Insolvenzverfahren in der Elektromotorradbranche: RGNT und Cake in Schwierigkeiten

Die Elektromobilität steht weiterhin im Fokus der Diskussion, und während die Aufweichung der Klimaziele im Gespräch ist, erweisen sich die elektrischen Zweiradhersteller als besonders widerstandsfähig.

Allerdings zeigt die Realität, dass auch in diesem Sektor nicht alles reibungslos verläuft. Die schwachen Zulassungszahlen auf dem elektrischen Motorradmarkt und finanzielle Schwierigkeiten einiger Hersteller verdeutlichen die angespannte Situation.

Cake: Schwedens Elektropionier ist pleite

Ein Beispiel hierfür ist der schwedische E-Motorradhersteller Cake, der Insolvenz anmelden musste. Bereits die Januar-Gehälter konnten nicht mehr gezahlt werden, sodass dem Unternehmen mit seinen rund 140 Mitarbeitern nur der Gang zum Insolvenzverwalter blieb. 2015 hatten die Idealisten angefangen, teils schrullige, aber immer innovative E-Gefährte auf die Räder zu stellen.

Das Topmodell wurde letztes Jahr die E-Enduro Bukk (max. 16 kW), das erste Cake-Modell oberhalb der A1-Klasse. Aber auch mit dem leistungsstarken Crosser gelang nicht der erhoffte finanzielle Durchbruch. Wie auch, mag mancher unken bei Preisen ab 10.000 Euro aufwärts für rund „drei Stunden Reichweite“.

Laut Stefan Ytterborn, Gründer und CEO von Cake, stehen die Klimafragen nicht mehr im Fokus der Risikokapitalgeber, und das Unternehmen befinde sich in einer Rezession. Es betrifft uns, aber es betrifft auch das Risikokapitalökosystem. Derzeit ist es völlig tot, es gibt keine Interessenten in der späteren Phase, in der sich Cake befindet.

2022 machte Cake 99 Millionen SKR Umsatz - das sind umgerechnet rund 8,7 Millionen Euro - und kam auf 23 Millionen Euro Minus. Im laufenden Geschäftsjahr betrug der negative Cashflow bereits 32,4 Millionen Euro. Insgesamt hat Cake seit der Gründung rund 6000 Fahrzeuge verkauft.

Bei der anstehenden Kapitalerhöhungsrunde sollten rund 80 Millionen Schwedische Kronen (rund 7,1 Millionen Euro) an frischem Kapital eingesammelt werden. Die Hälfte hätte das Unternehmen nach eigenen Angaben zusammenbekommen, dann aber sprang einer der großen Anteilseigner ab, die für die restliche Summe hätten sorgen sollen.

RGNT Motorcycles: Neustart nach Konkurs

Das gleiche Los wie Cake traf Ende 2023 bereits den schwedischen E-Motorradhersteller RGNT Motorcycles. Das auf Retro-125er spezialisierte Unternehmen aus Kungsbacka bei Göteborg musste Konkurs anmelden; unter dem Namen RGNT Reborn soll es jetzt allerdings weitergehen.

Ab dem dritten Quartal 2024 will die Neugründung des ehemaligen RGNT-CEOs Jonathan Åström wieder mit Maschinen am Markt präsent sein. Die RGNT Turbo ist das erste, neue Modell nach dem Neustart.

Kurz darauf, Ende 2023, musste RGNT (englisch gesprochen: „Regent“) Insolvenz anmelden. Es fanden sich jedoch neue Investoren und seitdem wird unter dem Firmennamen „RGNT Reborn“ an einem Neustart gearbeitet.

Mit 46 kW Peak-Leistung ist die im Stile der 80er-Jahre gestaltete Maschine für ein Motorrad der 125er-Klasse (A1-Klasse) mehr als ordentlich motorisiert. Laut Hersteller soll die Turbo in nur vier Sekunden auf 100 km/h sprinten können. Das konnten wir zwar nicht nachmessen, erscheint jedoch glaubwürdig. Die Spitze wird mit 120 km/h auf dem neuen Display im Design eines klassischen Rundtachos angezeigt, was echten 115 km/h entsprechen soll.

Die neue Turbo steht trotz doppelter Leistung für exakt 9.995 Euro in der Liste. Bei 5.000 Euro Preisunterschied ist es wenig verwunderlich, dass man bei der Ausstattung einige Kompromisse eingehen musste.

