Die richtige Körperhaltung auf dem Mountainbike: Tipps für Komfort und Leistung

Radfahren ist gesund und trainiert das Herz-Kreislauf-System, die Lunge und die Muskulatur. Um jedoch von den Vorteilen des Mountainbikens voll profitieren zu können und Schmerzen oder Beschwerden zu vermeiden, ist die richtige Körperhaltung entscheidend. Eine ergonomische Sitzposition auf dem Mountainbike ist facettenreicher, als es auf den ersten Blick scheint.

Die Bedeutung der richtigen Rahmengeometrie und -größe

Die Rahmenhöhe und Rahmenlänge sind entscheidend für die richtige Sitzposition. Die Hersteller geben ihre Rahmengröße bei Mountainbikes meist in Zoll an, z.B. 19,5 Zoll. Einige Hersteller geben ihre Rahmen auch in den Größen S, M, L und XL an, was auf den ersten Blick nichts über die tatsächlichen Maße aussagt. Du solltest deinen Körper vermessen und dann die richtigen Einstellungen am Rad vornehmen.

Stack und Reach

Stack und Reach erfassen als signifikante Kenngrößen des Rahmens die Maße zwischen Mitte Tretlager und Oberkante Steuerrohr in senkrechter und waagerechter Richtung, wie in der Grafik anschaulich dargestellt ist (ST = Stack und RE = Reach).

Stack to Reach Quotient (StR)

Anhand der Angabe von Stack und Reach bzw. dem Quotienten daraus (StR) kannst du die Charakteristik eines Rahmens ableiten, beispielsweise ob er eher tief und lang oder hoch und kurz ist. Außerdem kannst du unterschiedliche Rahmen anhand dieser Werte genau miteinander vergleichen. Stack geteilt durch den Reach ergibt in der Regel einen Wert zwischen 1,35 und 1,65 , wobei kleinere Werte bis 1,45 für eine sportlich gestreckte Sitzposition stehen, Werte zwischen 1,45 und 1,55 eine gemäßigt sportliche Sitzposition abbilden und Werte über 1,55 für eine komfortable Geometrie stehen. Stack und Reach können dir also dabei helfen, einen passenden Rahmen ohne Fitting zu finden, denn diese Maßangaben sind mittlerweile bei allen Herstellern Standard und in den Datenblättern aller Mountainbike Modelle zu finden.

Effektive Oberrohrlänge (OR)

Die modernen Rahmenformen, z.B. mit abknickenden Sitzrohren, lassen sich auch schwer mit einer Angabe des Reach erfassen, daher hat sich speziell im MTB-Bereich die Angabe der Effektiven Oberrohrlänge (OR) bei der Maßangabe der Rahmen etabliert. Dieses Maß spiegelt die Sitzlänge eines Mountainbikes am ehesten wider und macht unterschiedliche Bikes miteinander vergleichbar.

7 Schritte zur perfekten Grundeinstellung

Um eine gute Sitzposition auf deinem (neuen) Mountainbike zu finden, kannst du dir mit simplen Hilfsmitteln wie Wasserwaage, Lot und Zollstock helfen. Folge ganz einfach den unten aufgeführten Schritten für eine passende Grundeinstellung.

