die Königsetappe bietet 1600 Höhenmeter und fast 70 Kilometer und führt zur Schliniger Alm zu Füßen der Sesvennahütte. Doch der Reihe nach: Nach dem Prolog zum Reschenpass geht es erstmal sanft durch Lärchenwald ins Vinschgau, genauer ins malerische Burgeis mit den engen Gassen und massiven Häusern. Dann aber wird es steil, die Straße führt zum Kloster Marienberg. Das imposante Bauwerk aus dem 12. Jahrhundert bietet eine willkommene und stimmungsvolle Pause. Wer genug Zeit einplant, kann das Kloster sogar besichtigen.

Danach wird es richtig spannend: Knapp oberhalb des Klosters zweigt der Stundenweg ab. Er wurde einst angelegt, um die Benediktinerabtei mit dem Kloster Son Jon im schweizerischen Münstertal zu verbinden. Der Hang ist extrem steil und felsig - kunstfertig wurde der Weg angelegt und windet sich auf annähernd gleicher Höhe entlang. Allerdings ist der Untergrund hier grob, wer auf den Pedalen bleiben will, muss sich anstrengen und gut balancieren. Die Blicke hinab auf die Obstplantagen des Vinschgau sind spektakulär.

Bald erreichen wir wieder grüne Wiesen. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Weg flacher wird! In direkter Linie führt der Fahrweg hinauf, wir brauchen den ersten Gang und werden immer langsamer. Dann aber haben wir es geschafft und erreichen das Dorf Schlinig. Tatsächlich wird es nun angenehmer: Auf dem gekiesten Fahrweg rollen wir zur Alm und genießen die Ruhe der Nebensaison. Wer später im Jahr kommt, kann hier auch einkehren. Wir bewundern die hohen Felsen der „Schwarzen Wand“ mit dem Wasserfall beim Picknick. Erfüllt mit neuen Eindrücken rollen wir danach auf Asphalt hinab und lassen uns in Burgeis am historischen Dorfplatz ein Eis mit Espresso schmecken. Das letzte Stück zum Reschenpass und nach Nauders gelingt uns so gestärkt auch noch.

Details zur Tour

  • Nauders - Reschenpass - Burgeis - Marienkloster - Schlinig - Schliniger Alm (1900 m) - Haidersee - St. Valentin - Nauders
  • Toureninfo: 1600 Hm, 74 km, Schwierigkeit: schwierig
  • Wegbeschaffenheit: Breite Schotterwege, Passage auf schmalem, grobem Wanderweg und Asphalt
  • Einkehrmöglichkeit: Schliniger Alm und Gasthöfe/Hotels in Burgeis
  • Übernachtung: Hotel Central, Nauders
  • Tipps: warme Bekleidung und Wetterschutz mitnehmen

Tour nach Sclamischot

Diesmal soll es eine kurze Runde sein - und trotzdem Landschaftsgenuss, Kulturerlebnis und Höhenmeter bieten? Kein Problem. Im Dreiländereck ist innerhalb weniger Stunden ein Fahrrad-Ausflug in die Schweiz möglich.

Wir radeln aus dem Dorf zum urigen Sessellift am Kleinmutzkopf hinab. Dann kommen sie schon, die ersten Höhenmeter. Auf dem kleinen Asphaltsträsschen geht es hinauf zur Norbertshöhe. Vor der Errichtung der Reschenstraße in den 1840er Jahren war dies die einzige Verbindung nach Tirol. Auf 1464 Metern Höhe stehen wir zwar bei weitem tiefer als bei anderen Graveltouren rund um Nauders - die Aussicht jedoch ist grandios. Die Norbertshöhe ist ein Logenplatz überm wilden Inntal.

Mühelos rollen wir dann ein Dutzend weite Kehren auf Asphalt hinab nach Martinsbruck. Hier überqueren wir die Grenze zur Schweiz und befinden uns sogleich im Unterengadin - und der Ort heißt Martina. Nur etwas mehr als hundert Menschen wohnen hier in den urigen Engadinerhäusern mit den dicken Mauern und der schönen Bemalung. Sgraffito nennt sich diese Dekorationstechnik. Das Wort ist abgeleitet vom italienischen Verb sgraffiare, also „kratzen“. Denn dabei werden verschiedene Putzschichten aufgelegt und anschließend tieferliegende wieder freigekratzt. Durch den Farbkontrast entstehen die Bilder an den Hausmauern.

Wir bewundern die schönen Häuser und machen uns wieder auf den Weg. Nun nämlich wartet der eigentliche Anstieg. In Sclamischot zweigt die Forststraße links ab und windet sich durch den alten Bergwald den Hang hinauf. In einer weiten Schleife sind die gut 500 Höhenmeter gut machbar und so erreichen wir die Norbertshöhe diesmal von oben. Erfüllt von neuen Eindrücken rollen wir hinab nach Nauders.

Details zur Tour

  • Nauders - Norbertshöhe - Martinsbruck/Martina - Sclamischot - Martawald - Nauders
  • Toureninfo: 600 Hm, 22 km, Schwierigkeit: einfach
  • Wegbeschaffenheit: Breite Schotterwege und Asphaltstraße
  • Einkehrmöglichkeit: Alpengasthof Norbertshöhe, Gasthöfe/Hotels in Nauders
  • Übernachtung: Hotel Central, Nauders
  • Tipps: warme Bekleidung und Wetterschutz mitnehmen

Dreiländertour

Zugegeben, das ist keine kleine Runde. Dafür befahren wir auf den 86 Kilometern aber auch gleich drei verschiedene Länder: Österreich, Italien und die Schweiz. Beliebtes Motiv am Reschensee: der versunkene Kirchturm.

Das Aufwärmen erledigen wir von Nauders aus auf österreichischer Seite - hinauf zum Reschenpass. Hinab geht es dann nach Südtirol. Schon am Ortsschild leuchten uns die schneebedeckten Berge entgegen, weiter oben dann die Gletscher des Ortlermassivs. Eine schöne Szenerie bietet sich natürlich auch am Westufer des Reschensees. Das nächste landschaftliche Highlight wartet aber schon: Fernab der Straße strampeln wir durch den wunderschönen Lärchenwald oberhalb von St. Valentin.

Die alten Gassen und urtümlichen Häuser in Burgeis verlocken zu einer Pause - doch auch Strecke will irgendwann gemacht werden auf dieser Runde. Und so geht es weiter über Schleis, Laatsch und Taufers zur Schweizer Grenze. Nun sind wir im Münstertal oder Val Müstair unterwegs. Im Hauptort lohnt es sich, das Benediktinerinnenkloster St. Johann Baptist zu besuchen. Auf rätoromanisch heißt es Claustra Son Jon. Das mittelalterliche Kloster ist sehr gut erhalten und steht seit 1983 auf der Liste des UNESCO Weltkulturerbes.

Unser Ausflug in die Schweiz ist damit aber noch nicht vorbei: Wir radeln noch bis nach Sta Maria, wo die Straße zum Umbrailpass abzweigt. Das ist uns für heute aber eindeutig eine Hausnummer zu groß: Uns reicht es vollkommen, die Strecke zurück nach Nauders zu meistern - natürlich nicht auf gleichem Weg sondern in einer Runde durch Glurns, Mals und am Haidersee entlang.

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