Die richtige Sitzhöhe auf dem Mountainbike einstellen

Du hast ein neues Fahrrad und bist bereit für die erste Fahrt? Ein korrekt eingestellter Sattel bringt dich nicht nur bequem und sicher ans Ziel, sondern beugt auch Verletzungen und gesundheitlichen Schäden vor. Daher sollte man sich für die Bestimmung der Sitzhöhe genügend Zeit nehmen und so akribisch wie möglich arbeiten.

Warum die richtige Sitzhöhe wichtig ist

Ein falsch eingestellter Fahrradsattel kann ernstzunehmende Folgen für deine Gesundheit haben. Bei einem zu tief eingestellten Sattel wird das Knie zu stark angewinkelt, was zu Schmerzen führen kann. Wenn der Sattel zu niedrig ist, macht sich das erst nach einigen Kilometern oft durch Knieschmerzen bemerkbar. Bei einem zu hoch eingestellten Sattel wird die Beinmuskulatur dagegen zu wenig beansprucht, wodurch sich der Druck auf das Gesäß erhöhen kann und die Oberschenkel schneller zu Krämpfen oder Zerrungen neigen. Kippt das Becken im Rhythmus des Pedalierens nach rechts und links, so ist der Sattel zu hoch.

Außerdem kommt es auch auf die richtige Neigung des Sattels an. Wenn die Spitze zu weit nach unten zeigt, kann dies die Rumpf- und Armmuskulatur belasten. Ziel sollte es sein, dass der Großteil deines Körpergewichtes gleichmäßig auf den beiden Sitzknochen getragen wird, um den Rücken sowie die Gelenke zu entlasten.

Grundsätzlich ist die Einstellung der Sitzhöhe bei allen Rädern dieselbe. Bei der Ermittlung der richtigen Sitzhöhe auf dem Fahrrad spielt es keine Rolle, ob es sich um ein E-Bike, Mountainbike, Rennrad oder ein ganz normales Stadtrad handelt.

Steig auf das Rad und strecke ein Bein aus. Setze den Fuß mit der Ferse auf das Pedal, das auf dem entferntesten Punkt der Kurbelumdrehung steht. Das Knie sollte nun durchgedrückt sein.

Vorbereitung und Werkzeug

Neben dem Bike, das eingestellt werden soll, benötigst du:

  • Ein Maßband
  • Ein Buch oder Lineal
  • Ein Senklot (Schnur mit einem Gewicht/Gegenstand am Ende)
  • Das passende Werkzeug, um die Sattelhöhe am Sitzrohr des Rahmens zu verstellen (i. d. Regel Innensechskant)
  • Das passende Werkzeug, um die Sattelneigung zu verstellen (ebenfalls Innensechskant)

Du solltest Radbekleidung tragen, mindestens jedoch eine Radhose. Eine zweite Person als Helfer ist sinnvoll.

Innenbeinlänge (Schrittlänge) messen

Die Innenbeinlänge ist das Maß aller Dinge! Sie dient nicht nur als Basis für eine detaillierte Berechnung der Sitzhöhe, sondern auch bei der Bestimmung der Rahmenhöhe (Bike-Kauf). Und so funktioniert‘s:

  1. Stelle dich mit Radhose bekleidet, aber ohne Schuhe mit dem Rücken aufrecht an eine Wand.
  2. Positioniere das Buch (oder Lineal) zwischen den Beinen und schiebe es waagerecht ganz nach oben in den Schritt, so als wenn du auf einem Sattel sitzen würdest.
  3. Der Helfer misst nun den Abstand vom Boden bis zur Oberkante des Buchs. Das Ergebnis ist deine Innenbeinlänge.

Methoden zur Bestimmung der Sattelhöhe

Die Quick-Methode

Mal eben ein Bike für die Probefahrt vorbereiten? Oder mit dem Bike des Kumpels eine Runde um den Block drehen? Mit Augenmaß lässt sich die Sattelhöhe folgendermaßen grob einstellen:

  1. Setze dich gerade aufs Rad, Hände an den Lenker.
  2. Stelle das rechte Pedal an den tiefstmöglichen Punkt (sechs Uhr).
  3. Stelle die Sattelhöhe so ein, dass am gestreckten(!) rechten Bein die Ferse(!) gerade eben die Standfläche des unten stehenden Pedals berührt.
  4. Wenn du nun in normaler Tretposition mit dem Fußballen aufs Pedal drückst, ist das Bein entsprechend abgewinkelt.

Die genaue Methode

Jetzt kommt die zuvor ermittelte Innenbeinlänge ins Spiel. Die Rechnung ist einfach: Die Sattelhöhe entspricht 109 Prozent der Innenbeinlänge. Das heißt du rechnest: Innenbeinlänge x Faktor 1,09. Gemessen wird die Sattelhöhe von der Pedalachse zur Satteldecke, wenn das Pedal (fast ganz) unten steht. Der Kurbelarm muss dann die Verlängerung des Sitzrohrs bilden.