  1. Innenbeinlänge: Ein zentraler Wert deines Körpers ist die Innenbeinlänge, oder auch Schrittlänge genannt. Sie hilft bei der Ermittlung der richtigen Sattelhöhe.
  2. Sattelhöhe: Aus der Schrittlänge bekommst du einen sehr guten Anhaltspunkt für die Sitzhöhe, die das wichtigste Maß für eine optimale Kraftentfaltung ist. Stelle die Sattelhöhe von der Mitte des Tretlagers bis zur Oberkante des Sattels auf folgendes Maß ein: Sitzhöhe = 0,885 x Schrittlänge (cm).
  3. Sattelneigung: In der Standardeinstellung sollte dein Sattel beim Hardtail waagerecht stehen. Stelle das Fahrrad auf eine ebene Fläche und lege eine Wasserwage der Länge nach auf den Sattel, um eine waagerechte Position einzustellen. Bei einem Fully kann die Sattelnase minimal abgesenkt werden, damit der Sattel beim Einfedern im Fahrbetrieb waagerecht steht.
  4. Pedalplatten: Die Pedalplatten (Cleats) deines Schuhsystems sollten so eingestellt sein, dass die Längsachse deines Fußes im rechten Winkel zur Pedalachse steht. Des weiteren sollte dein Großzehengelenk direkt auf der Pedalachse stehen. Hierfür kann die Anschaffung einer Schablone hilfreich sein, mit der du die Cleats an deinen Radschuhen millimetergenau einstellen kannst.
  5. Sattelnachsitz: Verschiebe deinen Sattel in der Klemmung nach vorne oder hinten, bis bei waagerechter Pedalstellung das Lot von deinem Kniegelenk genau durch die Pedalachse fällt. Kontrolliere danach erneut deine Sitzhöhe. Sattelstützen mit oder ohne Versatz bieten Spielraum für weitere Einstellungsmöglichkeiten, falls der Verstellbereich der Sattelklemmung nicht ausreicht.
  6. Sitzlänge: Messe bei deinem Mountainbike den Abstand von der Sattelspitze bis zur Lenkermitte. Dieser Wert sollte etwa der Faustregel von 0,3 x Körpergröße entsprechen. Sitzt du dennoch gefühlt zu gestreckt oder zu kurz, kannst du diese Position mit einer anderen Vorbaulänge korrigieren. Vorbauten gibt es in unterschiedlichen Längen und Winkeln, evtl. macht die Anschaffung eines einstellbaren Vorbaus Sinn, bis du deine optimale Position gefunden hast.
  7. Lenker-/Sattelüberhöhung bestimmen: Messe bei waagerecht stehendem Mountainbike jeweils vom Boden bis zur Oberkante der Griffe und bis zur Oberkante des Sattels. Die Lenkerhöhe liegt bei komfortorientierten Mountainbikern 2 cm über bzw. 2 cm unter Sattelniveau. Dieser Wert kann mit Spacern unter dem Vorbau oder einem Vorbau mit anderem Winkel korrigiert werden.

Cockpit-Einstellungen für mehr Komfort und Kontrolle

Biken mit abgeknickten Handgelenken wird dir früher oder später Taubheitsgefühle in Armen und Händen bescheren und dir den Spaß an deiner Mountainbike-Tour rauben. Zudem ist eine ergonomische Einstellung der Griffe und Bremshebel Pflicht für schmerz- und ermüdungsfreies Greifen des Lenkers.

Lenkerbreite wählen

Für eine bessere Kontrolle unter allen Bedingungen geht der Trend zu immer breiteren Lenkern. Im Zweifelsfall einen etwas breiteren Lenker wählen und verschiedene Griffweiten ausprobieren, gekürzt werden kann der Lenker immer noch.

Bremshebel einstellen

Um blitzschnell bremsen zu können, muss der Bremshebel perfekt erreichbar sein. Daher sollte sich dieser weder zu nah am Griff noch zu weit davon entfernt befinden, sodass eine optimale Hebelwirkung erreicht werden kann. Hierfür sollte zudem der Finger am äußeren Ende des Griffs liegen und zusammen mit der Hand und dem Unterarm eine gerade Linie bilden.

Achte darauf, dass Unterarm, Handfläche und gestreckter Finger bei der Abfahrt eine gerade Linie bilden. Denn abgeknickte Handgelenke und punktuelle Belastungen führen häufig zu Schmerzen oder tauben Fingern. Nehme diese Einstellung stehend, in der Grundposition auf dem Rad, vor. Wenn du häufig in sehr steilem Gelände unterwegs bist, könnte eine etwas flachere Einstellung des Bremshebels von Vorteil sein.

Der richtige Sattel für dein Mountainbike

Der Sattel beim Mountainbike ist üblicherweise lang und schmal, jedoch etwas breiter und mehr gepolstert als beim Rennrad, um eine gute Stützwirkung in der aufrechten Sitzposition zu erzielen. Neben der richtigen Sattelbreite, die von deinem Sitzknochenabstand abhängt, spielen die Form und das Polster eine große Rolle. Du solltest dich auch nicht eher zufrieden geben, bis du ein zu dir passendes Modell gefunden hast, denn ein unpassender Sattel kann nicht nur körperliche Beschwerden hervorrufen, sondern dir auch den Spaß am Radfahren gründlich vermiesen.