Weitere Unternehmen in Schwierigkeiten

Neben Cake und RGNT gibt es weitere Unternehmen in der E-Mobilitätsbranche, die mit finanziellen Problemen zu kämpfen haben. Ob das auch US-Hersteller Sondors gelingt, steht in den Sternen. Der nordamerikanische E-Bike-Hersteller steuerte Ende 2023 allem Anschein nach in die Pleite.

Auch im Moped und Roller- und Scootersegment kommen immer mehr Hersteller in finanzielle Nöte. So musste Cake vor kurzem Insolvenz anmelden. Auch RGNT und Kumpan sind oder waren in existenziellen Schwierigkeiten.

Nun streichen mit Eysing und Vässla zwei Anbieter zumindest vorrübergehend die Segel. Jetzt haben die Holländer das Ende ihrer Firma bekanntgegeben. Das Unternehmen produzierte bisher Elektromopeds mit auffälliger Retro-Optik, vorrangig für den niederländischen Markt.

Das 2017 in Schweden gegründete Mobilitäts-Start-up Vässla ist insolvent. Vässla muss damit in Schweden, wie zuvor schon Ende 2023 der deutsche Ableger, offiziell Insolvenz anmelden.

Ursachen für die Krise

Die Gründe für die Insolvenzen sind vielfältig. Die Konkurrenz aus China drängt mit Macht in den Markt, was es erschwert, frisches Kapital einzusammeln. Die Folgen der Corona-Pandemie, die anhaltende Konsumzurückhaltung im Zuge des Ukraine-Krieges sowie die gestiegene Inflation haben den Unternehmen stark zugesetzt.

Die Absatzzahlen elektrischer Motorräder geben wenig Anlass, auf eine Kehrtwende der Risikokapitalgeber zu hoffen: In Deutschland beispielsweise wurden 2023 gerade einmal 1.614 E-Motorräder und E-Leichtkrafträder abgesetzt. Das sind acht (!) Einheiten mehr als 2022. Die Anzahl elektrischer Roller sank um 8,7 Prozent auf 7.326 Einheiten.

Kellermann GmbH: Insolvenz trotz etablierter Marktposition

Ein unerwarteter Tiefschlag für die Motorrad-Gemeinschaft: Ein populärer Ausstatter ist pleite. Der bekannte Aachener Hersteller für Motorradbeleuchtung, die Kellermann GmbH, hat Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet.

Die Hauptgründe für die Insolvenz sind die Folgen der Corona-Pandemie, die zu erheblichen Umsatzeinbußen geführt haben. Auch die anhaltende Konsumzurückhaltung im Zuge des Ukraine-Krieges sowie die gestiegene Inflation haben dem Unternehmen stark zugesetzt. Zudem haben Plagiate der Blinker aus Fernost dem Unternehmen Umsätze gekostet.

Ausblick

Trotz der aktuellen Herausforderungen gibt es auch positive Signale. RGNT Motorcycles startet nach der Insolvenz als RGNT Reborn neu durch. Die Schweden hinter RGNT haben nach einer Insolvenz die Sanierung hingelegt.

Weniger Personal, weniger Individualisierung, keine externen Investoren und günstiger im Preis - so konnte das Zweirad wie Phönix aus der Asche wieder auferstehen. Ähnlich Brekr. Bei den Holländern sah es düster aus, Insolvenz musste angemeldet werden. Doch jetzt übernimmt eine neue Muttergesellschaft.

Weil die technische Effizienz der Maschinen ihre eigene Sprache spricht und die menschliche Begeisterung einfach nicht aufzuhalten ist. Urbane Elektromobilität mit Stil und Charakter sowie dem Freiheitsgefühl mit PS und Klimarücksicht bahnt sich ihren Weg. Die sogenannten Stecker-Biker lassen sich nicht abbringen.

Die Gesellschafter haben betont, zum Unternehmen zu stehen und die Restrukturierung der Firma zu unterstützen. Ziel der Insolvenz in Eigenregie ist es, eine außergerichtliche Einigung mit den Gläubigern zu erzielen.

Der Aachener Spezialist für Motorradbeleuchtung hofft, mit der Insolvenz in Eigenverwaltung eine nachhaltige Lösung zu finden und den Betrieb langfristig zu sichern.

Zulassungszahlen von E-Motorrädern und E-Rollern in Deutschland (2022-2023)
Fahrzeugtyp 2022 2023 Veränderung
E-Motorräder & E-Leichtkrafträder 1.606 1.614 +8
Elektrische Roller 8.024 7.326 -8,7%

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