Wenn du die Möglichkeit hast, den Kniewinkel zu messen, dann lässt sich die Sitzhöhe überprüfen und verfeinern. Dazu dient ein Winkelmesser, auch genannt Goniometer. Check: In der tiefsten Position des Pedals (Fuß in korrekter Ballenposition auf dem Pedal) sollte der Kniewinkel zwischen 25 und 35 Grad liegen. Ältere oder unbeweglichere Fahrer tendieren zu 25 Grad, sportliche Fahrer zu 35 Grad.

Die Hügi-Methode

Die Hügi-Methode wurde vom Schweizer Wilfried Hügi in den 1980er-Jahren entwickelt, um mithilfe einer mathematischen Formel die beste Sitzposition zu bestimmen. Zunächst wird dabei die Beinlänge vom Fuß bis zum Schritt gemessen. Diese Zahl wird anschließend mit dem Faktor 0,885 multipliziert.

Für welche Methode du dich entscheidest, bleibt dir überlassen. Beide Methoden helfen dir bei der Einstellung der optimalen Sattelhöhe.

Weitere wichtige Einstellungen

Neben der Sattelhöhe spielt die Neigung des Fahrradsattels eine wichtige Rolle dabei, eine bequeme und gesunde Sitzposition auf dem Fahrrad zu finden. Am besten sollte der Sattel möglichst waagerecht eingestellt sein. Zur Ermittlung der Waagerechten, kannst du die bereits erwähnte Wasserwaage verwenden. Diese legst du am besten zuerst auf den Boden, um zu sehen, ob der Untergrund eben ist. Anschließend bringst du den Fahrradsattel in eine waagerechte Position, indem du die Schraube(n), die den Sattel mit der Sattelstütze verbinden lockerst.

Anschließend geht es noch darum die richtige Sattelposition zu finden. Damit ist der Abstand vom Sattel zum Lenker gemeint. Nur so kannst du vernünftig in die Pedale treten. Nun sollte der Fußballen auf Höhe der Pedalachse stehen und das Knie sollte am tiefsten Punkt leicht angewinkelt sein. Die Kniescheibe sollte nun im besten Fall durch die vordere Pedalachse laufen. Um diesen Punkt zu erreichen kannst du den Sattel leicht nach vorne bzw.

Sattel Setback einstellen

Damit der Druck aufs Pedal so effizient wie möglich ist, muss auch die horizontale Position des Sattels stimmen. Dazu lässt sich der Sattel auf den Befestigungsschienen unter der Sitzfläche, den so genannten Rails, verschieben. Zur Ermittelung der Position benötigst du das Senklot. Zuerst stellst du den Sattel (die Neigung der Sitzfläche) waagerecht ein. Nimm dann auf dem Bike platz und stelle einen Fuß, rechts oder links, in normaler Tretposition aufs Pedal (Ballen). Die Kurbel muss zur Messung waagerecht stehen! Lege die Schnur mit dem Gewicht am Ende über die Kniescheibe des angewinkelten Beins. Das Lot muss nun mitten durch die Achse des Pedals fallen. Verschiebe den Sattel entsprechend horizontal, bis dies der Fall ist.

Besonderheiten beim Mountainbike

Gerade wenn du Mountainbike fährst, kann es nützlich sein, unterwegs häufiger die Sattelhöhe zu verändern. Während du auf einigen Passagen im Stehen fährst und somit besonders viel Bewegungsfreiheit brauchst, ist es sinnvoll, den Fahrradsattel etwas tiefer zu stellen. Eine hydraulische Sattelstütze, die sogenannte Dropper Post, kann dabei sehr hilfreich sein.

Neben der Sattelneigung und der Position des Sattels ist die Sitzüberhöhung, also der Höhenunterschied von Sattel zu Lenker, wichtig für die Leistungsentfaltung und Vermeidung von Rückenbeschwerden. Diese hängt einerseits von der Körpergröße und Rumpflänge sowie von der Beweglichkeit des Fahrers ab. Entscheidend ist aber auch, welches sportliche Ziel man verfolgt. Eine aufrechte Position ist ideal für lange Touren und Rad-Marathons.

Feintuning

Auch wenn die gezeigten Methoden zur Bestimmung der Sitzhöhe in den allermeisten Fällen zu einem optimalen Ergebnis führen - sie sind dennoch nicht in Stein gemeißelt! Solltest du dich also in irgendeiner Weise auf der Fahrt unwohl fühlen, oder sogar Knieschmerzen bekommen, dann gilt es, die Positionen in Nuancen zu verändern. Bereits wenige Millimeter können etwas bewirken. Allzuweit solltest du dich jedoch nicht von den ermittelten Werten entfernen.

Sobald dein Sattel korrekt eingestellt ist, fährt es sich gleich viel bequemer und leichter.

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