Satteltypen

  • Enduro-Sättel: haben einen weichen, V-förmigen Übergang von der Sattelnase zur Sitzfläche, da beim üblichen Enduro-Biken häufig die Sitzposition variiert wird und die Oberschenkel mit seitlichem Druck auf den Sattel das Bike mitlenken.
  • Race-Sättel: haben nur einen kurzen Entlastungskanal im Dammbereich, um die Kontaktfläche zwischen Fahrer und Sattel zu erhöhen - damit ist die Polsterung zugunsten eines niedrigen Gewichtes eher dünn.
  • Allround MTB Sattel: zeichnet sich durch einen langgezogenen Entlastungskanal aus, wie auch durch eine breit geformte Sattelnase für sportliche Kletter-Einlagen. Die breitere Sitzfläche stützt dabei ausreichend das Becken. Das Polster ist angenehm straff, ohne sich nach längeren Fahrten “durchzusitzen”.

Überprüfung der Sitzposition

Du hast die beschriebenen Einstellungen vorgenommen und wenn du alle Schritte gewissenhaft durchgeführt hast, passt dir dein Mountainbike jetzt bereits sehr gut. An den geometrischen Daten solltest du nun erstmal nichts weiter verändern, sondern eine ausgiebige Probefahrt von mehreren Kilometern unter realen Bedingungen machen.

In der Praxis erkennst du eine gute Sitzposition daran, dass du längere Zeit ohne nennenswerte Probleme oder Beschwerden fahren kannst. Wenn du deine gewählte Sitzposition lange halten kannst, ohne auf dem Rad unruhig zu werden, d.h. du nicht auf dem Sattel nach vorne oder hinten rutscht, deine Sitzposition zentral und kompakt bleibt ohne dass du verspannst oder häufig die Extremitäten lockern musst.

Weitere Tipps für eine ergonomische Sitzposition

Um sich beim Radfahren rundum wohlzufühlen, sollte der Fahrradrahmen zum eigenen Körper passen. Denn: Ein Rahmen mit den falschen Maßen kann zu Rückenproblemen führen. So zwingt ein zu kurzer Rahmen zu einem runden Rücken, durchgestreckten Armen und dazu, den Kopf in den Nacken zu legen. Dabei sollte der Kopf besser nicht überstreckt werden, sondern in der Verlängerung zur Halswirbelsäule gehalten werden.

Die richtige Rahmenlänge ermöglicht bei geneigter Sitzposition die Streckung des Rückens in seiner natürlichen S-Form. Nur so kann die Rückenmuskulatur den Oberkörper halten und den Druck auf die Hände und Arme verringern. Diese Position wird erreicht, wenn der Winkel zwischen Oberkörper und Oberarmen etwa 90 Grad beträgt.

Die richtige Sitzhöhe

Die Sattelhöhe ist annähernd korrekt, wenn man bei gestrecktem Bein mit der Ferse das untenstehende Pedal erreicht. Die Satteleinstellung sollte individuell nur nach oben korrigiert werden. Je nach Tretlagerhöhe und Rahmengeometrie wird man bei korrekter Sattelhöhe, wenn überhaupt, nur mit den Fußspitzen den Boden erreichen.

Die richtige Armhaltung

Die Arme sollten leicht angewinkelt sein, um Fahrbahnstöße abfedern zu können. Gestreckte Arme leiten die Stöße in die Handgelenke und Schultern - und führen zu Verkrampfungen.

Die richtige Fahrtechnik für mehr Sicherheit und Spaß

Die richtige MTB-Fahrtechnik ist der Schlüssel! Egal, ob du knifflige Wurzelpassagen meistern, enge Kurven sauber fahren oder steile Uphills bezwingen möchtest - mit der passenden Technik wird dein Fahrspaß auf dem Trail noch größer.

Die Grundposition

Die Grundposition ist das A und O beim Mountainbiken. Ohne eine stabile Ausgangshaltung verlierst du schnell die Kontrolle über dein Bike - besonders auf technischen Trails, in Kurven oder bei Wurzelpassagen.

Die richtige Bremstechnik

Die richtige Bremstechnik ist entscheidend für deine Kontrolle und Sicherheit auf dem Trail. Platziere jeweils den Zeigefinger auf den Bremshebel - der Vorderrad- und der Hinterradbremse - und betätige beide gleichzeitig. Die Vorderradbremse hat einen viel größeren Wirkungsgrad als die Hinterradbremse.

Kurvenfahren

Kurvenfahren beim Mountainbiken kann anfangs herausfordernd sein, da der Bewegungsablauf komplex ist. Als Anfänger solltest du nicht gleich ins Gelände starten, sondern am besten auf ebenem Asphalt üben. Mit ausreichend Platz nach rechts und links kannst du die Grundlagen des Kurvenfahrens am einfachsten erlernen.

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